Nimby Effekt oder das Sankt-Florian-Prinzip
Viel reden heute von Veränderung, Transformation, Innovation und sogar von Revolution. Bürger wehren sich gegen Reformen, gegen Erneuerungen, weil dies vielfach Kürzungen, schmerzhafte Anpassungen bedeutet und mit Nachteilen für einzelne Bevölkerungsgruppen verbunden ist. Vielfach spielt der sogenannte Nimby Effekt eine Rolle. Der Begriff Nimby steht für „Not In My Backyard” (zu Deutsch: “Nicht in meinem Garten”) und beschreibt Menschen, die sich grundsätzlich für eine neue Maßnahme aussprechen, aber nur, solange sie nicht das eigene Umfeld betrifft. Im Deutschen ist diese Einstellung auch als das Sankt-Florian-Prinzip bekannt. Dies ist auf einen ironisch gemeinten Reim zurückzuführen, der sich auf den Schutzpatron des Heiligen Florian bezieht: „Heiliger Sankt Florian, verschon’ mein Haus, zünd’ and’re an!”. Dass viele Menschen ein grundsätzliches Problem damit haben, Veränderungen in der Nähe des eigenen Wohnortes zu akzeptieren, gilt als eines der zentralen Hindernisse auf dem Weg in eine klimafreundlichere Zukunft. Nimbys sind nicht prinzipiell Gegner:innen des Klimaschutzes. Sie sprechen sich sogar häufig für einen besseren Klimaschutz aus und befürworten prinzipiell entsprechende Maßnahmen. Nur vor der eigenen Haustür möchte man damit eben nicht konfrontiert werden. Auch beim Bau von neuen Bahnstrecken und Windrädern, von Obdachlosenheimen oder Gefängnissen gibt es Protestaktionen von Nimbys. Um diesen Gruppen entgegenzuwirken, werden oft Unterstützergruppen gefördert. Projektverantwortliche müssen die Bürger frühzeitig informieren und in neue Projekte einbinden. (hzg)