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Spezial

Schulanfang Tipps

von Angelika Ploner
Am Montag, den 7. September 2026 beginnt das neue Schuljahr. Wir haben heuer zum Schulstart ein Thema aufgegriffen, das Kinder und Eltern das ganze Jahr über, mal mehr, mal weniger, begleitet.
veröfftl. am 05. August 2026

Schulstress bei Kindern und Jugendlichen:
Was kann man tun?

Mal sind es Bauchschmerzen beim Zubettgehen, mal ist es Appetitlosigkeit. Oder Wutausbrüche und totaler Rückzug – Stress kann sich bei Kindern und Jugendlichen unterschiedlich zeigen.

Warum sind Schüler gestresst?
Jeder Mensch kennt Stress. Er entsteht zum Beispiel, weil viel auf einmal erledigt werden muss oder Unvorhergesehenes passiert. Positiver Stress kann zu Höchstleistungen anspornen und ein gutes Gefühl hinterlassen, wenn die Herausforderung bewältigt wurde. Negativer Stress stellt hingegen eine Belastung dar, die langfristig Körper und Psyche schadet. Für Kinder und Jugendliche ist es zwar wichtig, den Umgang mit Stress zu lernen, doch gleichzeitig sollten sie vor einer Überlastung geschützt werden. Aber was genau verursacht den Stress in der Schule überhaupt?
Leistungsdruck. Stress bei Kindern entsteht meistens dann, wenn sie sehr viel lernen müssen oder den Unterrichtsstoff nicht verstehen. Die Angst vor schlechten Noten kann zu großem Druck führen: Manche fürchten dabei die Reaktionen der Eltern, andere fühlen sich ihren Mitschülern nicht gleichwertig. Entscheidend ist jedoch das subjektive Empfinden. Stress entsteht nicht nur, wenn die Schulleistungen schlecht sind. Angst vor Schularbeiten kann beispielsweise sowohl bei Kindern entstehen, die um ihre Versetzung bangen, als auch bei sehr guten Schülern, die keinesfalls eine nur mittelmäßige Leistung abliefern wollen. Unter Umständen kommt noch die Furcht hinzu, aufgrund schlechter Noten nicht versetzt zu werden und in eine andere Klasse oder auf eine andere Schule wechseln zu müssen und somit Freunde zu verlieren.

Soziale Konflikte. Auch ein schlechtes soziales Klima in der Klasse oder regelrechtes Mobbing können Ursachen für Stress sein. Mitunter leiden Kinder auch unter sozialen Ängsten, also der Sorge, sich vor anderen zu blamieren, wodurch ein erheblicher Leidensdruck entstehen kann. Wer anfängt, sich für seine schulischen Leistungen zu schämen, meidet oft soziale Kontakte zu Mitschülern – ein Teufelskreis entsteht. Denn wer das Gefühl hat, keine Freundinnen und Freunde mehr zu haben, beginnt an sich zu zweifeln und kommt aus dieser verzweifelten Lage alleine kaum noch heraus.

Familiäre Belastungen. Abgesehen von Problemen in der Schule können auch familiäre Probleme zu Stress bei Kindern führen: Natürlich geht es auch an den Kindern und Jugendlichen nicht vorbei, wenn es Eltern oder Geschwistern nicht gut geht oder finanzielle Engpässe, Streitigkeiten oder Krankheiten die Familie belasten. Diese Einflüsse können sich sehr auf die schulischen Leistungen eines Kindes auswirken: So kann es sich beispielsweise nicht auf Schulaufgaben konzentrieren, weil die Gedanken abschweifen oder kaum Zeit dafür bleibt.

Symptome von Schulstress bei Kindern erkennen.
Steht ein Schüler unter normalem Druck, etwa wegen anstehender Schularbeiten, oder ist es ungewöhnlich hoher Stress? Das ist für Eltern nicht immer leicht zu unterscheiden. Tendenziell tritt Stress häufiger auf, je älter die Kinder sind. In jungen Jahren ist er jedoch häufig schwerer zu erkennen, weil er sich eher über körperliche Beschwerden äußert und die Kinder ihn nicht immer benennen können. Ein Warnsignal ist zum Beispiel ein plötzlicher Abfall der schulischen Leistungen.
Schulstress kann sich unter anderem über diese körperlichen Symptome zeigen: Kopfschmerzen, Bauchweh, Schlafstörungen (auch böse Träume), Konzentrationsschwierigkeiten, Appetitlosigkeiten oder im Gegenteil auffällig großer Appetit. Stress kann Kindern auch aufs Gemüt schlagen. Das sind einige typische Anzeichen: sozialer Rückzug, Lustlosigkeit bzw. Antriebslosigkeit, depressive Verstimmungen, Gereiztheit oder Aggressivität. Leiden Kinder unter Schulstress, ist es typisch, dass die Beschwerden am Wochenende oder in den Ferien nachlassen oder ganz verschwinden.

