200 Jahre Marktrecht in Laatsch
In der am 29. August 1826 in Wien ausgestellten Urkunde, mit der Kaiser Franz I. von Österreich das Marktrecht für Laatsch erteilte, heißt es:
„Bekennen öffentlich mit diesem Briefe und machen Jedermann kund, daß Uns Unsere liebe getreue Gemeinde Laatsch im Landgerichte Glurns in Unserer gefürsteten Grafschaft Tyrol gebetten hat, ihr aus allerhöchster Gnade die Abhaltung eines Viehmarktes am fünf und zwanzigsten Oktober jeden Jahres … zu gestatten.“
Sollte der Viehmarkt in Prutz auf denselben Tag fallen, durfte der Laatscher Markt um zwei Tage verschoben werden. Eine kleine, aber bemerkenswerte Regelung, die zeigt, wie genau der kaiserliche Marktalltag einst geregelt war. Für Laatsch bedeutete die Genehmigung vor allem eines: Der Viehhandel erhielt einen offiziellen Platz. Bauern konnten Tiere anbieten, kaufen und verkaufen. Der Markttag wurde zu einem wichtigen wirtschaftlichen Termin und zugleich zu einem gesellschaftlichen Ereignis. Wer nach Laatsch kam, kam nicht nur wegen des Viehs. Man traf Bekannte, tauschte Neuigkeiten aus, handelte und pflegte Kontakte.
Ein Markt, der sich verändert hat
Wie vieles im bäuerlichen Leben blieb auch der Laatscher Markt nicht unverändert. Mit dem Wandel der Landwirtschaft verlor der Viehhandel zunehmend an Bedeutung. Der ursprüngliche Markt wurde kleiner und verschwand schließlich für einige Zeit aus dem Alltag des Dorfes. Doch die Erinnerung an den „Lootscher Morkt“ blieb.
Mit seiner Wiederbelebung im Jahr 2004 kehrte der Markt in das gesellschaftliche Leben zurück. Dabei ging es nicht darum, die Vergangenheit einfach zu kopieren. Vielmehr entwickelte sich aus der alten Tradition etwas Neues: Aus dem einstigen Viehmarkt wurde ein Herbst- und Begegnungsmarkt, der die Verbindung zur Landwirtschaft weiterhin lebendig hält. Hinzugekommen sind regionale Produkte, traditionelles Handwerk, kulinarische Spezialitäten, Musik und die Stände der örtlichen Vereine.
Auch die jüngere Generation ist längst Teil dieser Markttradition. Jugendgruppen und junge Menschen bringen eigene Ideen ein und tragen dazu bei, dass der „Lootscher Morkt“ immer wieder ein neues Gesicht bekommt.
Und natürlich gehört zum Laatscher Markt seit jeher auch das leibliche Wohl. Wer im Herbst über den Markt schlendert, begegnet nicht nur vielfältigen Erzeugnissen und handwerklichen Arbeiten, sondern auch den Düften der traditionellen Vinschger Küche. Saure Supp, Gulasch mit Knödel, Kraut, Keschtn, Käse, Speck und Wurst gehören zum Markttag.
Mehr als Kaufen und Verkaufen
Ein Markt lebt nicht allein von seinen Waren. Er lebt von den Menschen. Das war schon beim Viehmarkt früherer Zeiten so und ist heute nicht anders. Verändert hat sich, was angeboten wird: Früher standen Tiere im Mittelpunkt, heute sind es regionale Lebensmittel, Handwerk, Kulinarik und die verschiedensten Waren.
200 Jahre Marktrecht in Laatsch – ein Grund zum Feiern! Der diesjährige „Lootscher Morkt“ findet am Samstag, 24. Oktober, statt. Dass der Markt heuer an einem Samstag stattfindet, hat ebenfalls mit der kaiserlichen Urkunde zu tun: Sie legt fest, dass der Markttag weder auf einen gebotenen Feiertag noch auf einen Sonntag fallen darf.
Eine Tradition, die vor zwei Jahrhunderten ihren Anfang nahm, lebt bis heute weiter. Kommt vorbei, schlendert durch die Marktstände und erlebt den „Lootscher Morkt“ – heuer ganz im Zeichen dieses besonderen Jubiläums.