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„Der Reih noch sein si bodn kemman“

  • Vorspann: Die 91-jährige Josefa Rainalter Wwe. Bernhart, genannt Sefa, hat das Glück, ihren Lebensabend umsorgt von ihren drei Töchtern und deren Familien daheim in ihren vier Wänden in Burgeis verbringen zu können. Abwechslung und Freude erfährt sie durch das Angebot der einfachen Hauspflegedienstleistungen von Viso Plus und in der Tagestättes im Martinsheim in Mals.
  • Dachzeile: Portrait
  • Redakteur: Magdalena Dietl Sapelza
  • Redakteur Bild:

Freud und Leid lagen in Sefas Leben oft nah beieinander, ganz besonders im März 1988. Am 12. März starben ihr Bruder und ihr Vater. Sechs Tage später verbanden sich Trauer und Schmerz mit dem freudigen Ereignis, der Geburt ihres Enkels.
Sefa wuchs mit zwei Brüdern, einer älter, einer jünger, auf dem elterlichen Hof in Burgeis auf. Neben der kleinen Bauerschaft verdiente sich ihr Vater ein Zubrot als Rädermacher. Nachdem er und der ältere Bruder in den Krieg gezogen waren, half Sefa der Mutter soweit sie es imstande war. Und sie war später froh, als die Männer wieder daheim waren. Sefa trug gerne Milch in die Sennerei, weil es dort oft recht lustig zuging. „Oft hon i Schimpf kriag, weil i z’spat hoamkemman bin“, erinnert sie sich. Sobald die Kirchenglocken läuteten, hieß es zur hl. Messe oder auch nur zu einer Andacht zu gehen. „Wegn di Buabm sein miar oft hoamla Maiandocht in Kloster gongen“, verrät sie. An einen nächtlichen Kinobesuch in Mals hat sie eine schlechte Erinnerung. Auf dem Heimweg wurde sie von einem Mann verfolgt, dem sie nur knapp durch die Kornfelder entkam. „Deis isch nor mei leschter Kinobsuach gwesn“, betont sie. Sefa arbeitete einige Winter in Hotelküchen in Sulden, Trafoi und Davos. Die Arbeitstage waren lang und freie Tage gab es keine. Im Sommer wurde sie daheim gebraucht.
In der Nachbarschaft lebte ihr späterer Mann Heinrich Bernhart (Jg.1927). Der „Gerstl Heini“, wie er genannt wurde, war mit seiner Mutter vom „Gerstlhof“ ins Dorf gezogen. „I hon af Nummer 95 gwohnt unt er af 96“, erklärt sie. In den letzten Kriegstagen musste er einrücken. Heini kam mit schwer verletztem Bein und Splittern im Körper aus Oberitalien zurück. „Fan Kriag hot er nia viel drzählt“, sagt Sefa. Heini erholte sich, auch Dank Sefas Zuwendung. 1962 heiratete das Paar - wie früher üblich - um 4.00 Uhr in der Früh. Anschließend fuhren die Frischvermählten mit dem Zug nach Leifers, wanderten zu Fuß zum Wallfahrtort Weißenstein und kehrten dann wieder heim. Heini zog mit Sefa zu seiner Mutter. „Miar hobm boade nichts kopp“, betont sie. Regelmäßiges Geld kam erst ins Haus, als er beim Straßendienst ANAS Arbeit fand. Ein Jahr nach der Hochzeit kam Tochter Heidi zur Welt. Um sich von der „Sünde der Geburt“ zu befreien, musste Sefa das „Firisegnen“ durch den Pfarrer über sich ergehen lassen. Nach der Geburt der Töchter Walburga 1965 und Monika 1969 war dieses Ritual abgeschafft. Belastende Zeiten erlebte Sefa, nachdem die dreijährige Walburga vom Balkon gefallen und mit Schädelbasisbruch im Krankenhaus lag. Die Kleine hatte Glück.
Sefa und Heini setzten alles dran, ein eigenes Höfl zu bauen. Die Marienberger Klosterverwalter überließen ihnen einen Baugrund im Dorfkern als Tauschgeschäft mit einem Grundstück außerhalb des Dorfes. Sefa und Heini hoben den Grund eigenhändig aus, karrten Ziegel um Ziegel herbei und halfen den Maurern. Tagsüber arbeitete Heini im Straßendienst, abends beim Hausbau. „Deis isch a morts Gschint gwesn“, betont sie. Ihr Haus war Mitte der 1960er Jahre fertiggestellt und hatte als einziges in der Bruggergasse ein Badezimmer. Vor allem die Kinder aus der Nachbarschaft waren davon angetan. „Der Reih noch sein si bodn kemman“, erinnert sich Sefa: „Für‘n 100 Liter Boiler hon i oft an Haufn Holz braucht“.
Großer Unterstützer in all der Zeit war Adolf Zierheld. Er und Heini waren unzertrennliche Freunde und Jäger. Oft gingen sie gemeinsam auf die Pirsch. „In Zerza sein si amol mitn Jeep in Boch innigforhn“, lacht sie. Nach einem Krankenhausaufenthalt ging Heini einmal sogar mit Krücken auf die Jagd und erlegte einen Hirsch. Nächtelang pflegten die beiden Freunde das Jägerlatein und tauschten auch ihre Kriegserfahrungen aus. Als Mitglieder in der Frontkämpfer Vereinigung unternahmen sie mit ihren Frauen Ausflüge, so zu den bayrischen Königsschlössern und zum Bodensee. Sefa war öfters auch mit den Bäuerinnen unterwegs. Beim Schneetreiben auf der Malser Haide durchlebte Sefa oft bange Stunden. Bis tief in der Nacht musste sie auf seine Rückkehr warten. „Selm hon i drhoam mit die drei klone Kinder oft zittert“, meint sie.
Das Meer sah Sefa zum ersten Mal im Alter von 88 Jahren. Heidi hatte sie nach Jesolo mitgenommen. Oft denkt Sefa noch an die verspätete Hochzeitsreise an den Wörthersee - ein Geschenk ihrer Töchter. Es war kurz bevor Heini 2011 starb. Mit Hilfe ihrer Familie gelang es ihr den schmerzlichen Verlust zu überwinden. Sie ist dankbar dafür und froh, jeden Tag aufstehen zu können.

