Der Gänsesäger - Ein neuer Brutvogel in Südtirol
Männchen und Weibchen vom Gänsesäger zeigen im Federkleid einen Geschlechtsdimorphismus: rechts vorne Männchen, links Weibchen.
Der Gänsesäger (Mergus merganser) ist in Südtirol ein neuer und noch seltener Brutvogel. Im Trentino und in Nordtirol war er schon seit einigen Jahren ein regelmäßiger Brutvogel. In Südtirol wurde sein Brüten erstmals 2022 nachgewiesen und fotodokumentiert und zwar an der Etsch zwischen Gargazon und Vilpian. Dieser Entenverwandte bevorzugt fischreiche Flüsse und Seen. Aufgrund der ersten Brutnachweise ist davon auszugehen, dass er sich an den strukturreicheren Abschnitten der Etsch oder größeren Seen (z.B. im Unterland/Überetsch) ansiedelt. Selbst habe ich den Gänsesäger im Frühjahr 2025 an der Aufweitung der Etsch zwischen Eyrs und Laas in einem Trupp von fünf männlichen und weiblichen Tieren gesehen. Wolfgang Duschek aus Naturns hat mir Fotos von Gänsesägern an der Etsch bei Naturns geschickt, die er am 6. Dezember 2025 dokumentieren konnte. Dietmar Gander hat ihn an den Fischteichen in Prad schon am Neujahrstag 2020 und auch 2025 fotodokumentiert, am heurigen 18. Jänner beispielsweise auch am Auslaufbecken des Schludernser E-Werkes in Glurns.
Beim Gänsesäger handelt sich um einen geschützten Wasservogel, der im Winterhalbjahr häufiger als Durchzügler oder Gastvogel an Etsch und Eisack beobachtet werden kann, bevor er im Frühjahr (März-Mai) zur Brut schreitet.
Zoologische Verwandtschaft
Die Gattung Säger (Mergus) gehört zu den Entenverwandten. Alle Säger haben einen stromlinienförmigen Körper und einen dünnen, sägeartig gezähnelten Schnabel, der mit einem scharfen, gebogenen Nagel versehen ist. Dieser Schnabel ist vorzüglich geeignet zum Fangen und Festhalten der schlüpfrigen Fische, die diese Vögel unter Wasser schwimmend erjagen. In Europa kommen drei Säger-Arten vor: der winzige Zwergsäger (Mergus albellus), der Mittelsäger (Mergus serrator) und der Gänsesäger (Mergus merganser). Der Gänsesäger ist der größte untern den drei Sägerarten und hat etwa die Größe einer Stockente, schwimmt aber tiefer im Wasser liegend. Auch die Säger haben Schwimmhäute zwischen den Zehen.
Geschlechtsdimorphismus
Zwischen den beiden Geschlechtern gibt es beim Gänsesäger einen ausgesprochenen Farbdimorphismus: Die Männchen haben im Prachtkleid einen grün schimmernden Kopf, die Weibchen einen braunen. Beide Geschlechter haben eine Hinterkopfmähne, die den Kopf beulenförmig verlängert erscheinen lässt. Das angestammte Brutgebiet des Gänsesägers ist der hohe Norden Eurasiens und Nordamerikas. Isolierte Vorkommen gibt es weiter südlich in den Hochgebirgen. So ist er in Mitteleuropa seltener Brutvogel in den Alpen. In Bayern und in der Schweiz ist er häufiger. Er brütet an Flüssen, Seen und Meeresküsten mit Baumbestand. Baumbestand ist wichtig, weil der Gänsesäger ein Höhlenbrüter ist wie etwa auch die Schellente.
Höhlenbrüter
In manchen Gegenden hat der Gänsesäger offensichtlich Schwierigkeiten, für die Brut geeignete Höhlen zu finden. Dies beweist die Tatsache, dass genügend große Nistkästen relativ schnell angenommen werden. Aber auch ausgefallene Brutplätze, wie etwa der Kirchturm von Hall in Tirol, wo seit mehreren Jahren ein Weibchen seine Eier legt. Andere Brutplätze fanden sich im Gebälk von Heustadeln oder gar in Kaminen. Meist bleiben die frisch geschlüpften Jungen noch einen Tag in der Bruthöhle. Die Mutter verlässt sie, um sie an das Wasser zu locken. Die Jungen lassen sich dann aus der Bruthöhle auch aus großer Höhe auf den Boden fallen, meist ohne Schaden zu nehmen. Relativ gut entwickelte Flügelstummel, große, mit Schwimmhäuten versehene Füße und ein gefächerter Schwanz sorgen dabei für eine bestimmte Falschschirmwirkung. Außerdem ist die Brustmuskulatur gut mit Dunen gepolstert, um die Wirkung des Aufpralls zu mildern. Im Fußmarsch am Wasser angelangt, fangen die kleinen Jungen gleich zu schwimmen und zu tauchen an. Sie legen dabei beachtliche Entfernungen zurück. Teilweise transportiert sie die Mutter auch auf ihrem Rücken. In ihrer Tauchleistung können sich Gänsesäger durchaus mit Kormoranen messen. Bei eifriger Nahrungsjagd verschwinden die Vögel sehr oft im Wasser. Nicht selten tauchen mehrere Gänsesäger synchron und treiben die Fische im gemeinsamen Treiben auf das Ufer zu. Als Beute werden kleine Fische bis 10 cm Länge bevorzugt. Gänsesäger haben nicht selten unter schmarotzenden Möwen zu leiden. Sie suchen den beuteabjagenden Möwen durch häufigen Ortswechsel zu entgehen.
Gänsesäger Männchen im Prachtkleid. Auffällig ist die orangerote Iris im Auge und der Hackenschnabel.
Gänsesäger Männchen in Balzhaltung.
Gänsesäger sind Zugvögel aus dem Norden. Wenn im Norden alle Gewässer vereisen, weichen sie in den Süden aus.
Das sogenannte Sichttauchen: mit den Augen unter Wasser sichtet der Gänsesäger die Fische, bevor er nach ihnen taucht.
Gänsesäger sind Bewohner von Wasserlebensräumen: die Prader Sand in einer Herbstaufnahme.
- Gänsesäger Männchen im Prachtkleid. Auffällig ist die orangerote Iris im Auge und der Hackenschnabel.
- Gänsesäger Männchen in Balzhaltung.
- Gänsesäger sind Zugvögel aus dem Norden. Wenn im Norden alle Gewässer vereisen, weichen sie in den Süden aus.
- Das sogenannte Sichttauchen: mit den Augen unter Wasser sichtet der Gänsesäger die Fische, bevor er nach ihnen taucht.
- Gänsesäger sind Bewohner von Wasserlebensräumen: die Prader Sand in einer Herbstaufnahme.