Jubiläumsfeier in Laas – Internationale Anschlüsse als Ziel
LH Arno Kompatscher im Gespräch mit STA-Generaldirektor Joachim Dejaco
Vor 200 Jahren, am 27. September 1825 begann das Zeitalter der Eisenbahn mit der ersten öffentlichen Eisenbahnstrecke der Welt zwischen Stockton und Darlington in England. Sehr schnell wurden weitere Bahnlinien gebaut. Die Eisenbahn war der Motor für die Industrialisierung Europas. Auch die Entwicklung des Fremdenverkehrs ist ohne Eisenbahn nicht denkbar. Die Brennerbahn Innsbruck – Bozen wurde 1867 eröffnet, die Bahnlinie Bozen – Meran 1881. Wie Wolfgang Platter, der ehemalige Bürgermeister von Laas, in einem historischen Rückblick ausführte, wurde am 1. März 1891 in Laas eine Kundgebung für die Bahn abgehalten, ein Vintschgauer-Actionscomité gegründet und der Rechtsanwalt Josef Tinzl beauftragt, eine Denkschrift über die Notwendigkeit einer Bahnverbindung zwischen Landeck und Meran zu erstellen. Tinzel betont in seiner 1894 herausgegebenen Bahnstudie die internationale Bedeutung der Bahnlinie, wie sie bereits beim geographischen Kongress in Paris im Jahre 1867 als kürzeste Teilstrecke zwischen Paris (Westeuropa) und der Adria, d.h. Konstantinopel (Istanbul) in Betracht gezogen wurde. Große Bedeutung hätte die Vinschgerbahn als zweite Nord-Süd-Verbindung zwischen Berlin und Rom beim Ausfall der Brennerbahn. Als weitere Gründe nennt Tinzel die militärstrategische und die wirtschaftliche Bedeutung, besonders für den Transport von Wein, Obst, Getreide, Vieh und Marmor. Große Bedeutung hat die Bahn nach Tinzel auch für die Entwicklung des Fremdenverkehrs und des Südtiroler Kurwesens. In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg gab es viele weitere Bahnpläne durch den Vinschgau, die von außen kamen. Im Jahre 1869 befasste sich der Graubündner Nationalrat von Planta mit der Idee einer Bahnverbindung zwischen den beiden Fremdenverkehrsorten Meran und Chur. Den Bau einer „Engadin-Orientbahn“ schlug der Schweizer Adolf Guyer-Zeller vor. Diese Bahn sollte von der Zentralschweiz über Chur und Zernez ins Münstertal und weiter über Meran nach Bozen führen. Das Ziel dieser Weltbahn war Triest, Konstantinopel und Bombay in Indien. Karl Gollwitzer aus Augsburg veröffentlichte 1905 das Projekt einer „Fern – Ortlerbahn“. Von Augsburg über den Fernpass und Reschenpass sollte ein 15 km langer Tunnel unter dem Ortler nach Bormio führen. Nach jahrzehntelangen Diskussionen im Tiroler Landtag und im Reichsrat in Wien, wurde 1898 vom Reichsrat der Bau der Vinschgerbahn beschlossen, aber nicht die ganze Reschenscheideckbahn von Mals bis Landeck, sondern nur die erste Teilstrecke von Meran nach Mals. Aus der geplanten Bahnlinie von internationaler Bedeutung wurde eine Lokalbahn und blieb es bis heute. Am 2. Dezember 1903 erfolgte der erste Spatenstich am Töll Tunnel und bereits am 1. Juli 1906 war um 9 Uhr die Abfahrt des offiziellen Eröffnungszuges, wie es in der Beilage der Meraner Zeitung heißt. In der genannten Beilage wird auch über die großen Baukosten der Fortsetzungslinie (Mals-Landeck) gesprochen, aber auch von der einzigartigen Bedeutung. „Sie wird aber in ihrer Vollendung an großartigen Gebirgsszenarien der vielbewunderten Albulabahn nicht nachstehen“. Die Albulabahn St. Moritz – Thusis ging am 10. Juli 1904 in Betrieb und wurde am 7. Juli 2008 zusammen mit der Berninabahn in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.
