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Leserbriefe 7-2026

veröfftl. am 01. April 2026

Verschandelung neuer Vinschger Zug

Mit Unverständnis habe ich die Sprühaktion am neuen Vinschger Zug am Spondiniger Bahnhof festgestellt. Ein öffentlich finanziertes Infrastrukturprojekt, das vielen Menschen zugutekommt und einen wichtigen s4 zugBeitrag zur nachhaltigen Mobilität leistet, mutwillig zu beschädigen, ist weder ein Kavaliersdelikt noch eine Form von Kunst. Solche Aktionen verursachen nicht nur erhebliche Kosten für die Allgemeinheit, sondern zeugen auch von mangelndem Respekt gegenüber gemeinschaftlichem Eigentum. An der nahegelegenen Betonfassade des Straßenviadukts wäre noch genug Platz, sich auf diese Weise zu betätigen, ohne einen solchen Schaden anzurichten. Ich hoffe, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

Rudi Maurer - Prad am Stilfserjoch

 

Drususkaserne: “Ich bin enttäuscht und verärgert“


Leserbrief zur Gemeinderatsitzung in Schlanders am 26.03.2026
Der Abbruch der Drususkasernen wurde beschlossen
Am 5. Oktober 2022 um 5 Uhr in der Früh fuhren im Kaserenareal in Schlanders die Bagger auf und begannen mit Abbrucharbeiten bei der „Palazzina Comando“ und an der Ostflanke der „Palazzina Misurata“. Damals gab es einen Aufschrei über diese nächtliche Aktion und der Abbruch wurde gestoppt. Am 26. März 2026 hat der Gemeinderat von Schlanders mit 15 Ja Stimmen, 2 Enthaltungen und 1 Gegenstimme beschlossen, die drei Baulose Palazzina Misurata, Palazzina Comando und die Villa Wielander abzureißen. Damit führt die neue Gemeindeverwaltung die Politik der alten Gemeindeverwaltung fort: alles demokratisch, alles transparent, alles ok. Wirklich? Als Bürger von Schlanders bin ich enttäuscht und verärgert. Das Projekt Drususkaserne ist für die zukünftige Entwicklung von Schlanders das größte Projekt. Weder der Gemeindeausschuss noch der Gemeinderat haben sich die Zeit genommen, Alternativen zum Abbruch zu diskutieren. Eine außerplanmäßige Gemeinderatsitzung wurde einberufen mit der Begründung, dass ein Drittel der Misurata für den Bau der Tiefbauhalle des angrenzenden Berufsbildungszentrums abgerissen werden muss. Dabei wurde gleich beschlossen, nicht nur das notwendige Drittel des ersten Bauloses, sondern auch das zweite und dritte Baulos abzureißen. Dies, obwohl bei der Gemeinderatsitzung nicht klar wurde, was auf den leeren Flächen gemacht werden sollte. Zwei Beschlussanträge zu dem Thema, wenige Tage zuvor von der Bürgerliste eingereicht, wurden nicht zugelassen. Eine Diskussion über eine langfristige Ansiedlung des Oberschulzentrums im Kasernenareal, über Bauen am Bestand, den Bau von Mietwohnungen, die Erhaltung des ganzen Ensembles gab es nicht. Dabei sieht das neue Wohnbaureformgesetz Nr. 6/2025 u.a. diese Möglichkeiten vor. Schlanders hat auf dem Kasernengelände mit der Basis Vinschgau ein Vorzeigeprojekt erstellt, indem nicht abgerissen und teuer neu gebaut wurde, sondern indem behutsam und intelligent saniert und adaptiert wurde. Dafür bekam Schlanders einen Sonderpreis von der Architekturstiftung Südtirol. Anstatt diesen Weg weiterzugehen und die bestehenden Gebäude für kostengünstige Mietwohnungen zu sanieren, werden nun die alten Kasernen abgebrochen und der Bauschutt muss teuer entsorgt werden. Das dafür notwendige Geld wird für andere wichtige Investitionen fehlen.
Heinrich Zoderer, Schlanders

 

 

Nachruf auf Vigil „Gilli“ Klammsteiner


Geb. am 11. Jänner 1936; gest. am 17. Februar 2026, über 40 Jahre Pfarrer in Trafoi, Rebell
im Priestergewand und „Dachdecker Gottes“.

