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Donnerstag, 02 Mai 2019 08:57

„I woas gor it, wia miar zu vier Kinder kemman sein“

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Das Ehepaar Maria Weiskopf, genannt Mariale, (geb. 1933) und Michl Hellrigl (geb. 1932)  in ihrer Wohnung in Tartsch. Beim Betrachten der Fotos werden Erinnerungen lebendig. Das Ehepaar Maria Weiskopf, genannt Mariale, (geb. 1933) und Michl Hellrigl (geb. 1932) in ihrer Wohnung in Tartsch. Beim Betrachten der Fotos werden Erinnerungen lebendig.

Portrait/Menschen - Maria ist 86 Jahre alt, ihr Mann Michl ein Jahr älter. Beide sind seit 64 Jahren verheiratet. Sie haben einiges im Leben gemeistert und vieles bewegt. Heute sind sie dankbar, ihren Lebensabend gemeinsam daheim verbringen zu können, umsorgt von ihren Kindern.

von Magdalena Dietl Sapelza

Maria aus Mals und Michl aus Tartsch lernten sich 1951 in Dietenheim kennen. Sie besuchte dort die Fachschule für Hauswirtschaft und er einen mehrtägigen Sennerkurs. „Sie hot miar schnell gfolln“, lacht er, „unt pan Obschied hoobmer nimmer aufgheart z‘ bussn“. Da Maria in der Heimschule bleiben musste, vereinbarten sie, sich sofort nach dem Ende des Schuljahres im Vinschgau wiederzusehen. Gesagt getan, aus den beiden wurde ein Paar. Michl war stolz auf seine Braut, die im Chor sang, Theater spielte, Marketenderin war und Mitglied in der Volkstanzgruppe. Seine Familie führte den Gasthof „Michlwirt“ in Tartsch und betrieb auch eine Landwirtschaft. Michl, als zweit ältester von sechs Kindern, sollte der Bauer werden. Eigentlich hätte er eine landwirtschaftliche Oberschule in Seefeld besuchen und dann in Wien studieren wollen. Doch der Vater drängte ihn daheim zu bleiben. Michl holte Maria als Hilfskraft ins Haus, und diese zeigte sich geschickt bei der Arbeit, in der Gast- und Landwirtschaft. „Di Baurschoft hon i olm bsunders gearn toun“, betont sie. „Jo, du hosches guat kennt. Wenn du gfiatrt hosch, hoobm di Viecher drei Tog long koan Hunger mea kopp“, entgegnet er lachend.
Im April 1955 heiratete das Paar im Wallfahrtsort Maria Trens. „Miar hoobm höchste Zeit kopp, denn im Mai isch schun di Elisabeth geborn“, verrät Maria. In der Großfamilie, mit Schwiegereltern, Schwägerinnen und Schwager, die alle gemeinsam wirtschafteten und im Haus lebten, stand dem jungen Paar nur ein Zimmer zur Verfügung. „I bin zurecht kemman unt hon mit olle gschoffn, a weil i oft di Augn zuadruckt hon“, meint sie. Nach und nach zogen Familienmitglieder aus. Michl übernahm den Hof und später auch die Gastwirtschaft. Er veranlasste den Um- und Ausbau von Stall, Stadel und Gasthof. An Arbeit fehlte es nie. Gefordert war vor allem die junge Frau, die schon bald auch vier Kinder zu versorgen hatte. Zur Erstgeborenen Elisabeth waren Irene, Bernhard und Stefan dazugekommen. Michl war viel außer Haus beschäftigt, als verantwortlicher Gemeindereferent, sowie in zahlreichen bäuerlichen Organisationen und Vereinen, nicht nur in Tartsch und Mals sondern auch landesweit. „An die 30 Vereine sein deis epper schun gewesen“, glaubt er. Er war beispielsweise treibende Kraft bei der Gründung der Viehversicherung, des Meliorierungskonsortiums, der Milchsammelstelle, beim Zusammenschluss der Milchliferanten zur MILA und vieles mehr. Den Namen MILA, zusammengesetzt aus den Worten Milch/Latte, ist Michls Erfindung. Die Idee war ihm einst spontan in einer geselligen Gasthausrunde gekommen, nachdem er ins Dekolleté einer schneidigen Kellnerin geblickt hatte. Gerne und oft erzählt er diese Geschichte.
Daheim schaute Maria nach dem Rechten und hielt ihm den Rücken frei. „Er isch togweis aweck gweesn“, erinnert sie sich. Und Michl fügt scherzend hinzu: „I woas gor it, wia miar zu vier Kinder kemman sein.“
Besonders gerne war er in den Vinschger Gremien des Bonifizierungskonsortiums Vinschgau tätig, nicht zuletzt weil ihn in diesem Zusammenhang laufend Erkundungsfahrten in viele Länder Europas führten. Maria zeigte Verständnis für die Tätigkeiten ihres Mannes, wenn es ihr auch nicht immer ganz leicht fiel. „Miar hoobm in Groaßn unt Gonzn olm guat gschoffn“, erklärt sie. Maria vermietete Zimmer, umsorgte die Hausgäste in Vollpension und kochte für die Tagesgäste. Oft stand sie bis spät nach Mitternacht hinter der Gasthaustheke und hörte sich die Sorgen der beschwipsten Männer an. „Sperrstund isch meischt ersch um Oans gweesn“, sagt sie, „Und fa Ferien konn i nit viel drzähln“. Ein einziges Mal war sie den kleinen Kindern in Jesolo am Meer und das nur drei Tage lang. Als die Kinder größer waren, mussten auch sie mithelfen. In den 1990er Jahren gab das Paar die Landwirtschaft auf. Den Gastbetrieb führte Tochter Irene weiter. Mittlerweile lenkt Sohn Bernhard die Geschicke.
Um Maria und Michl ist es ruhig geworden. In vertrauter Zweisamkeit verbringen sie die Tage. Hie und da können sie sich über einen Besuch freuen. „Di meischtn in insern Olter sein gor nimmer do“, sagt Maria. „Ober so isch holt s’Lebem, ma muaß es nemman, wias isch.“ An Michls Einsatz für die Gemeinschaft erinnern viele Ehrenurkunden und Auszeichnungen, darunter auch die Verdienstmedaille des Landes Tirol, über die er sich besonders gefreut hat.


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