Der Sammler mit den Skiern von König Umberto II. von Savoyen

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Über 2.000 Wintersportgeräte hat Luis Weger aus Mals gesammelt. Die vielen Skier, Skistöcke, Bindungen, Skischuhe, Snowboards, Rodeln aller Epochen zeigen eindrücklich die technische Entwicklung des Skisports auf. Das Arsenal ist beliebter Fundus für Nostalgieskifahrer und Filmteams.

von Magdalena Dietl Sapelza

Seit kurzen ist die Sammlung von Luis Weger um ein prominentes Exponat reicher. Es handelt sich um die Alu-Skier des letzten italienischen Königs Umberto II. von Savoyen. Die Latscher Apothekerin Barbara Tanchis hat ihm die Skier geschenkt und erzählte und folgende Geschichte: Ihr Onkel Raymund Nölke, der sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Estorile in Portugal niedergelassen hatte, erhielt dort 1946 mit dem vertriebenen italienischen König einen neuen Nachbarn. Dieser hatte den Ort für sein Exil gewählt. Und er nannte sich dort weiterhin König. Da Nölke gut Italienisch sprach, entwickelte sich eine Freundschaft. Beim gemeinsamen Skifahren in der Sierra Estrela war Nölke dann der Skilehrer des Monarchen. Der König schenkte ihm später seine Skier als Dank. Viele Jahre später übergab sie Nölke an Barbara als Geschenk für ihren Sohn Philip, der sie allerdings nie nutzte. Lange standen die königlichen Skier im Speicher in Latsch, bis Luis sie kürzlich abholte.

Das Sammeln liegt Luis im Blut
Das Sammeln liegt Luis im Blut. Seit jeher trägt er alte Gebrauchsgegenstände, Kriegsrelikte und Kletterausrüstungen zusammen. Das Sammeln von Wintersportgeräten begann mit Skibindungen. „Das Faszinierende an den Skiern sind die Bindungen. Diese haben seit der ersten Sicherheitsbindung 1952 bis heute eine gewaltige technische Entwicklung erlebt“, betont Luis. Ob Kandahar-Stronger-, Mathe-, Huitfell- oder Marker-Bindung, er kennt sie alle, hat alle in seiner Sammlung. Die älteste Bindung stammt aus dem Jahre 1895. Zu den Bindungen kamen die Skier hinzu, die seinen Keller nach und nach füllten. Darunter waren auch seine eigenen Skier, die er als Ski-Tester von Skifirmen zur Verfügung gestellt bekam. Auch sein eigener Gras-Ski hat einen Ehrenplatz, wenn er auch nicht die beste Erinnerung an ihn hat. „Mein Kollege und ich sind damit nur durch die Gegend geflogen und haben dann diese Karriere mit verbogener Nase aufgegeben“, verrät Luis. Nach seiner Pensionierung im Jahre 2000 blühte seine Sammlerleidenschaft richtig auf. Er nutzte seine vielen Kontakte im Skizirkus und als BRD-Chef, um zu s44 weger skiausgedienten Geräten zu kommen. Aus seiner Zeit als ENEL-Arbeiter wusste er, auf welchen Dachböden sich verstaubte Geräte befanden, die möglicherweise auf dem Müllhaufen hätten landen können. Er fragte bei den Besitzern nach und übernahm dann die „Entsorgung“. Die Besitzer waren letztendlich froh, die Stücke bequem losgeworden zu sein. Die Sammlung von Luis erweiterte sich ständig. Immer mehr Leute wussten von seiner Passion und übergaben ihm alte Stücke. Der Platz in seinem Haus reichte schon bald nicht mehr aus. Sein Nachbar stellte ihm seinen leeren Stall zur Verfügung, der mittlerweile auch gut gefüllt ist. Luis hütet heute neben einigen ganz alten Exponaten aus dem 19. und dem beginnenden 20. Jahrhundert in erster Linie Skier, Bindungen und Skischuhe aus der Zeit von 1953 bis heute. In seinem Lager lässt sich die technische Entwicklung eindrucksvoll nachvollziehen. Er weiß, aus welcher Epoche jedes Stück seiner Sammlung stammt und kann die Skier und Bindungen aller Marken zeigen, die bekannte Skirennläufer wann und wo gefahren sind, von Karl Schranz, Toni Sailer, Franz Klammer, Gustav Thöni, Alberto Tomba bis hin zu Peter Fill, Dominik Paris, Nicol Gius, Johanna Schnarf...

