Dienstag, 25 November 2014 00:00

„Wenn’s Herbscht weart, ziacht’s miar zu di Lorvn hin“

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s17 3967Das Maskenschnitzen ist seine große Leidenschaft. Unzählige Tuifl- und Krampuslarven hat Harald Punter aus Planeil bereits geschaffen und umgearbeitet.  Seinen Lebensrhythmus bestimmen künstlerische Arbeiten, Erdbeerfelder und Schafe. Als Chef der „Pramulta-Tuifl“ von Planeil versucht er die alte Tradition weiterzuentwickeln und ist immer für Neues offen. Im Verein läuft auch ein Mädchen als Tuifl mit.

von Magdalena Dietl Sapelza

Ab dem Spätsommer beschäftigt sich Harald fast tagtäglich in seiner kleinen Werkstatt mit Tuifl- und Krampuslarven. „Wenn`s Herbscht  weart, ziacht`s miar zu di Lorvn hin“, sagt er.

Mit Schnitzeisen und Knüppel formt er aus Holzstücken bizarre Gesichtsformen. Zirmholz ist ihm das liebste. Bei jedem Schnitzvorgang hält er Zwiesprache mit der Materie Holz, nachdem er sich vorher mit den Vorstellungen des Auftraggebers beschäftigt hat. Vieles muss beachtet werden. Der eine ist groß, der andere klein, der eine wünscht sich eine grobe naturbelassene Maske, der andere eine geschliffene und bunt bemalte. Die Anforderungen und Wünsche der späteren Träger sind für den Künstler Verpflichtung und gleichzeitig Inspiration. Beim Schnitzen lässt er sich treiben, und in stundenlanger Tüftelei haucht er dem Holzstück Leben ein. „Mit dr Zeit hot ma sei Technik mit a poor kloane Geheimnisse“, erklärt er. Jede Maske ist ein individuelles Einzelstück, Formen und Farben verändern sich laufend, entwickeln sich weiter. Harald versucht die Tradition mit der heutigen Zeit zu verbinden. „Ma dorf nia steanbleibm“, meint er. Auf Wunsch arbeitet er Larven auch um. Meist verändert er dann die Acryl-Bemalung. „Damit olm eppas nui isch unt nit  jedr siecht, wer dahintr steckt“, sagt Harald.
Sein künstlerisches Geschick entwickelte er in der Mittelschule. Man müsse nicht immer eine Begabung haben, betonte er.  Mit viel Übung komme man auch weiter. „Wer s`greascht Talent hot, unt faul isch, kimmp aa nit weitr.“ Harald entschied sich für die Bildhauerschule im Lechtal. Nach der vierjährigen Lehre besuchte er ein Jahr die Marmorfachschule in Laas. Dieser Lehrgang brachte ihm die Erkenntnis, dass er für Marmorbearbeitung viel zu ungeduldig ist. Daraufhin schaute sich in den Kunstakademien in Nürnberg, München und Wien um und merkte, dass ein Studium nicht das Seine war. „Deis zu tian, wos di Professorn sogn, honni nit gwellt unt dr Diskurs hot sui nit interessiert“, erklärt er.  Schließlich suchte er als selbständiger Künstler  seinen eigenen Weg. Doch es war schwierig. Nur vereinzelt flatterten kleinere Aufträge ins Haus. Meist waren es Jäger, die Brettchen für ihre Trophäen bestellten. Doch irgendwie schlug er sich durch. Er verzichtete auf vieles, auf ein Auto, auf Urlaub… Er lebte teilweise fast spartanisch und kämpfte so gegen die Regeln des klassischen Bürgertums. Wenn man nachdenke, werde einem bewusst, dass es im Leben nicht immer so gehen müsse, wie andere meinen, erklärt er. Lachend fügt er hinzu „Meine Eltern sein olm tolerant gweesn, unt sou hon i di Zeit meiner Jugendrevolte guat überstondn.“
Schließlich nahm er doch eine geregelte Arbeit bei einer Malerfirma an und legte seine künstlerische Tätigkeit auf Eis. Dieses Eis taute jedoch nach einem Jahr, als ihm klar war, dass die freiberufliche, künstlerische Tätigkeit seinem Naturell als Freigeist am Besten entsprach. Er begann Bilder zu malen, beschäftigte sich mit dem klassischen Akt, mit dem Mysterium Natur, und er schaffte  wieder unterschiedliche Skulpturen aus Holz und übernahm Auftragsarbeiten. Eine finanzielles Polster verschaffte er sich jährlich mit „Äpfelklauben“ und Baumschneiden. Die verkrüppelten Bäume empfindet er als Inspiration. Für ihn ist es nicht wesentlich, wie etwas ausschaut. Das gilt für Naturgebilde wie auch für Menschen. Heute ist er sich ganz sicher, dass der künstlerische Weg für ihn der richtige ist. Er fühlt sich ungebunden und ist frei auch für seine kleine Landwirtschaft. Seit kurzem kultiviert er naturbelassene Erdbeerfelder, und er hält rund 25 Tiroler Steinschafe, eine alte vom Aussterben bedrohte Rasse. „Oft isch es onfocher, sich mit Viecher ozgeebm, als mit Leit“, meint er. Das Heu für seine Schafe holt er von steilen Feldern mit 119 Erschwernispunkten. „Über 800 Johr hot ma dia Wiesn gmeit“, sagt Harald. Und er empfindet es als Verpflichtung und Auftrag, dieses Erbe der Ahnen weiter zu pflegen, genauso wie das Tuifl-Brauchtum mit der Anfertigung von Masken, jedes Jahr ab dem Spätsommer.


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