Die Saurier-Fußabdrücke an den Cime di Plator - 210 Millionen Jahre alte triassische Spuren
Paläoartistische Rekonstruktion der Umgebung, wie sie vor etwa 210 Millionen Jahren ausgesehen haben könnte, heute erhalten in den Felsen des Fraele-Tals (Stilfserjoch-Nationalpark). Entlang der Küste des Tethys-Ozeans wandelt eine Herde prosauropoder Dinosaurier bei Ebbe auf einer ausgedehnten schlammigen Karbonatebene. Illustration von Fabio Manucci, Arch. PaleoStelvio (PNS, MSNM, SABAP CO-LC).
Am 14. September 2025 hat der Naturfotograf Elio Della Ferrera das erste Foto von großen Abdrücken in den fast senkrechten dolomitischen Felswänden der Cime di Plator geknipst. Die Cime di Plator liegen in der Valle di Fraele im lombardischen Anteil des Nationalparks Stilfserjoch. Die Valle di Fraele ist jenes Hochtal zwischen Livigno und Bormio, welches die zwei Stauseen von Cancano und Fraele birgt. Mit dem Auto erreicht man die Valle di Fraele über die Serpentinen des Passo delle Scale von Premadio in der Valdidentro aus. Zu Fuß kommt man über di Val Mora im schweizerischen Teil des Münstertales auf die Hochebene von Fraele.
Elio Della Ferera hat am Tag nach der Fotodokumentation der Abdrücke im Felsen den Paläontologen Cristiano Dal Sasso vom Naturhistorischen Museum in Mailand beigezogen. Dessen erste Einschätzung der Bilder lautete, dass es sich um Dinosaurier-Fußabdrücke handle. In der Folge wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet aus Experten des Amtes für Archäologie für die lombardischen Provinzen Como, Lecco, Sondrio und Varese sowie dem Geologen Fabrizio Berra von der Abteilung Geowissenschaften der Universität Mailand, dem Ichnologen Fabio Massimo Petti vom Naturmuseum MUSE Trient und den Forst-Carabinieri des Nationalparks Stilfserjoch.
Am 16. Dezember 2025 wurden die ersten Ergebnisse in einer Pressekonferenz am Sitz der Region Lombardei in Mailand vorgestellt. Die wissenschaftliche Bedeutung der Entdeckung von Elio Della Ferrera hat im In- und Ausland auch in den Abendnachrichten verschiedener Fernsehsender Resonanz gefunden. So hat etwa das ZDF in den Heute-Abendnachrichten von 19.00 Uhr berichtet, aber auch RAI-Südtirol.
Bisherige Zuordnung der Entdeckung
In der so genannten „Schicht 0“ der Dolomitfelsen an den Cime Plator konnten über 2.000 Abdrücke von Fußspuren zweibeiniger Saurier festgestellt werden. Die am besten erhaltenen Abdrücke sind bis zu 40 cm lang und zeigen deutlich Fersen, Zehen und Krallenabdrücke. Sie sind am ehesten sogenannten prosauropoden Dinosauriern zuzuordnen, pflanzenfressenden Saurier mit zweibeinigem Gang und vier Zehen, langen Hälsen und relativ kleinen Köpfen, die bis zu 10 Meter lang waren. In ihrer Altersdatierung lassen sich die Spuren dem Erdzeitalter der Trias vor etwa 210 Millionen Jahren zuordnen. In den Ostalpen und in den Dolomiten sind weitere gleichaltrige Fundstellen bekannt, aber der Fund in der Valle di Fraele ist die erste Entdeckung von Dinosaurier-Fußabdrücken in der Lombardei und die einzige in Italien, die nördlich der sogenannten Insubrischen Linie liegt. Die Insubrische Linie, auch als Periadriatische Naht bezeichnet, ist eine der wichtigsten tektonischen Strukturen der Alpen. Sie ist eine geologische „Naht“, welche die Zentralalpen von den Südalpen trennt. Die Periadriatische Naht ist die sichtbare Spur der Kollission der Europäischen Platte mit der Adriatischen Platte.
Zur Entstehung der Fußabdrücke
In der Fundstelle Cime di Plator sind die fossilen Fußabdrücke deutlich tief eingedrückt, was darauf hindeutet, dass die Dinosaurier auf Kalkschlamm liefen, der durch das reichlich vorhandene Wasser sehr plastisch wurde. Die Fußabdrücke sind aber nicht an der heutigen Fundstelle entstanden, sondern vor 227 bis 205 Millionen bildeten sich die in der Valle di Fraele zutage tretenden Gesteine in einem flachen Meeresmilieu und zwar innerhalb ausgedehnter Karbonatplattformen, die durch Watten ähnlich denen in den heutigen tropischen Regionen gekennzeichnet waren. Auf diesen schlammigen Böden, welche von den Wassern des Ur-Ozeans Tethys umspült wurden, sind die Dinosaurier gelaufen und haben ihre Fußspuren hinterlassen. Diese Spuren wurden später von neuen Ablagerungen begraben und geschützt. Durch die Kontinentalverschiebung und die Hebung der Alpenkette sind die Spuren der Cime di Plator horizontal um tausende Kilometer und vertikal um tausende Meter verschoben worden.
Verwandtschaft
Die Fußabdrücke an den Cime di Plator ähneln jenen des Ichnogenus Pseudotetrasauropus, sind aber nicht vollkommen ident. Es ist möglich, dass es sich bei den Fußabdrücken im Nationalpark Stilfserjoch um eine andere Icospezies handelt oder sogar um eine, die bisher noch nirgends beschrieben wurde. In Deutschland und in der Schweiz sind zahlreiche Skelette von wahrscheinlich vergleichbaren Skeletten gefunden worden, die den Urhebern der Spuren in der Valle di Fraele nahekommen können. Auf jeden Fall werden jetzt klärende und interessante Untersuchungen der Paläowissenschaftler und Geologen zu den Funden an den Cime di Plator folgen.
Die am besten erhaltenen Fußabdrücke zeigen deutlich lange Fersen, Zehen und Krallenabdrücke, obwohl sie Jahrtausende lang Schnee und Eis ausgesetzt waren, sogar während der letzten Eiszeiten. Foto von Elio Della Ferrera, Arch. PaleoStelvio (PNS, MSNM, SABAP CO-LC).
Detail eines Fußabdrucks. Die Ähnlichkeit mit dem Ichnogenus Pseudotetrasauropus ist groß, aber nicht vollständig. In jedem Fall muss es sich um einen pflanzenfressenden Dinosaurier ähnlich dem Plateosaurus engelhardti handeln. Foto von Elio Della Ferrera, Arch. PaleoStelvio (PNS, MSNM, SABAP CO-LC)
Die Hochfläche von Cancano mit dem Lago delle Scale ist das Fundgebiet der Saurierspuren
- Die am besten erhaltenen Fußabdrücke zeigen deutlich lange Fersen, Zehen und Krallenabdrücke, obwohl sie Jahrtausende lang Schnee und Eis ausgesetzt waren, sogar während der letzten Eiszeiten. Foto von Elio Della Ferrera, Arch. PaleoStelvio (PNS, MSNM, SABAP CO-LC).
- Detail eines Fußabdrucks. Die Ähnlichkeit mit dem Ichnogenus Pseudotetrasauropus ist groß, aber nicht vollständig. In jedem Fall muss es sich um einen pflanzenfressenden Dinosaurier ähnlich dem Plateosaurus engelhardti handeln. Foto von Elio Della Ferrera, Arch. PaleoStelvio (PNS, MSNM, SABAP CO-LC)
- Die Hochfläche von Cancano mit dem Lago delle Scale ist das Fundgebiet der Saurierspuren