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Der „Wasser Max“

  • Vorspann: „I gea mit der Ruat, um die Leit zu helfen“, sagt Max Pohl aus Tschengls. Er entdeckte durch Zufall seine Gabe zum „Wünschelrutengehen“. Er misst Baustellen oder Pläne mit seiner Wünschelrute oder seinem Pendel aus, und auf seine Aussagen hin wird gebaut oder eingerichtet.
  • Dachzeile: Portrait
  • Redakteur: Christine Weithaler
  • Redakteur Bild:

Max Pohl ist 1959 in Tarsch geboren worden und hat 8 Geschwister. Seine Familie erfuhr erst vor kurzem von der Halbschwester, einer unehelichen Tochter seines Vaters, die in Dietenheim lebt. Groß war die Verblüffung und doch herzlich das Kennenlernen. Bei einem Besuch im Tarsch verabschiedete sich seine Halbschwester am Grab ihres Vaters. Das machte sie und Max sehr dankbar und glücklich.
Max wuchs in Tarsch auf und machte nach der Pflichtschule die Lehre als Maurer. Er wurde jung Vater und heiratete 1981 nach Tschengls. Er arbeitete in der Schweiz über 20 Jahre als Maurer und verlegte 15 Jahre lang Gipsplatten und dergleichen. Acht Winter fuhr er in Samnaun mit einem Schilift, welcher 180 Personen transportieren konnte. Er erinnert sich an einen Stillstand der Bahn. Max musste die Nerven bewahren, die Gäste beruhigen, obwohl er selbst nicht wusste, warum es zu dem Zwischenfall gekommen war und wann es wieder weitergehen würde. Gott sei Dank löste sich das Problem, und die Fahrt konnte fortgesetzt werden. Alle kamen wohlbehalten an. Max und zwei Kollegen pendelten täglich bei jedem Wetter mit dem Auto nach Samnaun. Sie überstanden manchen Schneesturm und blieben all die Jahre unfallfrei.
1992 entdeckte er zufällig seine Fähigkeit zum Gang mit der Wünschelrute. Er hielt einen Haselnusszweig in seinen Händen und vernahm eine Bewegung. Ein alter Wünschelrutengänger bekräftigte ihn in seinem Gespür, und so besuchte er Kurse auf dem Gebiet der atmosphärischen Strahlungen, der Wasseradern und Stromstrahlungen. Früher kannten die Menschen den Einfluss dieser Strahlungen. Heute wird dieses Wissen wieder entdeckt. Bei einem Besuch eines weltweit bekannten und geschätzten Wünschelrutengängers in Tschengls, bestätigte dieser, die Präzision der Gabe von Max. Die vielen Baustellen waren für den gelernten Maurer Übungsplatz. Immer wieder ging er Pläne mit der Wünschelrute ab, errechnete Tiefen der Wasseradern und erhielt beim Aushub der Baustellen die Bestätigung für die Richtigkeit seiner Angaben. Er wollte sich selbst von seiner Gabe überzeugen. Er übte und nahm Schwingungen bewusst wahr. Er untersucht mit verschiedenen Wünschelruten in Zusammenarbeit mit Naturheilpraxen oder Bio-Architekten unzählige Häuser in Südtirol, Österreich, Deutschland und der Schweiz auf Wasseradern. Auch unterirdische Gänge, versunkene Gräber, überschüttete Häuser macht Max ausfindig. Durch jegliche Bearbeitung des Bodens, der festen Erde entstehen Risse, die er mit der Rute erspürt. Besonders Kleinkinder und Tiere nehmen diese Risse, Strahlen war. Auch Bäume und Pflanzen können darauf ansprechen und verkrüppeln. Wasseradern oder Stromstrahlungen können auf das Nervensystem und den gesamten Körper des Menschen wirken. „Miar ärgert der Frevel und die Augenauswischerei dia mit dia gonzen Entstörgeräte gmocht wearn. Die Strohlungen und Wosserodern sein wou sie sein, mindern konn ma sie nit, man konnen ihnen lei ausstellen!“ Er erinnert sich an ein Kleinkind, das im „Bettstattl“ immer wieder den Kopf gegen das Gitter stieß, um den Strahlungen zu entkommen. Durch verschiedene Bewegungen, die die Rute beim Gang macht, kann Max sagen, in welche Richtung die Ader verläuft. Durch die Anzahl der Umdrehungen kann er die genaue Tiefe des Wassers bestimmen. Schaut man ihm dabei zu, sieht man seinen Respekt und seine Ehrfurcht vor seiner Gabe und vor der Natur. Er begibt sich so zu sagen in das Spannungsfeld, jede Messung zehrt an ihm. Früher hat er oft mehrere Gänge hintereinander gemacht, heute beschränkt er sie, seiner Gesundheit zuliebe auf zwei. „Es mocht mi ollm wieder glücklich, wenn i Leit helfen konn und sich ihre Lebensqualität durch mein Rot bessert!“ Immer wieder erreichen ihn Dankesnachrichten, dass sich Schlaf und Wohlbefinden nach dem Umstellen der Einrichtung, des Bettes, oder des Schreibtisches usw. in kurzer Zeit verbessert haben.
Seine Tochter und sein Sohn machten Max zum dreifachen Opa. Er genießt seinen Ruhestand, hilft seinem Sohn auf dem landwirtschaftlichen Betrieb in Tschengls. Im Winter drechselt er verschiedenste Hölzer zu Tellern, und im Sommer widmet er sich seinen Bienen. Der passionierte Imker bedauert, dass immer neue Bestimmungen und die Bürokratie das Hobby erschweren. Er möchte „nou a bissl gsund bleiben und so sein terfen wie er isch“, meint er, „Man soll sich im Leben nicht aus der Ruhe bringen lassen und s` Wichtigste und s` Beste für die eigene Gesundheit isch zufrieden zu sein“.

