Zeitenwende
v. l.: Peter Pohl, Christian Lanthaler, Alexander und Franz Marx, BMin Christine Kaaserer, NP-Direktor Hanspeter Gunsch, Burkhard und Michael Pohl und Fraktionspräsident Kurt Tappeiner
Unscheinbar, super sauber und ultra leise: Der neue Elektro-LKW biegt in Göflan um die Ecke mit einem 20 Tonnen Marmorstein auf der Ladefläche. Es ist eine Premiere und man ist wegen der speziellen Arbeitsumgebung geneigt zu sagen, eine Weltpremiere. Die Firma Marx von Franz und Sohn Alexander Marx, die seit knapp 20 Jahren im Auftrag der Gemeinde Schlanders den Marmor vom Göflaner Wantlbruch bis zum Firmensitz der Göflaner Marmorwerke der Familie von Burkhard Pohl bringt, präsentiert das emissionslose Gefährt, welches nach der Schneeschmelze den Marmortransport übernehmen wird. Die Ankündigung von Burkhard Pohl zu seinem 90. Geburtstag im Vinschgerwind, dass der E-LKW kommen wird, wird also Wirklichkeit. Die Firma Marx geht mit rund 750.000 Euro in Vorleistung, denn soviel kostet der von „Designwerk Technologies AG“ aus Winterthur umgerüstete E-LKW. Finanzielle Unterstützungen für diese neue Technologie ist kaum zu erwarten, denn ein solch spezielles Thema ist in keinem Fördergesetz vorgesehen. Der Ankauf und der Betrieb eröffnen dafür aber völlig neues Terrain. Denn dem Direktor des Nationalparks Stilfserjoch Hanspeter Gunsch, in Göflan ebenso wie viele andere Gäste staunend anwesend, wird eine Fahrgenehmigung für einen E-LKW um einiges leichter fallen, als mit den bisherigen Dieselfahrzeugen. Ein Elektro-LKW fegt möglicherweise auch die alten Diskussionen um seilbahngestützte Transportmöglichkeiten vom Tisch und das nicht nur in Göflan. Auch in Laas wird es schwieriger werden, von Seilbahnen zu sprechen, wenn über die vorhandenen und über künftige Straßen emissionsfreie Gefährte für den Marmortransport unterwegs sein können. Die Gemeinde Schlanders, bei der Vorstellung des Trucks in Göflan unter anderem durch BMin Christine Kaaserer, dem Generalsekretär Georg Sagmeister und Marmor-Referent Günther Bernhart vertreten, kann ab sofort die Ausschreibung für den Abtransport bis zum Abbaukonzessionsende 2033 passgenau ausschreiben. Die Eigenverwaltung Göflan, Grundbesitzerin des Marmorbruchs, hat eine große Freude und war bei der Vorstellung unter anderem durch Fraktionspräsident Kurt Tappeiner vertreten und auch der langjährige ehemalige Präsident Erhard Alber war anwesend. Die Marmorbetreiber Michael, Peter und Burkhard Pohl waren sich der Tragweite, die ein Elektro-LKW mit sich bringt, voll bewusst.
Der E-LKW mit der 500 Kilowattstunden-Batterie zwischen Fahrersitz und Ladefläche, ist ein Pilotprojekt und in dieser Funktion das erste seiner Art in ganz Europa. Mit einem Leergewicht von 18 Tonnen wird von Göflan zum Bruch hochgefahren und mit einer Ladung von rund 20 Tonnen wieder hinunter. Durch das Rekuperieren, durch das Umwandeln der Bremsenergie in speicherbaren Strom, wird in die Batterie, so erste Erfahrungen, etwas mehr Strom eingespeichert als mit dem Hinauffahren verbraucht worden ist.
Der E-LKW ist nach der Vorstellung in Göflan für die Zulassung und für das Feintuning wieder in das Werk in Winterthur überführt worden. Er soll aber im Frühjahr seine Arbeit auf der Strecke Schlanders-Wantlbruch und retour aufnehmen.