Dienstag, 20 September 2011 00:00

Die Kiwanier bauen an goldenen Regeln

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Vinschgau

Der Kiwanis-Club Vinschgau feierte sein 30-jähriges Bestehen. Dessen 32 Mitglieder aus dem ganzen Tal gehören einer internationalen Vereinigung an, die sich geistige und humane Werte, Freundschaft, Toleranz und Solidarität auf ihre Fahne geschrieben hat.  Der Kiwanier-Wahlspruch lautet: We build / Wir bauen – an einer besseren menschlichen Gemeinschaft.

Von Magdalena Dietl Sapelza

Zeitung Vinschgerwind Bezirk Vinschgau

Die 30-Jahrfeier des Kiwanis- Clubs Vinschgau in Schloss Goldrain war am 10. September die erste Veranstaltung unter dem Vorsitz der neuen Führungsspitze mit Präsident Martin Pohl aus Kastelbell, Sekretär Uwe Rinner, Kassier Wolfgang Oberdörfer und Direktor Franz Bauer, alle aus Latsch. Sie hatten die Ämter fünf Tage zuvor in Graun von Peter Oberhofer aus Graun, Arnold Ortler aus Prad, Dietmar Punter aus Planeil und Kurt Stecher aus Prad übernommen. Ordnungsgemäß übergeben wurden Akten, Dokumente, Anstecknadeln, Tischglocke und die Kiwanis Fahne. Das Zeremoniell wiederholt sich jährlich, weil die Führungsspitze im Kiwanis-Club laut Satzung jährlich wechselt.


so gleichberechtigt zum Zuge und jeder kommt einmal dran“, sagt Oberdörfer. Die Zoneneinteilung (Latsch, Schlanders, Laas und Prad, Mals, Oberland) wurde wegen der Länge des Tales gemacht. Der Wechsel ist Garant für ständig neuen Wind und für die Motivation bei der Organisation von Veranstaltungen, wie zum Beispiel den zweimal im Monat stattfindenden Meetings mit Vorträgen zu gesellschaftspolitischen, sozialen und gesundheitsrelevanten Themen, den Wanderungen, den geselligen Runden an Festtafeln und vieles mehr. „Der  Wechsel fördert neue Ideen und deren rasche Umsetzung“, so Rinner. Ein Jahr an der Spitze zu stehen, schaffen selbst gestresste Industrielle, Geschäftsleute und Freiberufler, Berufssparten, die sich mehrheitlich unter den Kiwaniern befinden. Grundsätzlich ist die Vereinigung für jeden offen, wenngleich jeder Club seine Mitglieder auswählt. „Präsident zu sein ist für mich eine Ehre“, sagt Pohl. „Man nutzt die Möglichkeit, den Mitgliedern das eigene Gebiet näherzubringen und plant die Treffen dementsprechend.“ Das heißt, in diesem Jahr werden diese im Raum Latsch stattfinden. Das Clublokal ist für ein Jahr der „Latscherhof“. Eine Aufgabe von Kiwanis besteht auch darin, Menschen in Notlagen zu unterstützen oder Projekte in sozialen und kulturellen Bereichen mitzutragen, alles nach dem Leitsatz „Gutes tun mit Freunden“. Im Rückblick auf drei Jahrzehnte Kiwanis im Vinschgau zog Gründungsmitglied Franz Bauer bei der Feier Bilanz. Vieles wurde im Stillen mit Mitteln aus der Kiwanis Stiftung bewegt: Geholfen wurde den Opfern des Großbrandes in Planeil, den Unwettergeschädigten in Matsch, einem bedürftigen Schüler wurde der Schulabschluss an der Fürstenburg ermöglicht, ein Blinder erhielt einen Begleithund, eine bedürftige Frau eine Waschmaschine, um nur einiges zu nennen. Der Erlös eines Bildbandes, bestückt mit Werken, die Künstler zum 20-jährigen Bestehen bereitgestellt hatten, floss zum Teil in die Restaurierung der Ruine Lichtenberg.

