Dienstag, 21 Januar 2014 00:00

Gesunde Zähne - Vorsorge ist A und O

Artikel bewerten
(0 Stimmen)

s30 45262129 MDie Zähne in Zahlen. Sind alle Weisheitszähne vorhanden, umfasst das Gebiss des Erwachsenen insgesamt 32 Zähne. Schwerstarbeit müssen diese täglich leisten: Berge von Nahrungsmitteln zerkleinern, Säuren standhalten und Attacken von Krankheitserregern abwehren. Die Kräfte, die ein Zahn aushalten muss, liegen zwischen 150 und 800 Newton, das entspricht einem Gewicht von 15 bis 80 Kilogramm. Speicheldrüsen geben ihren Saft dazu - im Lauf eines Tages bilden die Drüsen durchschnittlich etwa einen Liter Speichel. Und ganz nebenbei sind die Zähne umgeben von rund 50 Milliarden Bakterien, die in der Mundhöhle des Menschen wohnen.

 

Zahn ist nicht gleich Zahn. Zähne haben unterschiedliche Aufgaben: Zahn ist nicht gleich Zahn. Jeder hat eine spezielle Funktion und eine entsprechende Form. Schneidezähne ähneln einer Schere und trennen die Nahrung ab. Die spitzen Eckzähne halten einen Bissen fest und helfen beim Abbeißen zäher Speisen; sie haben extra lange, starke Wurzeln. Die vorderen kleinen Backenzähne halten die Nahrung fest und zerkleinern sie grob; die hinteren großen Backenzähne hingegen zermahlen die Nahrung vollständig. Sie haben den größten Druck auszuhalten und sind durch mehrere Wurzeläste verankert.
 Diese Zähne haben deshalb große Kauflächen mit mehreren Höckern. Am Ende der Zahnreihen liegen normalerweise die Weisheitszähne.

Wussten Sie, dass ...

Zähne putzen bis zum 19. Jahrhundert
reine Frauensache war?
Im Mittelalter wurde der Zahnschmerz als gottgewollte Prüfung angesehen. Wenn Männer zur Zahnbürste griffen, galt das im 18. Jahrhundert als dekadent. Erst im Verlauf des 19. Jahrhunderts fand die Zahnhygiene ihren festen Platz in der Körperpflege.


Zähne das Härteste sind, was unser Körper
zu bieten hat?
Wenn Archäologen graben, dann stoßen sie oft auf Zähne. Selbst, wenn die meisten Skelettteile bereits zu Staub zerfallen sind, finden sich häufig noch Teile der Zähne. Das liegt daran, dass sie aus besonderem „Holz“ geschnitzt sind. Es ist der harte Zahnschmelz, der den innen liegenden weichen Zahnteil schützt. Dieser Schutz ist allerdings endlich. Denn gehen zu viele Fluoride verloren, werden sie durch Säuren ausgespült und durch Zucker attackiert, tun sich Löcher im Schmelz auf, an denen Kariesbakterien dann leicht andocken können, um ihr Werk zu verrichten.
(Quelle: RP-Online)

 