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Die Brunnenplastik in Martell - eine Huldigung an die Schöpfung

  • Dachzeile: Kultur
  • Redakteur: Peter Tscholl
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  • Weitere Fotos - 1: Die Brunnenplastik in Bronze
  • Weitere Fotos - 2: Die Brunnenplastik in Bronze
  • Weitere Fotos - 3: Inschrift an der Gedenktafel  in der Gand, Martell:   “Der Mensch wollt die Natur bezwingen  und ihr mit Gier Profit abringen.  Sie forderte dann grausam zurück,  jedoch kein Menschenleben zum Glück.  Drum wurde geschaffen dieser Ort  als Dank und Ermahnung immerfort.“  Stauseekatastrophe  vom 24. 25. August 1987
  • Weitere Fotos - 4: Die Gedenkstätte in Martell, Gand

Die Kunst kann die Welt nicht unmittelbar verändern. Aber sie kann Menschen berühren und zum Nachdenken anregen. Sie kann das Denken und Handeln der Menschen verändern – und dadurch die Welt. Dies trifft auch auf die Brunnenplastik „Lebensbaum” in der Gand zu, geschaffen vom Marteller Künstler Walter Kuenz. Es ist ein Auftragswerk der Gemeinde Martell aus dem Jahre 1992, anlässlich der Umwetterkatastrophe.

„24. August 1987: Der Zufrittstausee war nach anhaltenden Regenfällen übervoll. Da die Überlaufschleusen überlastet waren, wurden am Abend die Grundschleusen geöffnet und konnten nicht mehr planmäßig geschlossen werden. Unkontrolliert ausströmende Wassermassen der Plima verursachten eine riesige Überschwemmung. Die ganze Talsohle wurde verwüstet, Kulturgüter überflutet, Brücken weggerissen und Straßenteile weggespült. In Gand und Ennewasser schwemmte die Flut einige Häuser weg und beschädigte mehrere schwer. Glücklicherweise kamen keine Menschen zu Schaden” (Inschrift bei der Gedenkstätte in der Gand).
Es vergingen einige Jahre und nachdem die ganzen Aufräumarbeiten so ziemlich abgeschlossen waren, fasste man den Beschluß, ein Denkmal zu errichten. Geplant war zunächst eine Kapelle, in die man auch hineingehen hätte können. Diese Idee wurde jedoch fallen gelassen und man entschied sich für die heutige Form einer Kapelle. Geplant wurde sie vom Architekturbüro Franz und Uwe Rinner aus Latsch. “Franz Rinner war es, der zur Kapelle unbedingt eine Skulptur von mir integrieren wollte. Zuerst waren sie skeptisch, aber er hat es durchgesetzt. Ohne Franz wäre das nicht entstanden”, sagt Walter Kuenz. Franz Rinner selbst sagt dazu: “Bei der Gedenkstätte wollte ich auch jemanden zu Wort kommen lassen, der vom Ort ist. Und der Kuenz ist ein sympathischer Mensch, ein Naturmensch. Dann habe ich gesagt: Jetzt ist der Künstler da drin, ich möchte auch von ihm etwas dabeihaben. Woasch, bei solchen Sachen spielen immer auch andere Interessen mit, aber das Kulturelle war mir schon auch wichtig.”

