Dienstag, 05 März 2019 09:26

Neubeginn ... die Bio-Dorfsennerei Prad

Artikel bewerten
(0 Stimmen)

s42 bio dorfsennereiDie Geschichte der Prader Dorfsennerei begann bereits um das Jahr 1904. Der innovative Gedanke der Genossenschaft, hatte bereits damals Fuß gefasst. Seit nun über hundert Jahren wird in Prad im gemeinschaftlichen Sinn Milch zu Käse verarbeitet. 2012 musste sie für kurze Zeit ihre Tore schließen, der Absatz konnte die Kosten nicht decken und es wurde nach neuen Möglichkeiten gesucht.

von Barbara Wopfner

Vor 1 Jahr ließ die Sennerei aufhorchen. Ein belgischer Investor, selbst Fachmann aus der Milchbranche begeisterte mit seiner Idee und baute auf das Fundament der Bio-Zertifizierung.

Er fand Bauern in den umliegenden Gemeinden die Ziegenmilch lieferten und zusätzlich kaufte er Kuhmilch aus Nauders an. Die Idee nahm Form an, es wurde investiert, Ställe umgebaut, auf Ziegenmilch umgestellt und Hoffnung brach auf. Im Herbst 2018 die Ernüchterung, der Investor stieg plötzlich aus und die Bauern standen vor unvollendeten Ideen. Ihre Ziegen gaben Milch, die nicht mehr abgenommen wurde. Es standen Existenzen auf dem Spiel, Grundlegendes musste geklärt werden. Die Bauern hingen mit ihrer Milch in der Luft, verkauften sie notgedrungen unter dem Preis an einen größeren Milchhof. Produktion und Vermarktung in den Händen einer einzigen Person, machte die Abhängigkeit und das damit verbundene Risiko deutlich. Die Bauern hatten die Wahl, aufgeben oder eine andere Lösung musste in möglichst kurzer Zeit her. Telefone liefen heiß, eine Krisensitzung folgte der anderen, Kontakte wurden genutzt und es entstand ein enormer Austausch über die eigenen Handlungsspielräume hinaus. Diese Krise, dieser Rückfall schweißte alle Betroffenen noch enger zusammen. Lokale Netzwerke wurden genutzt und plötzlich waren Ressourcen greifbar nahe.

Neuer Partner: „BGO“ Bürgergenossenschaft Obervinschgau
„DA“ - Die Bügergenossenschaft Obervinschgau verfolgt das Ziel der ökologisch und ökonomisch nachhaltigen Entwicklung des oberen Vinschgau.  Ihr Anliegen ist es Wirtschaft in der Region nachhaltig zu fördern und möchte Projekte diesbezüglich unterstützen. Die Bio-Dorfsennerei Prad verkörpert diese Philosophie in allen Bereichen und fand vor kurzem in ihr einen starken Partner, der die Bereiche Verwaltung, Verkauf und Marketing übernahm. Die Bauern werden mit März ihre erste Milch liefern können, welche von der Sennerin Elke Waldner verarbeitet wird. Elke war bereits Sennerin unter der belgischen Leitung, sie sieht das Potential der Bio-Feinkäserei und wird das Projekt weiterhin unterstützen. Bertram Stecher, selbst Ziegenbauer und Berater im Südtiroler Sennereiverband berät und unterstützt die Projektleitung.
Die Wertschöpfung soll in der Region bleiben und hier die Wirtschaft anregen, Homepage und Werbung werden von einer s44 bio dorfsennerei web 15obervinschgauer Agentur betreut; mit Käse beliefert werden vorwiegend Geschäfte und Lokale der Umgebung. Kleine lokale Kreisläufe sollen das Vertrauen zwischen Konsument und Produzenten stärken.
Die Bauern selbst sind mit Herzblut involviert. Ihr eigenes Ziel ist es, diesen geschlossenen Kreislauf in die Tierhaltung zu integrieren. Es wurde bereits mit dem Anbau des eigenen Kraftfutters begonnen und das Heu kommt von den eigenen Wiesen. Dadurch sinkt zwar der Fettgehalt in der Milch, doch keiner der Bauern möchte Hochleistungsziegen in seinem Stall. Die „Weibelen“, wie sie Bauer David liebevoll nennt, dürfen ihre Melkpause im Winter genießen, sie bringen ihre Kitzlein auf die Welt  und brauchen in den ersten Monaten die Milch für sie, dadurch sind sie resistenter und langlebiger. Denn der natürliche Rhythmus der Ziege soll nicht mit Tricks umgangen werden. Derzeit umsorgen drei Bauern aus Prad und Stilfs ca. 250 Ziegen mit denen sie heuer ungefähr 15.000kg Bio-Käse produzieren möchten.

„Auf dem Milchmarkt wartet niemand auf noch eine Sennerei, um bestehen zu können brauchen wir ein qualitatives hochwertiges Produkt, das eine Geschichte erzählen kann.“


„Crowdfunding“- der Käse-Vorverkauf - eine neue Form der betrieblichen Finanzierung
Die Prader Dorfsennerei steht wieder am Anfang, mit einer Vision und einem Ziel, jedoch sind finanzielle Mittel knapp. „Crowdfunding“ ist eine relativ junge Idee der Finanzierungsbeschaffung, die im zweiten Schritt mit einer Gegenleistung beglichen wird. Somit kann den Bauern von Beginn an garantiert werden, dass ihre Milch bezahlt wird, obwohl noch keine Käse gereift ist.
So funktioniert der Vorverkauf: Es kann ein von Betrag von 200€ bezahlt werden , dafür erhält man Gutscheine, sogenannte „Proder“. (1 Proder = 200g Käse) Diese können im Laufe des Jahres in Käse, aber auch in alle anderen Produkte der „BGO“ wie Setzlinge, Obst, Gemüse, Beeren, Getreide und Eier eingetauscht werden.
Die Gutscheine können in der Sennerei selbst, auf den Marktständen der BGO in Mals, Schlanders, Meran und Landeck eingetauscht werden. Zudem unterstützen Partnerbetriebe die Aktion: Im Hotel Greif und im Bio Hotel Panorama in Mals können die „Proder“ gegen Kost und Logis eingetauscht werden, bei Naturalia in Meran und Bozen sowie im Weltladen in Lastch gegen Ziegkäse.


Alle weiteren Informationen zum Vorverkauf gibt es unter www.bio-dorfsennerei.it oder unter Tel: +39 340 5468830.

Verkaufspunkte

Verkauf in der Sennerei
Bauernladen Mals
Despar Dietl Mals
Warenhaus Weirather Mals
Despar Pinggera Prad/Schluderns
Bioladen Holzer Prad/Schlanders
Metzgerei Leggeri Schlanders
Despar Rungg Prad
Despar Kofler Latsch
Weltladen Latsch
Despar Gstrein Kastelbell
Lebensmittel Unterthurner Naturns

{jcomments on}


Warning: count(): Parameter must be an array or an object that implements Countable in /www/htdocs/w00fb819/vinschgerwind.it/templates/purity_iii/html/com_k2/templates/default/item.php on line 248
Gelesen 3011 mal

Schreibe einen Kommentar

Make sure you enter all the required information, indicated by an asterisk (*). HTML code is not allowed.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.