Tulpenmanie
Die Tulpenmanie wird als die erste verhältnismäßig gut dokumentierte Spekulationsblase der Wirtschaftsgeschichte angesehen. Es handelt sich um eine Periode im 17. Jahrhundert im Goldenen Zeitalter der Niederlande, in der Tulpenzwiebeln zum Spekulationsobjekt wurden. Nachdem Tulpen im 16. Jahrhundert aus dem Osmanischen Reich nach Europa gelangt waren, entwickelten sie sich rasch zu begehrten Luxusgütern. Zu den Blumenliebhabern zählten Gelehrte, wohlhabende Bürger sowie Adlige, für welche es eine Liebhaberei war. Tulpen wurden geschätzt, weil sie neu, exotisch, exklusiv, dekorativ und anspruchsvoll waren. Seit der Mitte der 1570er Jahre wurden seltene Pflanzen und Blumen gehandelt. In der Zeit zwischen 1630 und 1650 kannte man rund 800 namentlich unterschiedene Tulpensorten. Besonders seltene Sorten mit ungewöhnlichen Farbmustern – häufig durch ein Virus verursacht – wurden zu Statussymbolen und erzielten hohe Preise. Um das Jahr 1634 betraten Spekulanten den Markt, die Tulpen nicht nur in der Hoffnung kauften, sie zu späterer Zeit selbst in ihren Garten zu setzen, sondern sie erwarben, um sie bei steigenden Preisen mit Gewinn weiterzuverkaufen. Auf dem Höhepunkt des Spekulationswahns lag der Preis für eine Tulpenzwiebel bei unfassbaren 10.000 Gulden, umgerechnet circa 110.000 Euro. 1633 wurde ein ganzes Haus für drei Zwiebeln verkauft. Zwei Tage nach der Auktion am 5. Februar 1637 hatte der Verfall von Preisen seinen Anfang genommen. In den nächsten Tagen brach dann in den gesamten Niederlanden der Tulpenmarkt zusammen. (hzg)