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Natur&Landschaft

Trockenheit und Wassersparen - Bleiben die Alpen das Wasserschloss Europas?

von Wolfgang Platter am Tag des Hlg Ignatius von Loyola, 31. Juli 2026
veröfftl. am 05. August 2026

Ausblick vom Tartscher Bichl mit seinem Trockenrasen auf die bewässerten und landwirtschaftlich genutzten Grundstücke zwischen Glurns, Taufers, Laatsch, Schleis und Mals

Die Alpen werden oft als das Wasserschloss Europas bezeichnet. Nach den wochenlangen Hitzeperioden und den unterdurchschnittlich niedrigen Niederschlägen führen derzeit viele europäischen Flüsse und Ströme Niedrigwasser. Auf vielen Flussstrecken ist die Schifffahrt mit Warentransport gar nicht oder nur mit Gewichtsreduzierungen bei der Ladefracht möglich. Vielerorts fehlt für die landwirtschaftlichen Kulturpflanzen das Beregnungswasser und bei den Futterschnitten mussten starke Mengeneinbußen in Kauf genommen werden. In der Solidarität mit den unteren Gebieten im Wassereinzugsgebiet der Etsch musste auch unser Südtiroler Landeshauptmann am 20. Juli 2026 nach Bewertung durch das Wassernotstandskomitee die Notverordnung zum Wassersparen erlassen.

Der Vinschgau – ein inneralpines Trockental
Der Vinschgau ist so wie das Wallis oder auch das Aostatal ein inneralpines Trockental. Der Alpenhauptkamm schirmt unser Tal wie ein riesiger Regenschirm von den Atlantiktiefs ab und die Regenfracht aus dem Norden regnet sich meistens im Oberinntal aus. Die mehrjährige Jahresniederschlagsmenge von Schlanders beträgt nur 530 mm oder l/m². In Landeck beträgt das langjährige Jahresniederschlagsmittel 815 mm, ein Mehr von 53%. In der Ertragslandwirtschaft rechnet man im Obst- und Gemüseanbau mit einem Wasserbedarf von 1.000 – 1.200 mm in der Vegetationsperiode. Umgelegt auf das inneralpine Trockenklima Vinschgaus: Gleich viel wie an natürlichem Niederschlag fällt, müssen wir durch künstliche Bewässerung ergänzen. Seit der dauerhaften Besiedlung durch sesshafte Bauern über Jahrtausende und an wenigen Orten heute noch durch das ausgefeilte System der Wasserwaale, dann über Druckrohre als Oberkronenberegnung und heute mancherorts schon wassersparend und zukunftsorientiert über die Tropfberegnung.
Ohne Zusatzbewässerung war und ist im Vinschgau eine Ertragslandwirtschaft nicht möglich. Eindrucksvoll zeigt dies das rezente Foto vom 16. Juli 2026 vom unbewaldeten Südteil des Tartscher Bichls mit Ausblick auf die Wiesen zwischen Glurns, Laatsch und Mals: Die nur vom natürlichen Niederschlag gespeisten Böden auf der Hügelkuppe tragen einen vertrocknenden Trockenrasen, die landwirtschaftlich genutzten und bewässerbaren Flächen sind grüne Futterwiesen oder tragen Obstanlagen.

Gletscherschmelze
Mit der Gletscherschmelze infolge der Erderwärmung und des Klimawandels bleiben die Eisdepots als Wasserreservoirs aus. Ich darf in diesem Zusammenhang an die Eiskernbohrung am Ortler-Gipfel im September 2011 als wissenschaftliches Forschungsexperiment erinnern. Damals hatte die Eiskalotte am Oberen Eis des Ortlers eine Schichtmächtigkeit von 72 Metern bis zum Felsuntergrund. In den letzten 25 Jahren haben die Gletscher in den Alpen durchschnittlich einen Meter pro Jahr von ihrer Eisdecke verloren, die Spitzenreiter sogar bis zu 4 Meter. Der Trend der Erderwärmung hält weiterhin an und die Klimaziele von Paris 2015 mit einer auf +1,5° C eingegrenzten Erwärmung können durch unsere zu zaghaften und kompromissanfälligen Bemühungen als Menschheit nicht erreicht werden. Weil die Erderwärmung anhält, wird auch der Ortler-Gletscher als einer der großen Gletscher in den Alpen noch im 21. Jahrhundert ausapern und als Wasserreserve entfallen.

Der Tartscher Bichl als Urzeitstätte
Die Archäologen und deren Ausgrabungen und Funde lehren uns, dass der Tartscher Bichl nach heutigem Kenntnisstand nicht nur ein frühbronzezeitlicher Brandopferplatz war, sondern ein Tonscherbenfund weist den Hügel nach Reimo Lunz als Siedlungsplatz einer frühneolithischen Kulturgruppe aus dem 5. Jahrtausend vor Christus und damit aus der Jungsteinzeit aus.

Siedlungsräume wie Dörfer und Städte sind die  Brutorte des Mauerseglers. Das ganze Leben  außerhalb der Brutzeit verbringt der Mauersegler  in der Luft.

Siedlungsräume wie Dörfer und Städte sind die Brutorte des Mauerseglers. Das ganze Leben außerhalb der Brutzeit verbringt der Mauersegler in der Luft.

Trockenvegetation am Tartscher Bichl: Steinnelke Dianthus sylvestris

Trockenvegetation am Tartscher Bichl: Steinnelke Dianthus sylvestris

Trockenvegetation am Tartscher Bichl: Echter Wermut Artemisia absinthium

Trockenvegetation am Tartscher Bichl: Echter Wermut Artemisia absinthium

Trockenvegetation am Tartscher Bichl: Rispen-Flockenblume Centaurea stoebe

Trockenvegetation am Tartscher Bichl: Rispen-Flockenblume Centaurea stoebe

Trockenvegetation am Tartscher Bichl: Steinbrech-Felsennelke Petrorhagia saxifraga

Trockenvegetation am Tartscher Bichl: Steinbrech-Felsennelke Petrorhagia saxifraga

Trockenvegetation am Tartscher Bichl:  Echtes Labkraut Gallium verum

Trockenvegetation am Tartscher Bichl: Echtes Labkraut Gallium verum

Ohne Zusatz-Bewässerung ist eine ertragbringende Landwirtschaft im Vinschgau nicht möglich.

Ohne Zusatz-Bewässerung ist eine ertragbringende Landwirtschaft im Vinschgau nicht möglich.