Nachhaltigkeitspreis
Werner Schönthaler (r.) aus Eyrs ist Unternehmer, Hanf-Pionier und ein profilierter Kopf für nachhaltige Baustoffe im Vinschgau und darüber hinaus. Gemeinsam mit Designerin und Ehefrau Noa Paul (l.) hat er den Deutschen Nachhaltigkeitspreis nun bereits zweimal gewonnen. Eine der bedeutendsten europäischen Auszeichnungen für innovative ökologische und zukunftsfähige Lösungen. Mit seinem Unternehmen hat Schönthaler den traditionellen Familienbetrieb zu einem Vorreiter für Hanfbaustoffe gemacht, wo Ressourcenschonung mit hoher technischer und gestalterischer Qualität verbunden wird.
Vinschgerwind:Wofür habt ihr den Preis erhalten?
Werner Schönthaler: Wir haben den deutschen Nachhaltigkeitspreis, einen der anerkanntesten Preise in Punkto Nachhaltigkeit im deutschen Sprachraum erhalten. 2022 bereits für Design, bei Design geht es dabei nicht nur um Ästhetik, sondern wie man etwas zusammenfügt und aufbaut und dieses Mal haben wir ihn zweimal gewonnen für Produkte. Einmal für den Hanfziegel und vorgefertigte Wandelemente und für Akustikplatten.
Vinschgerwind:Wer ist wir?
Werner Schönthaler: Wir als Schönthaler Bausteinwerk. Und mit uns Noah Paul, sie hat in Tel Aviv Industriedesign studiert und ist schon vor 6-7 Jahren mal bei uns gewesen, bevor sie ihre Masterarbeit über Akustikplatten schrieb. Sie interessierte sich für Hanf als Baustoff und was damit alles möglich wäre. Sie hat dann für ihre Arbeit vom Staat Israel einen Innovationspreis gewonnen, für das Potential der Platten. Mit dem Preisgeld wandte sie sich wieder an uns, um das Produkt zu entwickeln. Ich sah gleich Potential darin und wir sagten ok, komm her!
Vinschgerwind: Wann war das genau?
Werner Schönthaler: Vor fünf Jahren ist sie hergekommen. Wir sind mittlerweile verheiratet.
Vinschgerwind: Seitdem kooperiert ihr?
Werner Schönthaler: Genau. Sie ist dann hergekommen und wir haben uns an die Arbeit gemacht. Im Prinzip hat sie die ersten Prototypen dann bei uns hier entwickelt. Mittlerweile arbeitet sie an der Uni Bozen.
Vinschgerwind: Zu dir. Wie bist du auf den Hanf gekommen?
Werner Schönthaler: Gute Frage (lächelt). Christoph Kirchler?
Vinschgerwind: Nicht schon vorher?
Werner Schönthaler: Aus gesundheitlichen Gründen. Ich hatte einmal eine schwere Krankheit, war lange im Krankenhaus und habe gemerkt, wenn du krank bist, hast du ganz andere Bedürfnisse und kommst eventuell auf alternative Ideen. Man kann auch sagen, wenn man krank ist, kommt es darauf an wo und wie man lebt, vor allem wie man schläft. Unsere Behausung ist wie eine dritte Haut und je nach Material kann diese für uns ein Gift sein. Ich habe lange mit der Schwienbacher Traudi zusammengearbeitet und eine Firma gegründet. Sie brachte mich auf die dritte Haut. Und dann, das war schon durch Christoph Kirchler und Ecopassion, hatte ich einen Hanfziegel in der Hand und er sagte, mit der Pflanze kannst du essen, dich kleiden und Wohnen. Und das hat mich tief begeistert, denn das ist das, was du brauchst, auch wenn du krank bist. Ecopassion stellte damals Hanfkalkiglus in Percha auf einem Hanffeld aus. Ich habe mir dann einen Hof oberhalb von Tschengls gekauft und das war eigentlich dann das Testfeld für die Hanfbaustoffe aus eigener Produktion. Was ich esse, womit ich mich kleide und wo ich wohne habe ich selbst in der Hand.
