Richard Mazagg - Skilehrer im Winter Koch im Sommer

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 Als Ziegenhirte verdiente er sich sein erstes Paar Ski. Als Ziegenhirte verdiente er sich sein erstes Paar Ski.

Vor 54 Jahren meisterte der gelernte Koch Richard Mazagg (Jg. 1947) aus Trafoi am Monte Bondone die Skilehrerpüfung. Seither brachte er unzähligen kleinen und großen Skihasen die Schwünge im Schnee bei. In den Sommermonaten verwöhnte er Gäste mit kulinarischen Köstlichkeiten.

von Magdalena Dietl Sapelza

Dass er sich 1967 entschied, die Skilehrerausbildung in Angriff zu nehmen, habe er seinem Kollegen Walter Schwienbacher zu verdanken, erklärt Richard Mazagg. Mit Schwienbacher verband ihn seit Kindertagen eine herzliche Freundschaft, genauso wie die Skifahrerleidenschaft und der Einsatz im Skiclub Trafoi, der Weltklasse-Skifahrer wie Gustav und Roland Thöni hervorbrachte.
Die ersten Schwünge im Schnee zog Richard als Schulbub mit anderen Kindern hinter der Kirche von Trafoi. Dort befand sich ein Schlepplift. Auf dem Sessellift erreichte er bald auch die Pisten an der Furkelhütte. Als Gegenleistung für die Liftfahrten half er bei der Pistenpräparierung, die mit der s36 img724Kraft vieler Beine getätigt wurde „Miar hobm stundenlong ounrennan gmiaßt“, erklärt er. Richard war oft gezwungen beim Skifahren zu pausieren, denn er musste die Skier mit seinem älteren Cousin teilen. Erst nachdem sich Richard im Alter von 11 Jahren etwas Geld beim Ziegenhüten verdient hatte, kaufte er sich seine eigenen Skier für 18.000 Lire.
Mit 14 Jahre verließ Richard Trafoi und machte eine Kochlehre, zuerst in Hafling und dann im Försterbräu in Meran. Im Sommer arbeitete er dann regelmäßig als Koch , so in Lana, in Reschen und im Hotel Post Hirsch in Spondinig. Er führte auch die Furkelhütte und kochte auf der Berglhütte. Die Winterzeit verbrachte er als Skilehrer. Schmunzelnd erzählt er von der Skilehrerprüfung in italienischer Sprache. Um dieser bei der mündlichen Prüfung gerecht zu werden, habe er den Lehrstoff auswendig gelernt. Bei Zwischenfragen sei ihm dann der Faden verloren gegangen: „Norr hon i oanfoch wiedr fa vorn oungfongen“, lacht er. Mit dem Diplom in der Hand half er zuerst in Trafoi aus und wechselte dann zur Skischule Seiser Alm. Nach zwei Saisonen war er dort plötzlich mit zwei Skilehrer-Lagern in der Skischule konfrontiert. Die jüngeren Skilehrer hatten sich von den älteren getrennt. Richard wusste nicht, welcher Gruppe er sich anschließen sollte und quittierte den Dienst. Kurz darauf machte er Bekanntschaft mit dem Skischulleiter von Corvara, der ihn sofort verpflichtet. Mit einem Ultner Kollegen teilte er sich das Zimmer. In der Freizeit traf er sich mit Vinschgern, die dort in Hotels arbeiteten. Schnee lag in großen Mengen, unzählige Pistenkilometer standen zur Verfügung und der Wintertourismus boomte. „Corvara isch a ondere Welt gwesn, do hots koa Jännerloch gebm, wia pa inz in Trafoi“, meint er. Nach der Zeit in Corvara setzte Richard 1978 seine Skilehrertätigkeit in Sulden fort. Nach einem Jahr stand er dort vor derselben Situation wie einst auf der Seiser Alm. Denn auch die Skischule Sulden teilte sich in zwei Lager, in eine Gruppe der jungen und eine Gruppe der älteren Skilehrer. „Miar hot deis olz nit passt, unt norr bin i gongan“, meint Richard. Er verabschiedete sich, diesmal in Richtung Tarscher Alm. Dort setzte er sich bis zur Schließung des Skigebietes 2006 als Skilehrer und auch als Liftwart ein.
Längst ist Richard zur Skischule Trafoi zurückgekehrt, wo er bis heute tätig ist. Nun denkt er an den Abschied als Skilehrer: „Miar Olte miaßn aweck, iatz miaßn miar di Jungan zuilossn“, meint er.
Privat pflegt er seit seiner Zeit im Hotel Post Hirsch in Sponding eine Beziehung mit der drei Jahre jüngeren Partnerin Luzia Wilhalm. Sie war dort „Mädchen für alles“. Die Beiden lebten über viele Jahre hinweg teilweise in einer Fernbeziehung. Nach ihrer Pensionierung zog Luzia zu Richard nach Trafoi.
Nur noch eine Saison will Richard dem Skilehrerberuf nachgehen. Die Verantwortung für die Kinder in den Skikursen sei für ihn mittlerweile sehr belastend. „Ma muaß olm gonz guat schuagn, dass di Kloanen nix passiert“, betont er. Und das sei angesichts des veralteten Liftes in Trafoi nicht einfach.
Er wünscht sich, dass der Lift in Trafoi erneuert wird, damit das Skigebiet weiterhin eine Chance hat.
Bald wird sich Richard nur noch um die Schneeräumung vor seinem Haus und um die Räumung des Kirchweges kümmern. Und kümmern will er sich wie bisher um die Wallfahrtskirche zu den „Heiligen Drei Brunnen“.

 

Sieger beim Soalrennen
s38 724 2Der Skilehrer Richard Mazagg genoss den Skispaß nach Saisonende oft ganz privat. Legendär war seine Teilnahme 1970 am traditionellen „Soalrennen“ auf Meran 2000 mit Helga Thöni und Markus Westreicher. Mit einem 20 Meter langen Seil verbunden galt es gemeinsam den Riesentorlauf zu bewältigen. Während im Ziel schon die Sieger gefeiert wurden, ging das Vinschger Trio erst ins Rennen. Geschickt wanden sie sich um die Torstangen und fuhren zur Überraschung aller die schnellste Zeit.
Das „Soalrennen“ war immer eine Riesengaudi und mit viel Ski-Prominenz besetzt. Deshalb wurde für Fernsehausstrahlungen gefilmt. Mit dem Vinschger Trio hatten die Filmteams nicht gerechnet. Und so mussten die Drei ihre Fahrt noch einmal für die Kamera wiederholen, ehe sie feiern konnten. Richard gewann dieses Gaudi-Rennen insgesamt dreimal.

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