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Spezial-Landwirtschaft

More than Honey

von Maria Raffeiner
Vor einigen Jahren machte der Dokumentarfilm „More than Honey“ das weltweite Bienensterben zum Thema. Doch darum soll es hier nicht gehen. Der Titel dient vielmehr als Einladung, den Blick auf die vielfältigen, auch flüssigen Formen zu richten, in die sich Honig verwandeln kann. Eine davon ist der HoneyGourMet von Bert Innerhofer aus Partschins.
veröfftl. am 17. Februar 2026

Ein Produkt zu entwickeln, bedeutet Experimente einzugehen. Im Hintergrund die selbst gebaute Rüttelplatte für Flaschen, die lange auf der Hefe bleiben

Ende Jänner taut es in den Gassen von Partschins, die Dachrinnen gluckern. Noch reicht die Wintersonne nicht aus, um die Bienen zum Ausflug zu locken, doch lange wird es nicht mehr dauern. In einem Einfamilienhaus im Sonnenbergweg führt Bert Innerhofer durch seine Kellerräumlichkeiten, in denen Honig verarbeitet und zum Honigfruchtschaumwein HoneyGourMet weiterentwickelt wird. Dieses Projekt betreibt Innerhofer im Nebenerwerb. Noch reicht der Platz im Keller, doch sollte sich die Produktion vergrößern, müssten externe Räumlichkeiten her. Seine Beschäftigung mit der Imkerei begann vor rund 15 Jahren. Der gebürtige Passeirer, Sportlehrer von Beruf, kam über einen Imker-Schnupperkurs erstmals mit der Welt der Bienen in Berührung. „Ich wollte einfach ausprobieren, ob mir das gefallen könnte“, erzählt er. Schnell jedoch faszinierte ihn nicht nur die Arbeit mit den Bienen, sondern vor allem die Frage, was sich aus Honig noch alles machen ließe. In der Fachliteratur stieß Innerhofer auf Met, den klassischen Honigwein aus Wasser und Honig. Einige selbst hergestellte Flaschen lagerte er im Keller, noch nicht perfekt gefiltert. Was dann geschah, bezeichnet er auf seiner Webseite als „Urknall“: Beim Entkorken knallte es, der Inhalt schäumte über. Eine unerwartete Nachgärung, die ihm und seiner Frau noch besser schmeckte als der ursprüngliche Met. Die Idee war geboren, dieses Getränk gezielt weiterzuentwickeln.

