Dienstag, 19 November 2013 09:06

„... af an guatn Obst kimps draufoun.“

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s17 0274Tarsch - Der gebürtige Tarscher Richard Kuppelwieser begann mit einem leidenschaftlichen Interesse und machte mehr daraus: die eigene Hausbrennerei.

von Sylvia Illmer Wieser

Richard Kuppelwieser wurde am 29. November 1949 in Tarsch geboren. Als gelernter Metzger verstand er sein Handwerk. Später war Richard bei der Aufforstung Vinschgau angestellt.

Gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth führen sie zudem eine kleine Pension in Tarsch. Sie schenkten zwei Söhnen das Licht der Welt. Ab dem Zeitpunkt seiner Pensionierung 2004 konnte sich Richard nun dem Schnapsbrennen widmen. Einige glückliche Umstände erleichterten bzw. ermöglichten ihm den Einstieg. Zum einen bekam Richard die Gelegenheit ein Grundstück in Morter zu pachten. Dort konnte er nun die Obstsorten anbauen, aus denen er den hochwertigen Schnaps gewinnt. „Mir hobm Marillen, Zwetschgen, Palabiirn, Williams, Gute Luise, Himbeeren und einiges mear, af an guatn Obst kimps draufoun“, erzählt Richard, „und sem hobm mir Vinschger bsundrs Glück kopp“. Weiters erklärt er, dass dies an den schönen Hanglagen und einem besonderen Klima liegt. So benennt er seinen Obsteler auch als Vinschger Obsteler, um die besondere Qualität der Vinschger Obstbrände zu unterstreichen. Ein kleiner Weingart, den er in Goldrain bewirtschaftet, erweitert noch sein Repertoir. So reicht sein Sortiment vom Traubenbrand bis hin zum Grappa, verschiedene Obstbrände, vor allem Marille, Zwetschgen und Birne, sowie die ausgefalleneren Sorten wie Grappa Kräuter oder Birnen Anis. Auch Liköre z.B. Himbeere führt Richard in seinem Sortiment. Zum anderen guten Umstand zählt er den damaligen Kontakt zu Herrn Mair vom Landwirtschaftsinspektorat, der ihm beim Start behilflich und einiges in die Wege leiten konnte. Einige Investitionen und viel Bürokratisches waren nun erforderlich. Mit einem Brennkessel, der natürlich das Schmuckstück darstellt war es nicht getan. Gesundheitsamtliche Auflagen gilt es zu befolgen, einige Lagerräume bzw. Räumlichkeiten sind von nöten, welche wiederum den sanitär-hygienischen Bedingungen entsprechen müssen und somit vom Gesundheitsamt kontrolliert werden. Es braucht eine Arbeitsgenehmigung und die Anmeldung beim Zollamt wird fällig. Dieses versieht den Kessel mit einer „Blombe“ und berechnet die Alkoholsteuer. “Dr Kessl keart uan und a wiedr nit“, wie Richard es ausdrückt. Aber er beklagt sich nicht, er ist zufrieden, es hat ihm nie jemand Steine in den Weg gelegt.

Im Gegenteil, meint Richard, in Südtirol werde sehr vieles angeboten im Bereich der Schnapsbrennerei.  Z.B. zur laufenden Fort.- und Weiterbildung. Auch zum Beginn waren verschiedene Kurse notwendig, wo es gute Möglichkeiten gab. Außerdem gibt es den Südtiroler Schnapsbrennerverein, dem er beitreten konnte. Dann erzählt Richard von einigen Gegengesätzen zu früher und heute.

Einiges hat sich geändert, vieles weiterentwickelt. Somit entwickelte sich das Schnapsbrennen vom „Mittel zum Zweck“ damals, zu einer waren Kunst heute. Während man früher sagte, zum Schnapsbrennen ist alles gut genug, ist dies heute genau umgekehrt. Auf besonders gute Qualität des Obstes wird geachtet, eine gute Reife ist dabei ausschlaggebend. Auch der Spruch, dass der Schnaps je älter desto besser sei, trifft heute nicht mehr zu. Dies bezieht sich nur auf die schlechtere Verarbeitung von damals, heute setzt man auf Frische, damit diese nicht verloren geht. Auch während früher einfach schnell vorangegangen wurde, weiß man heute, dass bei Feinbränden besonders langsam gearbeitet werden muss. Wobei es sehr wichtig ist, den Vorlauf und den Nachlauf abzutrennen. Nur der sogenannte Mittelschnaps wird verwendet. Allgemein gab es im Laufe der Zeit hohe Qualitätsverbesserungen, meint Richard. Dies liegt eben vor allem daran, dass heute auf gutes, sauberes Obst Wert gelegt wird, aber auch an den besseren Bedingungen, neuen Geräten und nicht zuletzt den guten Fortbildungen. Wobei Richard natürlich auch auf langjährige und spezielle Erfahrungen setzt: „Jedes Gerät muaß man mit dr Zeit erst kennenlernen, jedr Brennkessl hot seine Eigenheiten und funktioniert a bißl ondrst. Und oune a gschualtr Nos wearts holt a schwierig.“ Richard spricht von einer guten Abschmeckung. Davon fehlt es ihm wohl nicht. Mehrere Auszeichnungen und Zertifikate haben dies bereits bewiesen. Auch seine Abnehmer wissen die gute Qualität zu schätzen. So zählt er verschiedene Hotels und Buschenschänke bereits zu seinen Stammkunden. Auf Märkten wie z.B. dem Glurnser Weihnachtsmarkt hat er seinen fixen Platz. Aber  auch die Mundwerbung hat einiges zum Absatz beigetragen. Qualität spricht sich eben herum. Und eines ist Richard noch besonders wichtig zu erwähnen.

Dies alles wäre ihm nie ermöglicht, hätte ihn seine Familie nicht immer tatkräftig unterstützt. Neben den bürokratischen Arbeiten, die allesamt seine Frau Elisabeth erledigt, fallen auf sie das Etikettieren, Abfüllen und vieles mehr.Vom Anbau bis zur Ernte, bis hin zum fertigen Produkt liegt ein arbeitsreicher Weg. Auch die Söhne und die Schwiegertochter sind ständig im Einsatz. Ganz besonders freut sich Richard über die Mithilfe seiner Enkelkinder Miriam und Lukas.

 

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