Wie vermeiden Sie Schulstress für Ihr Kind?
Kinder brauchen ein stabiles Umfeld, das sie unterstützt. Am wichtigsten ist es daher, mit dem Kind oder dem Jugendlichen im Gespräch zu bleiben, einen engen Kontakt zu halten, egal, wie sehr es gerade mal kracht. Wer sich Zeit nimmt für Gespräche, sich mit den Sorgen und Problemen des Kindes auseinandersetzt, zeigt: Du bist mir wichtig, ich versuche, deine Probleme zu verstehen. Nicht immer funktioniert das. Manchmal schlägt „redebereiten“ Eltern erst einmal Ablehnung entgegen. Aber gerade in solchen Situationen zahlt sich Ausdauer aus.
Bei kleineren Kindern können feste Zeiten zum Lernen und Rituale wichtige Sicherheit vermitteln. Es sollte darauf geachtet werden, dass das Kind genug schläft und eine klare Struktur mit festen Zeiten für Mahlzeiten - und für die Hausaufgaben - hat. Wichtig: ehrlich und authentisch loben.

Was kann man gegen Stress in der Schule tun?
Oft hilft gegen Schulstress das, was auf der Hand liegt: das Gespräch mit dem Lehrer oder der Lehrerin suchen, Nachhilfe organisieren oder eine schulpsychologische Beratungsstelle kontaktieren. Wenn Eltern Interesse am Schulgeschehen signalisieren, sind Kinder eher bereit, sich mitzuteilen.
Auch Lob für gute Leistungen sollte niemals fehlen. Im Fall von individuellen Leistungsschwächen ist es wichtig, andere Talente des Kindes hervorzuheben, wie etwa Geschick im Umgang mit anderen Kindern oder eine sportliche oder musikalische Begabung. Ganz wichtig ist sicher, die eigenen Leistungserwartungen an das Kind zu überprüfen und gegebenenfalls gegenzusteuern.

Was sollten Eltern bei Schulstress vermeiden?
Auf keinen Fall sollten Eltern ihren Kindern bei Schulstress Medikamente geben, auch keine vermeintlich harmlosen, es sei denn, der Kinder- und Jugendarzt hat dies ausdrücklich verordnet.
Auch Freizeitstress sollte unbedingt vermieden werden. Drei verschiedene Hobbys und jeden Tag Hausaufgaben – manche Kinder haben einen Terminkalender, der mit dem eines Managers vergleichbar ist. Viele Termine müssen nicht unbedingt Stress bedeuten, denn Freizeitaktivitäten sind auch ein wichtiger Ausgleich zur Schule. Stress entsteht aber dann, wenn durch die Termine keine Zeit mehr zum Lernen ist und Zeitdruck entsteht oder die Möglichkeit zur Entspannung fehlt. Denn: In der Ruhe liegt die Kraft. Kinder brauchen nicht nur Zeit für Freunde, für Bewegung und Sport. Sie benötigen auch Zeit, um zur Ruhe zu kommen, damit sie Erlebtes und Erlerntes verarbeiten und einordnen können. Deshalb sollte es auch zu Hause Zeit und Raum für Entspannungsphasen geben.
Oft werden Kinder schon sehr früh in verschiedene Richtungen gefördert, sei es musikalisch, sportlich oder kreativ. Förderung ist richtig und wichtig, trotzdem sollte damit nicht übertrieben werden.

Nicht jeder Tag sollte verplant werden und Kinder mindestens zwei freie Nachmittage in der Woche haben, an denen sie selbst entscheiden können, was sie wollen – sich an einen ruhigen Ort zurückziehen, spielen, sich mit Freunden verabreden oder einfach spontan vor die Tür gehen und draußen toben.
Welche Strategien können beim Umgang mit Schulstress helfen? Wenn es darum geht, Kindern zu zeigen, wie man von Ruhe und Erholung profitiert, so können Eltern als Vorbild dienen. Wenn sie die Anforderungen an sich selbst gut in den Griff bekommen, schafft es meist auch der Nachwuchs besser.
Eltern sollten als Vorbild dienen, um ihrem Kind zu zeigen, wie man Ruhe und Erholung einsetzt, um mit Anforderungen besser zurecht zu kommen. Generell gilt:

B - bewusst Stress wahrnehmen
L - Lösung von Problemen unterstützen
E - eigene Prioritäten setzen
I - ich kann das - positiv denken!
B - bei anderen Unterstützung holen
L - loben und Selbstbewusstsein stärken
O - offen kommunizieren
C - Chaos beseitigen, Zeitplanung mit Freiräumen
K - keine falschen Erwartungen
E - entspannen und bewegen
R - richtig Spaß haben

 

Quellen: AOK, Robert Koch-Institut, Kinder- und Jugendärzte im Netz, Bayerischer Erziehungsratgeber, Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs