Mittwoch, 26 Juli 2017 09:26

Nationalpark Stilfserjoch - Felsspaltenflora Chasmophyten als Relikt-Endemiten

Artikel bewerten
(0 Stimmen)

DSC 0983Wolfgang Platter, an Jakobi, 25. Juli 2017

In schmalen Felsspalten und –fugen herrschen besonders extreme Standortbedingungen. Die pflanzlichen Bewohner dieser Nischenlebensräume sind  mit besonderen anatomischen, morphologischen und physiologischen Adaptierungen an den Extremstandort angepasst.

Felsspaltenpflanzen  werden in der botanischen Fachsprache  als Chasmophyten (von griechisch chasma, chasmo klaffende Öffnung, Schlund, Rachen und griechisch phyton Pflanze) bezeichnet. In den Felsspalten sind Humusvorrat, Wurzelraum und Wasservorrat begrenzt. Es herrscht eine starke Wurzelkonkurrenz. In Südexposition wirkt starke Sonneneinstrahlung außerdem austrocknend. Felsspaltenstandorte sind im Laufe des Tages großen Temperaturschwankungen ausgesetzt. Der Wasserhaushalt ihrer pflanzlichen Bewohner muss dadurch Stresssituationen meistern. Die Felspalten entstehen vor allem durch das in den Fels eindringende und unter Volumsausdehnung  gefrierende Wasser. Der Spaltenfrost verstärkt die Ablösung von Gestein und es entstehen dort sehr oft nicht nur kleine Terrassen, sondern rein durch die Ablösung oder dann auch durch die Wirkung des gefrierenden Wassers kleinere und größere Spalten.

Mauerfugen
DSC 1005Ähnliche Bedingungen wie in Felsspalten sind auch an Mauern gegeben. Mauern als Sekundärstandorte werden daher wie Felsspalten auch von einigen ausbreitungsstarken Arten  besiedelt, so z.B. von der Mauerraute (Streifenfarn, Asplenium ruta muraria) als Sporenpflanze.

Relikt – Endemismus
Viele Felsspaltenpflanzen sind zugleich Reliktarten und Endemiten. Mit Endemiten bezeichnet man Arten mit einem lokalen, räumlich begrenzten Verbreitungsgebiet. Der Gegenbegriff Kosmopolit bezeichnet hingegen eine Pflanzen- oder Tierart mit großflächiger bis weltweiter Verbreitung. Voraussetzung für Relikt-Endemiten der Felsenflora sind Wuchsstandorte an ausgedehnten an ausgedehnten Felspartien, die auch seitlich nicht von Stauden oder Gehölzen überwachsen werden können. An solchen Steinwänden etwa in Flusstälern, Bachschluchten oder an Gebirgsrändern dürften über Jahrtausende konstante Standortbedingungen geherrscht haben. Wegen dieser historischen und ökologischen Sonderkonditionen an Felsspalten waren die Auslese und das Überleben vieler heute isoliert stehenden und endemisch vorkommenden Arten von Felsspaltenpflanzen möglich. Ein aufmerksames Hinsehen auf Felsspalten und ihre oftmals spezielle Florenausstattung ist daher für den botanisch Interessierten immer lohnend.

DSC 3750

DSC 1007

DSC 1216

{jcomments on}

Gelesen 2231 mal

Schreibe einen Kommentar

Make sure you enter all the required information, indicated by an asterisk (*). HTML code is not allowed.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok