Mittwoch, 23 September 2020 10:42

Der Eyrscher Bienenflüsterer

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Lorenz Kainz ist der Eyrser Bienenflüsterer Lorenz Kainz ist der Eyrser Bienenflüsterer

Echten, reinen Vinschger Bienenhonig wollte ich für die anstehenden Wintermonate
kaufen und wurde im Keller eines hübschen Einfamilienhauses in Eyrs beim Imker Lorenz Kainz fündig.

von Cornelia Knoll

Bei Lorenz Kainz stehen spätestens ab September Regale voller Honigköstlichkeiten: Alpenrosenhonig, Waldhonig und Blütenhonig, akkurat abgefüllt in viele Gläser und liebevoll etikettiert.
Doch nicht immer gibt es so einen großen Honigsegen wie in diesem Jahr, erzählt Lorenz mir. Das Wohlbefinden der Bienenvölker reagiere stark auf äußere Einflüsse und ihr gesundes Gleichgewicht ist von vielen Faktoren abhängig:
Äußere Einflüsse wie starke Wetterumschwünge, lange Trockenheit oder andauernder Wind können die Futtersuche gefährden und somit Futtermangel für das Bienenvolk bedeuten .Vor allem die Monokulturen und der Mangel an Magerwiesen mit ihrem Blütenreichtum erschweren es dem Bienenvolk zusätzlich, sich übers Jahr zu ernähren und größere Nektar-Honigvorräte als Überschuss anzulegen.
Denn nur dieser Überschuss kann und darf ein Imker als Honig abschöpfen. Alles andere gehört den tausenden Arbeiterbienen im Bienenstock um ihre eh schon kurze Lebenszeit zu sichern, um ihre Königin mit Gelee Royal zu versorgen und um aus unzählig neuen Eiern, weibliche Arbeiterbienen und männliche Drohnen wachsen zu lassen.
Es ist ein faszinierender Einblick in ein perfekt organisiertes Bienenvolk, welchen Lorenz mir mit seinen Erzählungen gewährt.
Er spricht mit Begeisterung davon wie man jedes einzelne der 4 Bienenvölker durch seinen jeweiligen Charakter erkennen kann. Dass es sanftmutig, ruhige Völker gäbe,…lebendig quirlige oder jene die freiheitsliebend ihre Neigung zum „Schwärmen“ ausleben.
Er erzählt, dass bei der Entstehung dieser Charaktere auch Hand angelegt werden kann, indem der Imker die Bienen mit den geeigneten Wesensmerkmalen zu einem Neuen Jungvolk zusammenfügt und ihnen die richtige Königin dazugibt.
„Ein Bienenvolk beherrscht man nur, indem man dessen Königin beherrscht“,so die Worte des Bienenflüsterers.
Nun führt er mich zu seinen 4 Völkern. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen der unzähligen fleißigen Bienen durch dieses enge Bienenloch. Für Unwissende schaut dieses Geschwurble eher chaotisch aus, doch schon bald erkenne auch ich, immer wiederkehrende Verhaltensmuster.
Da gibt es z.B. Wächterinnen vor dem Flugloch die dort ruhig hin und her wandern und jeden Ankömmling zuerst mal prüfen ob es wohl keine Räuberbiene aus einem fremden Volk ist. Dann gibt es die Arbeiterbienen, von Lorenz liebevoll „Meine Damen“ genannt, die sich gegenseitig durch den Schwänzeltanz, Standpunkte von Futterquellen weitergeben. Die Königin die von den jungen Bienen im Stock mit Gelee Royal versorgt wird und die männlichen Drohnen die spätestens im Herbst von den Damen unerbittlich aus dem Stock geworfen werden.
„Ich werde immer ganz ruhig und zufrieden, wenn ich bei meinen Bienen sein darf“, sagt Lorenz. „Ohne Bienen könnte ich wirklich nimmer sein! Es ist für mich wie eine Meditation wenn ich mich nach einem langen Arbeitstag zu meinen Bienen setzte und ihnen beim Arbeiten, beim Leben zuschauen darf. Ich bin ja nur der Gehilfe meiner Bienen, die ihre Arbeit ganz alleine machen. Ich schaue nur dass es ihnen gut geht und ernte dafür Honig und große Freude.“
Das Interesse für seine geflügelten Freunde hat er bereits als kleiner Junge von seinem Vater geerbt und ab 2008 zu seiner eigenen, jahresfüllenden Leidenschaft gemacht. Im Frühjahr während der spritzfreien Blütezeit bringt er seine Völker in die nahegelegenen Obstwiesen wo sie ihre allerwichtigste Arbeit des Bestäubens erledigen. Ohne diese Bestäubung gäbe es wohl wenig Südtiroler Äpfel. Später kommen sie nach Burgeis, wo sie in einer Wiese pestizidfrei leben dürfen und ab Mitte Juni dann nach Schlinig. Dort wird emsig der köstliche Alpenrosenhonig gesammelt.
Ende Juli ist die aktivste Zeit für die Bienenvölker eigentlich auch schon wieder vorbei. Lorenz nimmt sie wieder mit nach Hause, freut sich am Honig, beginnt mit der Behandlung gegen die Varroamilbe und fängt mit der Zuckerwasser-Zufütterung an.
Somit ist für die Bienen bis Ende September genügend Energieaufnahme möglich um sich gut durch die kalten Monate zu bringen.
Zurück in seinem Verkaufsraum zeigt Lorenz mir seine handgemachten Bienenwachskerzen, sowie die Salben und Propolistinkturen, welche seine Freundin Conny aus Österreich selbst hergestellt hat.


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