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Impressionen von Gianni Bodini 1-2026

  • Dachzeile: Foto
  • Redakteur: Gianni Bodini
  • Redakteur Bild:

St. Nikolaus. Zehner-Elfer-Zwölfer. Piz Mezdi, cima dieci... Im ganzen Alpenraum gibt es Gipfel, sogenannte natürliche Sonnenuhren.
Beobachtungspunkt ist meistens eine Kirche oder ein alter Kultplatz so wie hier in Rojen.
Foto und Text: Gianni Bodini - www.fotobybodini.it

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Den Urkräften auf der Spur

  • Dachzeile: Kultur
  • Redakteur: Heinrich Zoderer
  • Redakteur Bild:
  • Weitere Fotos - 1: Glühende Stille
  • Weitere Fotos - 2: Philipp Egger, Naturfotograf

Ist es möglich, das Unsichtbare sichtbar und spürbar zu machen, die Urkräfte der Erde einzufangen und aufzuzeigen, dass der Mensch Teil der Natur ist, eingebunden in einen komplexen Kreislauf von Werden, Wachsen und Vergehen? Es ist eine philosophische Frage nach dem Sinn und unserer Rolle auf Erden. Antworten kann man in Büchern nachlesen, in Gedichten bzw. Liedern nachspüren und in Filmen nachempfinden. Und dann muss jeder seine eigene Antwort finden. Philipp Egger ist mit der Kamera aufgebrochen auf der Suche nach den Urelementen, den Urkräften, der Wildnis, das Mystische und Unsichtbare, das uns umgibt, ernährt und beschützt, manchmal auch bedroht und vernichtet. Es ist die Suche nach dem Göttlichen, nach der Seele und den Grundstrukturen der Natur. Wie ein Jäger legt er sich auf die Lauer, atmet in der Nacht die Stille, wartet mit Geduld und Ausdauer, um das Leben vom Uhu, Steinböcken und Eisvögeln zu studieren, um ihnen näher zu kommen und zu begreifen, wie sie in Grenzregionen überleben. In entlegenen Gegenden im Stilfser Joch Nationalpark, im Gebirge, in Felsregionen, auf Eisfeldern, Vulkanen und bei Wasserfällen, bei eisiger Kälte, im Nebel und in finsteren Nächten findet Philipp seine Antworten, seine Bilder, die zu persönlichen Glücksmomenten werden. Fotografieren bedeutet für ihn ausbrechen aus dem Alltag, um das Gefühl der Freiheit zu spüren. Er muss dabei Grenzen aufsuchen, Angstgrenzen überwinden und oft vorstoßen bis zur Todesgrenze. Wie ein Getriebener sucht der Prader Naturfotograf diese Grenzen auf, muss auf den richtigen Moment warten, bis alles stimmt: das Licht, die Stimmung, das Motiv, die Magie des Augenblicks. Philipp Egger ist im Jahre 2000 in Schlanders geboren und in Prad aufgewachsen. Er ist gelernter Mechaniker und Maschinenschlosser, hat in der Schweiz im Tunnelbau gearbeitet, um Geld für eine professionelle Fotoausrüstung zu verdienen. Nun arbeitet er als Naturfotograf und Dokumentarfilmer. Als Kameramann ist er beteiligt bei Naturdokumentationen für die bekannte ORF-Reihe Universum. Und dies alles als Autodidakt, der