Venosta Festival
Die Protagonisten auf der Bühne in Glurns mit Moderator Simon Messner (links)
Es wächst. Es gedeiht gut und es reift: das Venosta Festival. Was das ist? Das Venosta Festival ist eine Veranstaltungsreihe, die vor drei Jahren ins Leben gerufen worden ist. Die Tourismusgenossenschaft Obervinschgau bildet dabei das finanzielle und das technische Rückgrat, die dortige Direktorin Katharina Fritz koordiniert mit ihren Mitarbeiter:innen sämtliche Einzelheiten, viele Vereine vor allem in Glurns sind eingebunden - für den Aufschank, für das Kulinarium und seit Angebinn agiert der bekannte Radiomoderator Michl Gamper als Programmchef, als Kontakt zu den Künstlern, als Mastermind für Machbares. Gamper kennt in Künstlerkreisen Hinz und Kunz, pflegt gute Kontakte mit den Managements. In der Tourismusgenossenschaft Obervinschgau hat man im Zuge der Entwicklung des Venosta Festivals rasch erkannt, dass man jemand benötigt, der diese goldenen Kontakte hat und pflegen kann. So ist Gamper in die Organisation miteingebunden worden.
Glurns bzw. das unvergleichliche Festivalgelände dort ist derzeit Mittelpunkt von Konzerten und von einem einzigartigen Bergfilmfestival, welches von Jürgen Gerstl im vorigen Jahr ins Leben gerufen worden ist und welches heuer zwischen die Konzerte von Alvaro Soler und dem kommenden Konzert im Herbst mit der Münchener Freiheit, mit Bluatschink und der Opus Band & den Schick Sisters eingeschoben wurde und bereits so gut wie fixer Bestandteil des Venosta Festivals ist. Was vor zwei Jahren mit dem Konzert des weitum bekannten Herbert Pixner begonnen hat, was mit Beatrice Egli&Band und mit LaBrassBanda im vorigen Jahr fortgesetzt worden ist, ist heuer im mit rund 3000 Leuten ausverkauften Konzert des Weltstars Alvaro Soler gegipfelt. „Wir haben mit Alvaro Soler einen Volltreffer gelandet“, sagt die Direktorin der Ferienregion Obervinschgau Katharina Fritz mit sichtlichem Stolz. Das Venosta Festival entwickelt sich. Das ist auch so gewollt. Ziel ist es, ein Festival im Dreiländereck zu etablieren, welches mit je einer Veranstaltung den frühen Sommer im Obervinschgau bekannt und attraktiv machen soll und mit einer Veranstaltung im Herbst, welches die Sommersaison verlängern helfen soll.
Dazwischen eben das Mountainstory Bergfilmfestival, welches eine ganz spezielle Klientel anspricht, anlockt und begeistert. Die Kulisse in Glurns ist cool. Auf der (weder sicht- noch spürbaren) Tiefgarage ist ein Festivalgelände mit fixer Bühne entstanden. Gegenüber dieser Bühne eine perfekt ausgestattete Küche mit langer Theke. Die Bühne ist eingebettet in die Stadtmauern, die eine willkommene optische und technische Begrenzung des Festivalgeländes bilden. Darüber und in weiter Ferne die Bergkulisse des oberen Vinschgau. Schöner geht’s kaum.
Das Mountainstory Bergfilmfestival ist am Freitag, den 31. Juli heuer zum 2. Mal über die Bühne gegangen. Die Idee zum Festival stammt vom passionierten Hobbyfotografen und -filmer und aktiven Bergretter Jürgen Gerstl. Gerstl hat auch die Filme ausgewählt, hat bei einem der Bergfilme selbst Regie geführt. Es gibt mehrere Bergfilmfestivals im Alpenbogen, ein bekanntes in Trient, aber wohl keines, das Open Air ist und über eine dermaßen einzigartige Kulisse und Atmosphäre verfügt wie in Glurns.