Was ist Kiwanis?
Das Wort Kiwanis kommt vom indianischen „nunc keewanis“ und bedeutet „Ausdruck seiner eigenen Persönlichkeit“. Die Kiwanis-Bewegung ist eine in den USA gegründete internationale Vereinigung autonomer Clubs, in denen Menschen aller Berufsgruppen vertreten sind. Weltweit gibt es in 80 Ländern fast 600.000 Kiwanier, die in rund 16.000 Clubs organisiert sind. Kiwanis zählt zu den Serviceclubs wie Lions und Rotary. Nach dem Wahlspruch „We build“ (wir bauen) verpflichten sich die Mitglieder eines jeden Kiwanis-Clubs, zum Aufbau einer besseren menschlicheren Welt beizutragen und je nach Möglichkeit, auf seinem Gebiet soziale Hilfe an Benachteiligte zu leisten. (siehe Kasten). Die Clubs heben teilweise relativ hohe Mitgliedsbeiträge ein, oder erwirtschaften die benötigten Mittel durch Veranstaltungen. Die Zielsetzung von Kiwanis formulierte der Festredner  Univ. Prof. Helmut Reinalter zum Thema  „Werte in einer globalisierten Welt“ folgendermaßen:  „Die Service-Clubs, wie auch Kiwanis vertreten und leben Wertvorstellungen, die für unsere Gesellschaft von großer Bedeutung sind. Das Grundprinzip von Kiwanis stellt die sogenannte goldene Regel dar: Verhalte Dich so, wie Du erwartest, dass sich Deine Mitmenschen Dir gegenüber verhalten. Neben dieser goldenen Regel gibt es noch weitere Grundsätze, die auf humanen und geistigen Werten aufbauen, wie zum Beispiel die Anwendung hoher Maßstäbe im sozialen, gesellschaftlichen und beruflichen Leben, die Gewinnung dauerhafter Freundschaften, die Anwendung der goldenen Regel  in allen zwischenmenschlichen Beziehungen und die Mitarbeit am Aufbau einer öffentlichen Meinung, um Rechtschaffenheit, Gerechtigkeit und Loyalität in einem freien Staatswesen zu fördern.“  Kiwanis  versteht sich als keine parteipolitische Organisation und als kein Geheimbund. Die guten Beziehungen zueinander können allerdings in vielerlei Hinsicht einiges bewegen. Die Kiwanier und Kiwanierinnen, deren Zahl steigt,  treffen sich jährlich beim europäischen Convetions und bei der Weltconvetion. „Durch Kiwanis hat man in allen Teilen der Welt Ansprechpartner“, sagt Bauer.

Die Kiwanis-Gründung
Der erste Kiwanis Club wurde 1915 in Detroit, Michigan USA gegründet. Im Februar 1963 kam es in Wien zur Gründung des ersten europäischen Kiwanis Clubs. Die erste Clubgründung in der Schweiz erfolgte noch im selben Jahr. Seither entstanden über 1.000 Clubs in mehr als 30 europäischen Ländern. Bis 1968 waren alle europäischen Clubs direkt dem Kiwanis International Board mit Sitz in Idianapolis, Indiana USA. Im Juni 1968 fand in Zürich unter der Leitung von Kiwanis International ein Jahres-kongress aller europäischen Clubs statt. Dabei wurde „Kiwanis International Europeen“ KI-E gegründet und die ersten europäischen Vorsitzenden gewählt. Auf dem KI-E-Kongress 1991 in Lausanne entstand dann die „Kiwanis International Europeen- Federation“ KI-EF. In allen bestehenden Clubs ist ein KIAR (Kiwanis International Accreditet Representative)  für Clubneugründungen zuständig. Grundregel ist, dass ein oder zwei bestehende Clubs einem Club im Aufbau Pate stehen und ihn beraten.

