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Glurns weiß sich zu wehren

  • Vorspann: Wie er es auch wendet: Der BM von Glurns ist bei einer Verkehrsberuhigung der Stadt immer auf die eine oder andere Nachbargemeinde angewiesen. Im Interview erklärt BM Erich Wallnöfer die diffizile Lage und kann auf einen revolutionären Vorschlag mit Gemeindratsmandat zurückgreifen.
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  • Redakteur: Erwin Bernhart (Interview)
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  • Weitere Fotos - 1: Ingrid Kapeller und Corinne Bertoncini stellen das Booklet „Sexualisierte Gewalt - Verstehen und handeln“ vor
  • Weitere Fotos - 2: Das Forum Prävention um Christa Ladurner, medica mondiale um Monika Hauser, das Frauenmuseum Meran um Sissi Prader und das Antigewaltnetzwerk Vinschgau ViA! tragen dazu bei, dass Präventionmaßnahmen gegen sexualisierte Gewalt eingesetzt, dass Anlaufstellen bereitgestellt und dass  Aufklärung stattfinden kann.

Vinschgerwind: Herr Bürgermeister, sind Sie übermütig, spinnen Sie oder sind Sie einfach mutig?
Erich Wallnöfer: Ich bin nicht übermütig, spinnen tue ich nicht generell, aber mutig. Es ist eine normale Reaktion, die sich aus den derzeitigen Gegebenheiten so ergibt. Wir müssen Aktionen setzen, damit die Bevölkerung sieht, dass wir etwas tun. Auch weil uns das Land da nicht hilft.

Vinschgerwind: Das müssen Sie uns genauer erklären, bitte.
Erich Wallnöfer: Seit gut drei Jahren versuche ich dem Land eine kleine Umfahrungsvariante für Glurns zu unterbreiten. Eine komplette Umfahrung ist das nicht, auch nichts Großartiges, auch nicht kostenmäßig Großartiges....

Vinschgerwind: Eine kleine Umfahrung um Glurns herum von Schluderns kommend?
Erich Wallnöfer: Nein, überhaupt nicht. Es geht nur darum, den Verkehr von Taufers in Richtung Prad umzulenken und dazu ist ein Umbau der Kreuzung notwendig. Da gibt es ein Projekt, da gibt es Kostenschätzungen und alles...

Vinschgerwind: Das Projekt hat die Stadtgemeinde Glurns in Auftrag gegeben?
Erich Wallnöfer: Ja, das hat die Stadt in Auftrag gegeben und auch selber finanziert. Das wär’ kein großer Aufwand. Schätzungsweise um die 500.000 Euro würde der Umbau kosten. Dann wäre die Kreuzung so umgebaut, dass der Verkehr von Taufers in Richtung Meran über die Prader Straße abgeleitet werden könnte. Prad hat sich immer dagegen gesträubt und sträubt sich immer noch ein bisschen.

Vinschgerwind: Die Prader werden keine Freude haben...
Erich Wallnöfer: Prad hat in dem Sinne keine Freude, weil der Verkehr durch die Gewerbezone gehen würde und diese Straße ist eine Gemeindestraße. Das Land wäre bereit, diesen Straßenabschnitt samt Instandhaltung zu übernehmen. Allerdings müssten die Prader die Straße vom Gumser Kreisverkehr bis zur Stilfserjochstraße als Gemeindestraße übernehmen.

Vinschgerwind: Warum hilf das Land nicht mit bei dieser Umleitung des Verkehrs?
Erich Wallnöfer: Ganz einfach: Das Land sagt, wenn du mit den Pradern nicht handelseins bist, tun wir nichts. Das ist Landestaktik, ich empfinde das als Vorwand, damit keine kurzfristigen Lösungen zustande kommen. Ich bin ja schon rund 10 Mal zum Landesrat Alfreider gepilgert. Der kennt mich mittlerweile gut. Alfreider hat mich aufgefordert, die Unterschriften von den umliegenden Gemeinden einzuholen. Das hab ich gemacht und hab von Taufers, von Mals und von Schluderns die Unterschriften der Bürgermeister geholt. Prad hat nicht unterschrieben. Der Prader BM sagt, er könne doch nicht unterschreiben, damit er den Verkehr abbekommt. Das verstehe ich zum Teil. Wenn ich die Kreuzung selber bauen dürfte, würde ich das tun. Grundablöse inklusive. Und so ist das Projekt halt steckengeblieben. Vor einem Monat hat Alfreider eine neue Umfahrungsvariante vorgestellt. Ich habe gesagt, mir geht der Vorschlag gut, Mals sagt, so nicht und Prad sagt auch, so nicht. Der Vorschlag ist nicht so neu - ein Ausbau der Prader Straße an Glurns mit einer großen Brücke über die Etsch vorbei und durch die Wiesen zwischen Laatsch und Mals in die bestehende Straße mündend. Den Vorschlag hatten wir schon vor 20 Jahren, sogar mit besseren Varianten. Für mich heißt das, dass ich vom Land vertröstet werde.

Vinschgerwind: Bei der Sitzung der Landesregierung kürzlich in Schloss Goldrain hat es geheißen, dass ihr euch als Gemeinden einigen sollts. Dann könne man etwas tun...
Erich Wallnöfer: Ich sage Ja zu diesem Vorschlag, weil ich weiß, dass sowieso nichts passiert und meine Nachbargemeinden Mals und Prad sagen nein. Die Malser sagen, sie haben kein Problem mit der jetzigen Straßenführung, ok. In Schluderns wird sich der Druck wohl verringern, weil Lärmschutzwände gebaut worden sind und für Prad ist Alfreiders Vorschlag so nicht akzeptabel. Dann hänge ich halt allein mit meinem Problem. Wir haben derzeit eine Staatsstraße durch die Stadt und zum Tauferer und zum Malser Tor hin führen zwei Landesstraßen. Es kreuzen sich täglich mindestens 10.000 Autos am Stadtplatz. Jetzt kommt der Sommer und da kommen zusätzlich zu den Autos noch die Radfahrer und die Fußgänger hinzu. Vor 20 Jahren hatten wir keine Radfahrer, denn da ist der Radtourismus erst langsam ins Rollen gekommen. Also, welche Verkehrsteilnehmer von diesen drei kann ich zurückbauen? Nur das Auto! Auch wegen des Lärms und wegen der Abgase.

Vinschgerwind: Sie haben dem Gemeinderat am Freitag, den 24. April einen Vorschlag zur Verkehrsberuhigung unterbreitet. Was ist da der Inhalt?
Erich Wallnöfer: Der Vorschlag ist so, dass wir in den Monaten Juli und August den Durchzugsverkehr nicht mehr durch die Stadt fahren lassen. Nur noch Einheimische und Berechtigte. Details sind noch zu klären.

Vinschgerwind: Kann man sich das so vorstellen, dass in Schluderns und in Mals und an der Kreuzung Taufers-Prad eine Tafel mit einem Durchfahrtsverbot steht?
Erich Wallnöfer: Wie wir das immer aufschlagen, wenn wir in der Stadt eine Veranstaltung haben. Mit dem Unterschied, dass in den zwei Monaten Einheimische und der landwirtschaftliche Verkehr fahren dürfen, das ist alles noch zu klären. Der Verkehr in der Stadt, so hoffe und schätze ich, würde um 60% zurückgehen. Ich würde das mal als Versuch starten, um zu testen, ob das mit der lokalen Wirtschaft funktionieren kann. Wir haben ja Geschäfte in der Stadt, wir haben Gasthäuser. Eine Sperre könnte ja auch für die Wirtschaftstreibenden ein Mehrwert sein. Das muss sich zeigen. Das weiß man von vornherein nicht.

Vinschgerwind: Haben Sie im Vorfeld Gespräche mit den Stadtlern geführt?
Erich Wallnöfer: Bevor nicht der Gemeinderat mit diesem Vorschlag einverstanden ist, habe ich keine Gespräche geführt. Ich mach doch im Vorfeld die Leute nicht narrisch, um danach zurückrudern zu müssen. Der Gemeinderat hat mir nun das politische Mandat gegeben. Nun kann man die technischen Details ausarbeiten.

