Zum Hauptinhalt springen

Immer optimistisch

  • Dachzeile: Kommentar von Chefredakteur Erwin Bernhart
  • Redakteur: von Erwin Bernhart
  • Redakteur Bild:

Die Tarscher Alm, das Wandergebiet und das schlafende Skigebiet mitten im Vinschgau, lebt nicht von Investitionen sondern vom Optimismus. Bisher jedenfalls. Das Gelände von der Bergstation aufwärts bis zum Joch ist ein wunderbares, der Blick ins Tal ist grandios und seit Jahren ist es im Winter so gut wie unberührt. Eine im Winter schneebedeckte Idylle, ein Erholungsgebiet im Sommer. Der Optimismus hat das Leben des Dinosaurier-Lifts von der Talstation auf die Bergstation zur Tarscher Alm jahrelang verlängert. Diesen Optimismus haben die Touristiker in Latsch aufgebracht und jährlich mit gutem Geld aus dem Tourismusverein bezahlt. Die Marteller dürften diesen Latscher Optimismus kaum geteilt haben. Denn der Tourismusverein Latsch-Martell besteht aus zwei höchst unterschiedlichen Destinationen und das teuer bezahlte Wandergebiet auf der Tarscher Alm dürfte den Martellern keinen Mehrwert gebracht haben.
Nun denn. Rund um das „Skicenter Tarscher Alm“ wabert es wieder. Es stehen Interessenten bereit, die das Umfeld nochmals untersuchen, die Überlegungen anstellen, die Lifte neu aufzustellen, die einen Zusammenschluss mit dem Ultner Skigebiet Schwemmalm mitdenken. Neu sind solche Gedanken und Pläne nicht. Dafür dürften sie allerdings wenig an Glanz verloren haben. Das geht nur mit Optimismus. Wenig Optimismus verstreut da im Vorfeld der Latscher BM Mauro Dalla Barba, wenn er sagt, er wolle nicht einen Tippl mehr Verkehr in Latsch und in Tarsch. Übersetzt heißt das wohl: Wir wollen nicht gestört werden.
Mal schaun, wie sich das alles entwickelt. Jedenfalls lebt die Tarscher Alm seit Jahr und Tag immer vom Optimismus. Ob mit oder ohne Investitionen.


special1

Weiterlesen … Immer optimistisch

  • Aufrufe: 14

Latsch - die goldene Mitte

  • Vorspann: Latsch spielt eine zentrale Rolle im Vinschgau: Für die Landwirtschaft, den Tourismus und die Wirtschaft. Nicht nur die VIP, die zentrale Vermarktungsstruktur der Vinschger Produzenten, hat ihren Sitz im Apfeldorf, auch touristisch ist Latsch seit wenigen Monaten Mittelpunkt. Vinschgau Marketing, die Marketingorganisation der Region Vinschgau, ist von Glurns nach Latsch gezogen. Abseits davon ist Latsch wirtschaftlich stark aufgestellt und hat mit dem Bildungshaus Schloss Goldrain ein Alleinstellungsmerkmal.
  • Dachzeile: Spezial-Latsch
  • Redakteur: Angelika Ploner (Text & Fotos)
  • Redakteur Bild:

Latsch ist ein beeindruckender Wirtschaftsraum. Das belegen allein schon die Zahlen. 660 Latscher Betriebe sind bei der Handelskammer Bozen mit Februar 2026 registriert und sorgen für wirtschaftliches Wohlergehen. Nimmt man allein die Zahl der Betriebe her, so ist Latsch - nach Schlanders und Naturns - der drittstärkste Wirtschaftsort im Vinschgau. Obwohl der Wirtschaftsstandort Latsch eng mit der Landwirtschaft verknüpft ist, ist die Vielfalt da. Betriebe aller Couleur sind hier Zuhause. Latsch ist zweifelsohne wirtschaftlich stark aufgestellt.