15 Jahre Stillstand, Wiederaufnahme 2025 und Elektrifizierung
Wolfgang Platter erläuterte in seinen Ausführungen auch den Stillstand der Vinschgerbahn von 1990 bis am 05.05.2025. Damals gab es auch Überlegungen die aufgelassene Bahntrasse als Radweg zu nutzen. Zwei Beschlüsse der Bezirksgemeinschaft und viele Initiativen von Vereinen und Verbänden haben Überzeugungsarbeit bei der Südtiroler Landesregierung geleistet. Auch eine Machbarkeitsstudie des Schweizer Eisenbahnfachmanns Dr. Ing. H. Bernath hat positive Wirkung gezeigt. Platter betonte den wichtigsten Ratschlag von Bernath, die Geleistrasse vor Überbauungen und anderweitigen Nutzungen freizuhalten. Durch den großen Zuspruch nach der Wiederinbetriebnahme kam es bereits 10 Jahre danach zur Grundsatzentscheidung der Landesregierung, die Bahnlinie zu elektrifizieren. Am 21. Juni 2025 fuhr erstmals ein neuer elektrischer Triebzug des Typs Coradia Stream im Fahrgastbetrieb zwischen Mals und Laas. Mit 381 Sitzplätzen, mehr Platz für Fahrräder, höherem Komfort und moderner Technik werden diese Elektrozüge in Zukunft von Mals bis Bozen und weiter bis Innsbruck durchfahren. Der ehemalige Landesrat Richard Theiner berichtete über die skeptische Haltung der Bevölkerung, weil diese die alte Litorina im Kopf hatte und keine Vorstellung von einer neuen, modernen Bahn hatte. Er betonte, dass es wichtig ist, die Fahrzeiten der Bahn zwischen Meran und Bozen zu verkürzen und die internationale Anbindung besonders in die Schweiz anzugehen. Sowohl Platter als auch Theiner dankten den beiden Landeshauptmännern Luis Durnwalder und Arno Kompatscher, den ehemaligen Landesräten für Mobilität und allen, die sich für die Vinschger Bahn eingesetzt haben.
Internationale Anbindung für alle Bezirke
Sowohl Landeshauptmann Kompatscher, als auch Landesrat Alfreider sprachen über die Vergangenheit und die Entwicklung des Verkehrs allgemein, aber auch über das derzeitige Mobilitätskonzept Südtirol mit der Eisenbahn als Rückgrad des öffentlichen Verkehrs. Der Anschluss an die Schweiz, bzw. an die Rhätische Bahn, wie sie bereits vor über 100 Jahren geplant war, ist ein Ziel dieser Landesregierung, so der Landeshauptmann. Nach der Vorlage von mehreren Varianten und geologischen Studien wird man sich zusammen mit der Landesregierung von Graubünden für eine Variante entscheiden müssen. Der internationale Anschluss nach Landeck ist noch kostenintensiver und technisch aufwändiger. Ebenso verhält es sich mit den Bahnverbindungen in die Lombardei bzw. nach Tirano. Dazu ist ein großer Tunnel unter dem Ortler und eine neue Bahnstrecke von Bormio nach Tirano notwendig. Mehrere Pläne für Bahnanschlüsse in die Schweiz, nach Landeck und in die Lombardei gibt es seit über 100 Jahren. Das Auto und der Bau von Straßen und Autobahnen, hat diese Pläne zunichte gemacht. Erst wenn wir umdenken und einen Großteil des Freizeit- und Pendlerverkehrs, die Anreise zum Urlaubsort und Fahrten über größere Distanzen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigen, werden Bahnen und Busse wieder wichtig. Die Fahrten werden zum Erlebnis, sicher und bequem. Und die Straße bleibt für jene, die sie wirklich brauchen. Landesrat Alfreider hat jedenfalls in seinen Ausführungen betont: wir werden alle Bezirke an internationale Bahnverbindungen anbinden und werden es nicht zulassen, dass der Westen als einziger Bezirk keine Anbindungen an das internationale Bahnnetz hat.
Günther Januth, Ex-BM von Meran, Andreas Tappeiner, Ex-BM von Laas, LH-Stv. Rosmarie Pamer, LH Arno Kompatscher und Helmuth Moroder, ehemals technischer Direktor der Südtiroler Transportstrukturen AG (STA), verantwortlich für die Wiederinbetriebnahme der Vinschger Bahn
Jubiläumsfest: Um das leibliche Wohl kümmerte sich die Freiwillige Feuerwehr Laas. David Frank und die Gruppe Oberwind sorgten für die musikalische Unterhaltung. Außerdem gab es ein abwechslungsreiches Programm für die ganze Familie an den Bahnhöfen Mals, Schlanders, Staben, Rabland und Meran
Viel Prominenz bei der Feier: LR Daniel Alfreider, LH Arno Kompatscher, BMin Verena Tröger, LH-Stv. Rosmarie Pamer, Alt-LH Luis Durnwalder, Ex-LR Richard Theiner.
Anwesend waren auch viele Bürgermeister des Tales und Vertreter von Vereinen und Verbänden
- Günther Januth, Ex-BM von Meran, Andreas Tappeiner, Ex-BM von Laas, LH-Stv. Rosmarie Pamer, LH Arno Kompatscher und Helmuth Moroder, ehemals technischer Direktor der Südtiroler Transportstrukturen AG (STA), verantwortlich für die Wiederinbetriebnahme der Vinschger Bahn
- Jubiläumsfest: Um das leibliche Wohl kümmerte sich die Freiwillige Feuerwehr Laas. David Frank und die Gruppe Oberwind sorgten für die musikalische Unterhaltung. Außerdem gab es ein abwechslungsreiches Programm für die ganze Familie an den Bahnhöfen Mals, Schlanders, Staben, Rabland und Meran
- Viel Prominenz bei der Feier: LR Daniel Alfreider, LH Arno Kompatscher, BMin Verena Tröger, LH-Stv. Rosmarie Pamer, Alt-LH Luis Durnwalder, Ex-LR Richard Theiner.
- Anwesend waren auch viele Bürgermeister des Tales und Vertreter von Vereinen und Verbänden