
Tartscher Bichl - Kultureller Blickpunkt

Jörg Hofer auf dem Weg zur Veitskirche
Das Plattnerbild
Ursprünglich war Karl Plattners bedeutendes Gemälde „Die Beweinung Christi“ von der Kirche Maria Schnee in Alsack als Leihgabe für die Ausstellung der beiden Vinschgauer Künstler Jörg Hofer und Kurt Hofer fest eingeplant. Es wäre für beide eine Ehre gewesen, vom großen Plattner begleitet zu werden. Leider ist es nicht dazu gekommen und so schuf man in kurzer Zeit ein „Ersatzbild“.
Das Bild wurde von Othmar Prenner und Daniel Costa in originaler Größe nachgebaut. Der Hintergrund mit den vernagelten Brettern soll die Vinschger Landschaft auf eine übersetzte und abstrakte Art darstellen. Eine Stele von Jörg Hofer stellt den toten Sohn dar.
„Eigentlich ist es ein Landschaftsbild. Als ich Plattners Gemälde in Alsack sah, die Farben mit den weißen Flecken, da habe ich sofort einen Bezug zu Plattner gefunden und mich für dieses Bild entschieden“, sagt Jörg Hofer.
Die herabhängende Leinwand von Kurt Hofer stellt die trauernde Mutter dar. Auf der Leinwand ist über dem Gehöft die eingehüllte Leiche eines Jünglings zu sehen. Unten links, hinter dem Hof, liegen die Schlüssel für die Erlaubnis die Pietà auszustellen. In der Astgabel eines Baumes sitzt eine Elster und beobachtet das Geschehnis.
Kurt Hofer erzählt: „Als ich mit Jörg Hofer zur Kapelle nach Alsack fuhr, hatte ich bei der Besichtigung des Gemäldes von Karl Plattner versprochen, mich in meinem Atelier in Schlanders damit auseinander zu setzen. Will ich nun aber die Wahrheit sagen, so fühlte ich mich 4 Wochen lang einfach überfordert. Erst am Tag bevor ich das Ding nach St. Veit brachte, war ich zufrieden, aber mehr, weil ich es besser nicht konnte“.
Die zusammengefaltete, in Türkisblau gehaltene Leinwand, beinhaltet die Erzählung über das abwesende Gemälde Karl Plattners. Kurt Hofer nennt es: „Eine Erinnerung in verwehten Gedanken, oder mein Gefühl in Bildern an dem Tag, als ich mit Jörg Hofer zum Plattner nach Maria Schnee unterwegs war“.
Jörg Hofer und Kurt Hofer
Beiden, als „Einheimische Künstler“, bedeutet es viel, in der St.Veit Kirche am Tartscher Bichl anwesend zu sein. Beide sind im Vinschgau geboren und aufgewachsen. Sie haben ähnliche kulturelle Wurzeln und die Sage vom Tartscher Bichl ist ihnen wohlbekannt.
Nun treffen sich hier zwei Persönlichkeiten, deren Werk unterschiedlicher nicht sein könnte. Aber gerade dies erzeugt das Gefühl einer einmaligen Spannung in der ganzen Geschichte.
Jörg Hofer, ausgebildet an der Akademie der bildenden Künste in Wien in der Meisterklasse des bekannten Tiroler Malers Max Weiler, steht für eine über viele Jahre hochentwickelte Malerei. Das faszinierende Farbspiel seiner Pigmente, auf dem eigens dafür entwickelten Malgrund Marmorsand, trägt seine unverkennbare Handschrift. Er erzählt: „Eigentlich wollte ich heuer nicht mehr mitmachen. Ich war ja schon letztes Jahr an der Ausstellung „wärme dich das feuer brennt“ im Bunker 23 beteiligt. Aber die Veitskirche wollte ich mir nicht entgehen lassen. Die Fresken in den Kirchen und Klöstern haben mich schon immer fasziniert. Mir waren die alten Räume immer wichtig und St. Veit ist ein wunderbarer Raum. Wenn der Raum und das Bild passen, dann passt es für mich“.
Kurt Hofer ist als Künstler schwierig einzuordnen. Er ist ein Suchender, der nicht zuletzt durch seine Aufenthalte als Hirt im Berg zum erzählenden Künstler ausgereift ist. Geprägt hat ihn die Auseinandersetzung mit der Fluxus-Bewegung in den 80er Jahren. Kurt Hofer entstammt der Malklasse des Florentiner Meisters Goffredo Trovarelli. Die herkömmliche Malerei jedoch hat er verlassen und sich einer eigenen Art von Kunst und Denken zugewandt, was er als unentbehrliches Eigentum beschreibt. „Meine eigenen Dinge zu haben, zu sehen, wie sie geboren werden und zu mir gehören, ist mein Reichtum“, sagt er.
Was Kurt Hofer in St. Veit zeigt, spricht aus seiner Vergangenheit und tendiert zwischen Aktionismus, visueller Poesie und Spurensicherung. Es sind neuere Versuche, mit meist ausgedienten, gebrauchten Materialien, die er in stille, erzählende Kreaturen verwandelt.
„Meine Bezugspunkte, der Berg, die Landschaft im Hinterland: Ich brauche nicht um die halbe Welt zu reisen, um mich selbst zu suchen. Meine künstlerische Sprache ist hier. Und jetzt, nach all den Jahren, ergibt sich endlich die Möglichkeit, ein paar wahre Arbeiten, gerade hier, an diesem besonderen Ort zu zeigen“, sagt er, und fügt hinzu: „Ich fühle mich geehrt“.

Daniel Costa, Othmar Prenner und Kurt Hofer





