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Kunstturnen

Mut als Beginn einer Erfolgsgeschichte

von Sarah Mitterer
Vor fast 40 Jahren fiel der Startschuss einer echten Erfolgsgeschichte im Sport für Vinschger Mädchen: Carla Wieser gründet die Kunstturn-Sektion in Latsch und trifft damit sofort auf großen Zuspruch. Heute ist das Kunstturnen die zweitgrößte Sparte des Vereins. Wieser blickt auf eine Entwicklung zurück, die von Leidenschaft, Einsatz und Herausforderungen geprägt ist.
veröfftl. am 29. April 2026

Carla Wieser mit ihren aktuellen Nachwuchsturnerinnen

Wir schreiben das Jahr 1988: Die damals 27-jährige Carla Wieser, Olympiateilnehmerin im Kunstturnen bei den Spielen von Montreal 1976, trägt eine Vision in sich: Nachdem sie bereits in Meran einen Turnverein aufgebaut hatte, will sie den Kunstturnsport auch im Vinschgau populär machen. Ein mutiger Schritt – denn die Sportart ist dort damals nahezu unbekannt. Die Entscheidung des Standortes fällt auf Latsch. Hier findet Wieser die richtigen Voraussetzungen – und mit Franz Rinner einen wichtigen Unterstützer. „Er empfing mich mit offenen Armen“, erinnert sie sich.
Der Mut, eine neue Sportart im Vinschgau zu etablieren, wurde schon kurz darauf belohnt. Gleich 80 Kinder standen bei den ersten Trainings in der Latscher Turnhalle auf der Matte. Was folgte, war eine Geschichte geprägt von Leidenschaft, Disziplin und außergewöhnlichem Einsatz, die bis heute anhält. Kein Training wurde abgesagt – selbst vier Tage nach der Geburt ihrer Tochter Claudia stand Wieser wieder in der Turnhalle. Ihre Tochter war dabei stets mit von der Partie.
Heute ist das Kunstturnen die zweitgrößte Sektion im ASV Latsch – nur der Fußball ist noch größer. Kinder aus dem ganzen Vinschgau trainieren in Latsch. Der Fokus liegt klar auf dem Mädchenturnen, obwohl auch Buben Interesse gezeigt hätten. Trainiert wird klassisch an vier Geräten, mit dem Ziel, Technik, Kraft und Körperkontrolle zu entwickeln und zu verbessern.
Ein Blick auf die jahrzehntelange Erfolgsbilanz zeigt, dass sich dieser Einsatz lohnt: In den 1990er-Jahren nahm Wieser mit ihren Nachwuchsturnerinnen regelmäßig an den Italienmeisterschaften teil. Mittlerweile treten ihre Turnerinnen vor allem bei VSS-Bewerben an, wo die Latscherinnen immer wieder unter Beweis stellen, dass sie zu den Besten im Land gehören. „Zurzeit sind in meiner Mannschaft wieder einige sehr starke Turnerinnen“, sagt Wieser. Zudem freut es sie, dass viele ihrer Schützlinge in die Fußstapfen ihrer Mütter treten, die früher schon bei Wieser trainiert haben. Einzig eine Sache macht Wieser etwas nachdenklich: die Turnhalle. Denn vor jeder Einheit müssen alle Geräte aufgebaut und danach wieder weggeräumt werden – ein Kraftakt, der viel Zeit und Energie kostet. „Eine eigene Halle, wo ich alles so stehen lassen kann, das wäre ein großer Wunsch“, meint sie abschließend.
Was einst als mutige Idee begann, ist heute ein unverzichtbarer Teil im Vinschger Sport. Und eines ist klar: Diese Geschichte ist noch lange nicht zu Ende erzählt.

Latscher Kunstturnerinnen

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Silke Fleischmann gehörte zu den großen Talenten in den 90er Jahren

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