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SPEZIAL-BAUEN - Interview mit Thomas Moriggl

„Der Preis ist Wertschätzung“

von Angelika Ploner (Interview)
Zwei Vinschger Unternehmen wurden mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet: MORIGGL RISAN® und Schönthaler Bausteinwerk. Der Vinschgerwind hat mit Geschäftsführer der MORIGGL RISAN® Thomas Moriggl ein Gespräch über die Auszeichnung selbst, über das Urteil der Fachjury und über das zertifizierte und ausgezeichnete RISAN®-System geführt.
veröfftl. am 20. Januar 2026

Thomas Moriggl

Vinschgerwind: Gratulation. Sie sind einer der Gewinner des Deutschen Nachhaltigkeitspreises. Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie persönlich?
Thomas Moriggl: Vielen Dank. Wir hatten nicht mit diesem Preis gerechnet. Bei über 2.000 Bewerbern, darunter auch zahlreiche internationale Großkonzerne mit tollen Ideen und Produkten, hatten wir uns als kleines Vinschger Familienunternehmen keine großen Chancen ausgerechnet. Umso überwältigender war dann die Nachricht über die Auszeichnung. Ich bin sehr dankbar und stolz für diesen Preis. Er ist der Lohn für viele Jahre fleißiger und hartnäckiger Arbeit, in welcher wir unser RISAN®-Verfahren laufend weiterentwickelt und verbessert haben. Der Preis ist die Wertschätzung dafür, daß wir auf dem richtigen Weg sind und wir unsere Energie und Geld in die richtige Zukunft investieren.

Vinschgerwind: ...und für das Team der MORIGGL RISAN® GmbH?
Thomas Moriggl: Die Auszeichnung und Anerkennung gebühren in erster Linie unserem Team, welches jeden Tag Außergewöhnliches leistet. Unsere Teams sind das ganze Jahr hindurch im In- und Ausland unterwegs, und können somit von Montag bis Donnerstag nicht zu Hause bei ihren Familien sein. Umso größer ist dann die Genugtuung für unsere Mitarbeiter, wenn sie die Freude der Menschen erleben, nachdem diese wieder sauberes Wasser und vollen Wasserdruck im Haus haben. Diese sinnstiftende Arbeit motiviert jeden Tag aufs Neue und so haben wir uns alle zusammen sehr über den Preis gefreut und bei unserer Weihnachtsfeier auch ordentlich darauf angestoßen.

Vinschgerwind: Wie muss man sich das vorstellen: Wie ist das Prozedere damit man überhaupt nominiert wird?
Thomas Moriggl: Wir hatten uns online für den Preis beworben, und mussten dafür eine Reihe von Dokumenten, Nachweisen und Berechnungen vorlegen. Eine Fachjury bewertete die Unterlagen und das Produkt in mehreren Runden. Nach der ersten Runde wurde uns mitgeteilt, daß wir es unter die „Nominierten“ geschafft hatten. Das war für uns bereits ein toller Erfolg. Wenige Wochen später informierte uns die Jury, daß wir es in den kleinen Kreis der letzten 10 „Finalisten“ in unserer Kategorie geschafft hatten. Und Anfang November bekam ich dann die persönliche Nachricht, daß wir tatsächlich den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2026 in der Kategorie Produkte gewonnen hatten! Ich durfte jedoch vor der offiziellen Preisverleihung in Düsseldorf niemandem davon erzählen. Auch unsere Mitarbeiter wussten bis dahin nichts über den großen Erfolg. Nur meinem Sohn und meiner Partnerin erzählte ich vorab davon.

Vinschgerwind: Wie verlief die Preisverleihung in Düsseldorf?
Thomas Moriggl: Die Veranstaltung in Düsseldorf dauerte insgesamt zwei Tage lang. Interessante Vorträge und Workshops mit hochkarätigen Persönlichkeiten und Ehrengästen rund um das Thema Nachhaltigkeit zogen tausende von Gästen an. Als „Sieger“ durften wir allen Vorträgen und Workshops kostenlos beiwohnen. Die Siegerehrung fand im großen Saal vor zahlreichem Publikum statt. Mehrere hundert Medienvertreter und Kameras waren vor Ort. Jeder Sieger wurde einzeln auf die Bühne gebeten, um den Preis entgegenzunehmen. Dabei wurden auch jedem Gewinner auf der Bühne einige Fragen zum Produkt gestellt. Dass neben uns mit der Firma Schönthaler aus Eyrs noch ein zweites Vinschger Unternehmen prämiert wurde, hat mich sehr gefreut. Herzlichen Glückwunsch an Werner Schönthaler und seine innovativen Produkte! Wir Vinschger Sieger haben beim großen Galadinner am Abend dann gebührend gefeiert und spannende Kontakte geknüpft. Alles in allem war es ein sehr aufregendes und schönes Erlebnis.

Vinschgerwind: Was hat die Fachjury begeistert? Wie würdigte sie das RISAN®-System?
Thomas Moriggl: Bewertet wurden nicht nur technologische Innovationen, sondern vor allem die nachweisliche Wirkung des Produkts: Wie stark trägt es dazu bei, Ressourcen zu schonen, Emissionen zu senken, Kreisläufe zu schließen, soziale Verantwortung zu fördern oder nachhaltige Konsum- und Produktionsweisen zu etablieren? Ergänzend berücksichtigte die Jury Aspekte wie Innovationskraft, Skalierbarkeit, Vorbildfunktion und langfristige Wirkung über den gesamten Lebenszyklus des Produkts hinweg. So identifizierte die Jury in einem mehrstufigen Verfahren jene Lösungen, die über ihre eigentliche Funktion hinaus Strahlkraft für Wirtschaft und Gesellschaft entfalten und neue Standards für nachhaltige Produkte setzen.
Mit dem RISAN®-Verfahren wurde eine Lösung ausgezeichnet, die den Erhalt und die Sanierung der gebauten Umwelt ressourcenschonend und kosteneffizient ermöglicht. Die Jury würdigte insbesondere die Verbindung aus Ressourcenschonung, Zeit- und Kosteneffizienz und dem Erhalt wertvoller Bausubstanz. RISAN® überzeugte, indem innovative Sanierungstechnologien im Gebäudebestand einen bedeutenden Beitrag zu Ressourcenschonung, Klimaschutz und Kreislauffähigkeit leisten und gleichzeitig die Lebensdauer bestehender Infrastrukturen verlängern.
Mit der Auszeichnung hebt die Jury ein Produkt hervor, das beispielhaft zeigt, wie minimalinvasive Verfahren die Sanierung von Gebäuden ökologisch, sozialverträglich und wirtschaftlich voranbringen und so einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Transformation des Bauwesens leisten.

Vinschgerwind: Das RISAN®-System kurz erklärt...
Thomas Moriggl: Wir sanieren veraltete Trinkwasserleitungen innerhalb von Gebäuden. Im ersten Schritt werden Rost- und Kalkablagerungen mittels Sandstrahlung von innen aus den Leitungen entfernt. Anschließend wird das komplette Leitungsnetz nahtlos mit flüssigem Kunststoff von innen neu beschichtet. Das Ergebnis sind neuwertige Trinkwasserleitungen für viele weitere Jahre. Braun verfärbtes Wasser, geringer Wasserdruck und Rohrbrüche gehören somit der Vergangenheit an.

Vinschgerwind: Die Vor- und Nachteile einer Rohrsanierung mit dem RISAN®-System?
Thomas Moriggl: Sehr oft sind nachhaltige Lösungen teurer und aufwändiger als die konventionellen, und bedürfen deshalb viel Überzeugung bei den Kunden. Das RISAN®-System hingegen ist auf der einen Seite wesentlich nachhaltiger als der klassische Totalaustausch der Leistungen, indem 85 % CO2, 87 % Wasser und 99 % Abfälle eingespart werden. Gleichzeitig ist die Rohrsanierung von innen aber auch wesentlich günstiger als der Komplettaustausch und geht viel schneller von statten. Darüber hinaus bleibt die Liegenschaft auch während der Sanierung bewohnbar. Das heißt es entsteht kein Miet- oder Ertragsausfall. Der Kunde spart mit dem RISAN®-Verfahren also nicht nur jede Menge Zeit und Geld, sondern tut auch der Umwelt etwas Gutes, indem wertvolle Bausubstanz erhalten bleibt, und aufwändige Bauarbeiten vermieden werden. In Italien kann die Rohrinnensanierung zudem zu 50 % von der Steuer abgesetzt werden. Die Rohrsanierung von innen eignet sich für jede Art von Liegenschaft; vom Kondominium, Hotelbetrieb, Schulen, Seniorenheimen, usw. bis hin zu Ein- und Mehrfamilienhäusern.

Vinschgerwind: Kann jede Leitung mit dem zertifizierten RISAN®-System saniert werden?
Thomas Moriggl: Mit unserem RISAN®-Verfahren können wir metallische Leitungen sanieren. Hauptsächlich sind das verzinkte Stahlrohre oder Kupferleitungen, welche in den letzten Jahrzehnten im Trinkwasser hauptsächlich verbaut wurden.

Vinschgerwind: Ein Blick in die Zukunft: Sie sind Vorzeigebeispiel, haben Pionierarbeit geleistet, sind nun mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet worden. Was sind die nächsten Ziele?
Thomas Moriggl: Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis gibt unserem Nischenprodukt „Rohrsanierung von innen“ mehr Sichtbarkeit im In- und Ausland. Die Nachfrage nach unserer Rohrinnensanierung steigt von Jahr zu Jahr und wir sind ständig auf der Suche nach motivierten Menschen, die mit uns arbeiten und etwas bewegen wollen. Ca. 75 % der Bestandsgebäude in Europa wurden vor 1990 errichtet und müssen jetzt saniert werden. Es gibt also jede Menge zu tun.