Karies & Parodontose. Natürliche Zähne sind entsprechend gut gebaut. Und doch sind sie verletzlich. „Wir sind am meisten mit Karies und mit Parodontose konfrontiert“, erklärt Zahnarzt Artur Defatsch von der gleichnamigen Zahnarztpraxis in Naturns. Für Karies verantwortlich sind Bakterien, die Säuren im Mund bilden. Diese Säuren wiederum zerbröckeln den Zahnschmelz, indem sie Mineralien herauslösen. Der Zahn bekommt ein Loch. „Dass allein Bakterien verantwortlich sind, stimmt so nicht“, entgegnet Defatsch. In einer Mundhöhle wohnen Millionen von Bakterien. „Man hat noch nie herausgefunden, welche Bakterienart genau für Karies verantwortlich ist. Karies ist vielmehr multifaktoriell“, ist Defatsch überzeugt. Einer dieser Multifaktoren ist die Ernährung. Eine gesunde Ernährung ist wesentlich für den Zustand der Zähne. Herbert Müller, Zahnarzt in Schlanders meint: „Gesunde Ernährung, konsistente Kost mit Obst, Gemüse und Vollkornprodukten ist für gesunde Zähne enorm wichtig“. Genau diese festen Lebensmittel wie Vollkornbrot, Obst oder rohes Gemüse sind – ganz nebenbei - durch das intensive Kauen, die sie beim Verzehr erfordern, Gymnastik für das Zahnbett. Zum Zweiten sollte Zucker vermieden und Süßes maßvoll genascht werden. Das ist hinlänglich bekannt. Florian Spitzer, Zahnarzt auf St. Valentin a.d.H. appelliert an Mütter und werdende Mütter: „Ein Säugling kennt keinen Zucker, demnach hat er auch kein Verlangen nach zuckerhaltigen Speisen und Getränken. Ist er allerdings mit Zucker verwöhnt worden, wird er immer wieder danach verlangen.“ Nur Wasser zum Trinken geben und keinen Zucker oder  Honig ins Essen mischen, lautet Spitzers Rat. „Herbert Müller: „Vor allem sollte auf süße Zwischenmahlzeiten verzichtet werden. Das richtet sich in erster Linie an Jugendliche.“ Gefährlich sind aber auch versteckte Zucker in Lebensmitteln, bei denen man zuerst nicht an einen möglichen Zuckergehalt denkt. Dazu gehören etwa Ketchup oder Senf. Doch nicht nur Zucker, auch Säure gilt es zu vermeiden. „Säurehaltige Speisen wie etwa Essigdressings oder Fruchtsäuren fördern genauso die Entstehung von Karies“, informiert Artur Defatsch.
Die halbjährliche Vorsorge-Untersuchung beim Zahnarzt hilft, Karies frühzeitig zu erkennen. Überhaupt, und darin sind sich die Zahnärzte im Vinschgau einig, muss viel mehr in die Prophylaxe, sprich in die Vorsorge, investiert werden. „Frühzeitig kann man vieles einfach beheben“, betont Massimiliano Sauto von der Zahnarztpraxis in Latsch. Unterschätzt wird noch immer die Rolle der Zähne in Zusammenhang mit anderen Krankheiten.Thomas Peter, Zahnarzt in Schluderns ist überzeugt: „Gesundheit beginnt im Mund. Wir wissen heute, dass viele Erkrankungen wie Allergien und Hautleiden, Gelenkbeschwerden und Migräne bis hin zu Herz-, Kreislauferkrankungen oder Rheuma von Zähnen, die erkrankt oder mit schädlich wirkenden Materialien versorgt sind, ausgehen können.“ Auch Artur Defatsch erklärt: „Chronische Erkrankungen wie Rheuma, Gelenkserkrankungen oder Stoffwechselstörungen können durchaus ihre Ursache in kranken Zähnen haben. Manchmal lohnt es sich die Zähne dahingehend kontrollieren zu lassen.“

Die Ernährung. Hier ein Überblick über Nahrungsmittel,
die Zähne stärken und schützen, und über Essen, das sie krank macht.

Gemüse wie Karotten oder Sellerie muss gründlich gekaut werden. Dadurch wird das Zahnfleisch massiert. Außerdem reinigt der vermehrte Speichelfluss die Zähne sowie die Zahnzwischenräume und neutralisiert große Mengen an Säuren.

Zahlreiche Vitamine beeinflussen unsere Zahngesundheit positiv. So fördert das Vitamin A Wachstums- und Erneuerungsprozesse der Mundschleimhaut. Es ist reichlich in gelbem Gemüse, in grünem Blattgemüse oder in Früchten vorhanden. Vitamin C gibt Power für das Immun-system und ist die Ausgangssubstanz des Dentins. Da es auch für die Kollagenbildung des Zahnfleisches benötigt wird, unterstützt es die Festigkeit der Zähne. Vitamin C ist besonders reichlich in frischen Beeren sowie Gemüse vorhanden. Vitamin D, das „Sonnenvitamin“, ist für die Einlagerung von Kalzium und Phosphat in den Knochen mitverantwortlich. Es wirkt sich günstig auf das Zahnwachstum und die Zahnhärtung aus.

Fluoride beeinflussen die Mineralisation und Säureresistenz der Zähne positiv. Außerdem verringern sie die Plaquebildung und hemmen den Stoffwechsel der Bakterien. Sie sind in Speisesalz, Hülsenfrüchten und Fisch vorhanden. Verwenden Sie fluoridiertes Speisesalz. Fluoride härten den Zahnschmelz und schützen ihn vor Säureangriffen.

Käse. Die Kombination des Proteins Kasein und der Mineralstoffe Kalzium und Phospat ersetzt nach neuen Erkenntnissen der Ernährungswissenschaft die Minerale des Zahnschmelzes genauso schnell, wie sie zuvor aufgelöst wurden. Ein saurer pH-Wert im Mund wird durch Käse neutralisiert.

Schwarzer und grüner Tee. Experten empfehlen den reichlichen Genuss von Tee beispielsweise zur Bekämpfung von Mundgeruch. Die antibakterielle Wirkung – besonders des grünen Tees – deaktiviert die in der Mundhöhle angesiedelten Bakterien, die den Mundgeruch verursachen.

