WIR SIND UNESCO Immaterielles Weltkulturerbe

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Wassern im Obervinschgau Wassern im Obervinschgau

Das "Wassern" auf der Malser Haide ist "UNESCO Immaterielles Weltkulturerbe". Gemeinsam mit 11 weiteren Gebieten mit Überflutungsbewässerung in Holland, Belgien, Luxenburg, Deutschland und der Schweiz.

von Erwin Bernhart

 

Der mittlere Teil der Malser Haide - vom Wetterkreuz im Norden bis hinunter zur Staatsstraße zwischen Mals und Burgeis - bleibt eine Besonderheit. Die Fläche von rund 400 Hektar Grünland wird über Waale bewässert, die Wiesen werden so überflutet. Diese Art der Bewässerung ist lebendig, notwendig und die Viehlandwirtschaft erhaltend. Diese Art der Bewässerung, das "Wiesenwassern" auf der Malser Haide, ist am 5. Dezember 2023 von der UNESCO-Vollversammlung in Botswana in die "Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit" aufgenommen worden. Ein Tag der Freude in Burgeis, in der Marktgemeinde Mals, im Heimatpflegeverein Mals und im Heimatpflegeverband Südtirol.

Am 24. und 25. Mai hat man in Burgeis mit internationaler Beteiligung zwei Tage lang diese Aufnahme in das Immaterielle Kulturerbe gefeiert.
Aber was bedeutet das?
Der Artikel 2 UNESCO Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes sagt: "Unter "immaterielles Kulturerbe" sind Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten - sowie die dazu gehörigen Instrumente, Objekte, Artefakte und kulturellen Räume - zu verstehen, die Gemeinschaften, Gruppen und gegebenfalls Einzelpersonen als Bestandteil ihres Kulturerbes ansehen."
Katharina Spanlang von der Nationalen österreichischen UNESCO-Kommission hat es in Burgeis so formuliert: "Es geht dabei nicht um das Konservieren, sondern um die Weitergabe. Die Techniken sollen für die Menschen sinnvoll bleiben und dadurch erhaltenswert sein. Es bliebt ein dynamischer, identitätsstiftender Prozess."
Alle Beteiligten, die die Eintragung in das UNESCO Immaterielle Weltkulturerbe vorangetrieben und begleitet haben, haben eine große Freude: Die Bauern, deren Bewässerungsarbeitsweise international sichtbar und damit anerkannt wird, die Natur- und Heimatschützer, die auf die Erhaltung der Artenvielfalt im Bereich Flora und Fauna und der Landschaft als wertvollen Kultur- und Naturraum hinweisen, die Touristiker, die das Label UNESCO in ihre Bewerbungsstrategien miteinbauen können.
Die Bauern, die im Langes und im Sommer viel Zeit in das notwendige "Wassern" investieren, bleiben durch diese Anerkennung von einer ungeliebten und in der Vergangenheit auch spaltenden Beregnungsdiskussion verschont, können sich auf ihre Wirtschaft konzentrieren und für die Jungbauern, die ihre Tiere und ihre Arbeit lieben, bestehen beste Zukunftsperspektiven.
Die in Burgeis ansässigen Bauern haben neben den von ihren Vorfahren aufgebauten Waalen - man sagt, dass diese mehr als 1000 Jahre alt sind - mit der Sennerei Burgeis zusätzlich eine unschätzbare Wirtschaftssäule. Als Burgeiser Sennereigenossenschaft in den 1950iger Jahren gegründet, genießen die Burgeiser Käsespezialitäten weit über die Grenzen Südtirols hinaus einen hervorragenden Ruf und sie sind im Geschmack unvergleichlich. Der Ruf und das erwirtschaftete Geld kommt den Burgeiser Bauern zugute. Ein beneidenswerter Kreislauf, der von der Bevölkerung im Vinschgau und darüber hinaus sehr geschätzt wird.
Die UNESCO-Anerkennung für das "Wiesenwassern" auf der Malser Haide hat das Potenzial, auf viele andere Waale im Vinschgau auszustrahlen, auch wenn das Waalwasser vielerorts in eine Beregnungsfassung mündet. Es lohnt sich jedenfalls, auf den begehbaren Waalwegen zu wandern.

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