Vinschgerwind: Noch einmal kurz zurück zu den Umfahrungsvarianten. Verstehen wir das richtig, dass mit der aktuellen Diskussion die Umfahrung Schluderns-Richtung Glurns, unterm Tartscher Bichl Richtung Mals und in die Straße von Laatsch mündend keine Rolle mehr spielt und somit vom Tisch ist?
Erich Wallnöfer: Das wäre vom Tisch. Aber es ist immer das Gleiche: Wenn eine der Nachbargemeinden nicht mitmachen will, hab ich immer ein Problem. Bei einer Umfahrung von Glurns muss ich immer eine andere Gemeinde berühren. Allein kann ich nichts machen, auch finanziell nicht.

Vinschgerwind: Also blitzen Sie beim Land mit jeder ihrer Ideen ab, weil eine Nachbargemeinde immer dagegen sein wird.
Erich Wallnöfer: Eine wird immer dagegen sein.

Vinschgerwind: Ein ganz ein anderes Thema: Auf dem Platz vor der Gemeinde fehlt die Brunnenstatue. Wie ist der Stand der Dinge?
Erich Wallnöfer: Die Ergebnisse des Vorermittlungsverfahren kommen im Mai zum Voruntersuchungsrichter. Da soll entschieden werden, ob es ein Gerichtsverfahren geben wird oder ob der Fall archiviert wird. Ich kann das nicht einschätzen, wie entschieden werden wird. Vom Gericht wurde ein Techniker als Sachverständiger beauftragt. Natürlich haben wir uns informiert, ob wir da Pflichten hatten, ob wir da Pflichten versäumt haben. Jedenfalls hat uns niemand im Vorfeld aufmerksam gemacht, dass etwas zu tun sei. Es gibt in diesem Bereich keine Normen, keine Vorschriften, weil es sich bei Brunnenfiguren um Kunstgegenstände handelt. Ich kenne das Gutachten des Sachverständigen noch nicht. Das wird Ende April hinterlegt werden.

Vinschgerwind: Noch ein anderes Thema: Glurns hat Vinschgau Marketing verloren...
Erich Wallnöfer: Verloren haben wir nur die Mitarbeiter von Vinschgau-Marketing. Die Büroräumlichkeiten hat IDM von der Gemeinde Glurns gemietet und hat die Räumlichkeiten nun mit anderen Mitarbeitern aufgefüllt. Da hat sich nichts geändert.

Vinschgerwind: Glurns am Reschensee?
Erich Wallnöfer: Noch ist es schwierig zu sagen, wie das ankommt. Das ist alles zu neu. Der Tourismus in Glurns ist ja nicht so federführend wie andere Sparten in Glurns.
Es ist eine Marketingstrategie, die einen Leuchtturm, in diesem Fall ist es tatsächlich ein Turm, in den Mittelpunkt stellt und der nach außen gut erkennbar ist. Glurns ist auch bekannt, im Ausland ist Glurns wohlbekannt. Ein Turm im See ist aber schon markant. Man wird sehen. Der positive Aspekt des Tourismus in der Stadt an einem Beispiel: Wir haben 10 Gastbetriebe, von denen einige auch im Winter geöffnet haben. Andere mit der gleichen Einwohnerzahl wie Glurns haben keines mehr.

Vinschgerwind: Wie bewegt sich ein aus der SVP ausgestiegener Bürgermeister in den Vinschger Bürgermeisterrunden?
Erich Wallnöfer: Ganz normal. Ich bewege mich, wie ich mich immer bewegt habe. In gewissen Sachen, die SVP betreffend, werde ich nicht gefragt. An und für sich habe ich keine Berührungsprobleme, die habe ich nie gehabt. Ich vertrete halt meine Standpunkte, ob die SVP-freundlich ist oder nicht, das ist deren Problem.

Vinschgerwind: Sie hängen noch eine sechste Legislaturperiode an?
Erich Wallnöfer: Es sind noch vier Jahre bis zu den nächsten Wahlen. Meine 5. Legislaturperiode könnte die letzte sein.

 

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