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Schlanders in Europa

  • Vorspann: Schlanders/Brüssel - Über die Weihnachtsfeiertage war Schlanders nicht stressfrei. Eine Arbeitsgruppe hat sich mit Zukunftsszenarien beschäftigt und diese Visionen werden Ende Jänner in Brüssel vorgetragen. Fest steht jetzt schon: Schlanders wird in Europa sichtbar. Was geht da vor sich? Wir haben bei Hannes Götsch von der Basis Schlanders nachgefragt.
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  • Redakteur: Erwin Bernhart (Interview)
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  • Weitere Fotos - 1: Die Arbeitsgruppe: v. l. Aaron Pircher, hds-Bezirksleiter Vinschgau, Cristian Lechner, BASIS Vinschgau, Bürgermeisterin Christine Kaaserer, Thomas Schuster, Eisdiele Ortler, Karin Gluderer, Agnes Wielander, Hotel Goldene Rose, Hannes Götsch, BASIS Vinschgau, Melanie Längerer, Tourismusverein Schlanders-Laas und Manuel Trojer.

Vinschgerwind: Schlanders kommt auf europäischer Ebene zu Ehren. Ende Januar kommt es zu einem Showdown in Brüssel. Was ist da los?
Hannes Götsch: In Brüssel gibt es ein Finale. Es geht um die Anerkennung einer Kleinstadt bzw. eines Dorfes zum Thema Kleinhandel. Der Überbau ist „European Capitals of Small Retail“. Das ist ein Programm der EU. Drei Finalsiten sind ausgewählt worden. In der Kategorie Klein bzw. von 5.000 bis 50.000 Einwohnern ist Schlanders unter den ersten drei. Ende Januar werden wir mit einer Delegation mit Vertretern aus Politik, aus den Verbänden, aus dem lokalen Handel und wir von der Basis als Projektentwickler nach Brüssel fahren. Dor werden wir einen sogenannten „Pitch“, also einen Aufschlag machen mit dem Inhalt, was wir für 2026 planen und vorhaben. Damit wollen wir um den ersten Platz mitfighten.

Vinschgerwind: Das klingt so, als ob Basis sein Netzwerk gut zu nutzen weiß. Habt ihr diese Nominierung in der Basis entwickelt? Wie kann man sich den Weg dahin vorstellne?
Hannes Götsch: Es gibt auf europäischer Ebene ganz viele Möglichkeiten und Optionen der Unterstützung. Für Schlanders sind Aaron Pircher vom hds, Karin Gluderer als hds-Orstobfrau und Rosmarie Ferlito von der Eisdiele Ortler auf meinem Mitarbeiter Luca Daprá und mir zugekommen und haben uns auf diese Möglichkeite aufmerksam gemacht. Wir waren sofort begeistert. In sehr kurzer Zeit haben wir die Bewerbung abgegeben.

Vinschgerwind: Was habt ihr da in diese Bewerbung hineingeschrieben?
Hannes Götsch: Wir haben aufgezeigt, was wir alles in Schlanders an Positivem haben, wo wir uns von anderen unterscheiden. Die Qualität von Schlanders ist die Vielschichtigkeit und die städtischen Attribute. Wir haben Schlanders aus der Vogelperspektive betrachtet und Vorhandenes einfach eingezeichnet: von der Bibliothek, dem Sitz der Bezirksgemeinschaft, dem Krankenhaus, der Fußgängerzone, den funktionierenden Geschäfte, der Gastronomie, der Schulen und Oberschulen, dem Kulturhaus, den Parks bis hin zum Gründer- und Innovationszentrum Basis und dem vielfältigen Vereinsleben. Kurzum, wir haben geschaut, wie voll das Glas ist und wir haben das funktionierende gesellschaftliche System zusammengefasst. Natürlich wissen wir auch um die Defizite. Aber wir haben uns für die Bewerbung natürlich auf das Positiive konzentriert.

Vinschgerwind: Unter wie vielen Bewerbungen hat sich Schlanders wiedergefunden?
Hannes Götsch: Es dürften unzählige gewesen sein. Genaue Zahlen haben wir nicht. Spannend ist aber, wenn Schlanders unter den ersten drei bei den „Kleinstädten“ zu finden ist und etwa Barcelona bei den Großstädten. Wichtig für den Erfolg war und ist das Netzwerk der Basis. Denn wir haben mit Unterstützungsbriefen wertvolle Schützenhilfe erhalten, von unserem Netzwerk Trans Europe Halles etwa...

Vinschgerwind: Können Sie diese Form der Unterstützung näher erläutern?
Hannes Götsch: Für mich bzw. für die Basis sind sogenannte Unterstützungsbriefe ein normales und probates Mittel. Als Beispiel nenne ich die Basis, die ein EU-Projekt ist, selber. Beim Ansuchen um ein EU-Projekt muss der Antragsteller zeigen können, dass das Projekt von einer breiten Basis getragen wird. Das geschieht mit Unterstützungsbriefen. Beim Projekt Basis haben die Gemeinde Schlanders, der Handel, das Gastgewerbe, Vereine und Verbände ihre Unterstützung verschriftlicht. So wird sichergestellt, dass nicht jeder mit irgendeinem Projekt um EU-Förderungen ansuchen kann. Ähnlich ist es jetzt mit dem Kleinhandelsprojekt gegangen. Und da konnte eben die Basis ihr europäisches Netzwerk zur Entfaltung bringen.