Geboren wurde Gilli als eines von neun Kindern auf dem Greithof, einem Bauernhof oberhalb der Fragsburg bei Meran. Er studierte acht Jahre am Johanneum in Dorf Tirol, anschließend Theologie und Philosophie in Trient und Brixen, wo er 1966 zum Priester geweiht wurde. Vorher leistete er noch seinen Militärdienst, und zwar bei den Skifahrern. Zum Sport hatte er eine besondere Beziehung. Mit 40 Jahren absolvierte er noch ein Sportstudium an der Uni Innsbruck, das er 1982 abschloss. „Ohne Sport wäre ich entweder Alkoholiker oder nervenkrank geworden“, sagte er zu Markus Larcher, dem Redakteur der ff, der ihn 2009 interviewte.
Sein Lieblingsort waren die Drei Brunnen, ein magisches Plätzchen im Talschluss hinter Trafoi. In der dortigen Wallfahrtskirche hat er nicht nur die Skilegende Gustav Thöni und seine Frau Ingrid, sondern ebenso deren Kinder getauft und getraut. Auch viele „Auswärtige“ nahmen Gillis geistliche Dienste in diesem Kirchlein gerne in Anspruch. Dessen Schindeldach hat er eigenhändig erneuert, was ihm den liebevollen Spitznamen „Dachdecker Gottes“ (Larcher) einbrachte.
Gillis Amtsführung schwankte zwischen sportlich und unkonventionell. An einer Amtshandlung hatte ich Gelegenheit, persönlich mitzuwirken. Bei einer Skitourenwoche auf Korsika im Jahr 2009 hatten sich Karin Thöni aus Langtaufers und Edwin Heinisch aus Matsch kennen und lieben gelernt. Im Jahr darauf wollten sie heiraten. Da sie sich nicht auf den Ort der Eheschließung einigen konnten, verständigten sie sich auf einen Kompromiss: Die Trauung sollte sozusagen auf Halbweg zwischen den beiden Tälern stattfinden, nämlich auf dem Bärenbartjoch. Es galt nur, einen Kleriker zu finden, der willens und fähig war, am 24. April auf den auf über 3.000 Metern hoch gelegenen Übergang hinaufzusteigen. Der Gilli erklärte sich bereit, allerdings unter einer Bedingung: „Ich brauche dabei einen Ministranten, der auch Latein kann!“ „Wo sollen wir so einen hernehmen, ohne zu stehlen?“ „Ich kenne einen, der ist auch noch mein Vetter, hat acht Jahre Latein in der Schule gelernt und später sogar Kirchenrecht studiert.“ So konnte ich dem Gilli bei seiner Zeremonie unter dem Bärenbart assistieren.
Zu Gillis Begräbnis in der Kirche von Untermais hatte sich vom Bischof abwärts so ziemlich alles eingefunden, was beim Klerus Rang und Namen hat. Nur bei der Abfassung der Todesanzeige, welche bei Priestern der Amtskirche vorbehalten ist, schien mir etwas schief gelaufen zu sein. Kleriker werden in der Regel mit „Hochwürden“ verabschiedet. Im Partezettel der Kurie wurde Gilli zum „P.“, also zum Pater degradiert! Meine Anfrage beim persönlichen Sekretär des Bischofs und Schlanderser Landsmann Michael Horrer brachte zwar Entwarnung: Alles sei aus Versehen passiert, eine gar hinterhältige Absicht habe nicht vorgelegen- Und dem Gilli dürfte es egal sein, ob er nun als Pater oder als Hochwürden auf einer Wolke schwebt!
Peter Tappeiner