Dienstag, 03 November 2020 15:53

Kultur: „last exit eden“ - Kunstausstellung in Santa Maria Val Müstair

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„last exit eden“, so lautet der Titel einer besonderen Kunstausstellung in Santa Maria Val Müstair. In den Stallungen der „Chasa Parli“, einem 400 Jahre alten Gebäude am Dorfanfang von Santa Maria, waren früher rund 90 Pferde untergebracht. Nun werden in den Räumlichkeiten Kunstinstallationen verschiedener KünstlerInnen gezeigt. In den letzten 30 Jahren stand das Engadinerhaus leer. Tim Krohn, der Schriftsteller und Autor von Hörspielen, Prosatexten und Kriminalromanen, hat das Haus renoviert und zu einem Rückzugsort für kreative und Ruhe suchende Menschen gemacht. Zusammen mit engagierten Personen aus dem Münstertal hat Krohn den gemeinnützigen Verein „Art Val Müstair“ gegründet. Die Ausstellung ist die erste Aktion des Vereins. Am 26. September lud Tim Krohn, der Präsident des Vereins, die Künstler zu einem Rundgang durch die verschiedenen Räume und Plätze ein. Die Ausstellung läuft bereits seit dem 25. Juli 2020 und ist konzipiert als permanente Kunstausstellung. 10 Künstler aus dem Münstertal, bzw. Schweizer Kunstschaffende, die sich längere Zeit im Tal aufgehalten haben, zeigen in den Stallräumen bzw. den umliegenden Plätzen und Kellerräumen ihre Arbeiten. Das Ausstellungskonzept besteht darin, dass einige Werke mit der Zeit verschwinden und neue dazukommen werden. Derzeit werden verschiedene Installationen, Postkarten, Fotos, Videoinstallationen, Kreidezeichnungen, ein Fresko und eine Klanginstallation gezeigt. In den sehr unterschiedlichen Werken geht es um die bedrohte Natur, die Flüchtigkeit des Seins, das Zusammenleben von Mensch und Tier, um Wandel und Abschied, den Zauber der kleinsten Dinge, Stimmen von ausgestorbenen Vögeln und die Urgewalt des Wassers. Die Ausstellung, die das ganze Jahr hindurch geöffnet ist, soll zum Nachdenken anregen, zum Reflektieren über unseren Umgang mit der Natur, einem Paradies, das durch unser Verhalten bedroht ist und wo es bald keinen Ausweg und keine Ausfahrt mehr geben wird.
Heinrich Zoderer

 

Nähere Informationen: Art Val Müstair: www.artvm.ch
Film auf Youtube https://www.youtube.com/watch?v=0jRGgOcR3Xg
Chasa Parli Santa Maria: https://www.haus-parli.ch/

 

 

10 KünstlerInnen - 10 Installationen

1 last exit eden artReto und Markus Huber (Zürich)
Titel: Die Zerbrechlichkeit des Daseins (Installation)
Aus Kerzenresten, Brennholz, Töpferwaren und einem Hirschgeweih wurde ein mystisch anmutender Altar der Vergänglichkeit errichtet. Diese Installation symbolisiert die Endlichkeit oder Zerbrechlichkeit des Daseins, es ist ein Verweis auf Vergangenheit und Zukunft – auch auf die der uralten Chasa Parli (Bild 10).

2 last exit eden artNicole Dunn (Valchava Val Müstair) Titel: „Lebensstudien“ (Installation)
Im Zentrum der Installation „Lebensstudien“ steht die winkende Frau, eine Miniaturfigur aus Draht und Seidenpapier, mit Aquarellfarbe bemalt. Sie steht auf dem Holzstück wie in einer Landschaft, winzig. Nimmt sie Abschied? Winkt sie die Tiere, die Männer zu sich?

3 last exit eden artChristine Camenisch und Johannes Vetsch (Basel und Hegenheim), (Videoinstallationen)
Titel: „Chaverna“ und „Am kleinen Fluss“. Zwei Videoinstallationen über die Urgewalt des Wassers.
Wasser ist Sinnbild für Reinheit und unberührte Natur, für den Garten Eden. Überlebenswichtig einerseits, von bedrohlicher Kraft anderseits. Am Wasser haben sich immer auch Menschen niedergelassen, sich das Wasser nutzbar gemacht und die Unberührtheit der Natur dabei zerstört.