Vinschgerwind: Wie gestaltete es sich zu Beginn wieder Hand an der verpönten Pflanze Hanf zu legen?
Werner Schönthaler: Am Anfang haben die uns alle ausgelacht. Intern und extern. Intern fast noch mehr. Nachhaltigkeit oder CO², davon sprach vor 10-12 Jahren noch keiner. Ich muss sagen, mein Vater, der wird heuer 90, der war sofort begeistert und hat auch sofort mitgeholfen. Da muss ich sagen hatte der Vater mehr mitgeholfen als etwa die Arbeiter oder andere Leute.
Vinschgerwind:Die ältere Generation tat sich leichter mit der Rückbesinnung auf den Hanf?
Werner Schönthaler: Genau. Was eigentlich eigenartig ist. Nicht ganz verständlich. Damals wurden wir auch auf dem Markt ausgelacht und bekämpft. Mittlerweile, wenn du schaust, wo die ganzen Nachhaltigkeitsziele hingehen, wenn wir Umwelt und Klima halbwegs hinbekommen wollen, dann bringt der Hanf genau das alles mit. Auch landwirtschaftliche Vorteile.
Vinschgerwind: Was wird nun derzeit bei euch konkret aus Hanf gefertigt und welche Rolle spielt dieser?
Werner Schönthaler: Hanfziegel, Hanfputz, Fertigteilwände und die Akustikplatten werden hier veredelt. Hanf ist mittlerweile das Hauptthema bei uns und sicher auch in der Zukunft. Hanfbaustoff hat Potential und der Markt wächst stark. Nur als Beispiel haben wir im vergangenen Jahr drei Kindergärten gemacht, momentan einen Bau mit 50 Wohnungen.
Vinschgerwind: Ist es noch ein Nischenprodukt?
Werner Schönthaler: Das ist das Ganze nachhaltige Bauen noch. Bei uns intern nicht mehr und auch sonst nicht.
Vinschgerwind: Wo kommt der Hanf dafür her?
Werner Schönthaler: Der kommt aus Norditalien, Frankreich und etwas aus Österreich.
Vinschgerwind: Was glaubst du, wird der Hanf in Zukunft wieder massentauglich?
Werner Schönthaler: Das bin ich mir ganz sicher. Ohne Zweifel. Ist im Prinzip jetzt schon massentauglich. Die ganzen gesetzlichen Vorgaben gehen dorthin. In Skandinavien gibt es jetzt schon Auflagen für nachhaltiges und ressourcenschonendes Bauen. Sand und Beton, das wird ein Auslaufmodell. Zement wird immer weniger akzeptiert. Die CO² Thematik, gut oder schlecht führt auch dorthin. Auch was den Aufbau betrifft. Wir haben in Laas ein Haus, das ist in drei Tagen gestanden.
Vinschgerwind: Wo setzt ihr am meisten um?
Werner Schönthaler: Los ging alles in der Schweiz. Dort haben wir nun nach 10 Jahren Aufbau einiges erreicht und sind gut angesehen. Aber auch sonst im deutschsprachigen Raum. Das meiste geht aber in die Schweiz, bzw. Liechtenstein. Auch Südtirol. Sanierungen nehmen bei uns zu. Das ist gut für uns. Wir haben eine leichte Baukrise, aber es wird viel renoviert.
Vinschgerwind: Wäre der lokale Hanfanbau für Hanfschäben bei uns rentabel?
Werner Schönthaler: Nein. Eher nicht. Der Hanf ist eine extensive Pflanze und kann hier mit der Apfel- oder Weinwirtschaft nie konkurrieren. Dafür sind die Flächen zu begrenzt und die Profitmargen zu gering. Was in Zukunft nicht ganz abwegig wäre, ist, dass ich mir mein Haus pflanze. Das heißt den Rohstoff selbst anbaue. Aber das ist Zukunftsmusik und gerade sind wir sowieso in einer prekären Situation für junge Leute, die sich den Hausbau zunehmend schlicht und einfach nicht mehr leisten können.