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Titel

Die vierte Dimension oder das letzte Puzzle

von Erwin Bernhart
Als das Vinschgauer Energiekonsortium (VEK) nach langer Visions-Durststrecke vor 10 Jahren operativ geworden ist und das Stromnetz von den Gemeinden im Konzessionswege zu verwalten und zu modernisieren begonnen hat, konnte sich noch niemand so recht vorstellen, wohin dieser Neustart führen wird. Nun ist das VEK bereit für eine neue Dimension.
veröfftl. am 17. Februar 2026

Wir fühlen uns berufen, den eingeschlagenen Weg der Energieversorgung im Vinschgau weiterzugehen. VEK-Geschäftsführer Alexander Telser und VEK-Obmann Andreas Tappeiner

Aus den ursprünglich 27 Gründungsmitgliedern sind mittlerweile 6.000 Genossenschaftsmitglieder geworden. Aus einem ursprünglich visionären und fast brotlosen Schattenkabinett sind mit Stand heute 30 qualifizierte Mitarbeiter geworden. Aus Null sind heute 12.000 Stromkunden und 4.000 Internetkunden geworden. Aus Null hat das Vinschgauer Energiekonsortium in den letzten 10 Jahren rund 10 Millionen Euro in die Stromnetze der Gemeinden Laas, Schluderns, Glurns, Taufers, Mals und Graun investiert.
Beeindruckend ist diese Entwicklung. Eine Erfolgsstory, die man sich vor 10 Jahren nicht erträumt hat. Zumal damals die Warnungen vor einem Fingerverbrennen vorgeherrscht haben. Zum Erfolg beigetragen haben die 6 Gemeinden im oberen Vinschgau. Denn die Gemeinden haben von der Edyna, der ehemaligen SELnet, 2015 die Stromnetze auf ihrem jeweiligen Gemeindegebiet gekauft. Mit erheblichem finanziellen Aufwand. Diese Stromnetze wurden dann dem VEK in einem Konzessionsvertrag zur Pflege und Bewirtschaftung überlassen. Damit konnte das Vinschgauer Energiekonsortium 2016 operativ starten. Die Gemeinden Schlanders und Latsch waren nicht dabei. Das VEK hat rasch mit der Strommarke VION die Stromlieferungen an Genossenschaftsmitglieder und an Kunden übernommen, hat das ehemalige ENEL-Netz Schritt für Schritt angepasst und dafür pro Jahr rund eine Million Euro investiert. Die Stromsicherheit hat sich verbessert, der Stromdienst ist lokal geworden, die Abwicklungen neuer Stromanschlüsse, die Zurverfügungstellung von Baustrom, von Strom für Feste und Veranstaltungen, die Anschlüsse von Photovoltaikanlagen gehen rasch und reibungslos über die Bühne. Jedenfalls reibungsloser als vor der VION-Zeit.
Das VEK hat sich diversifiziert, hat neben den Stromlieferungen, neben den ARERA-Meldungen usw. sich auch mit zunehmendem Erfolg als Internetprovider betätigt, hat die technische Betreuung von Kraftwerken übernommen, hat selbst in Kraftwerke investiert und ist zum Beispiel Miteigentümer am Kraftwerk Konfall in Schluderns.
Neben Know-How hat sich das VEK auch eine bestimmte ökonomische Potenz angeeignet. Man ist bereit für eine neue Dimension - oder anders gesagt, man ist bereit für den nächsten Schritt für die Verwirklichung der ursprünglichen Vision: Das VEK hat den Gemeinden Laas, Schluderns, Glurns, Taufers, Mals und Graun ein Kaufangebot für die Stromnetze gemacht.
Der VEK-Präsident Andreas Tappeiner drückt es so aus: „Wir sind in eine Zwittersituation geraten. Diese möchten wir bereinigen. Wir haben in die Stromnetze investiert und die neuen Invesitions-Abschnitte sind im Eigentum des VEK. Die Ursprungsnetze sind im Eigentum der Gemeinden. Durch einen Netzankauf können wir diese Situation bereinigen.“ „Die Frage ist“, so sagt es VEK-Geschäftsführer Alexander Telser, „ob die Bürger:innen und die Gemeindeverwalter mit den Diensten des VEK zufrieden sind. Daraus folgt dann, ob die Stromnetze verkauft werden sollen.“
s7 tbDie Pflege des Stromnetzes sei eine Dienstleistung, aber längst nicht mehr das Kerngeschäft des VEK. Allerdings sei es eine Frage der Identifikation, sagt Tappeiner. Denn als Eigentümer tue man sich erheblich leichter, entsprechend notwendige Investitionen zu tätigen.
„Der Verwaltungsrat des VEK hat sich zum Ziel gesetzt, die Stromnetze der 6 Gemeinden zu übernehmen“, sagt Andreas Tappeiner. Tappeiner ragt als ehemaliger Bürgermeister der Gemeinde Laas und als ehemaliger Präsident der Bezirksgemeinschaft Vinschgau aus jener legendären Vinschger Stromstreit-Zeit herüber. „Wir verspüren, dass in den Gemeinden das Thema Energie, das Thema Strom nicht mehr so gespürt wird wie damals“, sagt Tappeiner. Dass bei den neuen Gemeinderät:innen in Sachen Strom Aufklärungsbedarf herrsche, sagt auch Alexander Telser. Denn über einen möglichen Verkauf müssten sich die Gemeinderät:innen selbst ein Urteil bilden. Sollte das Stromnetz an das VEK übergehen, würde sich weder für die Gemeindeverwalter noch für die Bürger etwas ändern. Noch weiß man nicht ganz genau, wieviel die gesamte Operation kosten könnte. Dem damaligen Ankaufswert des jeweiligen Stromnetzes stünden die von ARERA tabellarisch genau festgehaltenen Abschreibungen gegenüber. Allerdings, darin sind sich Telser und Tappeiner einig, wäre der Ankauf bewältigbar, mit langfristigen Krediten und eventuell mit einem Teil Eigenkapital bezahl- und durch die laufenden Einnahmen stemmbar.
Das Ansinnen ist bei der Ratssitzung in Graun am 9. Februar an die Öffentlichkeit gelangt. Dort hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen, den Verkauf des Stromnetzes an den Gemeindeausschuss zu delegieren. Der Ausschuss solle alle Schritte und die Operation in die Wege leiten. Vorausgegangen ist eine informelle Sitzung mit VEK-Vertretern, Vertretern von der Energiegenossenschaft Oberland (EGO) und den Gemeinderäten. Es kann sein, dass das Prozedere bzw. der ganze Weg des Verkaufs - von der genauen Netzwertkalkulation, bis hin zur Feststellung der Investitionssummen der letzten 10 Jahre, bis hin zu einer Ausschreibung samt Veröffentlichung und letztlich der Kaufoperation am Beispiel der Gemeinde Graun durchexerziert wird und so als Blaupause für andere Gemeinden dienen kann.
Zeit ist genug einkalkuliert. Denn der Konzessionsvertrag der Gemeinden mit dem VEK läuft 2030 aus und müsste dann mittels einer öffentlichen Ausschreibung verlängert werden. Allerdings nur dann, wenn die Stromnetze noch im Eigentum der Gemeinden sind. Mit einem frühzeitigen Verkauf an das VEK würde dieses Risiko der Ausschreibung entfallen und der VEK hätte das letzte Visions-Puzzle einfahren können.