Hoffnung
- Vorspann: Latsch/Tarsch - In Latsch keimt Hoffnung auf. Hoffnung darüber, dass die Liftanlagen auf der Tarscher Alm erneuert, der seit langem schlafende Skibetrieb wieder aufgenommen werde und letzlich der Tourismusverein die höchst defizitäre Liftlanlage losbekommt.
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- Redakteur: Erwin Bernhart
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Eine Diskussion im Tourimsmusverein Latsch geht so: Der Zubringerlift, der an der Talstation oberhalb von Tarsch startet und auf der Tarscher Alm endet, wird 2028 abgeschaltet. Die Lichter gehen aus. Ende. Dieses Szenario ist nicht nur so dahergeredet.
Denn seit der Tourismusverein die Liftanlagen vor Jahren übernommen hat und das Geschäftgebahren über die eigens gegründete TV Lift GmbH abwickelt, reißt der Liftbetrieb regelmäßig ein Loch in die Kassa. Um die 180.000 Euro werden es jährlich sein. Die werden dann mit dem Geld aus dem Tourismustopf bezahlt. Hinzu kommen die regelmäßigen Revisionen, die die alte Liftanlage über sich ergehen lassen muss. 2025 war es die 5-jährige Revision. Das Geld muss aufgewendet werden, damit der Lift im Sommer läuft, damit das Zusatzangebot - Wandermöglichkeiten, Almwirtschaft - auf der Nörderseite für Gäste und Einheimische bereitgestellt werden kann. Letztlich ein teuer erkauftes Zusatzangebot.
2030 kommt auf den Zubringerlift „Latsch I“ eine 10-jährige Revision zu. „Die derpacken wir nicht mehr“, sagt es der Präsident des Tourismusvereines und gleichzeitig der Präsident der „TV Lift GmbH“ Roman Schwienbacher ganz offen und einen neuen Lift könne man sich nicht leisten. Deshalb sei tatsächlich die Diskussion im Tourismusverein dahingehend, dass man die Lichter bereits 2028 und nicht erst 2030 ausschalten möchte. Je früher man abschalte, desto weniger Geld werde verbraten.
Derweil wird im Skigebiet Tarscher Alm „abgeplündert“. Zwei Lifte sind bereits abgebaut. Der Gampenlift, der „Babylift“ also, ist nach Rumänien gegangen und der Kaserer-Lift nach Chile. Der größere Lift „Latsch II“, von der Bergstation auf die Zirmruanhütte, wird wohl heuer noch abgebaut.
Dies ist der aktuelle Hintergrund, vor dem sich neue Szenarien entwickeln könnten und können. Man muss es so formulieren: Vor diesem Hintergrund könnten „alte“ und deshalb bekannte Szenarien wieder aufleben. Szenarien, die vor Jahren durchdiskutiert, abgewogen, verworfen, verbrannt, herbeigehofft und letztlich nie realisiert worden sind. Die Voraussetzungen, die Hintergründe und Unterlagen waren damals andere als heute. „Hü oder Hot“ hat der Vinschgerwind im Jahr 2005 über den Fortbestand der Tarscher Alm getitelt. Damals hat die Latscher Skicenter GmbH die Flucht nach vorne ergreifen und den Zubringer Latsch I neu bauen, den Jochpfarrerlift ausbauen, eine Talabfahrt anlegen und die Beschneiungsanlage verbessern wollen. Das Unterfangen endete, weil nicht verwirklicht, im Konkurs der GmbH, den man mit der Flucht nach vorne eigentlich verhindern hat wollen. Schnee von gestern ist das heute.
Licht aus, Licht an
Dann kam Jaime Lorenzo, der Spanier, charismatisch, großspurig, einen Ausbau und investieren wollend, „Pure Nature Ski GmbH“. „Er könnte sicher auch als Staubsaugerhändler reich werden“, charakterisierte ihn 2008 der Vinschgerwind unter anderem. Drei Hektar Wald wollte Jaime Lorenzo Blanco als Tourismuszone bei der Talstation - für Chalets. Später sollten die Chalets eher an der Bergstation entstehen. Blanco bringt damals auch eine Bahn vom Bahnhof hinauf auf die Talstation ins Spiel, a lá Hungerburgbahn in Innsbruck. In Latsch entsteht so etwas wie kühle Euphorie, zwischen Schulterklopfern und Skeptikern. Der Spanier scheitert und das trotz Begleitung von Latscher Skicenter-Granden wie etwa Franz Rinner.
Der Tourismusverein Latsch übernimmt dann über eine neu gegründete TV Lift GmbH die Lifte auf der Tarscher Alm, über die neue gegründete TV Gastro GmbH werden die Immobilien an Tal- und
Bergstation bewirtschaftet bzw. verpachtet.
Die Tarscher Alm fällt als Skigebiet vollends in den Winterschlaf. Die Berghänge oben um die Zirmruanhütte sind trotzdem in jedem Winter magisch, der Schnee glitzert, neckt, lockt. Eine Wintersaison findet in der Ferienregion Latsch-Martell statt - in Martell. Die Latscher Beherbergungsbetriebe überwintern schlafend. Man könnte sagen, die Herbergen liegen um die Weihnachtszeit brach.
