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Portrait

Hirt mit Leib und Seele

von Christine Weithaler
Gesundheitliche Gründe brachten Joggl auf die Alm und er hofft, dass solche ihn nicht von dort vertreiben. Bis auf wenige hat er die Sommer als Hirte, mit seinen und anderen Tieren, auf den Almen verbracht. Letztes Jahr zog es ihn ins Laaser Tal auf die „Unterolb“. Er kam heuer wieder und auch er weiß noch nicht, wo er den nächsten Sommer verbringt.
veröfftl. am 05. August 2026

Joggl, Jakob Voetter, ist 1966 in Bozen geboren, lebt in Völs und ist auf den Almen daheim

An einem glasklaren Sommertag begrüßen mich auf der „Unterolb“ im Laaser Tal zwei Hunde, ein paar Hühner und das idyllische Läuten der Kälberglocken. Bereits voriges Jahr wurde mir von einem „originalen Hirt aus Völs“ erzählt, und als ich dann in Laas einen Mann mit krausem Haar und knapper Lederhose Vorräte auf einen „Jeep“ aufladen sah, wusste ich wohin. Kurze und lange Lederhosen, gutes Schuhwerk hat er zusammen mit seinem Ross und mit Galtvieh, zwei Hunden und Katzen auf die „Unterolb“ ins Laaser Tal mitgebracht.
Joggl, Jakob Voetter, ist 1966 in Bozen geboren und als Einzelkind in Völs aufgewachsen. Seine Mutter betrieb dort eine kleine Pension. Mit knappen zwei Jahren erkrankte er an Bronchitis, und der Arzt verschrieb ihm Höhenluft. So begleiteten sie von da an Jakobs Vater im Sommer auf die Alm. Dort besserte sich Jakobs Gesundheit und er verbrachte mit wenigen Ausnahmen, die Sommerfrische auf der Alm. Bereits ab 1978 war er „Hiatbua“, zuerst auf der Seiser Alm, darauf hin drei Sommer im Fassatal. Er verbrachte den Militärdienst am Bozner Flughafen, danach arbeitete er als Zimmermann bei einer Baufirma und später wieder als Hirte im Fassatal und Belluno. Von 2001 bis 2014 war Joggl auf einer Voralp in Völs. 2015 hütete er Schafe von Tiers auf dem Schlern, 2016/2017 wieder Kälber in Col di Lana-Buchenstein im Belluno und drei Sommer in Tiers. 2021 pausierte Joggl unfallbedingt. Er schloss 2022 in Salern den Lehrgang für Hirten ab und verbrachte den Sommer auf der Haniger Schweige in Tiers und die zwei darauffolgenden im Defereggental in Ostirol. In den Wintermonaten arbeitete er bei den Skiliften auf der Seiser Alm und half seinen Eltern in der Völser Pension. Seine Mutter wurde dement und er sollte die Pension weiter führen. Jakob wusste, das ist nicht seines. Er baute die Pension zu fünf Wohnungen um und hat in einer seine Bleibe. Er ist mit Leib und Seele „Hirt“ und kam 2025 ins Laaser Tal. Er trifft an jedem neuen Ort auf Menschen, Bauern, Almmeister mit neuen anderen Ideen und meint, das sei auch gut so. Seine Erfahrung ist: „S‘Vieh isch unkompliziert, sel muasche lei lossen. Es suacht sich schu des, wos es braucht, man muaß a bissl derbei bleiben, zwischendurch salzn, nor fahlt ihmanen nichts.“ Es erfüllt ihn mit Freude und Genugtuung zu sehen, wie das Vieh am Morgen über die Weide grast und in den Mittagsstunden in der Sonne „flockt“. Sein Hobby ist sein Beruf. Jeder Sommer ist neu. Er hat immer wieder heftige Gewitter und Unwetter hautnah miterlebt, die ihn achtsam, aber keine Angst machen. Bedenklich bemerkt er, dass die schneearmen Winter zunehmen und die Almweiden vermehrt zuwachsen. Es wird immer weniger Vieh aufgetrieben, das Gras nicht vollständig abgeweidet, und die „Olmroasn“ und andere Stauden verwuchern langfristig wertvolle Weidefläche. Dem Vieh genügt kurzes Gras, meint Jakob. Er ist kein Freund der Koppelhaltung, d.h. das Vieh wird umzäunt und die Weide Stück für Stück abgefressen. Das Vieh soll freien Lauf haben, zuerst die Schafe, dann das Galtvieh, später die Kühe, zuletzt die Rösser und die „Goaß“. Im Laaser Tal wird nicht gesennt, d.h. es werden keine Kühe gemolken und deren Milch zu Käse und Butter weiter verarbeitet. Das wäre nicht seines. Trotzdem ist Joggls Tag ausgefüllt. Früh morgens sieht er nach dem Vieh, kehrt zur Almhütte zurück und kocht sich mindestens einmal am Tag eine warme Mahlzeit. Er erkundet das Gelände, macht ab und zu „an Ratscher“ mit den Wanderern und den Bauern die vorbeikommen, er meint: „I konn besser mit die Viecher, wia mit die Leit.“. Trotzdem ist er ein geselliger, lebensfroher Zeitgenosse und macht manchmal einen Abstecher in die Zivilisation. Dann sieht man ihn z.B. beim Pizzaessen in Laas. Heute trinkt er dazu Wasser, seiner Gesundheit bzw. seinem Blutzuckerspiegel und Blutdruck zu Liebe. Die Höhe beeinflusst diesen negativ, momentan liegt es noch im annehmbaren Bereich und Joggl hofft, dass es so bleibt. Er möchte weiterhin „hiatn gian“. Zum Thema Herdenschutz sagt er: “Man muss bedenken, dass ein Wildtier ein wildes Tier ist und bleibt. Es jagt um zu überleben, verteidigt seinen Nachwuchs und Lebensraum, sucht sich leichte Beute, unterscheidet dabei nicht zwischen Tier und Mensch. Der Lebensraum in Südtirol ist zu stark besiedelt, um beidem ausreichend Platz zu geben.“ „Noch Liachtmess wear i longsom unruhig, gutzlt‘s mi und wenn es nor longsom griane weart, frei i mi afe Summar“.