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Portrait

„Noch Martini moch i s’ Kirchl winterfescht“

von Magdalena Dietl Sapelza
Valentin Kuenrath aus Burgeis war Lehrer und passionierter Bergsteiger. Seit fast fünf Jahrzehnten kümmert er sich als Mesner um die Kirche „St. Martin in Zerz“. Er sorgt dafür, dass dort die Messtage „Jakobi“ am 25. Juli, „Laurenzi“ am 10. August und „Bartlmäh“ am 24. August festlich begangen werden. Die Mesnerei hat er einst von seinem Vater Kassian übernommen.
veröfftl. am 30. September 2026

Valentin Kuenrath, Jg. 1960, Burgeis, vor der Eingangstür der Kirche „St. Martin in Zerz“. Seit über 45 Jahren sorgt er dafür, dass sich innen und außen alles in perfektem Zustand befindet. Heuer zu „Lorenzi“ wurde ihm mit einer Urkunde für seinen Einsatz gedankt.

Bereits als Kind hatte Valentin zur kleinen Kirche „St. Martin in Zerz“ eine besondere Beziehung. Er begleitete seinen Vater oft dorthin. Zu den dargestellten Heiligen dachte er sich Geschichten aus, so auch zu den Aposteln an den Seitenwänden. Von denen sind nur elf sichtbar. „Der Judas kannt versteckt hinter der Konzel sein“, lacht er.
Valentin wuchs mit vier Geschwistern auf einem kleinen Bauernhof in Burgeis auf. „I hon a scheane, ruhige Kindheit kopp“, sagt er. Nach der Volksschule sollte Valentin eigentlich Klosterschüler in Marienberg werden. Doch da dort umgebaut wurde, war das nicht möglich. Er besuchte die Mittelschule in Mals, was ihm nicht ungelegen kam. Denn so konnte er seine Freizeit frei gestalten und Gitarre spielen. Er organisierte mit Freunden sogar eine Party und sammelte Geld für „St. Martin in Zerz“. Sein bester Freund war Valentin Bernhart, mit dem er viel unterwegs war. Nach der Mittelschule trennten sich die Wege. Valentin Bernhart besuchte die LBA in Meran, Valentin Kuenrath das Wissenschaftliche Lyzeum in Schlanders. Im dortigen Gamperheim fühlte er sich eingeengt. „Miar sein oft über die Mauern oghaut unt hobm inz mit Madlen troffn“, verrät er. Das kam nicht gut an, und er musste sich ein Privatzimmer suchen. Er fühlte sich frei und genoss das Nachtleben. „I bin nia a Kind von Traurigkeit gwesn“, lacht er. Nach der Matura unterrichtete er literarische Fächer in der Mittelschule Prad. Sein Freund Valentin begann als Grundschullehrer in Reschen. Die beiden machten Musik, besuchten Discos und genossen die jugendliche Unbeschwertheit bis zum verhängnisvollen 17. Oktober 1980. Die Beiden wollten in Laas den Grabstein für das Grab von Valentin Bernharts Vater holen, der ein halbes Jahr zuvor gestorben war. In einer Kurve vor Mals kam der Wagen ins Schleudern und prallte gegen einen Baum. Valentin Bernhart war auf der Stelle tot. „I bin mit Schnittwundn im Kopf in Spitol zu miar kemmen“, erinnert sich Valentin. Er war am Boden zerstört und dachte sich: „Wenns inz lei boade derwuschen hat.“ Doch sein Leben ging weiter. Er unterrichtete, bis er zum Militärdienst bei den Fallschirmspringern in Pisa einberufen wurde. Er liebte das Fallschirmspringen und später auch das Paragleiten. „Ongscht hon i nia kopp“, betont er. Nach dem Militärdienst nahm er die Unterrichtstätigkeit als Supplent wieder auf. Um der Unsicherheit rund um die jährlichen Stellenzuweisungen zu entgehen, absolvierte er ein Pädagogikstudium an der Universität Innsbruck. Anschließend kehrte er wieder in die Schule zurück, wo er bis zu seiner Pensionierung 2023 tätig war.
Jahrelang lebte Valentin mit seiner Partnerin Elke Theiner und seinen zwei Töchtern Julia und Tabea im Eigenheim in Mals. Dann zog er aus. Valentin liebt das Wandern und Bergsteigen. Vor einer Trekkingtour mit Studienkollegen in Nepal wurde ihm bei einer Arztvisite eine Beeinträchtigung der Leber diagnostiziert. Er fiel aus allen Wolken. Verunsichert überlegte er, ob er die Tour absagen sollte. Doch dann fragte er sich: „Wenn i deis nit wissat, tat i selm fohrn?“ Und er kam zum Schluss das Abenteuer zu wagen. Er schaffte die Bergüberquerungen im Langtang Tal ohne Probleme. „Zur Desinfektion hobm miar olm an Schluck Whisky trunkn“, lacht er. Die Diagnose kümmerte ihn anschließend nicht sonderlich. Als Mitglied der „Seilschaft“ lernte er auch die Anden in Südamerika kennen. „Af 6.000 Meter hot mi Montezumas Rache pockt“, sagt er. „Hundsübel isch miar gwesn.“ Er führte ein unbeschwertes Leben, bis sich ein Tremor bemerkbar machte, der seine Feinmotorik beeinträchtigt. Valentin vermutet, dass dieses Übel mit seiner Aorta-Leber-Geschichte zusammenhängt. Doch er lässt sich nicht entmutigen. Er schluckt Medikamente, die seine Werte stabil halten und behält seinen Humor. „I leb nou, i bin in Rente, wos will i mea“, lacht er. In seiner Wohnung in Burgeis fühlt er sich wohl. Gerne trifft er sich mit Sieglinde Tschenett aus Mals. Mit ihr unternimmt er Wanderungen, besucht kulturelle Veranstaltungen, geht auf Reisen.
Regelmäßig schaut er in seinem Kirchlein nach dem Rechten. „Noch Martini moch i s’ Kirchl winterfescht“, sagt er. Mit einem Wortgottesdienst am 11. November schließt sich dort der Jahreskreis.