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Kultur

Sankt Remigius - “Apostel der Franken” und Ortsheiliger von Eyrs

von Peter Tscholl
Kunst im Vinschgau, das sind nicht nur die berühmten Fresken der Krypta von Marienberg, von St. Prokulus in Naturns oder St. Benedikt in Mals. Auch die weniger berühmten Kirchen und Kapellen der Dörfer prägen unsere Kulturlandschaft und sind ein wichtiger Teil unseres Heimatgefühls. Zu ihnen gehört zweifelsohne die Pfarrkirche St. Remigius in Eyrs.
veröfftl. am 20. Januar 2026

Das Ölbild hinter dem Hochaltar: St. Remigius erweckt einen Toten zum Leben, dat. 1760. (Foto: Peter Tscholl);

Zur Geschichte der Besiedlung und Missionierung:
15 v. Chr. eroberten die Römer unter dem Kaisersohn Drusus das Tal der Venosten und schlossen es an die Provinz Rätien an. Mit dem Untergang des Weströmischen Reiches im Jahre 476 und der Ostgotenherrschaft in Italien im Jahre 533 erlebte unser Land bewegte Zeiten. Im Jahre 568 brachen die Langobarden von Osten her in Italien ein und drangen durch das Etschtal bis in den unteren Vinschgau vor. Um das Jahr 600 rückten von Norden die Bajuwaren vor. Sie besetzten große Teile unseres Landes, unter anderem den unteren und mittleren Vinschgau, und germanisierten allmählich die ansässige Bevölkerung. Die romanische Sprache wich dort schrittweise der deutschen Sprache.
Im Jahre 739 wurde im Norden die Bayerische Kirche durch den hl. Bonifatius reorganisiert. Es entstanden die Bistümer Salzburg, Regensburg, Passau und Freising. Von der Freisinger Kirche ging bald eine rege Missionstätigkeit, mit eigener weltlicher Herrschaft aus, die bis in unser Gebiet reichte. Der Einfluss der fränkischen Kirche wurde immer spürbarer. Karl der Große, König des Fränkischen Reichs von 768 bis 814, errichtete um 800 im Münstertal das Benediktinerkloster Müstair als Missionszentrum für den oberen Vinschgau. Nach Abschluß der Missionierung entstanden die ersten frühchristlichen Kirchen. Eyrs wurde im 13. Jahrhundert über den freisingischen Bischof Friedrich von Montalban eine eigene Propstei, mit einer eigenen Verwaltungseinheit und einem eigenen Amtmann (Probst).

St. Remigius-Kirche in Eyrs:
So unglaublich es auch klingt, die Pfarrkirche in Eyrs ist die einzige Kirche in Südtirol, die dem fränkischen Bischof Remigius geweiht ist. Das urkundlich belegte Patronat über das Benefizium an der Remigiuskirche trägt die Gemeinde Eyrs seit 1454.
Remigius von Reims (437-533) wird als Wegbereiter des Christentums in Europa angesehen. Bekannt wurde er vor allem durch die Taufe des Frankenkönigs Chlodwig. Dieser versprach, sich zum Christentum zu bekennen, wenn ihm der Christengott zum Sieg in der Schlacht gegen die Alemannen verhelfen würde. An einem Weihnachtsfest, um das Jahr 500, soll Chlodwig von Remigius getauft worden sein. Remigius christianisierte den größten Teil des nördlichen Galliens und wird als einer der großen Heiligen des fränkischen Volkes verehrt. Aufgrund der Missionierung der Franken wird er auch als „Apostel der Franken“ bezeichnet.

Die Kirche in Eyrs hat eine bewegte Geschichte aufzuweisen. Aus den alten Urkunden geht hervor, dass die alte Siedlung von Eyrs einst eine Kirche mit den Patrozinien des hl. Bartholomäus und des hl. Kastulus hatte, urkundlich 1296 erstmals erwähnt. Die Kirche wurde jedoch samt dem Dorf durch eine Mure vollkommen zerstört. Von einer Remigiuskirche ist erstmals 1416 die Rede. Eine Urkunde aus dem Jahre 1457 berichtet, dass der Bischof Leonhard von Chur dem Bau einer neuen Kirche zugestimmt habe, nachdem die alte Kirche wieder durch einen Murbruch zerstört wurde. 1831 und 1840 verwüsteten wiederum Murbrüche die Ortschaft, sodass 1852 eine neue Kirche errichtet werden musste. Josef Lenz aus Mals ist als verantwortlicher Baumeister überliefert. Nach relativer kurzer Bauzeit konnte am 23. September 1853 die neue Kirche durch Fürstbischof Johannes Nepomuk von Tschiderer eingeweiht werden. Die Altäre und deren figurale Ausstattung wurden aus der alten Kirche übernommen und stammen aus dem 17. Jahrhundert. Der linke Seitenaltar ist dem hl. Anton Abt geweiht, der rechte dem hl. Josef. Die beiden spätgotischen Seitenstatuen des Hochaltars sind der Heilige Nikolaus von Myra und St. Remigius. Wenig bekannt, da für die Kirchenbesucher nicht sichtbar, ist das Ölbild hinter dem Hochaltar. Es zeigt, wie der hl. Remigius einen Toten zum Leben erweckt. Das Bild ist eine Arbeit von Florian Greiner aus Schluderns (dat. 1760). Um 1906 kam es zu einem Altarneubau, der sich allerdings nur auf die Erstellung des Tabernakels beschränkte. 1935 wurden die Deckenbilder geschaffen. Eines davon zeigt die Taufe von König Chlodwig durch den hl. Remigius, signiert „Rob. Strasser“. Im Bildhintergrund ist die Ansicht der Eyrser Kirche eingebaut.