keine Fotolehre und auch keine Ausbildung als Kameramann vorweisen kann. Trotzdem hat er im Jahre 2025 mit erst 25 Jahren insgesamt sieben nationale bzw. internationale Preise als Natur- und Tierfotograf erhalten und konnte Auszeichnungen u.a. in London, San Francisco und Los Angeles entgegennehmen. Seine Bilder kann man in den renommiertesten Naturkundemuseen und Galerien in Europa, USA, Kanada, Japan und Australien bewundern.

Naturbilder, geboren aus Gefahren, Geduld und Staunen

Als kleiner Junge ging er mit seinem Großvater und Vater fischen, später begleitete er seine Eltern bei der Jagd. Das Warten, das Aufspüren, das Folgen einer Spur und das Beobachten der Tiere im Wasser, in der Luft, im Wald und über der Waldgrenze, das hat er in jungen Jahren gelernt. Während andere Fußball spielten, verkroch er sich mit einem Buch und betrachtete die Bilder von Vulkanen. Die Vögel in der Luft, das gefrorene Eis der Gebirgsbäche und fließende Lava von Vulkanen faszinieren ihn seit der frühesten Jugend. Hier spürt man die Urelemente Luft, Wasser und Feuer und die Urkräfte, welche die Erde formen und gestalten. Das ist seine Bilderwelt, die will er einfangen, abbilden und anderen zeigen. Inspiriert vom Buch „Der Schneeleopard“ von Sylvain Tesson, der gemeinsam mit dem Fotografen Vincent Munier nach Tibet reist, auf der Suche nach dem Schneeleoparden, so begab sich Philipp Egger auf die Spuren des Uhus. Seine Bilder sind nur ganz selten Zufallsbilder. Die meisten Bilder entstehen zuerst als Idee im Kopf, müssen lange im Kopf geformt werden bis sie an Klarheit gewinnen. Und dann muss sich der Fotograf auf die Suche nach dem Bild im Kopf machen. Das kann Wochen, Monate und Jahre dauern. Der Uhu ist ein extrem scheuer, sensibler und nachtaktiver Raubvogel. Philipp begab sich in ein schwer zugängliches Gelände, er verbrachte dort viele Nächte, musste sich abseilen, warten und den Uhu aufspüren. Nachdem er ihn in einer Felsnische fand, musste sein Jagdverhalten, die Flugrouten und der Nistplatz studiert und alles ganz genau aufgezeichnet werden. Und erst dann konnte er Fotos vom Schattenjäger der Alpen machen. „Mit Wärmebildtechnik und monatelanger Geduld folgte ich seiner Spur, kletterte in vergessene Schluchten, wartete in der Einsamkeit – bis mir eines Abends das Unmögliche geschenkt wurde, ein Moment, in dem die Zeit innehielt und seine Seele sichtbar wurde. Der Blick dieses Wesens – uralt, ruhig, tief – wurde zum Bild.“ So beschreibt Philipp Egger diesen unbeschreiblichen Moment. Dieses Werk wurde in London beim „Wildlife Photographer of the Year“ zum Siegerbild in der Kategorie „Animal Portraits“ gekürt, dem bedeutendsten Naturfotowettbewerb der Welt. Das Unsichtbare wird sichtbar, wenn man das Bild lange genug betrachtet.

