Dienstag, 19 November 2013 09:06

Parkinson, eine Alterskrankheit, die Menschen langsamer macht

Artikel bewerten
(0 Stimmen)

s7 Ali1Ende November wird es in ganz Italien Treffen und Aktionen zum Thema Parkinson geben. Deshalb organisiert die Parkinson Selbsthilfegruppe Vinschgau, die es seit einem Jahr gibt, am 25. November  Vorträge mit Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch in der Bibliothek Schlandersburg.
Der Vinschgerwind  nimmt dies zum Anlass, um über eine Krankheit zu informieren, von der auch viele Vinschger betroffen sind.

von Heinrich Zoderer

Konrad Hofer aus Prad ist 66 Jahre alt. Im Gasthaus Montana sitzt er mir gegenüber und erzählt mit kräftiger Stimme über eine Stunde aus seinem Leben.

Er hat große Schicksalsschläge erlebt. Sein Sohn ist bei einem Unfall gestorben, er hat Krebs, ist Diabetiker und er hat Parkinson. Und er hat große Lust zu leben und ein normales Leben zu führen. Er fährt mit dem Auto –auch mit LKW-, er spielt Tennis, geht schwimmen, macht Bergtouren und war letzten Winter mehr als 30 Mal snowboarden. Er hat immer Tabletten und Spritzen dabei und weiß, dass er die Medikamente regelmäßig und zum richtigen Zeitpunkt nehmen muss.
Auch er hat depressive Phasen, aber seit er gelernt hat, seine Krankheit zu akzeptieren und das Beste aus seinem Leben zu machen, hat sich sein Lebensmut noch verstärkt. Er lacht und erzählt sehr offen, wie ihm vor 11 Jahren im Krankenhaus die Diagnose Krebs mitgeteilt wurde. Das war ein Hammer. Seine Lebensgefährtin und seine Kinder waren und sind ihm Stütze. Das Umfeld und die Familie sind wichtig, sie fangen auf und tragen.
s7 002Vor sechs Jahren beim Snowboarden hat er es zum ersten Mal gemerkt. Die rechte Hand zitterte, er war nicht mehr imstande die Bindung zu schließen. Es hat aber lange gedauert, bis die Diagnose Parkinson fest stand. Und er hat nicht gewusst, was Parkinson ist. Zuerst hat er das Medikament L-Dopa eingenommen, das die meisten Parkinsonpatienten einnehmen. Bei Konrad zeigte es aber keine Wirkung. Dr. Peter Pramstaller aus Bozen hat ihm dann ein anderes Medikament verschrieben: Madopar. Er muss es drei Mal am Tag nehmen. So kann er ein völlig normales Leben führen. Nur in der Nacht hat er manchmal Alpträume und schlägt um sich, ohne es zu merken. Das ist eine der Nebenwirkungen.
Das größte Problem ist, so meint Konrad, dass die Betroffenen die Krankheit verstecken, unterdrücken und vertuschen und sich verkriechen. Dabei gibt es heute gute Möglichkeiten, gute Medikamente und einfache Übungen mit großer Wirkung, wenn die Menschen an sich arbeiten und die Krankheit akzeptieren. Konrad Hofer hat sich nicht versteckt. Er war auch heuer bei der Parkinson Gesundheits- und Erholungswoche im Schloss Goldrain Ende September. Betroffene und Angehörige aus ganz Südtirol trafen sich, es gab Wassergymnastik, Atemübungen, Stimmübungen, Training der Feinmotorik, Lockerungsübungen, Bewegungsspiele, Gruppentänze, Spaziergänge und Ausflüge. Es gab Massagen, psychologische und pflegerische Beratungsgespräche.

Bei der Erholungswoche 2012 wurde auch der Grundstein zur Gründung einer Selbsthilfegruppe in Vinschgau gelegt. Am 5. Oktober 2012 wurde dann die Parkinson Selbsthilfegruppe Vinschgau gegründet. Anwesend war dabei auch Alessandra Zendron, die Präsidentin der Südtiroler Parkinson-Gesellschaft. Seit dieser Zeit trifft man sich monatlich am ersten Freitag im Monat in der Pilserstube im Haus der Bezirksgemeinschaft in s7 gratl peerSchlanders. Wie Evelyn Peer und Andrea Gratl, die beiden Leiterinnen der Vinschgauer Selbsthilfegruppe berichten, treffen sich jeweils acht bis zehn Personen, hauptsächlich Betroffene, aber auch Angehörige und zwei Betroffene werden immer von ihren Pflegerinnen begleitet. Konrad Hofer ist auch dabei. Er hat nur mit drei oder vier Teilnehmern gerechnet und ist sehr erfreut, dass es mehr Interesse gibt. Man trifft sich zu einem gemütlichen Beisammensein,  Erfahrungen und Tipps werden ausgetauscht, man erfährt über die Angebote der Parkinsongesellschaft,  die Zeitschrift „Parkinson aktuell“,  es wird Karten gespielt und man trifft  sich einfach zum „Huangertn“. Im letzten Jahr wurde recht erfolgreich das Gesundheitsturnen mit einer Physiotherapeutin in Kortsch durchgeführt, dieses Jahr gibt es bis Ende Dezember Wassergymnastik und Schwimmen im Hallenschwimmbad in Mals. Es ist nicht immer einfach, es gibt ein ständiges auf und ab, es braucht oft auch viel Zeit, bis die Medikamente richtig eingestellt sind, aber es bringt allen sehr viel, meinen die Psychologin Evelyn Peer und die Logopädin Andrea Gratl.

