Vor 30 Jahren wurde der Latscher Menhir entdeckt

geschrieben von
 Die geheimisvollen Symbole am Latscher Menhir. Die geheimisvollen Symbole am Latscher Menhir.

Eine Sensation bahnte sich an, als im Sommer 1992 bei Restaurierungsarbeiten in der Kirche Unsere Liebe Frau auf dem Bühel, „Bichlkirche“ in Latsch eine marmorne Steinplatte entdeckt wurde.

von Peter Tscholl

Bei den Restaurierungsarbeiten wurde u.a. die barocke Holzverkleidung des gotischen Altars entfernt. Zum Vorschein kam eine Steinplatte aus Marmor. Gianni Bodini aus Schlanders war bei seiner Freilegung dabei. Er erzählt: „Es war im Juli 1992. Ich fuhr mit meinem Rad durch Latsch, vorbei an der Bichlkirche. Ich sah die Aufregung der Leute, die dort arbeiteten. Das machte mich neugierig und so ging ich in die Kirche um nachzusehen. Auf dem Altar lag ein besonderer Stein. Die Arbeiter sagten mir, dass Spezialisten aus Bozen schon verständigt seien und bald ankommen müssten. Ich aber war so aufgeregt, dass ich nicht warten wollte bis die Archäologen von Bozen kommen würden. Ich stieg auf den Altar und habe mit Hammer und Meisel die Marmorplatte von Mörtel und Kalk befreit. Ich wollte sehen, was dahinter war. Mir war sofort klar, dass es sich um eine s30 menh2Stele handelt. Ich hatte mich schon immer mit diesem Thema beschäftigt und bin viel in Europa herumgereist um Steine zu fotografieren. Bald kamen die Fachleute aus Bozen, darunter der Archäologe Hans Nothdurfter und die Archäologin Annaluisa Pedrotti aus Trient. Pedrotti ist eine Spezialistin auf dem Gebiet der Stelen. Eine Sensation bahnte sich an, für Latsch und den gesamten Vinschgau. Pedrotti wußte sofort, dass es sich hier um einen Stein aus der Kupfersteinzeit, um 3.000 vor Chr. handelt. Anhand der abgebildeten Beile, Typ Remedello konnte sie die Zeit bestimmen. Beinahe wäre der Stein nach Bozen gebracht worden aber die Latscher wehrten sich degegen und sorgten dafür, dass er in Latsch bleiben konnte. Sie waren sich der Bedeutung dieses Fundes bewußt und wollten dass der Stein im Dorf bleibt. Im Gebiet von Latsch wurden schon früher ähnliche Funde gemacht, so z.B. in den 60er Jahren ein weiterer Menhir, der heute als verschollen gilt.
Ein Bauunternehmer aus Schlanders erzählte mir einmal, dass er bei Bauarbeiten in den Auen in Latsch nahe der Etsch einmal ein Einmannboot, ein Boot aus einem einzigen großen Baumstamm gefunden hätte. Aus Sorge dass die Bauarbeiten eingestellt werden hat er den Fund nicht gemeldet und das Boot entsorgt. Auch bei Arbeiten an der Latscher Umfahrungsstraße wurden Reste einer Siedlung gefunden. Dass es sich beim Latscher Menhir um ein Heiligtum dieser Siedlung handeln könnte, ist zwar eine gewagte Hypothese aber nicht auszuschließen“.
Der Latscher Menhir ist für Gianni Bodini auf jeden Fall der schönste Stein im Vinschgau. „Obwohl schon 30 Jahre vergangen sind, fasziniert mich der Stein immer wieder. Die Nikolauskirche in Latsch, wo der Menhir heute aufbewahrt wird, ist für mich zu einer Art Pilgerstätte geworden, wo ich immer wieder gerne einkehre“ sagt er.

Sensazionale
Nell‘estate del 1992, durante i lavori di restauro della chiesa di Nostra Signora sul Bühel, la „Bichlkirche“ di Laces, è stata scoperta una lastra di marmo che ha fatto scalpore.
Durante i lavori di restauro sono stati rimossi, tra l‘altro, i rivestimenti lignei barocchi dell‘altare gotico. È stata rivelata una lastra di marmo. Gianni Bodini di Silandro era presente al momento del ritrovamento.

 

Seit 2017 ist die Ausstellung „Der Latscher Menhir“ in der Nikolauskirche beheimatet.

Öffnungszeiten: täglich von 9:00 bis 18:00 Uhr. Mehr Informationen unter www.menhir-latsch.it

Gelesen 46 mal

Schreibe einen Kommentar

Make sure you enter all the required information, indicated by an asterisk (*). HTML code is not allowed.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.