Eyrs wurde 1968 eine eigenständige Pfarrei. 1966 kam Sebastian Innerhofer als Kaplan nach Eyrs und blieb dort als erster Pfarrer bis 2003. Im Jahre 2003 wurde er von seinem Auftrag als Pfarrer von Eyrs entbunden, blieb aber weiterhin in der Seelsorge tätig bis zu seinem Lebensende. Am 26. Juli 2012 wurde Innerhofer durch das Dorf zur letzten Ruhe auf den Ortsfriedhof begleitet. Unter Pfarrer Sebastian Innerhofer wurde die St. Remigius-Kirche von 1983 bis 1984 in vorbildlicher Zusammenarbeit mit der Dorfbevölkerung gründlich restauriert.
In Eyrs feiert man zwei Patrozinien. Am 1. Oktober wird der Remigiustag und am 17. Jänner der Heilige Antonius als zweiter Kirchenpatron gefeiert. Am Gedenktag des hl. Antonius wird traditionell schon nach der Hl. Messe beim Frühschoppen, zu Mittag, und abends dann beim „Fackltöni-Ball“ im Kultursaal von Eyrs gefeiert. Bei den Feierlichkeiten, welche von der FF Eyrs organisiert werden, darf ein Glückstopf nicht fehlen, bei dem der Hauptgewinn ein junges Schwein ist. Früher wurde das Ferkel immer am Ball vorgezeigt, heutzutage wird es aus Tierschutzgründen durch ein Plüschtier ersetzt.

Zusammenfassend lässt sich sagen:
Die Missionierung unseres Landes ging zuerst sicherlich vom Süden und teilweise auch vom Orient aus. Die Südorientierung ging im 7. Jahrhundert jedoch allmählich zu Ende und seit dem 8. bzw. 9. Jahrhundert ging der Einfluss dann entschieden vom Norden und vom Westen aus.
Es kommt also nicht von ungefähr, dass mehrere Kirchen, die wir im Vinschgau haben, fränkischen Heiligen geweiht sind und in Richtung Karl des Großen weisen. So zum Beispiel die Kirche St. Cäsarius in Laatsch bei Mals, St. Dionysius in Morter oder St. Medardus in Tarsch bei Latsch. An das Frankenreich erinnert auch St. Ägidius in Kortsch, besonders aber St. Remigius in Eyrs und die Martinskirchen in Mals, Göflan und Tschars. Der hl. Martin wurde nach seinem Tod vom Frankenkönig Chlodwig, der von Remigius getauft wurde, zum Reichsheiligen erhoben. Auch in diesem Zusammenhang besitzt die Pfarrkirche in Eyrs mit St. Remigius als Dorfheiligen ein Alleinstellungsmerkmal, was die Ortschaft auszeichnet und von anderen unterscheidet.

Die Seitenstatue des hl. Remigius am Hochaltar. Er legt eine Stola um den Hals eines vor ihm knieenden Mädchens. Dies kann als Patronat gegen Halsweh gedeutet werden.  (Foto: Peter Tscholl)

Die Seitenstatue des hl. Remigius am Hochaltar. Er legt eine Stola um den Hals eines vor ihm knieenden Mädchens. Dies kann als Patronat gegen Halsweh gedeutet werden. (Foto: Peter Tscholl)

Das Deckengemälde, welches die Taufe Chlodwigs durch den hl. Remigius zeigt. (Foto Peter Tscholl)

Das Deckengemälde, welches die Taufe Chlodwigs durch den hl. Remigius zeigt. (Foto Peter Tscholl)

Altes Foto von Eyrs mit der Kirche St. Remigius, ca. 1907 (Archiv Reinhard Zangerle)

Altes Foto von Eyrs mit der Kirche St. Remigius, ca. 1907 (Archiv Reinhard Zangerle)

Der Bildungsausschuss Laas vor der „Cathèdrale Notre-Dame“ in Reims, 2014. (Foto: Wolfgang Lochmann)

Der Bildungsausschuss Laas vor der „Cathèdrale Notre-Dame“ in Reims, 2014. (Foto: Wolfgang Lochmann)

Patroziniummesse am 17. Jänner 2026. Pater Jolly zelebriert den Gottesdienst. (Peter Tscholl)

Patroziniummesse am 17. Jänner 2026. Pater Jolly zelebriert den Gottesdienst. (Peter Tscholl)