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Titel

Sparen durch Tropfen

von Heinrich Zoderer
Das Bonifizierungskonsortium Vinschgau lud am 8. September zu einer Versammlung bzw. Feier ins Kulturhaus von Schlanders. Dabei wurden die Tropfbewässerungsprojekte auf über 2000 Hektar mit Gesamtausgaben von 60 Mill. Euro offiziell in Betrieb genommen. Die Herausforderungen durch den Klimawandel machen ein nachhaltiges Wassermanagement notwendig. Der Vinschgau und das Bonifizierungskonsortium spielen dabei eine wichtige Vorreiterrolle. Bei der Versammlung gab es viele Informationen und viel Lob für die durchgeführten Arbeiten.
veröfftl. am 16. September 2026

Planer, Ingenieure und Vertreter von Baufirmen mit dem Präsidenten vom Bonifizierungskonsortium: v. l.: Klaus Mair (Mair Josef & Co. KG), P.A. Romano Comunello, Ing. Gunnar Holzer, Ing. Davide Comunello, Ing. Luca Battan, Paul Wellenzohn, Ing. Michael Hofer, Michael Hofer (Hofer Tiefbau GmbH), Franz Marx (MARX GmbH) und Ing. Walter Gostner

Der Vinschgau ist mit rund 450 mm Jahresniederschlag das trockenste Tal in den Ostalpen. Der Bau von Waalen und der überlegte Umgang mit dem Wasser war die Grundlage für die Landwirtschaft. In den letzten Jahrzehnten wurden im ganzen Tal Beregnungsanlagen gebaut. Das Bonifizierungskonsortium Vinschgau, 1963 gegründet, spielte dabei eine wichtige Rolle. Heute ist das Konsortium die Interessensvertretung von 5.500 Mitgliedern zwischen Partschins und Mals. Verwaltet werden über 80 Beregnungsanlagen auf einem Einzugsgebiet von 8.600 ha. Die zentrale Aufgabe ist die Sicherstellung und gerechte Verteilung von sauberem Wasser für die Bewässerung der landwirtschaftlichen Flächen. Auch die Instandhaltung von 100 km Entwässerungskanälen und von rund 65 km Güterwegen und Bonifizierungsstraßen gehört zu den weiteren Verpflichtungen. Durch den Klimawandel wird der sparsame Umgang mit dem Naturprodukt Wasser immer wichtiger. Die Modernisierung, Adaptierung und Automatisierung der Infrastruktur, der Bau von Filteranlagen und Wasserspeicherbecken und die Umstellung auf Tropfberegnung bilden den Weg dazu, genauso wie ein Frostschutzsystem und ein nachhaltiges Wassermanagement. Paul Wellenzohn, der Präsident des Bonifizierungskonsortiums, konnte bei der Versammlung neben den Vertretern der Beregnungsanlagen, auch Francesca Coniglio, Führungskraft des Ministeriums für Landwirtschaft, Lebensmittel und Forstwirtschaft in Rom, den Präsidenten Francesco Vincensi und den Generaldirektor Massimo Gargano vom nationalen Verband der Bonifizierungskonsortien (ANBI), den LH Arno Kompatscher, LR Luis Walcher, den Landtagsvizepräsidenten Arnold Schuler, den Präsidenten des Regionalrates, Josef Noggler, sowie mehrere Bürgermeister:innen, Techniker und Vertreter der Baufirmen, der Forstverwaltung, der VIP und des Bauernbundes begrüßen. In seinen Ausführungen betonte er die wichtige Rolle des Bonifizierungskonsortiums in Zusammenarbeit mit den Interessentschaften und den lokalen Gebietsausschüssen der über 80 Beregnungsanlagen, aber auch mit den Behörden auf lokaler, regionaler und auf nationaler Ebene. Die Projekte müssen geplant, mit den betroffenen Bauern besprochen, genehmigt, finanziert und umgesetzt werden. Nur durch die nationalen Förderprogramme und die Beiträge des Landes konnten die Projekte umgesetzt werden. Dem Direktor des Bonifizierungskonsortiums, Gottfried Niedermair ist es gelungen, ein effizientes Netzwerk auf Landesebene, auf regionaler und auf nationaler Ebene aufzubauen, im die verschiedenen Investitionsprogramme zu erarbeiten und die Finanzierung über die Förderprogramme zu sichern.