Arbeitsmarkt Latsch.
Die MIVOR ist mit 160 Mitarbeitern mittlerweile der größte Arbeitgeber in Latsch. Die Karl Pedross AG reiht sich an zweiter Stelle. „Aktuell zählt das Unternehmen 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Viele von ihnen begleiten den Betrieb seit Jahren – ein Zeichen für Kontinuität, Zusammenhalt und eine starke Verwurzelung in der Gemeinde Latsch“, sagt Stephanie Perkmann von Pedross Sockelleisten auf Nachfrage vom Vinschgerwind. Ein rundes Jubiläum feiert die Karl Pedross AG heuer. „Seit dem 15. Februar 2026 steht die Karl Pedross AG für 70 Jahre s36 latsch2Unternehmergeist, Innovationskraft und kontinuierliche Entwicklung. Was einst als kleiner Betrieb mit vier Mitarbeitern und der Produktion von Massivparkett begann, entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einer beeindruckenden Erfolgsgeschichte. Mit der Spezialisierung auf Sockelleisten im Jahr 1973 wurde ein entscheidender Grundstein für die weitere Ausrichtung des Unternehmens gelegt. Seither ist die Karl Pedross AG stetig gewachsen, hat sich technologisch weiterentwickelt und neue Märkte erschlossen. Heute ist Pedross als international anerkannter Hersteller von Sockelleisten und Bodenzubehör weltweit etabliert.“ Seit 2012 ist das Biomasseheizkraftwerk der Karl Pedross AG in Betrieb und der gesamte Restholzverschnitt aus der Produktion wird in Energie umgewandelt. Neben 3.500 MWh an Elektrizität pro Jahr entsteht zusätzlich Wärme, die in das Fernwärmenetz der Gemeinde Latsch eingespeist wird. Das in den Sommermonaten benötigte Warmwasser für die rund 5.000 Einwohner unserer Gemeinde wird vollständig durch unser BHKW aufgeheizt. Die Wärmeleistung beträgt 2,5 MW pro Stunde. Auch das dürfte einzigartig im Vinschgau sein. Einen Betrieb wie die Karl Pedross AG im s36 wirtschaftWirtschaftsgefüge der Gemeinde zu haben, macht zweifelsohne stolz.
Auch der Tourismus ist wichtiger (saisonaler) Arbeitgeber: „In der vergangenen Saison waren im Hotel das Paradies durchschnittlich rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt“, sagt Andreas Pernthaler vom 5-Sterne-Hotel Das Paradies auf Nachfrage zum Vinschgerwind.
Das Dolce Vita Hotel Jagdhof beschäftigte „mit allen Lehrlingen und Praktikanten, sowie den Aushilfen im Jahr 2026 insgesamt 68 Mitarbeiter“, sagt Julian Pirhofer auf Nachfrage dem Vinschgerwind.
Auch die VIP - das Herz der Genossenschaften - ist in Latsch beheimatet. 1990 wurde die VIP aus der Taufe gehoben.
VIP, der Verband der Vinschgauer Produzenten für Obst und Gemüse, ist „First Class Apple Partner“, wenn es um die Vermarktung der Vinschger Äpfel geht. Mit 66 Mitarbeitern reiht sich auch die VIP zu den größeren Arbeitgebern in der Gemeinde Latsch ein.
„In der vergangenen Saison waren bei uns 28 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt“, heißt es von der Familie Dietl vom Matill Retreat in Latsch auf Nachfrage.
Zu den weiteren größeren privaten Unternehmen zählt auch die Rizzi Group. „Unsere aktuelle Mitarbeiterzahl beträgt 25“, sagt Simone Rizzi auf Nachfrage vom Vinschgerwind.
Einer der traditionsreichsten Betriebe in Latsch ist die WMH. „Wir beschäftigen 22 Mitarbeiter“, erklärt Patricia Herion-Ropte, die Geschäftsführerin. Der Industriebetrieb bedient den hochspezialisierten Nischenmarkt, nämlich die Verzahnungstechnik. Klaus Rinner vom Hotel Vermoi erklärt auf Nachfrage: „Da wir viel familiär stemmen, haben wir im Verhältnis zur Größe des Betriebes, wenige Angestellte. Wir haben meist zwischen 16 und 18 Angestellte in der Hochsaison.“
s38 arbeitsmarktDie Unternehmen in Latsch bilden - abeits der Hotellerie- einen bunten Mix mit verschiedenen Bauunternehmen, Elektrobetrieben, Einrichtungsstudios, es gibt Maler, Spengler, Schlosser, Betriebe, die einen Nischenmarkt bedienen oder eine Vielzahl an Dienstleistern wie technische Büros. Apropos technische Büros: Auffallend in Latsch ist die geballte Fachkompetenz was den technischen Bereich anbelangt. Konkret: Es gibt im Vinschgau wohl kein Dorf mit einer vergleichbar hohen Anzahl an Technikern, Ingenieuren und Architekten. Der überwiegende Teil der Betriebe in Latsch sind aber Klein- und Mittelbetriebe, sie bilden das Rückgrat der Latscher Wirtschaft, sind produktiv und qualifiziert. Demnach ist Latsch nicht nur für die Landwirtschaft ein fruchtbarer Boden, sondern auch für verschiedene Unternehmen, vor allem Traditionsbetriebe oder Familienbetriebe. Vieles sind innovative und leistungsstarke Betriebe. Zusammen bilden diese ein beeindruckendes Arbeitsplatzangebot mit knapp 2.000 Arbeitsplätzen. Um genau zu sein hatten im vergangenen Jahr 1.869 Personen ihren Arbeitsplatz in Latsch. Von den 2.403 Arbeitnehmern in Latsch pendeln 1.476 aus, 927 arbeiten in Latsch.

 


 Die Industriezone Latsch
In der Industriezone Latsch zeigt sich die Vielfalt der Latscher Wirtschaft. 1973 beschloss die Gemeindeverwaltung unter Bürgermeister Sepp Rinner eine Handwerker- und Industriezone auszuweisen. Im Dorfkern war es zu eng geworden, der Tourismus boomte. Vor diesem Hintergrund wurden fünf Hektar ausgewiesen. Mit zehn Bauern musste verhandelt und kein Quadratmeter Grund enteignet werden. Die Gemeindeverwalter verhandelten geschickt und die interessierten Betriebe waren sehr kompromissbereit. Zwei Betriebe waren bereits in der heutigen Industriezone angesiedelt: Die Pedross AG, damals Euroform Sockelleistenherstellung und die Firma Sepp&Franz Rinner OHG. Bereits im Frühjahr 1974 konnte mit den Erschließungsarbeiten begonnen werden, mit Gemeinderatsbeschluss vom 19. August 1974 erfolgten die Grundzuweisungen und 1975 wurden die Kaufverträge abgewickelt. Die Zone 1, wie die Industriezone Latsch in ihren Anfängen getauft wurde, platzte schon bald aus allen Nähten. Für das Vorhaben die beiden Genossenschaften Mivo und Ortler in die Industriezone zu platzieren, hagelte es von den Bauern viel Kritik. Der damalige Bürgermeister Sepp Rinner sagte im Vinschgerwind-Interview 2022 dazu: „Ich konnte eine Zeit lang in kein Gasthaus gehen, weil ich nur auf den Deckel bekommen habe. Als dann die beiden Obmänner, der Karl Weiss und der Josef Holzner dieses Vorhaben unterstützt haben, ist das Ganze gut über die Bühne gegangen....Aber das war schon eine harte Zeit mit viel Streit.“ 402 Millionen Lire hat alles gekostet, Grund und Erschließung. 196 Millionen Lire hat die Gemeinde Latsch von der Landesregierung bekommen, die Unternehmer zahlten 206 Millionen Lire. In drei Phasen erlangte die Industriezone Latsch dann im Laufe der Jahre ihre heutige Größe.


 Die Landwirtschaft & MIVOR.
Die MIVOR ist unter den sieben Genossenschaften die mengen- und mitgliederstärkste Genossenschaft im Vinschgau. Seit 21 Jahren gibt es die MIVOR in ihrer heutigen Form, hervorgegangen ist sie aus der Fusion von Ortler und MIVO. Die MIVOR ist zweifelsohne eine wichtige Säule der Latscher Wirtschaft. „Die insgesamt 317 Mitglieder bewirtschaften eine Fläche von 1.050 Hektar und produzierten im vergangenen Jahr eine s40 latsch3Menge von 72.191 Tonnen Äpfel“, sagt Monika Ohrwalder, die Geschäftsführerein der MIVOR zum Vinschgerwind. 890 Hektar nimmt die Integrierte Produktion, kurz IP, ein, 160 Hektar werden biologisch bewirtschaftet. Das Ernteverzeichnis in der MIVOR geht aber über den Apfel hinaus. 22,5 Tonnen Birnen, 13,6 Tonnen Kirschen und über eine Tonne Quitten - und das ist neu an der MIVOR - wurden 2025 geerntet.
Beeindruckendes Zahlenmaterial. Nicht weniger beeindruckend ist die Anzahl der Mitarbeiter. In der MIVOR sind 160 Mitarbeiter beschäftigt“, sagt Monika Ohrwalder.
Abseits von den Äpfeln wird vor allem am Latscher Sonnenberg Milchviehhaltung betrieben.