Vinschgerwind: Eine Jury hat Schlanders in der sogenannten Shortlist unter die ersten drei gereiht. Ende Jänner soll dann der Sieger gekrönt werden. Besteht Hoffnung, dass Schlanders das schaffen könnte?
Hannes Götsch: Für uns ist schon die Reihung unter die ersten Drei ein Riesenerfolg.

Vinschgerwind: Welche Benefits, welche Unterstützung erhält Schlanders von Seiten der EU?
Hannes Götsch: Das Sekretariat für den Preis „European Capitals of Small Retail“ unterstützt die drei Finalisten über den Zeitraum 2026. Man erhält auf europäischer Ebene Sichtbarkeit und damit einen Marketingschub. Man wird europäischer Gastgeber für all jene, die sich das Beispiel Schlanders anschauen und studieren wollen. Man darf sich erwarten, dass über ein Wochenende plötzlich über 100 Leute außerhalb des klassischen Tourismus kommen werden. Die Sichtbarkeit wird nach außen strahlen, das ist eine kostenlose Werbung für Schlanders. Und ich sage, dass es noch eine andere, sehr wichtige Eben gibt. Dieses Projekt führt uns im Dorf ein stückweit wieder zusammen, das wird uns zusammenschweißen.

Vinschgerwind: Das ist die Frage: Welche Auswirkungen nach Innen wird diese Auszeichnung haben?
Hannes Götsch: Wir haben eine tolle Arbeitsgruppe, die aus der Bürgermeisterin Christine Kaaserer, dem Wirtschaftsreferenten Manuel Trojer, dem hds-Bezirksrefernten Aaron Pircher, der hds-Ortsobfrau Karin Gluderer, der Rosmarie und dem Thomas Schuster von der Eisdiele Ortler, der Agnes Wielander vom Rosenwirt und von Vertetern der Basis. Ich glaube, dass allein diese Zusammensetzung ein starkes Signal dafür ist, dass wir uns in Schlanders auf den Weg machen, um Marketing, Potenziale und Perspektiven auszuarbeiten.

Vinschgerwind: Wenn die Gruppe Ende Jänner nach Brüssel fährt, werden dort für die Präsentation die Vorhaben für 2026 zur Sprache kommen. Was wird man in Brüssel erzählen?
Hannes Götsch: Das ist in Ausarbeitung. Am 8. Jänner sollen wir den Entwurf abgeben. Wir haben regelmäßig Arbeitstreffen. Eines ist sicher, wir werden auf den tollen Sachen aufbauen, die wir haben. Viele solche Qualitäten haben nicht viele vergleichbare Dörfer auf europäischer Ebene. Wir werden uns auf das 7-Minuten-Dorf konzentrieren. Das heißt, dass man in Schlanders zu Fuß in 7 Minuten alle relevanten Einrichtungen erreichen kann - von Sportstätten, Schulen, Kindergärten, Krankenhaus usw. aber auch die Naherholungsmöglichkeiten in der Natur. In 7 Minuten ist man auf dem Ilzwaal und kann die Promenade genießen. Wir werden uns also auf das konzentrieren, was vorhanden ist. Aber dann werden wir auch sagen, was wir dazunehmen wollen. Ich denke da an ein „slow shopping“. Mit einer Stadt wie Meran werden wir nicht konkurrieren können und trotzdem: Wenn wir an die Bekleidungsketten denken, die in vielen anderen Städten wie ein Einheitsbrei vorhanden sind ... Nehmen wir Glurns. Die Stadt hat sich zu einer kleinen Boutiquestadt entwickelt und es kann so sein, dass viele Leute die großen Menschenströme in größeren Städten meiden werden. Ich bin in Europa viel unterwegs und meine persönliche Meinung ist, dass wir mit dem Waltherpark in Bozen keinen großen Riss gemacht haben. Es ist eher eine Gleichstellung. Wow und Mega ist das nicht. Das ist meine persönliche Meinung, bitte. Auf der anderen Seite glaube ich, dass Leute aus den Städten in Schlanders einkaufen und gut Essen gehen können, gerade mit dieser 7-Minuten-Qualität. Vielleicht können wir da noch einiges herausholen.

Vinschgerwind: Alleinstellungsmerkmal weitum ist die Basis. Welche Rolle in diesem Kontext spielt ihr von der Basis?
Hannes Götsch: Wir bilden die Plattform dafür, dass man sich an einen Tisch setzt. Das haben wir von Beginn an kommuniziert. Wir sind jene, die lösungsorientiert mitarbeiten und wir sind diejenigen, die liefern. Also, wir sind jene, die innerhalb der vorgegebenen Deadline Projekte abgeben. Nach dem Motto: Let’s do it. Wir bringen die Plattform und wir bringen die Dynamik.

Vinschgerwind: Sind da für Ende Jänner die Daumen zu heben?
Hannes Götsch: Definitiv.

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