Dienstag, 16 Oktober 2018 12:00

Erfrischende Diskussion

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s10 IMG 8092Mals/Vinschgau - Abseits von Handyspielereien für das Publikum und einer eher langweiligen Diskussionsrunde wie sie die Tageszeitung Dolomiten in Schlanders organisiert hat, war die Kandidatenvorstellung am Dienstag, den 9. Oktober 2018, von anderer Qualität.

Qualität hat nicht immer mit der Anzahl der Zuhörer zu tun. Im Kulturhaus von Mals waren es um die 50. Moderator war Markus Lobis. Die SVP hat es nicht für nötig empfunden, einen Kandidaten zu schicken. Es war mit „Hollawint“ aus SVP-Sicht wohl der falsche Veranstalter und Mals ein heißes Pflaster, so blieb die Runde mit Hanspeter Staffler und Peter Gasser „grünlastig“, was mit Peter Kasal (Team Paul Köllensperger), Ida Lanbacher (Bürgerunion) und Alfred Theiner (Süd-Tiroler Freiheit) nicht ausgewogen aufgewogen werden konnte.
Trotzdem: Mit Peter Kasal, Amtsdirektor des Amtes für Landschaftsökologie, kam die Aussage eines Insiders mit profunden Kenntnissen, dass „die Raumordnung schlechter dasteht als noch vor 5 Jahren und dass es im Lande an Professionalität mangle, in Sachen Sanität, Nahverkehr und eben Raumordnung“. „Wir möchten durch das Einbringen von Fachkompetenz die Merhheitspartei auf die sachliche Ebene zwingen“, sagte Kasal er ließ mit der Aussage aufhorchen: „Wir wären froh gewesen, wenn einige Passagen aus dem aktuellen SVP-Wahlprogramm im neuen Raumordnungsgesetz untergebracht worden wären.“
Es werde immer mehr von dem gemacht, was wir schon haben, sagte Hanspeter Staffler, im Tourismus, beim Straßenbau, beim Export, beim Landschaftsverbrauch. Stafflers Vision: Eine Bioregion Südtirol, ein „Pestizidausstieg 2030“, weil auf kurz oder lang nur so die auftretenden und auch zu erwartenden Konflikte zwischen Wohnen, Arbeiten, Tourismus und  Landwirtschaft gelöst werden können. Er habe den Eindruck, dass die Sanität im Lande systematisch schlecht geredet werde. „Wir haben aber die beste Sanität in Italien.“
Die Familienpolitik liege im Argen, sagte Ida Lanbacher. Man müsse in einem reichen Land wie Südtirol alle mitnehmen. Lanbacher, 20 Jahre lang Präsidentin der Plattform für Alleinerziehende, weiß, wie viele Familien in versteckter Armut leben. Die Tatsache, dass in Südtirol 64.000 Familien sozial unterstützt werden müssten, sei ein Armutszeugnis für die Politik. Da sei einiges zu ändern.
Peter Gasser zeigte sich von LH Arno Kompatscher enttäuscht. Er habe geglaubt, dass mit Kompatscher Frischluft in die Politik komme. „Ich bin nach 5 Jahren resigniert, Durnwalder war spannender“, sagte Gasser. Gassers Ziel sei es, den Malser Weg nach Bozen zu bringen.
Alfred Theiner bemängelte, dass die Verbindung zwischen Landwirtschaft und Tourismus fehle. Im Sinne der Regionalität seien Gastbetriebe, die einheimische Produkte verwenden, zu fördern.
Einig war sich die Runde beim Thema Bär und Wolf. Man müsse darauf hinarbeiten, Problemwölfe abschießen zu können. Ein Lösung sei noch nicht in Sicht. Einig war sich die Runde auch bei der Frage aus dem Publikum, ob die Obstbauern Einkommensteuer zahlen sollten. Gasser schlug vor, dass eine Einkommensteuer, die ab einem gewissen Einkommen über den Obstbau eingehoben werden sollte, den Bergbauern zugute kommen sollte. Staffler sagte, dass jeder einen Steuerbeitrag leisten solle. Es gebe im Lande Tendenzen, sagte Staffler, Gelder aus der Sanität, aus der Bildung und aus dem Sozialbereich abziehen zu wollen. Kasal sprach sich für mehr Förderungen für die Bergbauern aus, aber auch für eine Steuerpflicht für die Bauern. Theiner fand ein grundsätzlich gestaffeltes Steuersystem für gerecht. Bei einem Einkommen bis 30.000 Euro einen bestimmten Steuerbetrag, ab 30.000 Euro einen höheren usw.
Bekenntnisse zum Ehrenamt und für eine Verbesserung des Italienischunterrichtes waren auch Gegenstand der Debatten. (eb)

 

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