Kiwanis Club Vinschgau
Bei der Gründung des Kiwanis Clubs Vinschgau im Jahr 1981 stand der Kiwanis-Club Meran Pate.  Zur Gründungsfeier des Kiwanis-Clubs Vinschgau am 31. Jänner 1981 im „Treindlerhof“ in Latsch fanden sich 21 Männer aus dem Raum Kastelbell bis Burgeis ein. Gründungspräsident war Hans Gufler. Von den Gründungsmitgliedern sind heute noch sechs im Club aktiv  (Hans Gufler, Franz Bauer, Günther Fuchs, Christian Mair, Adolf Pircher und Kurt Stecher). Der Kiwanis Club Vinschgau gehört zur 22. Division (Graubünden Südtirol) im Distrikt K 41 Schweiz/Lichtenstein, wie auch die übrigen vier Südtiroler Clubs (Meran, Bozen, Bruneck, Brixen).
Der Division 22 steht ein „Lieutenand Governor“ als Vorsitzender vor, der ebenfalls jährlich wechselt.  Südtirol/Graubünden stellten bisher drei Lt. Governor (Peppi Former, Hans  Moriggl und Franz Bauer). Derzeit amtiert Walter Niederfriniger (Bozen). Der Vinschger Club zählt derzeit 32 Mitglieder.  Abt Bruno Trauner ist Ehrenmitglied. „Viele sind im Laufe der Jahre neu dazugekommen und viele sind weggegangen“, sagt Franz Bauer. „Meist wurden berufliche und familiäre Gründe für das Ausscheiden genannt, Altersgründe selten“. Zwischenmenschliche Unstimmigkeiten oder der Mitgliedsbeitrag von 700 bis 800 Euro könnten auch eine Rolle spielen. Der Kiwanis-Club ist für Männer und Frauen offen. Der Club im Vinschgau ist eine Männerdomäne. „Unsere Frauen sind regelmäßig vor allem bei geselligen Anlässen dabei“, erklärt Bauer. International werde die Gleichberechtigung vorangetrieben. Es gebe inzwischen viele gemischte Clubs und sogar reine Frauenclubs. Die Aufnahme eines Mitglieds erfolgt nach Empfehlung und nach Zustimmung der übrigen Club-Mitglieder. Geschaut wird darauf, dass die Person in den Club passt, anerkannt und geachtet ist. Jedes Mitglied verpflichtet sich zur aktiven Mitarbeit und zum Besuch der Meetings. „Die Grundsätze von Kiwanis sind in der heutigen Zeit wichtiger denn je“, unterstreicht Bauer. Die Position des Direktors wurde vom Schweizer Distrikt vorgegeben. Es ist meist ein langgedienter  Kiwanier, der bei Veranstaltungen behilflich ist und als Bindeglied zwischen Alt und Jung wirkt.

Musikfabrik und Patenschaft
Für die nächste Zukunft hat sich der Kiwanis-Club Vinschgau einige Ziele gesteckt. Derzeit wird am Projekt „Musikfabrik“ gearbeitet. Zwei Probelokale für Jugendliche sind geplant. Jungmusiker sollen einen geeigneten Platz zum Musizieren finden. Ein Gebäude im Gelände des Spondiniger Bahnhofs wurde als Standort ausfindig gemacht. Dort wird demnächst mit Sanierungs- und Umbauarbeiten begonnen. Die benötigten Mittel von rund 140.000 Euro kommen zum Großteil von der Kiwanis-Stiftung in der Schweiz, auch das Land Südtirol und die Gemeinde Prad zahlen mit. Die Probelokale sollen später vom Jugenddienst Vinschgau verwaltet werden. Auch der Kiwanis-Club Vinschgau wird die Initaitive begleiten.
Die Errichtung der „Musikfabrik“ wird nun die neue Führungsspitze um Pohl, Rinner, Oberdörfer und Bauer beschäftigen. Beschäftigen werden sie sich auch mit den Kontakten zum neu  gründenden Kiwanis-Clubs Überlingen am Bodensee. Denn dieser hatte den Vinschger Club als Paten-Club ausgewählt.
Paten in einem gewissen Sinne sind die Vinschger Kiwanier bereits seit langem für die Menschen der Lebenshilfe Vinschgau, mit denen sie Kontakte pflegen und Feste feiern.

Kiwanis Leitgedanken:

Kiwanis Wahlspruch: „We build“ – Wir bauen
Kiwanis goldene Regel: „Do unto others as you would like to have others do unto you“ - Verhalte dich immer so, wie du erwartest, dass sich deine Mitmenschen dir gegenüber verhalten.
Die sechs Grundsätze:
•     Den humanen und geistigen Werten den Vorrang vor den materiellen Werten geben.
•     Im Alltag die Anwendung der goldenen Regel in allen zwischenmenschlichen Beziehungen zu fördern.
•    Die Anwendung immer höherer Maßstäbe im sozialen, gesellschaftlichen und beruflichen Leben zu fördern.
•    Durch Rat und gutes Beispiel verständnisvollere, aktivere und hilfreichere Mitbürger zu formen.
•     Durch Kiwanis Clubs dauernde Freundschaften zu gewinnen, uneigennützigen Dienst am Nächsten zu üben und bessere Gemeinschaften zu bilden.
•     Mitarbeiten am Aufbau einer gesunden öffentlichen Meinung, um dadurch Rechtschaffenheit, Gerechtigkeit und Loyalität einem freien Staatswesen gegenüber sowie gute internationale Freundschaften zu fördern.


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