Hansjörg Gluderer, der Hausarzt aus Schlanders, der die Selbsthilfegruppe seit der Gründung begleitet, erklärt, dass Parkinson eine Nervenkrankheit ist, von der hauptsächlich ältere Menschen betroffen sind. Früher wurde die Krankheit auch Schüttelkrankheit oder Schüttellähmung genannt, weil das Zittern, der Tremor, ein unkontrolliertes Schütteln an Armen und Kopf eines der auffälligsten Merkmale ist. Eine Muskelsteifheit (Rigor), ein schlurfender Gang, eine verlangsamte Sprechweise und eine gebeugte s56 021Körperhaltung sind weitere Kennzeichen. Aber nicht jeder Parkinsonpatient zeigt alle Merkmale. Verursacht werden die Symptome,  weil ein wichtiger Botenstoff, das Dopamin fehlt. Die Medikamente sollen das Dopamin ersetzen bzw. dem Gehirn vortäuschen, dass es ausgeschüttet wird. Neben regelmäßigem Einnehmen der Medikamente ist aber auch die Rehabilitation sehr wichtig. Physiotherapie, Ergotherapie und Logotherapie können sehr viel bewirken.
Für Gluderer ist es wichtig, dass Menschen mit den genannten Symptomen sich bei Unsicherheiten beim Hausarzt melden, um die Diagnose abzuklären. Es muss nicht immer Parkinson sein. Für Parkinson Patienten ist es dann wichtig eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen und sich nicht zu verkriechen. Parkinson ist zwar nach heutigem Stand der Wissenschaft nicht heilbar, aber der Verlauf kann durch Medikamente verlangsamt werden und viele können, so wie Konrad Hofer, ein völlig normales Leben führen.  Von der Umgebung ist vor allem Geduld gefordert, meint Gluderer. Ein Parkinsonpatient redet oft langsamer, er geht und bewegt sich langsamer, er ist aber meistens geistig vollkommen fit.

Wenige wissen, dass es viele bekannte Persönlichkeiten gibt, die Parkinson hatten oder immer noch mit der Krankheit leben:  die Künstler Leonardo da Vinci und Salvador Dali, Papst Johannes Paul II, der frühere s7 Foxösterreichische Außenminister Alois Mock, der legendäre Boxweltmeister Muhammad Ali alias Cassius Clay, der US-amerikanische Schauspieler Michael J. Fox, der Kabarettist Ottfried Fischer, der frühere Fußballtrainer Udo Lattek. Der bekannteste Südtiroler mit einer besonders heimtückischen Form von Parkinson ist sicher der Altbischof Karl Golser.

 

 

Wichtige Informationen:

 

Südtiroler Gesellschaft für Parkinson
Galileo-Galilei-Straße 4a  39100 Bozen
Tel: +39 0471 931 888  
Fax +39 0471 513 246  
info@parkinson.bz.it
http://www.parkinson.bz.it

 

s7 parkinson suedt logSelbsthilfegruppe Vinschgau:
Evelyn Peer 3482829109
Andrea Gratl 3494796255
Treffen in Schlanders: jeden ersten Freitag im Monat ab 15 Uhr in der Pilserstube im Haus der Bezirksgemeinschaft in Schlanders

 

Vortrag für Betroffene, Angehörige und Interessierte zum Thema:
Leben mit Parkinson am Montag, den 25. November um 19:00 in der Bibliothek Schlandersburg
Referenten: Dr. Hansjörg Gluderer und Dr. Patrick Kaplan

 

Weltweit gibt es 2 Millionen Betroffene, 280.000 in Deutschland und rund 2.000 in Südtirol

 

Der Welt-Parkinson-Tag ist am 11. April, dem Geburtstag des englischen Arztes James Parkinson.

 

s7 parkinson logoFür die Krankheit Parkinson gibt es ein weltweites einheitliches Symbol: eine rote Tulpe.

Gelesen 817 mal
Mehr in dieser Kategorie: « Einwanderung Crosslauf der Schüler »

Schreibe einen Kommentar

Make sure you enter all the required information, indicated by an asterisk (*). HTML code is not allowed.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok