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Spezial: Leben an der Grenze - Val Müstair

125 Jahre Umbrailpassstrasse

von Annelise Albertin
Die Umbrailpassstrasse feiert 2026 ihr 125-jähriges Bestehen. Mit einer würdigen Feier fanden die Jubiläumsanlässe am Sonntag, 26. Juli, auf dem Umbrailpass ihren Abschluss.
veröfftl. am 05. August 2026

Handelsweg
Die 13,4 Kilometer lange Strasse über den Umbrailpass verbindet das Val Müstair mit dem Veltlin und über das Stilfserjoch mit Südtirol. Als sie 1901 eröffnet wurde, galt im Kanton Graubünden noch ein Automobilverbot. Es entstand eine moderne Infrastruktur, die zunächst kaum genutzt werden konnte – eine mutige und weitsichtige Entscheidung der Erbauer.
Die Geschichte des Übergangs reicht jedoch weit über tausend Jahre zurück. Bereits im Mittelalter war der Umbrailpass ein bedeutender regionaler Handelsweg. Salz aus Tirol wurde in die Lombardei transportiert, italienischer Wein gelangte in den Norden. Was heute in einer Stunde bewältigt werden kann, war damals eine Tagesreise.
Um den Handel zu fördern, wurde die Strasse auf Schweizer Seite von Sta. Maria bis zur Passhöhe ausgebaut. Lange blieb ein grosser Teil der Strecke eine Schotterpiste, bis sie zwischen 2008 und 2015 vollständig asphaltiert wurde. Heute ist die Umbrailpassstrasse eine beliebte Ausflugsroute. Der Verkehr bringt Herausforderungen für die Dörfer im Tal, insbesondere für Sta. Maria, schafft aber gleichzeitig Wertschöpfung für die Region.

Die Legende um Karl den Grossen
Zu den bekanntesten Überquerern des alten Saumpfades am Umbrail zählt Karl der Grosse, König des Fränkischen Reiches und ab dem Jahr 800 römischer Kaiser. Der Überlieferung nach geriet er auf dem Rückweg von der Eroberung Norditaliens am Umbrailpass in einen schweren Schneesturm. In Todesangst gelobte er den Bau eines Klosters, sollte er den Sturm überleben. Der Legende nach entstand so im 8. Jahrhundert das heutige UNESCO-Welterbe Kloster St. Johann in Müstair.

Militärische Bedeutung
Ein weiterer bedeutender Meilenstein in der Geschichte des Umbrailpasses war der Erste Weltkrieg (1914–1918). Soldaten aus Italien, Österreich-Ungarn und der Schweiz standen sich im Umbrail- und Stilfserjochgebiet während vier entbehrungsreicher Jahre gegenüber. Die extremen Bedingungen des Hochgebirges führten trotz des Krieges immer wieder zu menschlichen Begegnungen jenseits der Fronten. Über die Umbrailstrasse wurden die Truppen in der Ortlerregion mit Gütern versorgt. Heute erinnern der militärhistorische Wanderweg auf dem Umbrail/Stelvio sowie das Museum 14/18 in Sta. Maria an dieses Kapitel der Geschichte.
Die Strasse, einst für Handel und Austausch gebaut, steht bis heute für die Verbindung zwischen Regionen, Sprachen und Kulturen. Vom mittelalterlichen Handelsweg über die Ereignisse des Ersten Weltkriegs bis zur heutigen Ausflugsroute: Der Umbrailpass hat seine Bedeutung über die Jahrhunderte bewahrt. Die 1901 eröffnete Strasse bildet dabei ein wichtiges Kapitel seiner langen Geschichte.

Jubiläumsfeier auf dem Umbrailpass
Am Sonntag, 26. Juli, fand das Jubiläumsjahr auf dem Umbrailpass seinen stimmungsvollen Abschluss. Dort, wo sich Graubünden, Südtirol und die Lombardei begegnen, erinnerten Vertreter aus Politik, Tourismus und den Nachbarregionen an die Bedeutung der Passstrasse als Verbindung zwischen Menschen, Regionen und Kulturen. Dabei richtete sich der Blick nicht nur zurück auf ihre Geschichte, sondern ebenso nach vorne: Gemeinsame Projekte und grenzüberschreitende Zusammenarbeit sollen die Bedeutung der Umbrailpassstrasse auch künftig stärken
Dem Anlass verliehen auch der Verein Stelvio/Umbrail 14/18 und der Ortler Sammlerverein Erster Weltkrieg einen würdigen Rahmen. Beim von den Sponsoren Alfred Hog und Lilly Ermakova offerierten Apéro riche bot sich Gelegenheit zum Austausch über die Landesgrenzen hinweg. Für die musikalische Umrahmung sorgten die Musica Aurora Sta. Maria sowie die Alphorngruppe «Ils Infernals».
Kaum ein Ort hätte sich für den Abschluss des Jubiläumsjahres besser geeignet als die Passhöhe selbst – dort, wo die Umbrailpassstrasse seit 125 Jahren Regionen, Menschen und Kulturen miteinander verbindet.

Ortler Sammlerverein Erster Weltkrieg v. l.Christian Mazagg, Franz Angerer, David Accola, Gabriella Binkert Becchetti, Gerald Holzer (Vize_Präsident)

Ortler Sammlerverein Erster Weltkrieg v. l.Christian Mazagg, Franz Angerer, David Accola, Gabriella Binkert Becchetti, Gerald Holzer (Vize_Präsident)

v.l. Lilly Ermakova, Gabriella Binkert Becchetti, Alfred Hog

v.l. Lilly Ermakova, Gabriella Binkert Becchetti, Alfred Hog