4 last exit eden artFilip Haag (Bern)
Titel: Werden und Vergehen – Stamarium (Fresco Wandmalerei)
Das Mural wandelt die große Wandfläche des vierhundert Jahre alten Stalles in eine imaginäre Landschaft. Das Mural ist mit Engadiner Kalkschlämme aus Sur En und Kasein sowie mit natürlichen Farbpigmenten in traditioneller Fresco-Technik gemalt.

5 last exit eden artMarianne Engel (Hettenschwil)
Titel: Kaltes Licht und die Wesenhaftigkeit der Dinge. (Installation)
Engel hat ihre Intervention im fünfhundertjährigen Gewölbe des Hauses an der Plaz d’Ora 17 eingerichtet. Im Raum gab es angeblich Geistererscheinungen, flüchtige Lichtwesen, die nicht jeder sieht. Der Wandel, die Endlichkeit des Lebens, aber auch die Anwesenheit von etwas Ewigem sind hier allgegenwärtig.

6 last exit eden artDenise Bertschi (Lausanne)
Titel: „Ova Spin“ (Postkarten)
Das Postkarten-Set „Ova Spin“ zeigt die schöne Bergwelt des Münstertales. Doch was als Felsen von harmonischer Schönheit erscheint, sind in Wahrheit Betonsperren, die in den Zwischenkriegsjahren als militärische Abwehr gebaut wurden. Diese Tarnung von Bunkern durch gezackte, perfekt imitierte Felsvorsprünge soll die „unberührten Natur“ vortäuschen.

7 last exit eden artIsabelle Krieg (Kreuzlingen)
Titel: Glatschaltar (Wachsinstallation)
In einem Wiesenkeller neben der Chasa Parli wird die Klimaerwärmung und das Abschmelzen der Gletscher thematisiert. Gletscher sind überirdisch schön, bedrohlich und doch so fragil. Ihr Schmelzen bedroht uns als Menschheit durch das Ansteigen des Meeresspiegels. Brennende Kerzen, wie eine zerklüftete Eislandschaft auf einem Tisch aufgestellt, symbolisieren die schmelzenden Gletscher.

8 last exit edenPascal Lampert (Santa Maria Val Müstair) Titel: StROM (Fotodokumentation)
In einem laufenden Prozess dokumentiert Lampert die Zerstörung des in der Schweiz geschützten Rombachs durch den Bau eines Kraftwerks im Vinschgau. Der Rambach, wie er auf italienischer Seite heißt, ist in der Schweiz geschützt, im Vinschgau wird er verbaut, um Strom zu gewinnen.

9 last exit eden artVera Malamud (Santa Maria Val Müstair)Titel: Mit den Tieren (Kreidezeichnungen)
Die Namen der Tiere, die im Pferdestall angebunden standen, wurden auf Schiefertafeln geschrieben. Die Vorstellung, wie sie dort lebten, hat die Künstlerin nach Zitaten zum Umgang mit Tieren suchen lassen. Außerdem sind Skizzen der Pferde, wie sie hier hätten ruhen können oder – was ihnen kaum je vergönnt war – wie sie sich frei bewegten.

10 last exit eden artAndreas Weber (Küssnacht am Rigi) Titel: Chor der ausgestorbenen Vögel
(Klanginstallation)
Die Klanginstallation macht auf das zurzeit stattfindende 6. Massenaussterben aufmerksam, die größte Reduktion der Biodiversität seit dem Aussterben der Dinosaurier vor 66 Millionen Jahren. Der Chor der ausgestorbenen Vögel entstand 2018 für das Löwendenkmal Luzern, wo der sterbende „König der Tiere“, selbst zur bedrohten Art geworden, durch den Chor in seinem Sterben begleitet wird. Viele Ausstellungen befinden sich in den Stallungen der Chasa Parli (Bild 10)


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