Zum Hauptinhalt springen

Kultur

Die Brunnenplastik in Martell - eine Huldigung an die Schöpfung

von Peter Tscholl
veröfftl. am 19. August 2026

Der Bildhauer Walter Kuenz

Die Kunst kann die Welt nicht unmittelbar verändern. Aber sie kann Menschen berühren und zum Nachdenken anregen. Sie kann das Denken und Handeln der Menschen verändern – und dadurch die Welt. Dies trifft auch auf die Brunnenplastik „Lebensbaum” in der Gand zu, geschaffen vom Marteller Künstler Walter Kuenz. Es ist ein Auftragswerk der Gemeinde Martell aus dem Jahre 1992, anlässlich der Umwetterkatastrophe.

„24. August 1987: Der Zufrittstausee war nach anhaltenden Regenfällen übervoll. Da die Überlaufschleusen überlastet waren, wurden am Abend die Grundschleusen geöffnet und konnten nicht mehr planmäßig geschlossen werden. Unkontrolliert ausströmende Wassermassen der Plima verursachten eine riesige Überschwemmung. Die ganze Talsohle wurde verwüstet, Kulturgüter überflutet, Brücken weggerissen und Straßenteile weggespült. In Gand und Ennewasser schwemmte die Flut einige Häuser weg und beschädigte mehrere schwer. Glücklicherweise kamen keine Menschen zu Schaden” (Inschrift bei der Gedenkstätte in der Gand).
Es vergingen einige Jahre und nachdem die ganzen Aufräumarbeiten so ziemlich abgeschlossen waren, fasste man den Beschluß, ein Denkmal zu errichten. Geplant war zunächst eine Kapelle, in die man auch hineingehen hätte können. Diese Idee wurde jedoch fallen gelassen und man entschied sich für die heutige Form einer Kapelle. Geplant wurde sie vom Architekturbüro Franz und Uwe Rinner aus Latsch. “Franz Rinner war es, der zur Kapelle unbedingt eine Skulptur von mir integrieren wollte. Zuerst waren sie skeptisch, aber er hat es durchgesetzt. Ohne Franz wäre das nicht entstanden”, sagt Walter Kuenz. Franz Rinner selbst sagt dazu: “Bei der Gedenkstätte wollte ich auch jemanden zu Wort kommen lassen, der vom Ort ist. Und der Kuenz ist ein sympathischer Mensch, ein Naturmensch. Dann habe ich gesagt: Jetzt ist der Künstler da drin, ich möchte auch von ihm etwas dabeihaben. Woasch, bei solchen Sachen spielen immer auch andere Interessen mit, aber das Kulturelle war mir schon auch wichtig.”

“Kunst ist immer auch ein Zeitdokument”, sagt der Bildhauer Walter Kuenz. Er hat schon damals den Aufschrei der Natur gespürt, die dramatische Entwicklung vorausgesehen und ein signifikantes Zeichen in die Landschaft gesetzt. “Der Raubbau an der Natur ist nicht der richtige Weg. Wir sind Teil der Natur und sollten nicht gegen die Natur, sondern mit der Natur leben. Der Mensch kommt sich in dieser digitalen Welt immer mehr verloren vor. Eine intakte Natur, das Naturerlebnis wird immer wichtiger”, so Kuenz. “Der Lebensbaum ist ein Sinnbild für den Rythmus der Erde, ein Symbol ungebrochener Lebenskraft. Die Skulptur ist eine Huldigung an die Schöpfung mit den vielfältigen Geschöpfen, als Krönung der Mensch, getragen vom sprudelnden Wasser an der Basis und dem durchflutendem Licht an der Baumkrone, ausgehend vom Zwölferspitz, der natürlichen Sonnenuhr. Wasser und Licht sind Leben.”

Was dem Bildhauer persönlich an seiner Arbeit gefällt, ist die Integration von Relief und Plastik. “Ich kam von der Akademie und da gab es schon einige Ansätze für mein bildhauerisches Arbeiten. Die Gestaltung von Linie, Fläche und Körper habe ich schon an der Akademie erarbeitet und konnte es hier anwenden” sagt er. Auch die Themen- und Aufgabenstellung des Auftraggebers haben sich positiv auf seine künstlerische Entwicklung ausgewirkt. Die Brunnenplastik in Martell, Gand ist sozusagen eine Art “Schlüsselarbeit” des Bildhauers, ein wichtiger Baustein, formal und thematisch. Sie beinhaltet fundamentale Gestaltungsprinzipien seiner Arbeitsweise.

Was die Skulptur von Walter Kuenz heute so aktuell macht, ist der Grundgedanke. Der Mensch entfernt sich immer mehr von der Natur und gleichzeitig zerstört er sie. Die Folgen sind Klimawandel, Dürre, Feuer, Unwetter, Überschwemmungen. Diese gefährden heute unsere Lebensgrundlage nicht nur ein bisschen, sondern dramatisch. Es gilt, mehr denn je, eine Form der dauernden Rückbesinnung zu finden. Nur wenn der Mensch sich wieder als Teil der Natur versteht, der nur mit ihr, und nicht gegen sie leben kann, nur dann ist die Beständigkeit seiner eigenen Kultur gewährleistet. Der “Lebensbaum” in Martell, Gand ist eine Lobeshymne an die Schöpfung. Die Schöpfung ist das große Wunder, das uns umgibt und trägt. Sie ist Quelle des Lebens und Ursprung des Seins. Mögen wir ihre Schönheit nicht nur bewundern, sondern auch schützen. Mögen wir Wälder, Flüsse, Tiere und Pflanzen mit Respekt behandeln und die Erde als gemeinsames Zuhause aller Lebewesen achten. Denn indem wir die Schöpfung bewahren, bewahren wir zugleich die Zukunft kommender Generationen.

 

Ich bin Leben,
das leben will,
inmitten von Leben,
das leben will!
Albert Schweitzer (1875-1965),
Arzt und Philosoph

Die Brunnenplastik in Bronze

Die Brunnenplastik in Bronze

Die Brunnenplastik in Bronze

Die Brunnenplastik in Bronze

Inschrift an der Gedenktafel  in der Gand, Martell:   “Der Mensch wollt die Natur bezwingen  und ihr mit Gier Profit abringen.  Sie forderte dann grausam zurück,  jedoch kein Menschenleben zum Glück.  Drum wurde geschaffen dieser Ort  als Dank und Ermahnung immerfort.“  Stauseekatastrophe  vom 24. 25. August 1987

Inschrift an der Gedenktafel in der Gand, Martell: “Der Mensch wollt die Natur bezwingen und ihr mit Gier Profit abringen. Sie forderte dann grausam zurück, jedoch kein Menschenleben zum Glück. Drum wurde geschaffen dieser Ort als Dank und Ermahnung immerfort.“ Stauseekatastrophe vom 24. 25. August 1987

Die Gedenkstätte in Martell, Gand

Die Gedenkstätte in Martell, Gand