Dienstag, 03 November 2020 07:11

Toten Rast

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Toten Rast unterhalb der Annenberger Böden. Toten Rast unterhalb der Annenberger Böden.

St. Marin im Kofl - Es ist gar nicht so lange her, dass die Toten von St. Martin im Kofl noch nach Latsch zur Beerdigung getragen werden mussten. Franz Ratschiller (Jahrgang 1950), geboren und aufgewachsen in St. Martin im Kofl erzählt:
„Ich glaube mein Vater war der Letzte, der noch herabgetragen wurde. Es war Februar 1985. Am Hof wurden die Toten immer zuerst 2 bis 3 Tage aufbewahrt, meistens in der Stube. Die Stubenuhr wurde stillgelegt, eine Petroleumlampe brannte Tag und Nacht. Hier kamen die Leute von den Höfen zusammen um zu beten. Am Begräbnistag wurde sehr früh gestartet, oft schon in der Nacht um 4 Uhr. Der Leichnam wurde auf zwei Stangen fixiert und mit einem Leinentuch bedeckt. Zwei Personen trugen ihn auf ihren Schultern. Insgesamt waren es vier Träger die sich abwechselten. Wenn die Wege vereist waren, mussten sie sogar Steigeisen tragen. Man startete von Zuhause, vorne ging ein Laternenträger, hinter der Leiche folgten die Betenden. Wo ein „lebender Herrgott“ am Wegkreuz hing, ging man vorbei, bei einem „toten Herrgott“ wurde Halt gemacht und gerastet. Der Trauerzug von St. Martin ging zum großen Herrgott auf Ratschill, von dort zum Forra Bild, zur Toten Rast unterhalb der Annenberger Böden, zum Laus Bichl und herunter zum Waalweg. Der Trauerzug von Forra und Egg ging über Niederhaus bis Ratschill, der von Platz und Laimtal führte über den Platzersteig zum Waalweg. Am Waalweg war der Sarg schon vorbereitet. Der Gemeindearzt hatte nur mehr die Leichenschau vorzunehmen. Dann wurde die Leiche zum Friedhof gebracht und beigesetzt während die Trauergäste bei der Totenmesse waren. In der Kirche wurde immer aufmerksam gelauscht, denn wenn die Erde auf den Sarg geworfen wurde und es ziemlich „klumperte“ wurde das als Vorzeichen gedeutet, dass bald der Nächste sterben würde.
Nach der Begräbnis ging es ins Wirtshaus zum Totenschmaus. Da wurde dann ordentlich gegessen und getrunken, sodass vom Wirt häufig eine saftige Rechnung folgte. So manch ein armer Teufel musste dafür eine Kuh verkaufen, um das zu bezahlen. Sell isch schun eine Viecherei gwesn!“
aufgezeichnet von
Peter Tscholl


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