Zucker ist der Zahnfeind Nummer eins. Er bietet ideale Nahrung für kariesfördernde Bakterien. Diese Bakterien produzieren Säuren, die den Zahnschmelz angreifen. Zucker ist in vielen Nahrungsmitteln vorhanden, in denen man ihn nicht vermutet, z.B. in Ketchup oder Fruchtjoghurt.

Säurehaltige Getränke und Nahrungsmittel. Der größte Feind der Zähne sind Säuren, die Mineralstoffe aus der Zahnoberfläche lösen, diese dadurch verändern und zum Verlust von Zahnhartsubstanz führen. In den Mund gelangen solche Säuren entweder auf direktem Wege durch saure Lebensmittel oder Getränke, zum Beispiel in Form von Zitrusfrüchten, Fruchtsäften, Cola oder Essig.

Klebrige & saure Lebensmittel. Besonders ungünstig für die Zähne sind klebrige Lebensmittel, die längere Zeit in der Mundhöhle verweilen, wie trockene Kekse, Kuchen oder auch Salzstangen. Die Speisen legen sich förmlich um den Zahn und bieten so ein Eldorado für Bakterien. Die starke Säure des Essigs greift die Zähne an.

Der Einfluss des Rauchens. Die grundsätzlichen Gesundheitsrisiken des Rauchens sind weithin bekannt, doch dass Rauchen direkte Auswirkungen auf die Zähne hat, ist weitestgehend unbekannt. Einmal ist das die Zahnfarbe: Rauchen trägt direkt zur unschönen Verfärbung der Zähne bei. Zum Zweiten kamen mehrere Studien zum Ergebnis, dass Parodontose und Parodontitis viel häufiger bei Rauchern vorkommen.

Das Essen sollte sorgfältig gekaut werden. Durch das Kauen entsteht Speichel, der die Zähne reinigt.

Mangelnde Zahn- und Mundhygiene. Neben der Ernährung ist die Hauptursache für Zahnprobleme – auch im Vinschgau – mangelnde bis fehlende Mund- und Zahnhygiene. Das bestätigt Tamara Kofler von der Zahnarztpraxis Dr. Rudolf Metz in Mals: „Oft wird einfach nicht richtig geputzt.“ Mit leicht kreisenden Bewegungen sollten die Zähne geputzt werden. Nicht zu fest, sondern mit leichtem Druck, sagt Massimiliano Sauto. Sofort nach dem Essen. Drei Mal am Tag. Ob es besser ist mit einer Handzahnbürste oder auf eine elektrische Zahnbürste zurückzugreifen, darüber scheiden sich die Geister. Und die Zahnärzte. Jeder Zahnarzt hat dazu seine eigene Meinung. Jedenfalls gehört zu einer gediegenen Mundhygiene auch das Benutzen eines Mundwassers, sagt Massimiliano Sauto. Und wenn keine Möglichkeit zum Zähne putzen besteht, dann kann ein Xylitol-Kaugummi aushelfen. Zwei Mal im Jahr ist zudem eine professionelle Zahnreinigung ratsam. „Denn auch die beste Pflege hat ihre Grenzen“ sagt Zahnarzt Robert Jokisch von der Dental Clinic in Latsch. „Sie entfernt Zahnstein, Konkremente und Plaque, die rauhen Zahnoberflächen und überstehende Füllungsränder.“

Zahnarzttourismus nach Ungarn und Kroatien

Am Zahnarzttourismus nach Ungarn und Kroatien üben die Zahnärzte scharfe Kritik. „Die Qualität der Behandlungen und Materialien in den ehemaligen Ostblockländern sind zumeist mangelhaft, Entzündungen, Abszesse und Kranulome und andere Komplikationen sind oft die Folge“, sagt etwa Herbert Müller. Das geht manchmal so weit, dass die Arbeiten hier wiederholt werden müssen  und dementsprechende Kosten wieder anfallen. Die Nebenschauplätze: Arbeitsplätze in Südtirol sind  gefährdet und Steuergelder fehlen.