„Es wäre cool, irgendwann im Geschäft oder im Lokal das eigene Produkt zu kaufen“, beschreibt Innerhofer seine damalige Vision. Heute kann man sagen: Sein Plan ist aufgegangen.
Es folgten Monate des Tüftelns, Lesens und Zweifelns. Entscheidend war die Beratung durch Josef Reiterer, den Südtiroler Sektpapst aus Mölten. Zunächst skeptisch gegenüber dem Vorhaben und der Hauptzutat Honig, zeigte sich Reiterer bei der Verkostung überrascht und erteilte bereitwillig wertvolle Ratschläge. Was in seiner Sektkellerei der Traubenzucker ist, ist bei Innerhofer der Honigzucker. Seither geht der Hobbyimker und Honigsekthersteller diesen Weg: Aus dem Honig seiner ca. 35 Bienenvölker an fünf Standorten rund um Partschins mischt er einen Honig-Cuvée, um Geschmack, Aroma und Qualität gleichmäßig zu gestalten. Dem Partschinser Quellwasser-Honig-Gemisch setzt er biologischen Apfelsaft zu, was den Gärprozess aktiviert. In Stahlfässern treffen diese Komponenten auf Champagnerhefe aus Reinzucht. Drei bis vier Wochen gärt das Gemisch, die Trübstoffe setzen sich ab. Nach Abschluss der Gärung wird der Met in Barriquefässern als Stillwein ausgebaut. Dann erst folgt der entscheidende Schritt: Durch erneute Zugabe von Honig und Hefe beginnt die zweite Gärung. Die Flüssigkeit wird in Flaschen gefüllt und verschlossen. Mindestens anderthalb Jahre durchläuft sie die Flaschengärung, ganz nach dem Vorbild der klassischen Sektherstellung. Für das Rütteln und Enthefen gehen die Flaschen auf Reisen: Rund 1.000 Stück bringt Innerhofer heuer in eine Kellerei nach Brescia, ein Unterfangen mit beträchtlicher Spannung, nicht zuletzt wegen der sechs Bar Druck in den Flaschen. Nach dem Enthefen folgt ein letzter, geheimer Schritt: die Zugabe eines Expeditionslikörs. Wie in großen Sektkellereien bleibt die genaue Rezeptur von Bert Innerhofer unter Verschluss. Sie dient der Geschmackslenkung und der Feinabstimmung des Süßegrads. Der HoneyGourMet ist BRUT, also herb, der Zucker aus dem Honig nahezu vollständig vergoren. Messungen ergaben eine Restsüße von ca. 10 g/Liter.
Seit 2022 ist der Honigfruchtschaumwein in der edlen Sektflasche verkaufsfertig. Die Abnehmer reichen von Privatkunden bis zur gehobenen Gastronomie, etwa in der Luisl Stube in Algund, im Kuppelrain in Kastelbell, im flurin in Glurns oder in einigen Hotels können Sie mit dem feinperligen, alkoholischen Getränk (11,5% vol.) anstoßen. Auch einige Geschäfte wie der Vinschger Bauernladen in Naturns führen es. 2023 wurde der HoneyGourMet bei der „Goldenen Honigwabe“ im österreichischen Wieselburg als Sieger in der Kategorie „Spezialitäten mit Honig“ ausgezeichnet.
Im Glas zeigt sich der HoneyGourMet gelb und klar, mit feiner Perlage. Er duftet eindeutig nach Honig, dezent fruchtig nach Walderdbeeren und – wie Falstaff-Weinexperte Simon Staffler schreibt – „nach Sommerferien und blühenden Linden“. Als Aperitif oder zu Desserts, Kaiserschmarrn und gereiftem Käse überzeugt er mit feiner Säure. Bert serviert dazu Cantuccini, die das Geschmackserlebnis abrunden. Kastanien könnten gut dazu passen? „Ja, daher konnte ich den Eishof im Pfossental und einige Törggelelokale rund um Partschins als Kunden gewinnen. Manchmal muss ich Überzeugungsarbeit leisten, aber bei einem Hof, der Törggeleabende anbietet, war schon nach einem Abend Nachschub gefragt“, erzählt er von Geschmackskombinationen und Marketing.

HoneyGourMet. Hinter diesem einzigartigen Produkt steht sein Erfinder selbst: Bert Innerhofer, Jahrgang 1971, stammt aus St. Leonhard und absolvierte sein Probejahr als Lehrer an der Mittelschule Partschins. „Dann bin ich hier hängen geblieben“, schmunzelt er zufrieden.
Bienen und Sport sind seine großen Leidenschaften, die sich gut verbinden lassen. Oft kontrolliert er seine Völker mit dem Fahrrad und sammelt dabei gleich Höhenmeter, sei es auf dem Weg zum Steinbruch in Richtung Quadrathöfe am Nörderberg oder nach Vertigen oberhalb von Partschins. Um einen Gleichgesinnten zu besuchen, der Schaumwein auf Honigbasis herstellt, muss Innerhofer noch etwas weiter reisen, gar bis nach Slowenien. In Südtirol gibt es zwar einzelne Met-Erzeuger, doch den darauf aufbauenden zweiten Gärungs- und Reifeprozess begleitet nur Bert Innerhofer. Mit HoneyGourMet hat er sein Ziel erreicht, mehr als Honig zu produzieren und ein intensives Geschmackserlebnis auf den Markt zu bringen.

Prüfender Blick bei der Bienenkontrolle. Foto © Karin Thaler

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Wöchentlich füllt Bert nach, was sich im Fass verflüchtigt hat

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Heuer sind es tausend Flaschen, bald schon sollen es mehr sein

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Über den Erfolg freut sich die gesamte Familie

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