„Mein Start in Mols isch schwierig gwesen“
Luis Weger, geb. 1944 in Salfelden im Bundesland Salzburg in Österreich, wohnhaft in Mals: Dass er aus Kreisen der Bergrettung für die Auszeichnung vorgeschlagen worden war, empfindet er als große Wertschätzung. „Di Medaille gib i meiner Frau weiter, weil i drhoam gonz viel aweck gwesen bin“, meint er.
Sein kleines Skimuseum im Pardellesweg in Mals konnte Luis 2023 eröffnen. Zu vielen Ausstellungsstücken kann er interessante Geschichten erzählen. Unter den Exponaten befinden sich Skier vom Spitzenskirennläufer Gustav Thöni und sogar vom einstigen italienischen König Umberto II.
Luis kam am 1. Oktober 1944 als „Optantenkind“ in der Südtiroler Siedlung in Salfelden auf die Welt. Einige Wochen zuvor war sein Vater im Krieg gefallen. Allein mit vier Kindern entschied die Mutter 1945 nach Mals zurückzukehren. Da die Familie durch die Option staatenlos geworden war, ging der Weg zurück nur über die grüne Grenze. Bäuerinnen aus Reschen brachten die drei älteren Kinder im Heuwagen versteckt von Nauders auf die italienische Seite. Die Mutter mit dem kleinen Luis wurde entdeckt und zurückgeschickt. Die Rückkehr gelang ihr erst drei Jahre später, nachdem sie die Erlaubnis erhalten hatte, in Mals ein Dokument zu unterschreiben. Die „Schualmeister Lena“ aus Reschen schmuggelte Luis über die Grenze und nahm ihn als Pflegekind auf. Luis erinnert sich an die weinenden Frauen, als das Wasser des Reschen Stausees den Häusern immer näherkam.
Im Alter von sechs Jahren holte ihn die Mutter nach Mals. „I hon meine Gschwister nit kennt. Mein Start in Mols isch schwierig gwesn.“ Anstatt die Schulbank zu drücken, folgte er oft dem Schafhirten in die Berge. In den Sommerferien verdingte ihn die Mutter als Kleinhirte. Mit seinen Hunden hütete er in Montafon, Ardez, Samedan und Zernez. „Di Hundlan hot di Muatr nor in Herbst zu main Verdruss zun Kochn verkaft“, erzählt er. Denn damals sei es üblich gewesen Hundefleisch zu essen. Im Winter hielt sich Luis mit alten Skiern auf den Calven Wiesen auf oder im Fritz-Anger in Mals. Schon damals begann seine Sammlerleidenschaft. Skier samt Zubehör und andere bäuerliche Geräte, die der Entsorgung oder dem Feuer zugeführt werden sollten, nahm er mit nach Hause. „I hon a Freid, olts Zuig zu rettn“, betont er. Freude machte ihm auch das Trompete-Spielen in Musikkapelle Mals. Nach dem Volksschulbesuch lernte Luis in Mals Hydrauliker. Lohn gab es damals keinen. „Ma hot gmiaßt froah sein, dass ma a Lehrstelle gfundn hot“, meint er. Als Geselle suchte er neue Herausforderungen, zuerst in Vinschger Betrieben und dann in St. Moritz. Dort bekam er Einblick in die Villen der Schönen und Reichen. „Fürn Onassis hon i a Seifenschüssel montiert unt mitn Schah bin i sogor Ski gfohrn“, lacht er. Er kehrte wieder zu seinem Lehrmeister zurück. Nachdem er bei der Abendmittelschule das Diplom erworben hatte, bekam er 1972 eine Stelle im Energiekonzern ENEL. Dort arbeitete er bis zu seiner Pensionierung 1997.
Seine Frau Helga Zischg lernte Luis Ende der 1960er Jahre bei einem Ball in Trafoi kennen. 1969 heiratete er sie und wurde Vater zweier Töchter. „Nor hon i entla a Familie kopp“, betont Luis. Er war damals bereits Mitglied der Bergrettung Latsch. Als treibende Kraft setzte er sich für die Gründung der BRD-Stelle im AVS Mals 1972 ein. Als Chef lenkte er deren Geschicke über viele Jahre hinweg. Bekannt wurde Luis als Lawinenhundeführer und Ausbilder. Drei Hunde haben ihn im Laufe seiner BRD-Zeit bei der Suche nach Verschütteten begleitet und mit ihm einige Leben gerettet. Bedrückend war es, tote Menschen zu bergen, so wie die sieben Kinder auf Maseben oder die drei Tourengehen in Matsch. Bei den Einsätzen zähle immer der Teamgeist, betont er.
Luis war ein Vereinsmensch durch und durch. Er war nicht nur Sammler und Bergretter, sondern auch Feuerwehrmann, Musikant, Goaßlschnöller, Mitglied im Skiclub und in der Sektion Badminton, Kampfrichter bei Ski- und Langlaufrennen. Bei Filmproduktionen und Umzügen ließ er die „Korrner“ und die Schmuggler aufleben. Bei Festen zeigt er Kindern noch heute, wie man mit Hammer und Nagel umgeht.
Auf die Frage, was er heute tut, meint er lachend: „I wort iatz lei mea, bis dr nägschte Tog kimmt.“ Gelegentlich führt er Gäste durch sein Skimuseum. Wenn Luis den Standort auch als nicht ideal empfindet, so ist er doch froh, dass seine Sammlung gesichert ist.