Atlantis der Berge – Glühende Stille

Zwei Bilder des jungen und erfolgreichen Naturfotografen Philipp Egger möchte ich hier präsentieren. „Atlantis der Berge“ ist eine Nachtaufnahme vom Turm im Reschensee. „Am 11. Mai 2024 geschah das Unvorstellbare“, so schreibt Philipp. „Polarlichter in den Alpen, ein seltenes, überirdisches Schauspiel, das den Himmel in flammendes Grün, Purpur und Rot tauchte“. Eine Hommage an die unendliche Kraft der Natur. Das zweite Bild „Glühende Stille“ ist eine Drohnenaufnahme am Ätna auf über 3.000 Metern, an der Grenze zwischen Feuer und Eis. „Der Vulkan öffnete seine Kruste und glühende Lava fraß sich über die weißen Hänge, während dichter Hochnebel in surrealen Farben erstrahlte. Das Bild Glühende Stille ist eine Verschmelzung aus Naturgewalt, Vergänglichkeit und erhabener Ruhe – ein flüchtiger Augenblick, in dem die Erde atmet und die Zeit still steht.“, so beschreibt es Philipp sehr poetisch. Auf meine Frage, ob er auch Menschen fotografiert, zeigt mir Philipp ein Bild. Ich sehe nur einen gewaltigen Wasserfall. Erst langsam entdecke ich am Fuße des Wasserfalls eine Frau. Das ist der Mensch, ein kleiner Teil einer gewaltigen Natur voller Kräfte und Schönheiten. Mit seinen Bildern will Philipp, dass die Menschen die Natur sehen und vor allem will er, dass sie sie spüren und sich selbst als Teil dieser großartigen Natur begreifen. Anfang November zeigte er seine Bilder und einen Film auf einer Großleinwand bei der „Nacht der Naturbilder“ in der Basis von Schlanders einem interessierten Publikum. Der Erfolg war überwältigend. Solche Auftritte möchte er in Zukunft vermehrt anbieten. Er denkt sogar daran, eine Stiftung zu gründen mit dem Ziel, Naturschutzprojekte zu unterstützen. Denn er will, dass die Menschen die Natur nicht nur sehen und spüren, sondern auch schützen und nachhaltig gestalten, damit auch weitere Generationen auf unserer Mutter Erde leben und ein sinnvolles Leben führen können.

 

Jänner 2026: Ausstellung von Bildern im Schaufenster von Basis Vinschgau in der Fußgängerzone Schlanders. Einige Kunstdrucke werden in der Fußgängerzone von Schlanders präsentiert und machen Kunst im öffentlichen Raum erlebbar.

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Klima und Biodiversität - Realität und Ziele klaffen auseinander