Projekte zur Tropfbewässerung in den Gemeinden Schluderns, Glurns, Laas, Schlanders, Latsch, Wassereinsparungen von 10 Millionen m³ im Jahr

Ausführlich berichteten anschließend die beiden Ingenieure Walter Gostner und Luca Battan über die abgeschlossenen Projekte in den Gemeinden Schluderns und Glurns, sowie in Laas, Schlanders und Latsch, insgesamt auf einer Fläche von rund 2.000 ha und einer Investitionssumme von 60 Millionen Euro. Neben der Umstellung von der Oberkronenberegnung auf die Tropfbewässerung, mussten auch neue Bewässerungsanlagen, neue Zuleitungen, Filteranlagen, der Neubau und die Sanierung von Tagesspeicherbecken, sowie die Automatisierung der gesamten Anlage realisiert werden. Gottfried Niedermair berichtete, dass durch diese Projekte die Flächen mit Tropfbewässerung verdoppelt wurden und nunmehr 72% der Obstanbauflächen über eine Tropfberegnung verfügen. Damit können jährlich 10 Millionen m³ Wasser eingespart werden, d.h. rund ¼ von rund 40 Mio. auf 30 Mio. m³. Niedermair betonte auch, dass die Investitionskosten mit 55% durch staatliche Förderprogramme beziehungsweise aus dem staatlichen Fonds für Projekte der Wassernutzung und Wasserversorgungssicherheit abgedeckt wurden. 9% der Kosten kamen vom Land, die Mitglieder mussten für 28% der Kosten selbst aufkommen. Walter Gostner berichtete nicht nur über die technischen Anlagen zur Optimierung der landwirtschaftlichen Bewässerung, sondern auch über die langen Genehmigungsprozeduren und das komplexe Zusammenspiel mit Alperia, dem Gewässerschutz und dem Landschaftsschutz. 15 Jahre dauerte die Umsetzung von einer ersten Projektstudie im Jahre 2009 bis zur Realisierung im Jahre 2023. Stolz verkündete Gostner, dass nun die Restwassermenge garantiert und die Flussökologie erhalten wird, es ein gutes Zusammenspiel mit Alperia und der Energiewirtschaft gibt, aber auch für die Landwirtschaft ein sauberes und sicheres Wasser bereitgestellt wird. Heute kommen Delegationen aus dem Ausland, z.B. aus Rumänien und aus der Schweiz, um diese Anlagen zu besichtigen, so Gostner. Gostner und Battan betonten, dass darauf geachtet wurde, möglichst umweltschonend zu arbeiten, die notwendigen Verbauungen gut in das Landschaftsbild zu integrieren und zu begrünen. Sowohl Niedermair als auch andere Redner beklagten die langen und umständlichen Genehmigungsprozeduren. Dadurch gehen viele Gelder und viel Energie verloren. Wir müssen schneller und effizienter arbeiten, denn der Klimawandel ist heute schneller als unsere Entscheidungen, so Niedermair.

Was ihr macht ist nachhaltig in ökonomischer, sozialer und in ökologischer Hinsicht, meint Landeshauptmann Arno Kompatscher

Voll des Lobes über die abgeschlossenen Projekte waren sowohl der Landeshauptmann Arno Kompatscher als auch Landesrat Luis Walcher. Was ihr macht ist beispielhaft und ein konkretes Beispiel einer nachhaltigen Arbeitsweise. Die Landwirtschaft stellt sich damit den Herausforderungen durch den Klimawandel und sichert durch solche Maßnahmen ihre Existenz, als Genossenschaft müssen alle Entscheidungen von 2/3 der abstimmenden Mitglieder beschlossen werden. Es braucht deshalb breite Diskussionen und Überzeugungsarbeit. Durch das behutsame Vorgehen und die Gesamtsicht wird auch die Landschaft erhalten und die Flussökologie gesichert, so der Landeshautmann. Er gratulierte für die gewaltigen Leistungen und den Mut. Das Wassermanagement wird eines der großen Herausforderungen für die Zukunft und nicht nur für die Landwirtschaft. Das ganze Land kann von den Arbeiten und der Zusammenarbeit im Vinschgau lernen. Der Landeshauptmann versprach, die Verfahrensregelung zu ändern und die Konzessionszeiträume an das Klima anzupassen. Er meinte, dass wir im ganzen Land Speicherbecken benötigen, die sich in die Landschaft gut einfügen. Luis Walcher lobte auch die Vorreiterrolle im Vinschgau. Ohne Wasser keine Landwirtschaft. Eine funktionierende Landwirtschaft ist auch eine wichtige Maßnahme gegen Abwanderung. Daher sind die Geldmittel der EU, vom Staat und vom Land wichtig. Wasserbecken sind auch wichtig bei Waldbränden. Auch die staatlichen Vertreter Francesca Coniglio vom Ministerium und Francesco Vincensi, sowie Massimo Gargano vom nationalen Verband der Bonifizierungskonsortien lobten die Projekte im Vinschgau und sicherten zu, weitere Projekte zu unterstützen. Wasser sichern, heißt die Zukunft sichern, so Francesca Coniglio, die Vertreterin vom Landwirtschaftsministerium in Rom.

Landeshauptmann Arno Kompatscher mit Gottfried Niedermair, dem Direktor vom Bonifizierungskonsortium Vinschgau

Landeshauptmann Arno Kompatscher mit Gottfried Niedermair, dem Direktor vom Bonifizierungskonsortium Vinschgau

v.l.:  Ing. Walter Gostner, Francesca Coniglio, Francesco Vincensi, Massimo Gargano und LH Arno Kompatscher

v.l.: Ing. Walter Gostner, Francesca Coniglio, Francesco Vincensi, Massimo Gargano und LH Arno Kompatscher