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Portrait

„Mir tuat net leis’Tonzn guat, die Leit tian mir guat.“

von Astrid Fleischmann
Die begeisterte Tanzleiterin Notburga Wolf Erlacher ist auf dem „Goidnerhof“ in Marling geboren und aufgewachsen. Sie war das sechste Kind von sieben. Kinderstimmen und Lebendigkeit waren auf ihrem Elternhof Alltag. Ihre Eltern Anna Menz und Michael Wolf haben den Hof und die Goidneralm bewirtschaftet.
veröfftl. am 27. Mai 2026

Notburga Wolf Erlacher

Mit einem Lächeln erinnert sich Notburga an ihre lebhafte Kindheit. „Mir hobn viel Plotz zun Spielen kop und es wor olm viel lous.“ Die Landwirtschaft und die Gäste im Haus bedeuteten viel Arbeit, aber auch Kontakt zu vielen Menschen und die Sommer auf der Alm waren herrlich. Ihre Kindheit bot ihr den besten Boden für einen guten Start ins Leben.
Notburga war ein sehr kreatives Kind. Zu ihrer Freude schickte ihre Mutter sie nach der Mittelschule in die Schneiderlehre und anschließend in die Haushaltungsschule, was Burgi wenig begeisterte. Im Anschluss besuchte sie die Modeschule in München und schnupperte dort in verschiedene Mode-Unternehmen hinein. Am Wochenende fuhr sie immer nach Hause. „I hon Huamweah kop.“
Zurück in Südtirol folgten zwei Gesellenjahre in einer Schneiderei und hinterher besuchte sie die Trachtenschule in Salzburg, wo Notburga 1986 ihre Ausbildung mit dem Meisterbrief für Damenschneiderei abschloss. Bei einem Wochenendbesuch Daheim traf Notburga auf einem Faschingsball in Algund Bartl Erlacher, den sie schon länger kannte. „Ober desmol hot der Blitz ingschlogn. I wor narrisch verliab, vom erschtn Moment un.“, erzählt sie. Seit sie 16 Jahre war kannte sie die Familie Erlacher von der Töll. Schließlich gab es auf dem elterlichen Hof für die Zimmerleute immer etwas zu tun. „Wer in Bartl gekennt hot, hot gwisst, dass er gern lustig wor.“ Das imponierte der jungen Frau. Es dauerte nicht lange und Bartl besuchte Burgi in Salzburg. Die beiden haben sich dann nicht mehr aus den Augen verloren.
1987 wurde geheiratet. Bartl führte den Zimmereibetrieb, Familie und Haushalt waren Burgis Zuständigkeit. Zudem erledigte sie die Büroarbeiten des Betriebes und nutzte jede Gelegenheit um neue Stoffe zu kaufen. Die drei gemeinsamen Kinder Magdalena, Florian und Veronika trugen großteils Selbstgenähtes. „I hon an großzügign Monnkop. I hon olle Freiheiten kop, hon meine Zeit gestoltn gekennt, wia i gwellt hon. Wichtig wor lei, dass olls kloppet.“
Die Familie war glücklich, der Betrieb lief gut. „Des wor wohl die schianste Zeit in mein Leben.“
1999 passierte das Unglück. Die Kinder waren noch klein, Magdalena, die Älteste gerade mal elf und die Kleine drei Jahre alt. Bartl stürzte von einem Dach zehn Meter in die Tiefe. Wochenlang schwebte Bartl in Lebensgefahr. Dann fiel er ins Koma. Nach Intensivstation und einer Reha in Deutschland kam er zurück nach Südtirol. Es folgte eine 13-monatige stationäre Reha im Lorenz-Böhler-KH in Obermais. „Des wor seine beschte Zeit,“ erinnert sich Burgi. Durch den täglichen Kontakt zu seiner Frau und den Kindern hatte er gute, lichte Momente. Die meiste Zeit jedoch schlief er.
Durch den schweren Unfall brach der Familie die Lebensgrundlage weg. Zum Glück war das Firmenbüro Notburgas Bereich. Dadurch konnte sie den Betrieb managen. Unterstützt wurde sie dabei von Bartls und ihren Geschwistern und den Kindern. Bartl war im Landesausschuss der Zimmerleute und kannte viele Zimmerer, die Notburga ebenfalls unterstützen. „Des wor a wichtigs Netzwerk.“ Und Flor, ein langjähriger ehemaliger Mitarbeiter kam täglich vorbei um nach dem Rechten zu sehen. All diese Menschen haben die Familie durch diese schwere Zeit getragen.
Der Fuhrpark wurde abgebaut, die Räumlichkeiten vermietet. So konnte Notburga bei den Kindern sein und ihren kranken Mann betreuen. An den Wochenenden holte sie ihren Mann immer vom Pflegeheim nach Hause. Das genoss Bartl sichtlich. Nach vier Jahren starb er. Vier Jahre, für die Notburga dankbar ist:„So hon i mi verobschiedn gekennt.“
Notburga ist eine Frau, die in jeder Situation nach Lösungen und Wegen sucht. Als die Kinder größer waren, startete Notburga 2007 ihre Tanzleiterausbildung „Tanzen ab der Lebensmitte“ in Österreich. Seit 2008 gibt sie Tanzkurse für Gruppen und seit 2014 ist sie Tanzleiter-Referentin. Zudem arbeitet Notburga im Ausschuss der Südtiroler Tanzleiter „Tanzen ab der Lebensmitte“. Inzwischen hat sie in Deutschland auch die Ausbildung zur LineDance-Trainerin gemacht. Das Tanzen bringt Leichtigkeit in ihr Leben und hat sie immer wieder in Balance gebracht.
Heute lebt Notburga in Algund. Die Kinder sind erwachsen. Florian hat den Betrieb auf der Töll übernommen. Frei sein zieht sich durch ihr gesamtes Leben, ein Leben voller Freiheit und Verantwortung, Freude und Leid.
„Wenn zehn Frauen s’gleiche Schicksol kop hattn, hatt jede ondersch ghondelt. I bin den Weg so gongen, wia is gekennt hon mit meinen Fähigkeiten. I hon heints’Gefühl, i hon s’Möglichste getun.“