Brachliegende Herbergen
Das könnte sich ändern. Denn im November 2025 verkündet der Präsident des Tourismusvereines Latsch-Martell Roman Schwienbacher in einer Sitzung des Verwaltungsrates, dass es Interessenten gebe, die das Skigebiet kaufen und um- und ausbauen möchten. Der Ball wird flach gehalten, Vorstudien werden betrieben, Gespräche vorbereitet. Die Interessenten bleiben anonym, denn bis heute ist gar nichts in irgendwelchen trockenen Tüchern.
Roman Schwienbacher sagt nur soviel: Die Interessenten haben der Fraktion Tarsch, die Grundeigentümerin auf der Tarscher Alm ist, einen Nutzungsantrag gestellt. Diesen Antrag soll die Fraktionsverwaltung bewerten und darüber befinden. Je nachdem wie die Fraktionsverwaltung die Sachlage einschätze, können nächste Schritte folgen. Die Fraktionsverwalter lassen sich von allen möglichen Ämtern beraten, vom Bauernbund, vom Rechtsamt usw., um den vielen offenen Fragen begegnen und um den vielen Fehlern aus der Vergangenheit ausweichen zu können. Gibt die Fraktionsverwaltung Tarsch als Grundeigentümerin für Grundbenutzung und mögliche Pacht grünes Licht, dann erst werde eine Gesellschaft bestehend aus drei Gesellschaftern gegründet werden. Zwei Gesellschafter seien Einheimische und ein Gesellschafter komme aus Tschechien. Alle haben Erfahrung in Sachen Skigebiete.
Das Gutachten bzw. die Nutzungs-Bewertung der Fraktionsverwalter von Tarsch soll in diesen Tagen vorgelegt werden. Dann dürften Gesellschafter und Pläne das öffentliche Licht erblicken. Dann dürften entsprechende Fragestellungen auch an die Gemeindeverwalter gestellt werden können. „Grundsätzlich sind wir bereit“, hat sich der Latscher BM Mauro Dalla Barba ein Mantra für die Öffentlichkeit zugelegt, „die Anliegen und die Pläne anzuhören und anzuschauen.“ Dann schiebt Dalla Barba fast schon eine Drohung nach: „Keinen zusätzlichen Verkehr darf es für Latsch und für Tarsch geben und das Ganze muss einen Mehrwert für die Bevölkerung haben.“
Dass die potenziellen Gesellschafter bereits eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben haben, ist in Latsch bekannt. Den Inhalt umreißt Schwienbacher grob: Eine Zubringeranlage von der Talstation St. Martin hinauf auf die Talstation Tarscher Alm, eine neue 10er Kabinenbahn von der Talstation Tarscher Alm hinauf auf das Tarscher Joch. Denn im Skipistenfachplan ist eine Verbindung von der Bergstation Tarscher Alm zum Joch hinauf bereits enthalten. Eine Verbindung mit dem Skigebiet Schwemmalm in Ulten sei - aus Sicht des Grundbesitzes - im Bereich des Möglichen, zumal die Kuppelwieser Alm im Eigentum der Fraktion Tarsch sei. Aus den Studien aus der Vergangenheit werde ersichtlich, dass für die Verbindung mit der Schwemmalm nur ein Lift und eine Piste notwendig sei. Der Großteil eines solchen Liftes und einer solchen Piste liege auf Grund der Fraktion Tarsch.
Für eine neue Beschneiungsanlage gebe es Studien aus der Vergangenheit, die ein Speicherbecken in der Nähe der Zirmruanhütte vorsehen. Auf der anderen Seite können Verhandlungen mit Alperia eine Wasserversorung über den Arzker-Stausee klären. In Summe eigentlich kaum Neues.
„Optimale Geschichte“
Auf die Frage, über welche Motivationen die potenziellen Gesellschafter an die Sache Tarscher Alm herangehen, sagt Schwienbacher, dass die Sachlage x-Mal angeschaut worden ist. Aus der Zusammenschau der Daten, der potenziellen 3.500 Betten in der Umgebung, die im Winter brachliegen, aus der Sicht, dass Ulten schwer und nur durch eine lange Zufahrt zu erreichen sei und talintern über relativ wenige Betten verfüge, wäre ein Ausbau der Tarscher Alm samt Zusammenschluss mit Ulten eine „optimale Geschichte“.
Es habe bereits mit mehreren Hoteliers in Latsch Gespräche über die Bereitschaft, im Winter zu öffnen, gegeben. Die durchaus positiven Signale seien ermutigend gewesen.
Sicher sei, so sagt es Schwienbacher, dass ein Neubau des Zubringerliftes „Latsch I“ als erstes in Angriff zu nehmen sei. Man könne sofort starten. Die hoffnungsvolle Euphorie wird vor allem dann verständlich, wenn man sich die Kehrseite ins Bewusstsein ruft: 2028 oder spätestens 2030 gehen beim letzten Dinosaurier-Lift „Latsch I“ ohnehin die Lichter aus.
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