  • Dachzeile: Natur & Landschaft
  • Redakteur: Wolfgang Platter, am Tag der Hlg. Barbara, 4. Dezember 2025
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Nach zweiwöchiger Dauer ist am 21. November 2025 in der brasilianischen Stadt Belem die 30. Weltklimakonferenz COP 30 zu Ende gegangen. Mit enttäuschenden Ergebnissen. Im Schlussdokument kommt der Begriff „fossile Energieträger“ und der Ausstieg aus deren Verbrennung nicht einmal vor. Die erdölproduzierenden und -verkaufenden Länder haben ihre Interessen auf der Konferenz erneut durchgesetzt. Auch die autoproduzierenden Industrie-
länder haben den Ausstieg aus der Ära der Verbrenner-Motoren als ökologische Transformation schöngeredet.
Vor genau 10 Jahren, am 12. Dezember 2015, wurde in Paris unter Freudentränen das erste Klimaabkommen in der Geschichte der Menschheit beschlossen. Dieses Abkommen sollte die Erwärmung der Erdatmosphäre auf 2 oder besser noch 1,5° C begrenzen. Heute, zehn Jahre später, spricht nichts dafür, dass dieses Ziel noch erreicht werden kann. Die Emissionen von Kohlendioxid sinken nicht zu langsam, nein, sie steigen weiter. „Überdies gibt es immer weniger Staaten, Unternehmen und Menschen, die etwas anderes ernstlich wollen“, so schreibt Bernd Ulrich in seinem Beitrag „Die Menschheit hat beschlossen, ungebremst in die ökologische Katastrophe zu gehen“ in der Ausgabe 52 vom 4. Dezember 2025 der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“. Das Flugkerosin ist immer noch nicht besteuert. Ein Flugticket vom Mailand nach Palermo ist außerhalb der Weihnachtsfeiertage um 19 Euro zu haben.

Die ökologische Krise
Dabei ist die Erhitzung der Erdatmosphäre, welche den Klimawandel bewirkt, ja nur ein Aspekt (und beschleunigender Katalysator) der viel umfassenderen ökologischen Krise. Klimakrise und ökologische Krise müssen zusammen gedacht und zusammen gerechnet werden: Ausdünnung der biologischen Netze, also Artensterben, Korallenbleiche, Mikroplastik, Überfischung der Meere, Übersäuerung aus Bodendegradation, Stickstoff- und Phosphatüberdüngung, Wasserknappheit, Gletscherschmelze, Waldsterben, steigende Pandemiehäufigkeit, Insektenmigration, Pilzbefall von Monokulturen. Wir zerstören als Menschheit im 21. Jahrhundert gerade unsere Biosphäre. Die Biosphäre ist die schmale belebte Hülle im Boden, an der Oberfläche und in den unteren Luftschichten um unsere Erde. Diese Biosphäre bildet die Gesamtheit der Lebensräume mit ihren jeweiligen Lebewesen als Bewohner.
Die Wahlen in den USA haben einen Präsidenten an die Macht gebracht, der ein explizit antiökologisches Programm vertritt. Seiner MAGA-Bewegung (Make America Great Again) geht es nicht um einen Kampf gegen die angeblich ausufernden Kosten der ökologischen Transformation. Im Gegenteil, die Bewegung von Präsident Trump bekämpft selbst grüne Energien, obwohl diese längst günstiger sind als die fossilen. Vor wenigen Wochen verhinderte die US-Regierung eine Vereinbarung zur Reduktion von CO2 im internationalen Schiffsverkehr.
Die internationale Konferenz zur Reduzierung von Plastikmüll in den Meeren, die vom 5. bis 15. August 2025 in Genf getagt hat, ist ergebnislos zu Ende gegangen. Jährlich landen derzeit zehn Millionen Tonnen Plastik in den Weltmeeren und bilden darauf an manchen Orten schon einen Plastikkontinent. Selbst wenn dereinst weniger Plastik in die Meere gekippt werden sollte, so wird dadurch noch mehr Plastik als Mikroplastik im Wasser selbst und in den Meereslebewesen verbleiben, sich anreichern und weiterhin in die Nahrungskette kommen. Plastik hält sich etwa 500 Jahre.

Die 16. Artenschutzkonferenz CITES-COP 2025
Vom 24. November bis 5. Dezember 2025 fand in der usbekischen Stadt Samarkand drei Jahre nach Montreal wieder die internationale Konferenz CITES-COP zum Washingtoner Übereinkommen zum Artenschutz statt. Die Vertreter von 150 Staaten haben über den Schutz von über 70 Hai- und Rochenarten, Elefanten, Nashörnern und exotischen Haustieren diskutiert und mehr Schutz für Meerestiere und Großkatzen beschlossen. Vom Ziel, bis 2030 weltweit 30% der Landes- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen, ist auch die Artenschutzkonferenz weit entfernt. Der Flächenverbrauch durch Rodung von Wäldern und Versiegelung von Böden geht ungebremst weiter. Und dies trotz der Beteuerungen von Brasiliens Präsident Lula da Silva bei der COP 30-Konferenz in seiner brasilianischen Stadt Belem, er wolle die Abholzung des Amazonas-Regenwaldes bis 2030 auf null bringen.

Die indigenen Völker und Biopiraterie
Medial aufgefallen sind von der 30. Weltklimakonferenz in Belem die verstärkte Präsenz und der Protest der indigenen Völker. Letztere haben unter anderem – offenbar aus Enttäuschung – das Konferenzgebäude gestürmt. Sind es doch vor allem die indigenen Völker, denen wir in den Wohlstandländern und Industrienationen die Ressourcen nehmen. Stichworte: Emissionshandel, Futtermittelimporte, Rodung von Tropenwäldern.
Wie wichtig tropische Regenwälder als Artenpool und genetische Ressourcen z.B. für neue Wirkstoffe in der Medizin sind, zeigt ein Blick auf die sogenannte Bioprospektion.

Bioprospektion
Unter Bioprospektion versteht man die Erkundung möglicher Quellen biologischer Ressourcen und deren kommerziellen Potentiale z.B. als Nutzpflanzen oder als Wirkstoff. Diese Quellen können dabei Pflanzen, Pilze, Tiere oder Mikroorganismen sein, also Biodiversität schlechthin. Oft wird das Wissen der indigenen Völker herangezogen, um beispielsweise neue Arzneimittel zu finden. Die pharmazeutischen Unternehmen und Forschungsinstitute sind aber meistens in den Industrieländern des Nordens angesiedelt. Vielversprechende Quellen sind dagegen oft in den Entwicklungsländern des Südens zu finden. Im Äquatorialgürtel herrscht wegen des milderen Klimas die größere Biodiversität an Arten. Forschung im Norden und Ressource im Süden und der Weg zur Ausbeutung und zum Ausverkauf biologischer Ressourcen ist nicht weit. Der Schweizer Buchautor Ewald Weber spricht in seinem Buch „Biodiversität. Warum wir ohne Vielfalt nicht leben können“ (Springer Sachbuch, 2025) von „Biopiraterie“.

Neue Medikamente
Laufend werden Pflanzeninhaltsstoffe auf ihre Tauglichkeit als potentielle Wirkstoffe geprüft. Vom Identifizieren solcher chemischen Verbindungen bis zur Entwicklung eines neuen Medikamentes vergeht sehr viel Zeit und die Verfahren sind teuer. Laut der Internationalen Pharmazeutischen Forschungszentrale in Genf ist nur eine Verbindung aus 5.000 – 10.000 geprüften Verbindungen ein möglicher Wirkstoff, daher braucht es sehr viele Arten als Quelle neuer Verbindungen. Allein im Jahr 2022 wurden rund 9.000 pflanzliche Inhaltsstoffe geprüft. Das Testen und genaue Untersuchen zur Wirkung und Sicherheit kann 10 - 15 Jahre dauern. Das ist ein langer Zeitraum, der einen strengen Schutz der Quellen und ihrer Lebensräume, z.B. eben auch des Amazonas-Regenwaldes, erfordert. Hält die derzeitige Abholzung und Vernichtung tropischer Regenwälder und anderer Ökosysteme, z. B. auch des Tiefseebodens durch die Schleppnetz-Fischerei an, gehen unweigerlich wertvolle Arten und Ressourcen verloren.
Seit der Antike nutzt der Mensch Pflanzen und ihre Wirkstoffe als Heilmittel. Im Mittelalter legten Mönche und Ärzte Kräutergärten an. Pflanzliche Heilmittel spielen auch heute eine überaus wichtige Rolle. Stoffe wie Aspirin, Morphin und Chinin sind schon seit Langem in Gebrauch und haben ihren Ursprung in Pflanzen.

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Abos willkommen

  • Dachzeile: Kommentar von Chefredakteur Erwin Bernhart
  • Redakteur: von Erwin Bernhart
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