Gekommen sind am 31. Juli alle Altersklassen aus Nah und Fern, viele trainierte Berggeher, viele Aktive in der Bergrettung, viele Wanderer, viele Neugierige. Die Bänke vor der Küche, die von den Glurnser Vereinen unter der Koordination vom Team vom Laubenkomittee betreut wird, beginnen sich am frühen Abend zu füllen. Von den Veranstaltern ist es ein Ziel, das kulinarische Angebot auf das Dreiländereck abzustimmen - Spezialitäten aus der Schweiz, aus Österreich und aus Italien sollen Platz finden. Ansprechpartner in Glurns ist der Präsident von Glurns Marketing Armin Windegger, der den Stolz der Stadt über die Location und über die Veranstaltung in sich bündelt. Windegger hätt’ gern den Zucchero in Glurns. Man kann ja träumen. Michl Gamper lacht darüber, aber die Zusammenarbeit mit den Glurnsern sei super.
Mit großer Aufmerksamkeit wurden die Filme mitverfolgt. Der nicht zu knappe Applaus klingt nirgends so magisch wie in Glurns. Der Applaus erinnert an ein wunderbares Wasserplätschern - denn die Stadtmauern mit ihrer rauhen Oberfläche reflektieren und streuen den Schall in ganz besonderer Art und Weise.
Das Filmfestival hat - wie im vorigen Jahr - Simon Messner moderiert, charmant, bescheiden und mit viel Wissen über Orte und Schönheiten, über Sorgen und Nöte, über Freud und Leid der Protagonisten, der Kletterer, der Bergsteiger.
Das Bergfilmfestival beginnt mit einem Flug eines französischen Paragleiters, lustig, mit KI quer durch die Landschaften. Der zweite Film ist eben die Premiere in der Regie von Jürgen Gerstl mit großen Protagonisten in der Kletterszene. Im Kurzfilm „Appassionata“ begehen die bekannten Kletterer Simon Gietl und Alexander Huber eine Erstbegehung mit dem Schwierigkeitsgrad von IX+ am Heiligkreuzkofel. Es sei eine philosophische Abhandlung, kündigt Simon Messner den Film an. „Nimm deine Träume immer ernster als deine Zweifel“, war unter anderem im beeindruckenden Film zu hören. Simon Gietl ist selbst in Glurns anwesend und geht mit dem Kameramann Felix Raupbach auf die Bühne. In Alexander Huber, der sich von einer Operation erholt habe, habe er den richtigen Partner gefunden, sagt Gietl. „Appassionata“ nennt Gietl die neue Kletterroute, nach einer Klaviersonate von Beethoven. Im dritten Film befahren Tobias und Mark Holzknecht gemeinsam mit einer Kollegin aus Innsbruck eine Rinne, die sie „Inshallah“ nennen mit den Skiern. Der tödlich verunglückte Hansjörg Auer war Mentor von Tobias Holzknecht.
Beeindruckt hat der Film „Mein letzter Achttausender“ über Otto Huber, der seine an Demenz erkrankte Frau pflegt. Huber war ein Tausendasassa, Bergsteigen, Klettern, Kanufahrten, Bergsteigen in Wüstenregionen, im Himalaya - mit ebenso beeindruckenden Worten erzählt der 80-jährige Huber aus Vergangenheit und aus der Gegenwart. Der Geräuschpegel in Glurns ist gegen Null, das Publikum ist vom Film gefesselt.
Mit großartigen Bildern konnten Daniel Tschurtschenthaler und Jonas Seiwald in ihrem Film aufwarten. Gegenüber den Drei Zinnen sind sie auf einem verschneiten Bergplateau mit ihren Paragleitern gelandet, dort haben sie übernachtet und im Laufe des Tages und der Nacht unglaublich schöne Bilder machen können.
Den Abschluss bildete der Film „Fifty-Fifty“ über zwei 50-jährige Eisklettererinnen.
Umrahmt wurde das Festival von Bildern des Photographen Stefan Planck.
Nach Alvaro Soler und nach dem beschriebenen Bergfilmfestival steht die nächste Bewährungsprobe mit dem Konzert im Herbst an - mit der Münchener Freiheit, mit Bluatschink udnd mit der Opus Band & den Schick Sisters.
Beeindruckende Kulisse auf dem Festival-Gelände von Glurns