“Kunst ist immer auch ein Zeitdokument”, sagt der Bildhauer Walter Kuenz. Er hat schon damals den Aufschrei der Natur gespürt, die dramatische Entwicklung vorausgesehen und ein signifikantes Zeichen in die Landschaft gesetzt. “Der Raubbau an der Natur ist nicht der richtige Weg. Wir sind Teil der Natur und sollten nicht gegen die Natur, sondern mit der Natur leben. Der Mensch kommt sich in dieser digitalen Welt immer mehr verloren vor. Eine intakte Natur, das Naturerlebnis wird immer wichtiger”, so Kuenz. “Der Lebensbaum ist ein Sinnbild für den Rythmus der Erde, ein Symbol ungebrochener Lebenskraft. Die Skulptur ist eine Huldigung an die Schöpfung mit den vielfältigen Geschöpfen, als Krönung der Mensch, getragen vom sprudelnden Wasser an der Basis und dem durchflutendem Licht an der Baumkrone, ausgehend vom Zwölferspitz, der natürlichen Sonnenuhr. Wasser und Licht sind Leben.”

Was dem Bildhauer persönlich an seiner Arbeit gefällt, ist die Integration von Relief und Plastik. “Ich kam von der Akademie und da gab es schon einige Ansätze für mein bildhauerisches Arbeiten. Die Gestaltung von Linie, Fläche und Körper habe ich schon an der Akademie erarbeitet und konnte es hier anwenden” sagt er. Auch die Themen- und Aufgabenstellung des Auftraggebers haben sich positiv auf seine künstlerische Entwicklung ausgewirkt. Die Brunnenplastik in Martell, Gand ist sozusagen eine Art “Schlüsselarbeit” des Bildhauers, ein wichtiger Baustein, formal und thematisch. Sie beinhaltet fundamentale Gestaltungsprinzipien seiner Arbeitsweise.

Was die Skulptur von Walter Kuenz heute so aktuell macht, ist der Grundgedanke. Der Mensch entfernt sich immer mehr von der Natur und gleichzeitig zerstört er sie. Die Folgen sind Klimawandel, Dürre, Feuer, Unwetter, Überschwemmungen. Diese gefährden heute unsere Lebensgrundlage nicht nur ein bisschen, sondern dramatisch. Es gilt, mehr denn je, eine Form der dauernden Rückbesinnung zu finden. Nur wenn der Mensch sich wieder als Teil der Natur versteht, der nur mit ihr, und nicht gegen sie leben kann, nur dann ist die Beständigkeit seiner eigenen Kultur gewährleistet. Der “Lebensbaum” in Martell, Gand ist eine Lobeshymne an die Schöpfung. Die Schöpfung ist das große Wunder, das uns umgibt und trägt. Sie ist Quelle des Lebens und Ursprung des Seins. Mögen wir ihre Schönheit nicht nur bewundern, sondern auch schützen. Mögen wir Wälder, Flüsse, Tiere und Pflanzen mit Respekt behandeln und die Erde als gemeinsames Zuhause aller Lebewesen achten. Denn indem wir die Schöpfung bewahren, bewahren wir zugleich die Zukunft kommender Generationen.

 

Ich bin Leben,
das leben will,
inmitten von Leben,
das leben will!
Albert Schweitzer (1875-1965),
Arzt und Philosoph

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Einen guten Schulstart

  • Dachzeile: Kommentar von Chefredakteur Erwin Bernhart
  • Redakteur: von Erwin Bernhart
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Einen guten Schulstart zu wünschen, bedeutet heuer auch, einen guten Start in die Lehrausflüge, die Museumsbesuche und die Einladungen von Expert:innen zu wünschen – eben einen Start, wie man sich eine offene Schule vorstellt. Mögen die Geister des Protestes, die im abgelaufenen Schuljahr Lehrausflüge, Museumsbesuche und dergleichen verhindert haben, verflogen sein und die neu genehmigten Gehälter der Lehrer:innen die schulischen Gemüter beruhigt haben. Ein Schuljahr mit Herz und Hausverstand: Das wünsch’ ich den Schulen, den Lehrpersonen, den Direktoren, den Eltern und den Institutionen, die außerhalb der Schule auf das Erscheinen von Schüler:innen angewiesen sind. Etwa die Erlebnisschule in Langtaufers, die Museen im Oberland und im Obervinschgau, die Nationalparkhäuser, wenn man nur im Vinschgau bleiben will... Im vergangenen Schuljahr hat zwar der Ablauf von Schule grundsätzlich geklappt und man hat gesehen, dass „Schule nach Vorschrift“ intern auch Schule sein kann. Aber man hat mit dieser ausflugsfreien „Schule nach Vorschrift“ Anfeindungen von vielen Seiten in Kauf nehmen müssen und das Image der Lehrer wurde in keinster Weise aufpoliert. Auch das Verständnis für die Protesthaltung hat nicht zugenommen. Das kann im kommenden Schuljahr 2026/2027 anders werden, zumindest anfeindungsfreier. Das ist zu wünschen und zu hoffen. Den Schüler:innen wünschen wir Erfolg und kritischen Geist.


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Impressionen von Gianni Bodini 17-2026

  • Dachzeile: Foto
  • Redakteur: Gianni Bodini
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Sonnenfinsternis, 12.08.2026 - Ich bin auf Patsch gestiegen, aber die Wolken... Zum Schluss haben sie mir trotzdem ein tolles Spektakel geschenkt. Und die nächste Finsternis kommt bestimmt.

Foto und Text: Gianni Bodini - www.fotobybodini.it

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