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Spezial: Obervinschgau

Obervinschgau St. Valentin – Graun – Reschen & Langtaufers

von Angelika Ploner (Text & Fotos)
veröfftl. am 08. Juli 2026

Die Natur ist im Obervinschgau Trumpf. Das Wahrzeichen der Gemeinde Graun und des Vinschgaus überhaupt ist zweifelsohne der versunkene Kirchturm. Idyllisch ragt er aus dem Reschensee, weit weniger idyllisch ist die Geschichte, wie es dazu kam. Er dürfte wohl das beliebteste Fotomotiv bei Gästen und bei Durchreisenden sein. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass der Tourismus hier dominiert. Die Gemeinde Graun in der Ferienregion Reschensee zählt zu den beliebtesten Tourismusdestination im Vinschgau. 2025 kam man auf die beeindruckende Nächtigungszahl von 495.481. Weiters wurden 116.835 Ankünfte in den 143 Tourismusbetrieben mit insgesamt 3.243 Betten verzeichnet. Die Aufenthaltsdauer lag bei 4,2 Tagen, die Auslastung in Tagen bei 153. Die Gästestatistik führt der deutsche Gast mit 60,8 Prozent an. Auf Platz zwei rangiert der italienische Urlauber mit 16,6 Prozent, gefolgt von der Schweiz und Liechtenstein mit 8,4 Prozent und Nationen wie Tchechien oder die Niederlande mit weniger Prozentpunkten.

s36 graun2Das Wasser spielt im Obervinschgau eine besondere Rolle. Das Erlebnisbad Curunes ergänzt seit dem Herbst 2025 als Attraktion das Angebot der Gemeinde Graun. Es beherbergt eine moderne Wasserwelt und eine große Saunalandschaft. Und auch die Energiegenossenschaft Obervinschgau nutzt die Kraft des Wassers. Die Energiegenossenschaft Oberland-Rojenbach wurde am 1999 auf Initiative von Albrecht Plangger und Alfons Wallnöfer gegründet. Die EGO produziert Strom mit den zwei Wasserkraftwerken Rojenbach und Ochsenberg. Die Mitgliederzahl ist seit dem Jahr 1999 von 466 bis heute auf 807 Mitglieder gestiegen. Begonnen wurde 2014 auch mit dem Ausbau des Glasfasernetzes. Aktuell gibt es in der Gemeinde 606 aktive Glasfaseranschlüsse. Insgesamt sind 637 Anschlüsse ausgebaut worden.

Die größten Arbeitgeber. Zu den größten Arbeitgebern zählt im Obervinschgau natürlich die Hotelerie. Das Fünf-Sterne Family Retreat DAS GERSTL ergänzt seit dem Mai 2025 die Hotellandschaft hier. „Unser DAS GERSTL Family Team umfasst 110 Mitarbeiter“, sagt Marion Gerstl zum Vinschgerwind. Und weiter: „Es ist ein Ort entstanden, der Familien verbindet und gleichzeitig Graun im Vinschgau stärkt. In 66 nachhaltig gebauten Familiensuiten und Studios genießen Gäste die Natur rund um den Reschensee. Die enge Verbundenheit mit der Region zeigt sich auch im Alltag: Seit September 2025 ist die öffentliche Kita der Gemeinde Graun im Haus untergebracht. DAS GERSTL Family Retreat verbindet Urlaubsglück, regionale Wertschöpfung und ein lebendiges Miteinander am Standort Graun im Vinschgau.“

„Wir beschäftigen derzeit 30 Mitarbeiter im Seehotel in Reschen“, sagt die Familie Folie-Strobl. Die Familie Theiner vom Hotel Restaurant Traube Post in Graun teilt hingegen mit, „dass wir 25 Personen sind.“ Und das Hotel zum Mohren in Reschen „hat 17 Mitarbeiter.“ Zu den größten Arbeitgebern in der Gemeinde Graun zählt zweifelsohne auch das Ski- und Wandergebiet Schöneben-Haideralm. „Wir haben 105 s36 graun3Saisonangestellte in der Wintersaison, 36 Saisonangestellte in der Sommersaison und 45 Fixangestellte. Im Durchschnitt also 91 Angestellte“, sagt Sebastian Prieth, der Geschäftsführer des Ski-, Bike- und Wandergebietes Schöneben. Die Raiffeisenkasse Obervinschgau mit dem Hauptsitz in St. Valentin und Filialen in Reschen, Mals und Burgeis, beschäftigt „derzeit 23 MitarbeiterInnen“, sagt Direktor Markus Moriggl zum Vinschgerwind. In die Reihe der größeren Arbeitgeber stellt sich auch das Unternehmen Prenner Transporte „mit 22 Mitarbeitern“. 25 Mitarbeiter verrichten auch in der Backstube Angerer täglich ihre Arbeit, erklärt Firmenchef Günther Angerer und 13 Mitarbeiter zählt momentan das Unternehmen Habicher.
Der Wirtschaftsraum Obervinschgau lebt von der Nähe zur Schweiz und zu Österreich. Aufträge aus den Nachbarländern füllen mitunter die Auftragsbücher. Ein Vorteil. Der Nachteil: Viele Fachkräfte wandern ab. Abseits davon bilden die Unternehmen einen gesunden Mix. Die Vielfalt ist der Reichtum der Wirtschaft im Oberland. Das Handwerk zeichnet sich durch aktive Betriebe aus, die im Baugewerbe, im Holz- oder Metallbereich oder in der Logistik beheimatet sind. Die Kleinbetriebe bilden das Rückgrat der Wirtschaft.

s38 graun4Der öffentliche Sektor ist, nach dem Tourismus, ebenso ein wichtiger Arbeitgeber in der Gemeinde Graun, wobei der Schulsprengel Graun eine zentrale Rolle spielt. „Eine besondere Einrichtung ist die Erlebnisschule Langtaufers, gegründet 1999 im Rahmen des EU-Programms LEADER II zur Stärkung des strukturschwachen Tals. Jährlich besuchen bis zu 2.300 SchülerInnen die Erlebnisschule. Das Konzept sieht vor, dass für mehrere Tage im naturnahen Umfeld erlebnisreiche Eindrücke gesammelt und mitgenommen werden. Darüber hinaus leistet die Erlebnisschule einen spürbaren Beitrag zum Tourismus und stärkt die lokale Wirtschaft. Die Erlebnisschule ist somit ein bedeutender Impulsgeber für die regionale Entwicklung“, teilt Sonia D‘ Angelo, die Verantwortliche der Verwaltungs- und Hilfsdienste der Provinz Bozen mit.

s40 graun5Landwirtschaft. Die Gemeinde Graun bildet, landwirtschaftlich gesehen, eine Ausnahme. Hier spielt der Obstanbau keine Rolle. Die Landwirtschaft hier ist geprägt von der Milchwirtschaft. 73 Mitglieder liefern ihre Milch an die Bergmilch Südtirol. 56.643 Kilogramm lieferte im Jahr 2025 im Durchschnitt jedes Mitglied an. Daneben gibt es Landwirte, die die Milch selbst veredeln. Der Rieglhof oder der Gamsegghof in Langtaufers seien hier nur stellvertretend erwähnt.