Zum Hauptinhalt springen

von Don Mario Pinggera

Nachgedacht

veröfftl. am 27. Mai 2026

Die schlechte Nachricht zuerst: Es ist zu spät! Wer derzeit über den Reschen fährt, kann sich nur die Augen reiben: mit Hochdruck wird an den Galerien in schwierigstem Gelände gearbeitet, das Bauende ist absehbar. Überhaupt hat das Bundesland Tirol schon vor über 40 Jahren gezeigt, wie effizienter Strassenbau funktioniert, indem mit der Reschen Bundesstrasse B180 fast alle Ortschaften im Oberinntal vom Durchgangsverkehr befreit wurden. Der Landecker Tunnel ist zudem direkter Autobahnzubringer, die kürzlich fertiggestellten Galerien kurz vor der Stadteinfahrt nach Landeck ergänzen das Verkehrskonzept perfekt. Und bei uns? Ja, es ist zu spät! Das Glurnser Ansinnen, die Stadt für den Durchgangsverkehr zu sperren, ist zwar nachvollziehbar, aber falsch. Ohne eine brauchbare Alternative aufzuzeigen, geht so etwas nicht! Es handelt sich wieder einmal um die sogenannte «Vinschger Lösung». Das heisst, jeder schaut ein wenig mehr auf sich. Solidarität und Zusammenhalt? Fehlanzeige! Davon wusste der ehemalige Landeshauptmann Luis Durnwalder schon ein Lied zu singen, indem er sinngemäss meinte: «Werdet Ihr Vinschger Euch erst einmal einig, dann können wir weitermachen». Der Fraktionsvorsteher von Laatsch, Andreas Paulmichl, hat völlig recht, wenn er den Glurnser Alleingang kritisiert. Wenn sich aufgrund der Enge eine Ortschaft nicht für Durchgangsverkehr eignet, dann ist das Laatsch. Zu Recht ruft Paulmichl dazu auf, sich zusammenzusetzen. Und zwar alle Beteiligten, die betroffen sind: Prad, Glurns, Schluderns, Mals, Laatsch, Tartsch, Taufers und Val Müstair. Letztere kommen in den Überlegungen noch nicht vor, dabei muss in Sta. Maria in den Sommermonaten oft genug der Verkehrsdienst eingesetzt werden, wobei drei Personen den Verkehr regeln: zur Dorfeinfahrt von Müstair her, vom Ofenpass her und vom Umbrail her. Ansonsten würde Sta. Maria im Chaos versinken. Die Gründe, warum es in Sta. Maria noch keine Umfahrung gibt, sind dieselben wie über der Grenze. Die Mentalitäten sind beidseits der Grenzen sehr ähnlich, einfach aus der Erfahrung als ehemaliger Pfarrer des Val Müstair gesprochen. Bevor jemand ein Stück Land für ein Projekt gibt, welches letztendlich allen Nutzen brächte, vergeht eine Ewigkeit, oder es kommt – wie zumindest jetzt – gar nicht zu Stande. Bevor in den Schädeln der Menschen nicht ein wesentlicher (!) Wandel einsetzt, wird es beim «zu spät sein» bleiben. Nordtirol geht seit Jahrzehnten einen anderen Weg, aber nicht nur anders, sondern auch besser. Das gilt allerdings auch für andere Regionen in Südtirol.