Dienstag, 01 Dezember 2015 15:38

Nationalpark Stilfserjoch - Die Lärche - Waldsymphonie in Gelb

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P1090587Wolfgang Platter am Tag der Hlg.
Katharina von Alexandrien, 25. November 2015

Die im Herbst zuerst zitronen-, dann strohgelben und im Winter dann kahlen Bäume der Lärche ermöglichen eine gute Abschätzung des Lärchenanteiles am heimischen Bergwald: Die Lärche ist sommergrün und der einzige laubwerfende einheimische Nadelbaum. Das satte Gelb der Lärchennadeln im Herbst ist ein auffallendes, einprägsames, wohltuendes und vertrautes Bild unserer Gebirgstäler. Auch die Tourismuswerbung nutzt dieses Bild, welches die Gefühle vieler Menschen positiv beeindruckt.


Die Lärche ist der zweithäufigste Baum in Südtirols Wäldern. Sie macht landesweit  18% des Massenvorrates an Holz aus. Mit 62% ist die Fichte die häufigste Baumart in Südtirols Wäldern. Auf Platz drei liegt die Zirbe mit 5% Holzvorrat. Im inneralpinen Trockental Vinschgau ist der Anteil der Lärchen an der Baumartenzusammensetzung des Waldes besonders hoch. Dagegen stockt z.B. oberhalb von Partschins in der Texelgruppe gegen die Wald- und Baumgrenze hin ein fast reiner Zirbenwald.

P1040149Mit der Zirbe bildet die Lärche im kontinentalen Klima der Zentralalpen die obere Waldgrenze.
Der Anteil der Lärche am Waldaufbau ist ein Indikator für die vorausgehende menschliche Nutzung der Landschaft, wenn man diese Nutzung über einen längeren Zeitraum betrachtet. Je höher der Anteil der Lärchen ist, umso intensiver war in historischen Zeiten die menschliche Nutzung, z.B. durch die sommerliche Almwirtschaft.

Die Lärche als Pionierbesiedler
Die Lärche ist ein Pionierbaum. Wie die Birke, die Zitterpappel und die Föhre gehört die Lärche (Larix decidua) zu den ersten Baumarten, welche baumlose Räume besiedeln. Die Samen der Lärchen sind Lichtkeimer auf Rohböden, welche als Keimlinge extremen Bedingungen wie z.B. Temperaturschwankungen trotzen: Gegen Winterfrost schützt sich die Lärche durch den Nadelabwurf. Sommerliche Hitze mit Vertrocknungsrisiko, welches im Extremfall zum Dürretod führt, können die Sämlinge auf noch unbeschatteten Flächen überstehen.
Wird eine Fläche durch einen Erdrutsch, einen Bergsturz, eine Lawine oder durch den Rückgang eines Gletschers frei, sind die kleinen Lärchen sofort zur Stelle. Ihre Samen haben einen hautigen Segelanhang, welcher die Verfrachtung durch den Wind und den Samenanflug auf diese Rohböden begün-stigt. Zu Hunderten pro Quadratmeter Boden können die Lärchensamen auf den Kies- und Schlammablagerungen oder auf dem sandig tonigen Oberboden keimen. Selbst auf abgeschliffenen Steinoberflächen schlagen sie Wurzeln. Dabei reicht ihnen auch die geringste Humusschicht in einer Felsspalte oder in der Geröllmasse, um sich zu ernähren und zu wachsen. Auf den kahlen Flächen herrscht noch kein „Waldklima“, in dem andere Waldpflanzen gedeihen könnten. Die Sonne brennt und heizt den Boden bis 70°C auf, Wind und Regen schlagen mit ungehinderter Wucht zu und auch der Frost ist stärker als im Inneren des Waldes. Aber die Lärche hat keine andere Möglichkeit, denn sie kann der Konkurrenz der anderen Bäume im Wald nicht standhalten. Dafür hat sie jedoch die Fähigkeit, solche unwirtlichen Bedingungen zu ertragen. Mit der Zeit entsteht ein Lärchenwald, der ein für andere Pflanzen günstiges Klima erzeugt und in dem sich eine Humusschicht zu bilden beginnt. Im Laufe eines Jahrhunderts oder mehrerer verbessern sich die Lebensbedingungen für anspruchsvollere Arten, welche nach und nach im lichten Schatten der Lärchen zu wachsen beginnen. In den Alpen sind dies meistens Fichten und in höheren Lagen Zirben. Diese Baumarten keimen unter den Lärchen, werden größer und durchbrechen, wenn nötig, auch das Kronendach ihrer vormaligen Schattenspender. Die lichtbedürftigen Lärchen verschwinden dann allmählich im Schatten ihrer Konkurrenten. In der Pflanzenkunde nennt man diese natürliche Abfolge von Pflanzenarten Sukzession.

Lärchenwiesen und Lärchenweiden
Lärchenwiesen und Lärchenweiden sind ein flächenmäßig schwindendes, aber wertvolles und charakteristisches Element der Südtiroler Kulturlandschaft. Für den Vinschgau seien beispielhaft der Calvenwald talseits von P1050109 nTaufers im Münstertal und der Innertalaiwald oberhalb der Straße zwischen St. Valentin auf der Haide und Graun genannt. Das Besondere der Lärchenwiesen ist die einzigartige Kombination zweier verschiedener Ökosysteme: Sie vereinen Elemente des Waldes mit jenen der Wiese oder der Weide. Diese Kombination eignet sich besonders gut für eine land- und forstwirtschaftliche Doppelnutzung. Durch den winterlichen Nadelfall der Lärchen gelangt gerade im Frühjahr sehr viel Licht auf den Boden: In der Krautschicht kann sich ein dichter und damit landwirtschaftlich interessanter Unterwuchs entwickeln. Aufgrund ihrer herzförmigen Wurzelausbildung hält die Lärche Viehtritt gut aus und erleidet deswegen kaum Schäden durch Beweidung. In Gebieten mit häufiger Sommertrockenheit sorgen die Lärchen für eine Beschattung des Unterwuchses und schützen damit den

Bestand vor zu starker Austrocknung.
Frühe Formen der Lärchenwiesenbewirtschaftung sind wahrscheinlich bereits mit der ersten dauerhaften menschlichen Besiedlung des Alpenraumes einhergegangen. So belegen Pollenfunde von Weidegräsern und Lägerpflanzen aus der benachbarten Schweiz eine entsprechende Nutzung aus der mittleren Bronzezeit (um das Jahr 3.000 v. Chr.).
Lärchen bilden hartes, wetterbeständiges und im Kernholz rot gefärbtes, harzreiches Holz, das als Baustoff und als Brennholz begehrt ist. Lärchen können sehr alt werden: Auf einer Scheibe eines 1930 umgestürzten Baumes der berühmten Urlärchen von St. Gertraud in Ulten auf 1.430 Metern Meereshöhe wurden über 2.000 Jahresringe gezählt.

Die Lärche und der Fichtenkreuzschnabel
So wie der Tannenhäher (die Zirbmgratsch) von den Samen der Zirbe lebt, ernährt sich der Fichtenkreuzschnabel von den Samen der beiden Koniferenarten Fichte und Lärche. Es gibt also auch für den Kreuzschnabel als einem Vertreter der Finkenvögel eine enge Abhängigkeit vom Samenangebot dieser einheimischen Waldbäume. Nicht zufällig wird der Kreuzschnabel manchmal auch als Zigeunervogel bezeichnet. Er zieht nämlich herum und sucht Waldstriche und -gegenden mit Samenangebot in Mastjahren der vorausgehenden Baumblüte auf. In diesen Gebieten gibt es dann Nahrung im Überfluss, während dem Kreuzschnabel in blütenlosen  oder -schwachen 300B2 SW 2012Waldabschnitten die Nahrung fehlt oder zu karg ist. Dann weicht er durch Invasionsflüge eben in andere Gebiete aus. Der Kreuzschnabel hat seinen Namen von der Überkreuzung des Ober- und Unterschnabels. Diese seltsamen Schnabelausformung ist im Laufe der Evolution als Werkzeug für die Nahrungssuche entstanden: Mit Hilfe seiner Schnabelzange spreizt der Kreuzschnabel die Deckschuppen in den Fichten- und Lärchenzapfen zur Seite, um schnell an die Samenkerne heranzukommen. Der Fichtenkreuzschnabel ist ein Winterbrüter auf Nadelbäumen: Im Jänner – Februar sind die ölhaltigen Samen der Lärchen und Fichten reif und daher das Nahrungsangebot zur Aufzucht der Jungen am reichsten. Diese ungewöhnliche Brutzeit unterstreicht die enge Bindung dieser Vogelart an die Futterpflanzen. Der Fichtenkreuzschnabel zeigt einen ausgesprochenen Geschlechtsdimorphismus, das heißt die beiden Geschlechter sind unterschiedlich gefärbt: Die Weibchen haben eine unauffällige olivgrüne Tarnfärbung, die Männchen prunken mit einem auffälligen Federkleid in Karminrot.  

 

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