Dienstag, 12 September 2017 12:00

„Langtaufers-Kaunertal“ um jeden Preis?

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Langtaufers/Bozen - Wiederholt lesen wir in verschiedenen Medien zum Thema „Gletscheranbindung Langtaufers Kaunertal“ Aussagen, die es sich zu hinterfragen lohnt.
Es wurde geschrieben, dass „80% der Langtauferer Bevölkerung die Gletscheranbindung wollen“. – Es gab nie eine offizielle Abstimmung in der Gemeinde oder im Tal zu diesem Thema. In die 2016 gegründete „Oberländer Gletscherbahn AG“, die das Vorhaben vorantreibt, haben 70 Bürger aus Langtaufers eingezahlt. Dies entspricht gerade einmal 17% der Talbevölkerung.
Wir lesen auch, dass wir mit „sanftem Tourismus“ nicht weiterkommen. In der Gemeinde Graun diskutieren wir seit über 30 Jahren verschiedene Ideen zur Förderung der wirtschaftlichen, touristischen Entwicklung, in der Tat auch solche, die wohl dem „sanften Tourismus“ zuzurechnen sind, etwa das Langlaufprojekt oder der Panoramawanderweg. Sie erstickten in den Rufen nach der Gletscheranbindung. Wir haben – abgesehen von einigen privaten, mitunter sehr erfolgreichen Kleininitiativen – bislang nicht an der Umsetzung von Ideen des „sanften Tourismus“ gearbeitet. Deren Erfolglosigkeit zu behaupten, verbietet sich deshalb zum gegenwärtigen Zeitpunkt. „Sanfter Tourismus“ heißt nicht „Nichtstun“.
Versprechen wie jenes von der Schaffung 70 neuer Arbeitsplätze durch eine skitechnische Erschließung ringen uns Berglern ein müdes Lächeln ab. Ist es nicht blauäugig, auf aufwendige skitechnische Erschließungen zu setzen, nachdem in der jungen Vergangenheit das Kleinskigebiet Maseben-Langtaufers geschlossen wurde und das Skigebiet Heideralm-St.Valentin nur durch die Übernahme seitens der Schöneben AG vor dem „Aus“ gerettet werden konnte? Aktuelle Begebenheiten zeigen zudem, wie schwer wir uns tun, Stellen im Gastgewerbe zu besetzen. Wir erinnern an die offenen Stellen z.B. bei der Melager Alm, im Berghaus Maseben oder in der Mensa der Erlebnisschule, die wir allesamt nicht mit einheimischen Personen besetzen konnten.
Die Ruhe, die Stille, die klare Luft, das kristallklare Wasser und die Ursprünglichkeit, die unser bis heute naturbelassenes Tal auszeichnen, wollen wir geschätzt und geschützt wissen! Durch große, fremdfinanzierte Erschließungsprojekte zerstören wir diese Ressourcen für mehrere Generationen. Dabei sind genau sie unser Kapital. Wir sind gut beraten, die Zukunft unseres Tales selbst in die Hand zu nehmen und es schrittweise für uns und unsere Nachkommen in Wert zu setzen. Es ist an der Zeit, die Idee „Gletscheranbindung“ fallen zu lassen und unsere Energien Projekten zuzuwenden, die wir aus eigener Kraft verwirklichen können. Aktionärsanteile bei einer Gesellschaft wie der „Oberländer Gletscherbahn AG“, die die kritische Höhe, um mitzubestimmen, nicht erreichen ca. (150.000 Euro/11% aus der Gemeinde Graun – 80.000 Euro/6%  aus Langtaufers und 70.000 Euro/5% aus anderen Fraktionen der Gemeinde Graun), gewährleisten schwerlich langfristige Lösungen im Interesse unseres Tales. Wir fordern: 100% Langtaufers statt 70% Kaunertaler Gletscherbahn AG!
Von den Politikern auf Gemeinde- und Landesebene wünschen wir uns, dass sie vor ihrer Entscheidung neben den mitunter – wie wir darzulegen versucht haben – fragwürdigen Argumenten der lokalen und regionalen Befürworter (u.a. Wirtschaftskammer Tirol, HDS, HGV und LVH) auch und vor allem jene Menschen anhören, die unser Tal zu dem gemacht haben, was es heute ist.
Respektieren wir das jahrhundertalte Wissen über unseren Naturraum und die Leistungen von Generationen und übernehmen wir gemeinsam die Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung in Langtaufers.
80 Unterschriften aus Langtaufers zu dieser Stellungnahme liegen dem Vinschgerwind vor

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