Dienstag, 23 Juli 2013 09:06

Gefühl und Verstand austrixen

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s17 DSC 85517954Glück, sagt der Langtauferer Künstler Gabriel Plangger, könne man nicht greifbar machen.
Man könne es nur kurzfristig erfahren. Plangger ist ein Beweglicher – im Sport und in der Kunst.

von Andreas Waldner

Ich treffe mich mit Gabriel Plangger auf dem Loretthof zu einem Gespräch. Dort schaut man auf die Ötztaler Dreitausender nicht hinauf, sondern hinüber.
Er ist gerade dabei, das kleine  Info-Point-Modell des Reschenseelaufes mit einer kräftigen Farbbetonung zu versehen. Farben seien das humorvolle Element, das die Schwere vom schönen Material Marmor, Inox und Zirmholz nimmt. Der Künstler will, dass die Siegerehrentafel des Reschenseelaufes nicht als Denkmal, sondern als Info-Point gesehen werde.


Plangger ist gerne Mitglied beim Rennerclub Vinschgau. Dort liegt das Augenmerk auf den Hobbyläufern, auf dem Laufen an sich, auf der Freude an Bewegung, an dem „sich vom Fleck Rühren“. Darin sieht er auch den außerordentlich großen Erfolg des Reschenseelaufes. Er trainiert bereits für den Lauf 2013 und möchte ihn unter 2 Stunden schaffen.
Nach Abschluss der HTL für Kunsthandwerk und Bildhauerei in Innsbruck und nach 3-jähriger Praxis in der Stuckrestauration schmiss Plangger mit 24 Jahren alles hin. Seine Vorliebe galt dem Sport, vor allem dem Skispringen. Er begab sich 1986 nach Toblach zum einzigen Sprungzentrum in Südtirol. Dort war er drei Jahre lang Skisprungtrainer.
Auf Drängen der Familie, die weiterhin in Zams wohnt, übernimmt Plangger den verlassenen elterlichen Hof in Langtaufers. Das ist nicht sein Wunschtraum. Er tut es dem Vater zu liebe. Aber die Freiheit für die Kunst ist gekommen, ja noch mehr, etwas, was vorher nicht vorhanden war. Über die Bachsteinköpfe ist Plangger wieder in das Künstlerische hineingekommen. Der heute 52-Jährige ist selber gespannt, wie er sich in den nächsten 40 Jahren noch entwickeln wird. Er hofft, dass er gesund bleibt. Dazu dient eben auch das Sportliche. Er gibt zu, dass er oft weniger und oft mehr tut. Er spielt Fußball beim FC-Oberland und hat anfangs die Langtauferer Kinder trainiert. Für ihn ist das Schöne: das Läuferische, das Lustige, das Dynamische, das Bewegende. Elemente die bei ihm komplett von innen nach außen kommen.
„Glück2, sagt Plangger, „kann man nicht greifbar machen. Man kann es nur kurzfristig erfahren.“ Er spricht von seinem inspirativen Glück, wodurch er zur Malerei gekommen ist. Die Ideen liefern das markante Wettergefälle, der Sonnenschein, der Regen, der Schnee. Am Tag davor ist alles grün, am Tag danach beim Aufstehen ist alles weiß und am Nachmittag ist alles wieder grün. Oft ist es zu warm, oft ist es zu kalt. Wenn es unter 20 Grad hat, und der Schnee unter den Schuhen knirscht, hat man in Langtaufers eine andere Bewegungsdynamik. Es ist ein Teil, es ist ein Riechen vom Glücklich sein. Vermutlich kann ein Künstler das alles besser verwerten als andere Menschen. Wenn einem normalen Menschen vor lauter Kälte die „Tazzen“ abfrieren, kann er nicht verstehen, dass ein Künstler da von Glück redet. Glück kann auch sein, ein bildhauerisches Werk zu machen und wenn es gelingt, ein Bild in ein Konzept zu fassen. Permanent glücklich ist Plangger beim Laufen.
Gefühl und Verstand muss man in der Kunst versuchen, gegenseitig auszutrixen, indem man versucht, beide in einer künstlerischen Darstellung hineinzubringen. Wenn man nur mit Verstand malt, etwas macht oder konstruiert, dann kann das sehr fad sein. Wenn man nur nach Gefühl arbeitet, dann überwältigt einem die Emotion und das Werk wird kaotisch. Daher muss man versuchen, Verstand und Gefühl in Einklang zu bringen.
Kunst ist im Prinzip das Verstehen oder Wollen, an sich zu arbeiten, sich mit künstlerischen Darstellungen zu beschäftigen. Kunst ist geistige Evolution. Kunst löst einen Prozess aus. Plangger wünscht sich, dass sich die Leute mehr Zeit nehmen, um Kunst zu verstehen und lernen, sich mit Denkdynamiken zu beschäftigen. Sich mit Kunst zu beschäftigen, ist eine Veredelung des Geistes.
Beim Abschied frage ich den Künstler, was sein interessantestes Werk ist. Er blickt mich mit großen Augen an, ohne den Kopf zu verdrehen und deutet mit seinem rechten Zeigefinger an seine Stirn und sagt: „Die interessantesten Werke sind da im Kopf drinnen und drängen sich nach vorne. Die sind noch nicht geboren. Vorbereitet sind diese Acrylgeschichten, so Landschaften, die in der nahen Zukunft eine Geschichte erzählen und einiges transportieren werden. In Zukunft kommen sicher mehr Figuren. Das figurale vom Bildhauer möchte ich gerne in das Bild transportieren.“

 

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