Zum Hauptinhalt springen

Medienkompetenz braucht Verbündete.

Dieser Artikel ist für dich kostenlos. Unabhängiger Journalismus in Südtirol braucht aber deine Unterstützung.
Wir würden uns daher freuen, wenn du ein Vinschgerwind Abo abschließt.
Vielen Dank!

Jetzt den Vinschgerwind abonnieren

Natur & Landschaft

Der Südtiroler Forstbericht 2025 - Ein statistischer Auszug

von Wolfgang Platter, am Tag des Hlg. Michael, 29. September 2026
veröfftl. am 30. September 2026

In der letzten Ausgabe dieser Zeitung habe ich die Produktionsfelder der Südtiroler Landwirtschaft aus dem Agrar- und Forstbericht 2025 der APBZ Südtirol vorgestellt. Heute fasse ich daraus den Forstbericht zusammen.
Der Wald bedeckt in Südtirol knapp über die Hälfte der Landesfläche. Rund 58 % des Südtiroler Waldes ist Bergwald mit direkter Schutzfunktion. Er schützt den Boden vor Erosion und die Siedlungen und Infrastrukturen vor Lawinen, Steinschlag und Muren. Nur ein gesunder, ökologisch stabiler Bergwald kann diese Schutzaufgabe gut erfüllen. Überalterung, mangelnde Verjüngung und zu hoher Wilddruck beeinträchtigen seine Schutz und Wohlfahrtswirkungen.

 

natur IMG 20250518 WA0008

Waldfläche und Holzarten
natur diagrammDie 3. landesweite Forstinventur (INFC 2015 Inventario delle Foreste e dei Serbatoi di Carbonio) hat ergeben, dass in Südtirol 339.270 ha Wald stocken und weitere 36.081 ha andere bewaldete Flächen vorkommen.
Mit 60 % Anteil ist die Fichte die Hauptbaumart in Südtirols Wäldern, gefolgt von der Lärche mit 19 %, der Rotföhre mit 10 %, der Zirbe mit 6 % und der Tanne mit 3 %. Die Laubhölzer machen 2 % des Waldes aus.

 

 

natur DSC 3347

Almen und Bergwirtschaft
In Südtirol gibt es ca. 1.700 Almen. Gut zwei Drittel sind in Privatbesitz, 20 % sind Interessentschafts-Almen oder Almen im Miteigentum. Weitere 8 % sind im Eigentum einer Gemeinde oder einer Eigenverwaltung für bürgerliche Nutzungsrechte. 2025 waren 1.522 Almen (also noch fast 90 %) mit Weidetieren bestoßen. Auf 65 Südtiroler Almen erfolgte Milchverarbeitung, welche vom Sennereiverband betreut wird. Die meisten Milchvieh-Almen befinden sich im Vinschgau und in den Pfunderer Bergen. Auf rund 30 % der Südtiroler Almen (454) wurden Schafe oder Ziegen gealpt. Die Zahl der gealpten Schafe ist im 5- Jahres-Zeitraum 2021-2025 um 4 %, jene der Ziegen um 20 % gestiegen.

 

natur holz 2090834943

Waldbewirtschaftung
In Südtirol dürfen Waldbäume nur gegen vorausgehende Auszeige durch das Forstpersonal gefällt oder aus dem Wald entnommen werden. Die Auswahl der zu fällenden Bäume erfolgt unter Berücksichtigung der natürlichen Verjüngungfähigkeit des Waldes. Ziel ist, die Stabilität, Resilienz und Widerstandsfähigkeit der Wahlbestände zu gewährleisten.
Im Jahr 2025 wurde eine Holzmasse von 1.079.662 Volumenfestmetern (Vfm) ausgewiesen. Die am häufigsten genutzte Baumart war mit 86 % die Fichte. Seit dem Sturmereignis „Vaia“ vom Oktober 2018 gab es in Südtirol vorwiegend Schadholzfälle: Von 10,8 Millionen Vfm entfielen 8,5 Millionen Vfm auf die Aufräumung des Schadholzes (78 %).

 

natur DSC 2035

Waldzustand - Forstschutz und Waldschäden
Der Wald ist natürlichen Störungen ausgesetzt, die biotischer oder abiotischer Natur sein können. Zu den biotischen Faktoren gehören Insekten, Pilze, Bakterien u.a., zu den abiotischen dagegen Windwurf, Hagel, Schneedruck und Waldbrände.
Nach dem Sturmtief „Vaia“ 2018, den Schnee-
druckereignissen 2019 und 2020 und dem Borkenkäferbefall 2021-24 bleibt der Wald widerstandsfähig, benötigt aber deutlich längere Erholungszeiten.

 

natur borkenkaefer 335093939

Fichtenborkenkäfer
Der Befall durch den Borkenkäfer (Ips typographicus) begann in Südtirol im Jahr 2020. Dabei befielen die Käfer zu Beginn das liegende Schadholz aus dem Schneedruckereignissen 2019-2020, welches im Wald liegen gebliebenen war. Mit der ersten Wärmewelle ab Juni 2021 vermehrten sich die Fichtenborkenkäfer sehr stark und es begann der auffällige Stehendholzbefall. 2022 begünstigten ein niederschlagsarmes Frühjahr und ein heißer Sommer erneut die Vermehrung, so dass auch die höher gelegenen Waldgebiete betroffen waren. Wegen des unbeständigen, niederschlagsreichen Wetters gab es 2023 im späten Frühjahr eine leichte Entspannung: In den Jahren 2024 und 2025 hat sich diese positive Tendenz bestätigt. Das Monitoringnetz mit südtirolweit 120 Pheromonfallen hat positive Resultate geliefert.

 

natur prozessionsspinner 370389365

Der Kiefernprozessionsspinner
Der Kiefernprozessionsspinner (Thaumetopea pitycampa) befällt in Südtirol vorwiegend die Schwarzkiefern (Pinus nigra) und die Rotkiefern (Pinus sylvestris). Er ist deswegen in den Schwarzkiefern-Aufforstungen des Vinschgauer Sonnenberges besonders verbreitet. In den letzten Wintern hat er sich in diesen aufgeforsteten Wäldern besonders stark verbreitet. Es gab Kiefern mit Kahlfraß. Obwohl die Bäume neue Nadeln austreiben, bleiben sie abgeschwächt und auffällig für sekundäre letale Schädlinge. Die Larven des Falters sind ab der zweiten Häutung mit leichten Brennhaaren versehen, die er in Notsituationen in die Luft entlassen kann. Diese Brennhaare sind für die Schleimhäute von Menschen und Haustieren gefährlich.

 

natur 32

Waldbrandereignisse
2025 verursachten 25 Wald – und Buschbrände in Südtirol einen Verlust von 237,37 ha Wald. 2025 gab es acht Waldbrandeinsätze mit Hubschraubern und acht Hubschraubereinsätze für Waldbrandübungen.
Besonders in Erinnerung sind noch die Waldbrände am Latscher Sonnenberg und zwischen Prad und Stilfs. Der verheerende Waldbrand am Latscher Sonnenberg brach am 6. März 2025 aus und war erst nach etwa zwei Wochen unter Kontrolle. Es wurden rund 90 ha Schutzwald zerstört. Fünf Wochen später brannte der Wald zwischen Agums und Stilfs auf 60 ha Fläche. 5 Löschhubschrauber und 400 Feuerwehrleute bekämpften die Flammen.

 

natur baer

Braunbären in Südtirol
Im Gegensatz zu den vorherigen Jahren konnte für Südtirol im Jahr 2025 ein leichter Anstieg an Bären festgestellt werden, v.a. im südwestlichen Teil der Provinz. Landesweit wurden 2025 sieben männliche Bären und erstmals eine Bärin genetisch nachgewiesen. Es handelt sich um die Bären M 73 (sechs Jahre), M 99 (vier Jahre), M 102 (vier Jahre), M 105 (vier Jahre), M 106 (drei Jahre), M 119 (im September 2025 im Gemeindegebiet von Fondo Trentino Landsberg tot aufgefunden), M 128 und das Weibchen F 105. Der genetische Nachweis des vermutlich jungen Weibchens gelang an Bärenhaaren an einem beschädigten Heuballen in Martell.
Anhand der genetischen Nachweise konnten in den letzten 25 Jahren in Südtirol insgesamt 45 Bären genetisch erhoben werden.

 

natur nest proz 285407100

Bekämpfung des Prozessionsspinners
Aus diesen Gründen hat die Abteilung Forstdienst bei wissenschaftlichen Betreuung durch die Universität Padua im September 2023 mit einer vom Sanitätsministerium erlassenen Sondergenehmigung eine flächendeckende Behandlung aus der Luft mit dem biologischen Bekämpfungsmittel Bazillus thuringengensis vorgenommen, das für Säugetiere harmlos ist. Dadurch wurde die Population des Prozessionsspinners stark reduziert. Die Anzahl der Nester hielt sich zwei Jahre lang in Grenzen. Nachdem der Befall zuletzt wieder zunahm, findet im Herbst 2026 wieder eine wissenschaftlich begleitete Bekämpfung aus der Luft statt.

 

natur Auerhahn

Wildtiermanagement
Die aktuelle Wildsituation in Südtirol stellt das Wildmanagement vor vielfältige Herausforderungen. Ziel ist es, die Natur und die Land- und Forstwirtschaft und weitere menschliche Nutzungen in Einklang zu bringen. Neben biologischen und ökologischen Aspekten spielen dabei auch zunehmend sozio-ökonomische Faktoren eine Rolle. Wildtiere sind ein wertvoller Bestand der alpinen Fauna. Manche Arten werden teils auch jagdglich genutzt. Andere, wie Braunbär und Wolf oder Kormoran können jedoch auch Nutzungskonflikt verursachen. Unterschiedliche Interessen und eine komplexe Rechtslage erfordern daher eine sorgfältige Abwägung zwischen Schutz-und Nutzansprüchen.

 

natur wolf

Der Wolf breitet sich weiter aus.
Südtirol weit konnten im Jahre 2025 mindestens 49 verschiedene Wölfe (Canis lupus) genetisch erhoben werden. Davon waren 28 männliche und 21 weibliche Tiere. 46 Tiere stammen aus der italienischen Wolfspopulation, drei Tiere hingegen aus Osteuropa. Nur fünf der 21 genotypisierten Wolfsweibchen wurden über mehr als zwei aufeinanderfolgende Jahre nachgewiesen. Bei den Männchen traf dies nur auf drei Individuen für jeweils zwei Jahre zu. Im Jahr 2025 sind in Südtirol mindestens 98 Individuen vorgekommen. In Südtirol konnten 2025 9 Wolfsrudel bestätigt werden. Weiters wurden 8 Paare nachgewiesen. Für die Abgeltung von Schäden durch Wolfsrisse an Nutztieren wurden im Jahr 2025 74.220 € aufgewendet. Im August 2025 wurde im Gemeindegebiet von Mals erstmals ein Wolf in Südtirol legal erlegt.