Stundenlang könnte Luis erzählen. Gelegentlich leiht er seine Exponate aus, so für Nostalgierennen, an denen er selbst teilnimmt oder für Ausstellungen. Die passenden Stöcke aus Haselnussstangen bastelt er selbst in seiner kleinen Werkstatt, wo er regelmäßig auch seine Exponate aufmöbelt. Oft hat er Filmteams zu Gast, die seinen Fundus nutzen. Der Fernsehkoch, Horst Lichter, hat sich beispielsweise für den ZDF-Fernsehgarten auf Madritsch in Sulden 2015 bei Luis eingekleidet. Möglicherweise ist er dabei für die Sendung „Bares für Rares“ inspiriert worden.

Rodel mit tragischer Geschichte
Zu seinen vielen Rodeln zählt eine aus Holz mit einer tragischen Geschichte. Vier Buben rodelten am 20. Dezember 1939 vom Malser Hauptplatz in Richtung Bahnhof. An der Kreuzung prallten sie auf einen Lastwagen, der Beton für den Bau des nahen Bunkers geladen hatte. Zwei von ihnen waren sofort tot, zwei schwer verletzt. Die Rodel wollte niemand mehr haben. Sie fand schließlich ihren Platz bei Luis. Er sammelt nach wie vor alle Sportgeräte, die ihm unter die Hände kommen. „Grundsätzlich kaufe ich nichts, höchstens es ist etwas ganz besonderes“, betont er. Mittlerweile könnte er mehrere Museen mit den Exponaten füllen. Und er wäre auch gerne bereit, diese dafür abzugeben. „Gesprochen ist viel darüber geworden, passiert ist bisher nichts“, erklärt er. „Wenn jemand eine vernünftige Idee hat, etwas daraus zu machen, stelle ich alles zur Verfügung“. Schwer könnte es ihm allerdings fallen, auch die Skier von König Umberto II. abzugeben, denn diese sind für ihn eine ganz besondere Rarität.

 

Kurz-Biografie LUIS WEGER, Mals

Luis Weger kam 1944 in Salfelden (Österreich) zur Welt. Seine Familie war nach der Option 1939 ausgewandert. 1946 kehre sie wieder zurück und musste in einer notdürftigen Behausung am Fröhlichsturm warten, bis die italienische Familie, die in ihrem Heimathof einquartiert war, dort wieder ausgezogen war. Luis lernte Hydrauliker. 1972 erhielt er die Anstellung beim italienischen Stromanbieter ENEL. Kurz zuvor war es auf politischer Bühne gelungen, auch deutschsprachigen Südtirolern den Zugang zu Staatsstellen zu ermöglichen. Diese waren seit der faschistischen Besatzung des Landes 1918 bisher nur Italienern vorbehalten gewesen. Luis heiratete Helga Weger aus Stilfs und wurde Vater von zwei Töchtern. Nach und nach baute er sein Elternhaus um und schuf Platz für seine Sammelstücke. In seiner Freizeit liebte er das Skifahren. Gelernt hatte er das als Bub in den Calven-Wiesen und mit einfachen Holz-Skiern. Regelmäßig unternahm er Skitouren mit Kollegen. Seile und Schlaufen, um im Notfall mit zwei Skiern eine Akja bauen zu können, trug er dabei immer bei sich. Luis ist Mitglied im Alpenverein Südtirol AVS und beim Bergrettungsdienst BRD. 30 Jahre lang war er Chef der BRD Sektion Mals und koordinierte manch schwierige Rettungseinsätze. Mit seinem Lawinenhund unterstützte er die Suche nach Vermissten. Im nationalen Skizirkus bewegte er sich jahrelang als Kampfrichter. In jüngster Zeit begleitet er Senioren im AVS bei ihren Wanderungen.

 

Luis Werger di Malles con gli sci di Umberto II - una produzione speciale per il monarca con attacco di sicurezza marker e piastra in acciaio.

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