9 Mitglieder zählt die Bergmilch Südtirol in der Gemeinde Latsch, sagt Reinhard Schuster, der Leiter Mitgliederwesen & Werkskoordination Bruneck auf Nachfrage dem Vinschgerwind. Zusammen haben diese 2024 insgesamt 599.372 kg Milch angeliefert, das entspricht s42 milchdurchschnittlich 66.597 kg pro Mitglied. Der Durchschnittspreis pro kg Milch betrug 2022 75,55 Cent. Der durchschnittliche Auszahlungspreis der Latscher Milchviehbauern ist der höchste im Vinschgau. Das zeugt von der hervorragenden Qualität der gelieferten Milch, was auch die Keimzahl belegt. Denn mit einer Keimzahl von 5.000 sind die Milchviehbauern hier besonders fleißige was die Hygiene betrifft. Zum Vergleich: In den anderen Vinschger Gemeinden beträgt diese zwischen 9.000 und 16.000. Hut ab!
Was die Bergbauern hier leisten, ist einzigartig. Die ebenen Flächen im Tal stehen im starken Kontrast zu steilen Wiesen am Berg mit unzähligen Stunden harter Arbeit. Der Ertrag kann niemals mit dem mithalten, was im Tal generiert wird.

Der öffentliche Sektor.
Die Autonome Provinz Bozen ist bei den Arbeitgebern unter den ersten in Latsch, das ist unter anderem auf den großen Schulsprengel zurückzuführen.

 


 Stellungnahme des Direktors Matthias Ladurner und des Präsidenten Hubert Mantinger
Das Annenbergheim beschäftigt zurzeit 69 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Bereichen Verwaltung, Reinigung & Wäscherei, Küche, Hauswirtschaft, Pflege & Betreuung und im Bereich der Tagesbetreuung/Tagespflegeheim. Da Pflege & Betreuung ein Frauenberuf ist, beschäftigen wir natürlich anteilig viele Frauen: derzeit haben wir 58 Frauen und 11 Männer aller Altersklassen zwischen 21 und 65 Jahren angestellt.
Herausforderungen, denen es sich zu stellen gilt, sind zum einen die Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf und der Wiedereinstieg in die Arbeitswelt sowie der europaweit schwierige Arbeitsmarkt im Bereich der Pflege und Betreuung. Aufgrund des demographischen Wandels gehen wertvolle MitarbeiterInnen verloren und das Suchen neuer MitarbeiterInnen gestaltet sich schwierig.
Gerade deshalb ist es uns wichtig, für PraktikantInnen einen Ort zu schaffen, wo sie erste Arbeitserfahrungen sammeln und in den Bereich Pflege und Betreuung hineinschnuppern können. Gleichzeitig ermöglichen wir aktuell zwei Mitarbeiterinnen die berufsbegleitende Ausbildung zur Pflegehelferin und einer Mitarbeiterin jene zur Sozialbetreuerin.
MitarbeiterInnen, die nicht bezahlt werden, aber unbezahlbar sind, sind unsere 110 freiwilligen HelferInnen, durch deren Mithilfe das Haus Zusatzangebote bieten kann, die ansonsten nicht möglich wären. Sie leisten einen unschätzbar großen Beitrag zum Gemeinwohl - ihr Lohn ist Dankbarkeit und Sinnerfahrung.


 

Der Schulsprengel Latsch umfasst die Grundschulen Latsch, Morter, Goldrain, Tarsch, Kastelbell, Tschars und die Mittelschule Latsch. Direktor Stefan Ganterer: „Wir haben 105 Lehrpersonen und 9 Mitarbeiterinnen für Integration für SchülerInnen mit besonderen Bedürfnissen. Im Sekretariat arbeiten 7 Personen, dazu kommen 15 Schulwarte und ich als Direktor.“ Macht in Summe 137 Beschäftigte im Schulsprengel Latsch. s44 bevoelkEine Zahl, die sich auf die effektive Anzahl an Personen bezieht und nicht Vollzeiteinheiten darstellt. 627 Schülerinnen und Schüler besuchen im heurigen Schuljahr eine der Schulstellen.
Ein wichtiger Arbeitgeber - um im öffentlichen Sektor zu bleiben - ist auch das Seniorenwohnheim Annenberg Latsch. Die Daten zum 25.02.2026 zeigen dies deutlich: 69 MitarbeiterInnen, davon 58 Frauen und 11 Männer im Alter zwischen 21 und 65 Jahren, arbeiten im Annenbergheim in Latsch.
55 HeimbewohnerInnen, davon 44 Frauen und 11 Männer haben ihr Zuhause im Seniorenwohnheim gefunden. Dazu kommen 23 TagespflegeheimbesucherInnen, davon 17 Frauen und 6 Männer (siehe Stellungnahme vorne Seite 43).
Und auch die Gemeinde stellt sich in die Reihe der größeren Arbeitgeber in Latsch: 54 Personen zählen zum Gemeindepersonal.

Der Tourismus.
Wie eingangs erwähnt ist der Sitz von Vinschgau Marketing seit wenigen Monaten nicht mehr Glurns, sondern Latsch. Vinschgau Marketing ist die zentrale Marketingorganisation der Region Vinschgau, die in enger Zusammenarbeit mit den sechs Tourismusorganisationen Ortlergebiet, Prad am Stilfserjoch, Schlanders-Laas, Latsch-Martell, Kastelbell-Tschars und Schnalstal für die touristische Entwicklung, Vermarktung und Kommunikation der Region verantwortlich ist. Von Latsch aus werden also in Zukunft die Fäden gespannt. Mit 2.214 Betten allein in Latsch hat s44 seilbahnman etwa fast doppelt so viele wie Schlanders.
92 Tourismusbetriebe zählt Latsch. Auch die Nächtigungszahlen sind beeindruckend: 276.628 Nächtigungen – allein in Latsch wohlgemerkt – verzeichnete man im Tourismusjahr 2025.
Das bunte Hotel- und Pensionsangebot in Latsch kann sich sehen lassen. Der deutsche Gast führt mit 61,87 Prozent die Gästestatistik an. An zweiter Stelle reiht sich der italienische Gast mit 13,85, gefolgt von der Schweiz mit 11,81 Prozent.

Latsch ist Vereins- und Bildungsort.
Latsch zeichnet sich durch ein starkes Vereinsleben und ein starkes Gemeinschaftsgefühl in den Fraktionen aus. In Goldrain etwa, jener Fraktion, die auf beeindruckende 1.104 Einwohnerinnen und Einwohner angewachsen ist hat man das Vereinshaus mit vereinten Kräften realisiert und einen starken Sinn für Gemeinschaft gezeigt und gelebt. Hier steht auch Vinschgaus einziges Bildungshaus, das Schloss Goldrain.

Das Bildungshaus Schloss Goldrain.
Seit fast 40 Jahren ist die Genossenschaft Bildungshaus Schloss Goldrain eine verlässliche Anlaufstelle für Menschen und Organisationen, die Weiterbildung suchen und das vielfältige Raumangebot schätzen. In der besonderen Atmosphäre historischer Architektur, verbunden mit zeitgemäßer Infrastruktur und guter Küche, entsteht ein inspirierender Rahmen für Lernen, Austausch und kulturelle Begegnung. Schloss Goldrain ist geprägt von Geschichte und besonderem Flair – ein Ort, der zum Wiederkommen einlädt.
s46 schloss gWas Schloss Goldrain bietet?
Als gepflegte Schlossanlage ist Schloss Goldrain ein Ort der Begegnung und des Austauschs, wo rund 250 Weiterbildungsveranstaltungen pro Jahr in unterschiedlichen Formaten und in fünf Themenbereichen stattfinden: Ernährung & Genuss, Beruf & Kompetenzen, Gesundheit & Wohlbefinden, Persönlichkeit & Entwicklung, Natur & Kreativität.

Rund 30 Themenwochen für Kinder und Jugendliche finden während der Sommerferien statt. Einmal im Monat steht eine kulturelle Veranstaltung (Lesung, Theater, Konzert) auf dem Programm.
Schloss Goldrain bietet einen stimmungsvollen Rahmen für private Feiern im Restaurant, Keller, Rittersaal oder im Freien. Der Restaurantbetrieb bietet Platz für 120 Gäste auf zwei Ebenen. Das Gästehaus steht mit 30 Einzel- und 9 Doppelzimmern für Übernachtungen bereit.
Einige Höhepunkte 2026:
• Vortrag „Perspektiven für den Wald von morgen “ am 12. März 2026, 18 Uhr, Eurac Research
• Improtheater Carambolage am 27. März 2026, 20 Uhr
• Ö3-Wettermoderator Sigi Fink liest aus seinen Werken und spricht u.a. über die Wettervorhersage: 17. April 2026, 20 Uhr
• Konzert: Moritz Gamper & Friends am 29. Mai 2026, 20 Uhr
• OU Jodelfest vom 3.-6. September 2026

special2

  • Aufrufe: 24

„Miar hobm olm guat mitnond gschoffn“

  • Vorspann: Loisa Tröger und Hans Steiner in Agums bei Prad am Stilfserjoch sind seit 65 Jahren verheiratet. Gemeinsam sind sie durch Dick und Dünn gegangen. Hans war Kleinbauer, Bergarbeiter, Totengräber und Handlanger. Loisa kümmerte sich um die vier Kinder und hielt ihm daheim den Rücken frei.
  • Dachzeile: Portrait
  • Redakteur: Magdalena Dietl Sapelza
  • Redakteur Bild:

Loisa kam als uneheliches Kind bei den Klosterfrauen in Schlanders zur Welt. Ihre Mutter, eine mittellose Dienstmagd, durfte nur zwei Monate dort bleiben. Anschließend musste sie die Kleine in fremde Hände geben, um als „Diarn“ bei Bauern weiter ihren Lebensunterhalt verdienen zu können. „Di Muatr hot koa Hoamat kopp, unt Votr hots für miar koan gebm“, sagt Loisa. Ihr sieben Jahre älterer Bruder hatte mehr Glück. Er war auf dem Hof seines Vaters untergekommen. Ihr erstes Zuhause fand Loisa bei einer Ziehmutter in einer Schludernser Großfamilie. Ihre leibliche Mutter kam nur selten zu Besuch. Zwischen den beiden ließ sich keine Beziehung aufbauen. Nach dem Tod der Ziehmutter 1950 kümmerte sich eine Tante in Prad um Loisa. Eine andere Tante holte sie kurz darauf für ein Schuljahr nach Allitz, damit sie deren Tochter auf dem Schulweg begleiten konnte. Dann kehrte Loisa wieder zur Tante nach Prad zurück und hütete deren Kinder. Schließlich fand Loisa eine Bleibe auf dem Hof ihrer Firmpatin in Agums. Sie war dort Mädchen für alles. Obwohl sie einst herumgereicht worden war, hadert Loisa nicht mit ihrem Schicksal. „I bin nia ausgschoadat gwortn“, erklärt sie. Sie vermisst jedoch, dass sie als Kind nie in den Arm genommen worden war. „I moan, deswegn hon i deis selbr a nia kennt“, verrät sie.
Hans wuchs als jüngster von fünf Kindern auf dem kleinen Bauernhof in Agums auf, in dem er heute noch lebt. Sein Vater war Totengräber im nahen Friedhof. Als kleiner Bub schaute Hans ihm beim Graböffnen oft über die Schultern. So ganz wohl war ihm jedoch nie dabei. Immer wenn der Vater auf das Brett eines Holzsarges stieß, ergriff Hans die Flucht. Bittere Erinnerungen hat Hans an die Jahre 1943/44. Im November 1943 kam die Nachricht vom Tod seines ältesten Bruders an der Front. Drei Monate später starb seine Schwester an Thyphus. In den 1950er Jahren ging Hans auf Arbeitssuche und fand sie im Magnesit-Bergwerk „Zumpanell“ bei Stilfs. Ein offener Lastwagen brachte ihn und seine Kumpel am Montag zum Bergwerk. „Miar hobm in gonzn Tog Stoan klobm“, erklärt er. Am Samstag kehrten die Männer meist zu Fuß ins Tal zurück. Drei Jahre blieb Hans dort. Dann übernahm er den elterlichen Hof. Seine Mutter war inzwischen gestorben und die Geschwister waren ausgezogen. Beim täglichen „Milchschütten“ in der Sennerei traf er die 12 Jahre jüngere Loisa. Die beiden verliebten sich und heirateten im Dezember 1960 in Maria Trens. Loisa zog zu ihm in sein Elternhaus. Mit ihrem Schwiegervater verstand sie sich auf Anhieb. „I hon mit ihm olm guat redn kennt“, betont sie. Die Familie lebte von der kleinen Bauerschaft. Hans übernahm auch den Totengräber-Dienst von seinem Vater. Schwerstarbeit war das Graböffnen bei gefrorenem Boden. Oft war er bis zu zwei Tage mit Pickel und Schaufel am Werk. Der Lohn war bescheiden. „1970 hon i pro Grob 4.000 Lire kriag“, erinnert er sich. Der Platzmangel auf dem Friedhof sorgte für manch schaurigen Anblick. Deshalb regte Hans bei jeder Gelegenheit die Errichtung eines neuen Friedhofs an, der später auch gebaut wurde. Daheim waren inzwischen vier Kinder zu versorgen. Deshalb gab Hans den Totengräberdienst nach 12 Jahren auf und arbeitete als Handlanger bei einer Lichtenberger Baufirma, bis zu seinem Ruhestand.
Loisa kümmerte sich um die Kinder, um den Haushalt, um Stall- und Feldarbeit. Hans half mit, wo er konnte. „Miar hobm olm guat mitnond gschoffn“, betont sie. Ende der 1970er Jahre wurde ihr Schwiegervater pflegebedürftig. Loisa betreute ihn rund um die Uhr. Sie nahm auch ihre alte Mutter auf, obwohl es vorher kaum einen Kontakt gegeben hatte. Beide umsorgte sie bis zu deren Tod. Als schwersten Schicksalsschlag beschreiben Hans und Loisa den Verlust ihres ältesten Sohnes, der vor drei Jahren nach kurzer Krankheit gestorben ist. „Es gib für Eltern nichts Schlimmers, als a Kind zu verliern“, betont Loisa. Dem Hans setzen die Beschwerden seines hohen Alters immer mehr zu. Loisa ist seine liebvolle Stütze. „Miar tian olm nou viel mitnond diskutiern, sou wia friaher“, erklärt sie. „Lai iatz lott holt olz noch.“ Beim Lesen und beim Stricken lenkt sie sich ab. Sie kreiert kunstvolle Deckchen. Das ist ihre Freude. Mit viel Gottvertrauen nehmen die Eheleute jeder Tag hin wie er ist und sind dankbar, dass sie sich noch haben.

special1

  • Aufrufe: 13

Unter den Lauben

  • Dachzeile: Kultur
  • Redakteur: Erich Kofler Fuchsberg
  • Weitere Fotos - 1: Bozen
  • Weitere Fotos - 2: Bozen
  • Weitere Fotos - 3: Meran
  • Weitere Fotos - 4: Glurns
  • Weitere Fotos - 5: Sterzing

Schon zu Anfang der Stadtgründungen in Tirol finden wir Lauben oder Laubengassen als wichtigstes Bau­element. Die bekanntesten sind die Bozner und Meraner Lauben. Aber auch in Trient, Innsbruck, Brixen, Sterzing, Neumarkt und in der Stadt Glurns sind die Lauben ein ­charakteristischer Bestandteil des Stadtbildes.
Arkaden oder Bogengänge, bei uns früher Gewölbe genannt, heute Lauben, sind aneinandergereihte, mit Bögen oder auch flach überbaute Loggien auf Straßen­höhe. Schon im antiken Griechenland waren ­Säulengänge Teil der öffentlichen Gebäude und Marktplätze. Im späteren Rom Bestandteil der Tempelarchitektur, der Markthallen, der öffentlichen Gebäude, Gymnasien, privater Villen, der Kreuzgänge in Klöstern usw. Ab dem Mittelalter entwickeln sich Laubengänge vor allem in oberitalienischen Städten in der heute noch vorhandenen Form als das wichtigste urbane Bauelement. Besonders jene Orte, die um das 13.,14. bis zum 15. Jahrhundert als Umschlag- und Handelsplatz eine gewisse Bedeutung erlangt hatten, bekommen Lauben­gänge als überdachte Marktplätze oder Marktstraßen. Speziell in der Handels- und Messestadt Bozen waren die Lauben sozusagen Kern und wichtigstes Element der historischen Stadt. Als fest gebaute oder überbaute Marktstände, boten sie Händlern und Kaufleuten zugleich ein rückwärts gelegenes Warenlager und eine Unterkunft. Produkte und Waren konnten gut präsentiert und verschoben werden, und schließlich fanden Verkäufer und Kundschaft unter den Lauben Schutz bei Hitze, Schnee, Regen, Wind und Wetter. Die Ausrichtung der alten Laubengassen erforderte eine genaue Beobachtung der Windverhältnisse, denn eine zugige, von Winden geplagte Anlage konnte alle Vorteile zerstören.
Drei unterschiedliche Bautypen sind festzustellen: Gebäude, die bereits bei ihrer Errichtung mit Laubengängen ­ausgestattet wurden, andere, wo zu einem späteren Zeitpunkt ein Teil des Erdgeschosses ausgebrochen und zum Laubengang aus­gebaut wurde, und solche, die im Zuge einer Gebäudeerweiterung einen Laubengang zur Straßenseite hin als Zubau erhielten, mit gleichzeitiger Erweiterung bzw. Aufbau der oberen Stockwerke. Auch die ehemals eng mit den Menschen zusammenlebenden Nutztiere, waren Mitbewohner der weiter hinten liegenden Teile eines Laubenhauses. Diese Verhältnisse waren in Neumarkt und vor allem in Glurns bis vor wenigen Jahrzehnten noch gelebte Realität.
Städtische Laubengänge konnten ihre Vorzüge als überdachter Handelsplatz ­(Bazar) eindrucksvoll herzeigen, sodass es im oberitalienischen Raum kaum eine Stadt gab, die nicht Laubengänge in ganz unterschiedlichen Ausmaßen und Formen errichten ließ. Eine Verordnung des Stadtmagistrats von Bologna des Jahres 1288 verlangt für jeden Neubau die Einplanung eines Laubenganges. Einerseits sollte die Erweiterung des Wohnraumes befördert werden, vor allem aber die Entwicklung und Optimierung der Handelstätigkeit. Im historischen Zentrum von Bologna ­erstrecken sich der „portico“ über mehr als 30 km, in Padua über 14 km, die Stadt Bozen erreicht mit seinen etwa 700m historischen Laubengängen eher bescheidene Dimensionen. Die Länge der Bozner Lauben zu übertreffen gelang immerhin Meran. Durch den Einfluss italienischer Baukunst und Baumeister gelangten Arkaden oder Laubengänge auch über die Alpen bis nach Böhmen und Mähren.
Laubengänge haben zugleich privaten und öffentlichen Charakter, sie sind nicht wirklich Innen oder Außen, und doch wieder beides gleichzeitig, sie bezeichnen ­einen Zwischenraum mehrerer Positionen und vertreten das „sowohl als auch“. Das macht sie zu einem sehr gelungenen sozialen Element innerhalb des Stadtraumes.
Die Idee des Laubenganges kommt aus dem mediterranen Raum, der überdachte Marktplatz aus dem Orient (Souk). Die Bau­struktur der italienischen und der meisten Tiroler Laubengassen sieht die Ausrichtung der Häuserreihe entlang der Trauflinie vor. Die Ausnahme bildet Glurns, wo die Gebäude in transalpiner Version ihre Stirn- bzw. Firstseite dem Straßenverlauf zeigen.
Laubengänge wirken bis heute faszinierend und beeindrucken aus unterschiedlichen Perspektiven. Eines der schönsten Beispiele moderner, eleganter und großzügiger Arkaden zeigt uns die Bozner Freiheitsstraße.
Alle natürlichen, energieunabhängigen Maßnahmen zur Belüftung und Beschattung der Fußwege sind seit jeher ein Ausweis guter Architektur. Ob Alleen in der Landschaft oder Laubengänge in der Stadt, beide sind gleich faszinierend, weil sie Emotion und Vernunft ins Gleichgewicht bringen.

special1

  • Aufrufe: 13