Erkrankte Zähne & Zahnfehlstellungen. Zahnfehlstellungen im Kindes- und Jugendalter rechtzeitig zu korrigieren, ist auch eine Vorbeugung gegen Karies und Parodontal-Erkrankungen. Hinzu kommt die Ästhetik. „Bei Kiefer- und Zahnfehlstellungen auch im Milchzahnbereich kann man nicht früh genug anfangen mit einem einfachen, abnehmbaren Zahnregulierungsapparat, z.B. den Gaumen zu dehnen oder bei Kreuzbiss zu regulieren. Damit wird verhindert, dass später eine aufwändige fixe Regulierung notwendig ist“, sagt Doktor Kallos, Zahnärztin und Kieferorthopädin bei Dentalmed.
Fehlen hingegen Zähne, so Herbert Müller, müssen Zahnlücken schnell geschlossen werden, ansonsten wandern oder bewegen sich die Zähne. Einen Zahnersatz bieten Kronen, Brücken oder auch Implantate. Müller: „Zahnlose Kiefer können auch mittels Implantate und fixe Brücken versorgt werden.  Auch die Vollprothese ist nach wie vor im Prothetikbereich üblich, wenn Implantate etwa zu aufwändig erscheinen.“

 

Interview mit Zahnärztin Kordula Weifner

„Regelmäßige Kontrolle ab dem Alter von 2 Jahren“

Vinschgerwind: Die Vorsorge für gesunde Zähne muss im Kindesalter beginnen.
s32 WeifnerKordula Weifner: Unbedingt. Mir persönlich ist die Prophylaxe, also die Vorsorge ein wichtiges Anliegen, besonders bei Kindern. Ich hatte in letzter Zeit wieder einige Fälle, wo bereits zwischen 10 und 12 Jahren die 1. Molaren, also die ersten großen Backenzähne sehr stark „faul“, also durch Karies geschädigt waren. In einem Fall musste man sie sogar extrahieren. Wichtig ist, dass Zähne putzen bereits mit dem ersten Zahn, der im Mund auftaucht, beginnt.

Was ist der Grund dafür?
Manchmal ist dies die Folge davon, dass Eltern die ersten bleibenden Molaren, die mit etwa 6 Jahren durchbrechen, für Milchzähne halten, da sie nicht an deren Stelle, sondern dahinter zum Vorschein kommen.

Mit welchem Alter sollte man das erste Mal zum Zahnarzt gehen?
Es ist sehr wichtig, dass man bereits bei Kleinkindern, am besten bereits ab einem Alter von 2  Jahren eine Visite beim Zahnarzt vorsieht. In diesem Alter fehlt meist noch wenig und so kann der erste Kontakt mit dem Zahnarzt ruhig, ohne Probleme oder Schmerzen verlaufen. Eine gute Methode ist das kleinere Kind bei der Behandlung der größeren Geschwister oder der eigenen Zahnvisite mitzunehmen, vorausgesetzt diese geht problemlos über die Bühne. So kann man auf alle Fälle eine entspannte Haltung zu Zahnarzt und Zahnarztbesuch  fördern, denn die „Beziehung“ zum Zahnarzt sollte ja lebenslang sein, dahingehend, dass man alle 6 Monate eine Kontrollvisite vornimmt, um größere Behandlungen und Kosten zu vermeiden.

Auf was sollten Eltern bei Kleinkindern besonders achten?
Gezuckerte Getränke in Babyflaschen sollten vermieden werden. Ganz schlecht ist es, wenn die Kinder ständig an der Flasche saugen und folglich das gezuckerte Getränk permanent mit den Zähnen in Kontakt kommt. Dieses Phänomen nennt sich Babyflaschensyndrom, die Folge davon ist, dass die Milchfrontzähne bis zur Wurzel „runterfaulen“.

Regelmäßige Zahnarztbesuche sind das A und O in der Vorsorge.
Entgegen der Meinung, dass Zahnarztbesuche immer teuer sind, muss gesagt werden, dass Patienten, die regelmäßig ihre Zähne kontrollieren lassen, häufig nur Zahnstein zu entfernen haben oder eine Füllung brauchen. Vielen ist nicht bewusst, dass Zahnstein, also mineralisierter Zahnbelag über kurz oder lang zu Zahnfleischentzündungen führt und in weiterer Folge zu Parodontose, die letztlich den Verlust der Zähne bedeuten kann.

Was ist bei Kindern besonders wichtig?
Bei Kindern ist es besonders wichtig, dass die Milchzähne möglichst lange erhalten bleiben, da sie u.a. eine wichtige  Platzhaltefunktion für die bleibenden Zähne haben. Bei frühem Verlust der Milchzähne  hat dies  Fehlstellungen der bleibenden Zähne zur Folge, die wir jedoch mit wesentlich mehr Aufwand - auch finanziell - durch orthodontische Maßnahmen, also kieferorthopädische Regulierungen  korrigieren müssen.

Gelesen 2751 mal

Schreibe einen Kommentar

Make sure you enter all the required information, indicated by an asterisk (*). HTML code is not allowed.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok