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Spezial: Obervinschgau

Ein Lehrpfad als Maturaprojekt - Spazierend lernen um den Haidersee

von Jana Angerer
Der Lehrpfad “Spazierend lernen um den Haidersee” ist das Maturaprojekt 2025 von Jana Angerer. Insgesamt 24 Schautafeln rund um den Haidersee sieht das Projekt vor. Auf der Karte (s. rechts) hat Angerer die Punkte eingezeichnet, wo die Schautafeln den Spaziergängern etwa vom Wasserlauf der Etsch, dem Pumphaus, der Einspeisstation, dem Drache „Eisi“, dem Schlund oder der Pflanzenwelt am Haidersee erzählen könnten. Das Maturaprojekt wäre eine Bereicherung für den Haidersee.
veröfftl. am 08. Juli 2026

Der Haidersee gehört zu den landschaftlichen Wahrzeichen des Obervinschgaus. Umgeben von Schilfgürteln und mit Blick auf die Ortlergruppe ist er heute ein beliebtes Ziel für Naturliebhaber. Doch der See erzählt auch von einer Zeit, in der Eis, Fischerei und harte Handarbeit den Alltag der Menschen bestimmten.
Bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg war das Eisschneiden am Haidersee wichtig. Ohne Kühlschränke wurden Lebensmittel durch Räuchern, Einsalzen oder Einwecken haltbar gemacht. Hotels in St. Valentin nutzten Natureis aus dem See, um Fleisch bis zu drei Wochen zu kühlen. Mit Pickeln, Eisenstangen und langen Sägen wurden Eisplatten von etwa 1,5 Metern Länge und 60 Zentimetern Breite aus dem See geschnitten, mit Hakenstangen geborgen und eingelagert. Auch entfernte Orte wurden so mit Eis versorgt.
Am Haidersee gibt es ein sogenanntes Eislöch, ein natürliches Kaltluftgebiet, in dem selbst im Sommer deutlich niedrigere Temperaturen herrschen. Früher nutzten Fischer diesen natürlichen Kühlraum zur Lagerung ihres Fangs, besonders das Kloster Allerengelsberg, das einst die Fischereirechte besaß. Aufgrund der großen Entfernung half es, den Fisch frisch zu halten.
Auch als Lebensraum besitzt der Haidersee große Bedeutung. Die ausgedehnten Schilfbestände bieten zahlreichen Wasservögeln Schutz und Nistplätze. Haubentaucher, Reiherenten und Blässhühner fühlen sich hier ebenso wohl wie verschiedene Zugvogelarten. Unter der Wasseroberfläche leben Renken, Hechte, Barsche und Seeforellen. Gemeinsam mit den artenreichen Wasserpflanzen macht diese Vielfalt den See zu einem ökologisch wertvollen Naturraum.
Nicht zuletzt spielte der Haidersee auch für die Entwicklung des Wintersports eine wichtige Rolle. Bereits vor 1900 trafen sich auf den Filiaunas-Wiesen die ersten Skipioniere zu Wettkämpfen im Skispringen, Langlauf und in der Abfahrt. Daraus entstand 1905 der Skiclub Obervinschgau – der erste Skiclub Südtirols und einer der ältesten im gesamten Alpenraum. Heute setzt der ASV Vinschger Oberland diese lange Tradition fort.
So vereint der Haidersee Natur, Geschichte und Brauchtum. Wer an seinen Ufern unterwegs ist, begegnet nicht nur einer eindrucksvollen Landschaft, sondern auch Spuren der Vergangenheit. Künftig sollen entlang des Rundwegs Informationstafeln aufgestellt werden, die über Geschichte, Eisschneiden, Tier- und Pflanzenwelt sowie weitere Themen informieren. So können Besucher den See nicht nur erleben, sondern auch besser verstehen.